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Der Kampf um die Seelen

Die Fugger, die Gegenreformation und die Kapuziner in Weißenhorn

Selbstvorstellung

Als gebürtiger Neu-Ulmer kam ich 1988 als Pastoralassistent nach Weißenhorn. Es war meine erste Stelle als Diplomtheologe. Pfarrer Hans Beer, dem ich sehr viel verdanke, war mein erster Chef. Auch wenn ich seit 1992 beruflich nicht mehr in Weißenhorn tätig bin, so blieb ich sehr gerne in der Fuggerstadt, nicht zuletzt, weil meine Familie sich hier sehr wohl fühlte und mir ein Kreis von Familien, den wir 1993 begründeten, zu einem echten quasi familiären Anker wurde. Heute bin ich beruflich Ehe- und Familienseelsorger und Ehe-, Familien- und Lebensberater.

2001 trat ich dem Heimat- und Museumsverein bei, da Geschichte immer schon meine Leidenschaft ist. 2015 wurde ich dann Vorsitzender des Vereins und fülle dieses Ehrenamt mit viel Freude aus.

Seit 2014 bin ich im Stadtrat von Weißenhorn.

Das Thema „Der Kampf um die Seelen. Die Fugger, die Gegenreformation und die Kapuziner in Weißenhorn“ führt also in gewisser Weise meine Professionen Theologie und Psychologie sowie das geschichtliche Interesse zusammen.

2017

2017 ist ein ganz besonderes Jahr:

2017 feiern wir das 600. Geburtsjahr von Niklaus von Flüe (1417 – 1487). Niklaus von Flüe ist eine der wirkungsmächtigsten und identitätsstiftenden Leitfiguren der Schweiz , Vorbild und weltweite Inspiration in Mystik und Spiritualität, Gesellschaft und Politik.

2017 war der 100. Geburtstag von John Fitzgerald Kennedy und der 200.Geburtstag von Theodor Storm, der 250. Geburtstag von Wilhelm von Humboldt und vor 350 Jahren wurde mit Feuerwerk und dem Auftritt der Babenhauser Fuggerkapelle durch den Abt der Benediktiner-Abtei Elchingen feierlich der Grundstein für das Kapuziner-Kloster in Weißenhorn gelegt.

Und dann gedenken wir heuer 500 Jahren Reformation, die ausgehend vom legendären Thesenanschlag des Augustiner-Eremiten Dr. Martin Luther an der Schloßkirche zu Wittenberg das Weltgefüge zunächst in den deutschen Landen, dann aber auch in ganz Europa, ja weltweit, maßgeblich verändert und geprägt hat.

Der Kampf um die Seelen

Mit der Reformation im 16. und 17. Jahrhundert entstand eine von zunehmender Vielfalt geprägte religiöse Gesellschaft in Deutschland. Auch in unserer Gegend lebten Anhänger verschiedener Konfessionen, Religionen und Glaubensrichtungen – mitunter in enger Nachbarschaft. Diese Pluralität war neu und die Menschen mussten den Umgang mit ihr erst erlernen. Im Kampf um die Seelen, den die Konfessionen untereinander ausfochten, spielen drei ineinander verschränkte Aspekte eine wesentliche Rolle: Toleranz, Wahrheit und Identität.

Toleranz

Das Nebeneinander verschiedener christlicher und jüdischer Glaubensrichtungen im Schwaben der Frühen Neuzeit lässt vermuten, dass in diesem Zeitraum der Grundstein für das gelegt wurde, was wir gemeinhin als Toleranz bezeichnen. Zum Teil werden Martin Luther und die Reformation – jenes Ereignis, das das Mittelalter beendete und die Frühe Neuzeit einläutete – sogar als „Wiege der Toleranz“ gepriesen. Dabei unterscheidet sich der heutige Toleranz-Begriff deutlich von dem der Frühen Neuzeit, und vieles im Umgang der Reformatoren mit beispielsweise den Juden oder „Schwärmern“ spricht sogar gegen diese Toleranz-These. Das Reformationsjubiläum in diesem Jahr wirft erneut die Frage auf, wie es um die Toleranz im Land der Reformation eigentlich bestellt war.

Tatsächlich kann man den heutigen Toleranzbegriff nicht mit dem des 16. Jahrhunderts vergleichen. Bedeutet der Toleranz-Begriff heute ein zumindest neutrales Neben- und Miteinander unterschiedlicher Lebensstile und Glaubensrichtungen ohne jeglichen Nachteil, zeichnet sich Toleranz im Zusammenhang mit der Reformationszeit vor allem durch Gewissensfreiheit, also Glaubensfreiheit, und die Duldung Andersgläubiger aus.  Obwohl Martin Luther sich wiederholt für die Verfolgung und auch Hinrichtung von Umstürzlern – als solche sah er die Revolutionäre um Thomas Müntzer, aber auch die Anabaptisten an – ausgesprochen hatte, erscheint dennoch die Reformation mit ihrer Betonung der Gewissensfreiheit einen Prozess in Gang gesetzt zu haben, der der späteren Forderung nach einer umfassenden Toleranz-Freiheit den Weg ebnete.

Doch zur Toleranz, wie wir sie heute kennen, war es noch ein weiter Weg; auch in der Frühen Neuzeit wurde von vielen Seiten her ausgegrenzt, gehetzt, verfolgt, und eine Duldung Andersdenkender oder Andersgläubiger war häufig rein pragmatisch. Das zeigt sich am Beispiel der Juden ganz deutlich. Obwohl sie vielerorts immer wieder vertrieben wurden –, durften sie sich in kleinen Gemeinden hier und da ansiedeln. Schließlich zahlten sie hohe Steuern und waren gefragte Goldschmiede. Die Obrigkeit zog also einen Nutzen aus ihnen und akzeptierte dafür auch, dass sie sich im Land niederließen. Diese Art von Duldung hatte mit dem heutigen Toleranzgedanken jedoch kaum etwas zu tun, denn der jeweils andere Glaube wurde dennoch als der nicht richtige betrachtet.

Zu jener Zeit bestanden die Konfessionen noch auf ihrem absoluten Wahrheitsanspruch. Jeder Glaube proklamierte für sich, der allein wahre und heilbringende Glaube zu sein. Zwar verankerte man im Augsburger Religionsfriede von 1555 die gegenseitige Anerkennung der katholischen und lutherischen Konfession, und auf einer gewissen Ebene proklamierten die Reformatoren die Akzeptanz anderer Religionen, weil man den Glauben ja nicht zwingen könne. Aber auch sie blieben dabei, dass ihr Glaube der wahre Glaube sei. Für die Erkenntnis, dass man seinen eigenen Wahrheitsanspruch aufgeben oder mindestens neutralisieren müsse, um zu einer umfassenden, nicht an Vorbedingungen geknüpfte Toleranz zu kommen, dafür war es noch zu früh.

Religiöse Vielfalt, wie sie in der Frühen Neuzeit vielerorts herrschte, war also keineswegs gleichzusetzen mit religiöser Toleranz. Und unangefochtene Helden der modernen und vor allem gelebten Toleranz sind Luther, Melanchthon und andere Reformatoren rückblickend sicher nicht. Das bleibt wohl weiterhin den Akteuren der Aufklärung und ihrem Vordenker, dem britischen Gelehrten John Locke, vorbehalten. Dieser läutete mit seinem „Letter Concerning Toleration“ 1689 eine neue Ära in der Zivilisationsgeschichte ein, indem er klarstellte, wie Europa durch eine Trennung von Kirche und Staat religiös motivierten Kriegen aus dem Weg gehen kann. Erst da war die Zeit für ein neues Denken abseits des religiösen Autoritätsgedanken und eines starren Wahrheitsanspruches angebrochen. Dass die Reformation ein wichtiger Schritt auf dem Weg dahin gewesen ist, bleibt aber unbestritten.

Wahrheit

Die Frühe Neuzeit wird auch das Zeitalter der Konfessionalisierung genannt, weil sich in dieser Zeit das Christentum aufspaltete in den Katholizismus einerseits und den Protestantismus andererseits. Konfessionalisierung bedeutete das Ineinandergreifen von kirchlicher, politischer und gesellschaftlicher Entwicklung in der religiös geprägten Epoche vom 16. bis ins 18. Jahrhundert,  in der zum ersten Mal in der Geschichte des Christentums mehrere Konfessionen nebeneinander standen und um den „wahren“ Glauben mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln kämpften. 

Der „Kampf um die Seelen“, den die einzelnen Konfessionen untereinander und innerhalb ihrer eigenen Gemeinden ausfochten, war deshalb auch vor allem ein Kampf um die Wahrheit. Verschiedene Auffassungen zum Abendmahl, zur Rolle der Bibel und zum Seelenheil standen sich gegenüber, und die Menschen hatten mehr oder weniger plötzlich die Wahl: Wo finde ich den wahren Glauben für mein eigenes Seelenheil? Die Konfessionen, vor allem zunächst die Lutheraner und Reformierten, brauchten jedoch erst einmal genug Öffentlichkeit, um ihre Auffassungen zu verbreiten und Anhänger zu finden. Dogmatik, Polemik und Propaganda bildeten ab sofort die Waffen für die Konfessionen im Kampf um die Seelen.

Für Martin Luther bedeutete Wahrheit ein Grundprinzip des christlichen Lebens, das in konkreten Handlungen und in einer christlichen Lebensführung sichtbar wird. Wie bei den anderen „Kämpfern“ um die Wahrheit zeigt sich auch bei ihm, dass Wahrheit in der Frühen Neuzeit vor allem die religiöse Lehre betrifft.

Während die Protestanten ihre Wahrheit ausschließlich in der höchsten Autorität der von Gott gegebenen Bibel fanden (sola scriptura), kam für die Katholiken auch noch die kirchliche Tradition dazu mit dem Primat des  Papstes bzw. der Konzilien.

Verlangten die Katholiken neben dem Glauben auch gute Werke für die Erlösung vor Gott, so setzten die Protestanten auf den Glauben allein (sola fide), durch den der Mensch durch die Heilstat Christi vollständig von der Last der Sünde befreit und im Namen Christi erlöst worden sei.

Glaubten die Katholiken an die reale Verwandlung von Brot und Wein in das Fleisch und Blut Christi beim Abendmahl, waren die Lutheraner von Christi Realpräsenz im Abendmahl überzeugt. Die Reformierten wie Ulrich Zwingli wiederum betonten den rein symbolhaften Charakter des Abendmahls, ohne dass sich an der Substanz von Brot und Wein etwas ändern würde.

Ein vierter wichtiger Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten betraf die Frage nach dem Ablass, an dem sich bekanntlich die Wittenberger Reformation Martin Luthers entzündet hatte. Aus protestantischer Sicht kann es keinen finanziell geregelten Ablass zur Vergebung der Sünden geben. Notwendig sei stattdessen eine wahre Buße, die nicht rechnet, sondern an die Heilstat Christi glaubt.

Charakteristische Unterschiede gab es zudem bei der Frage nach dem Seelenheil nach dem Tod. Katholiken und Protestanten glaubten gemeinsam daran, dass Ungläubige die Ewigkeit in der Hölle verbringen, letztere lehnten aber die Vorstellung eines Fegefeuers ab. Nach katholischer Ansicht bezeichnet das den „Ort“ einer zeitlichen Bestrafung für diejenigen, die dieses Leben zwar in der Gnade Gottes verlassen, aber noch nicht vollständig von verzeihlichen Fehlern befreit sind. Protestanten betonten dagegen, dass der Christ durch den Glauben an Christus allein (solus christus – sola fide) bereits vollständig gerechtfertigt ist – ein Fegefeuer also überflüssig und dessen Vorstellung überhaupt unbiblisch sei.

Schon an diesen wenigen Beispielen zeigt sich, wie unterschiedlich die Auffassungen in den einzelnen Konfessionen bezüglich des Glaubens waren und wie diese verschiedenen Wahrheiten die religiöse Praxis beeinflussten.

Die dogmatischen Lehrbücher  wurden im Laufe des 17. Jahrhunderts immer ausführlicher. Jeder Aspekt der eigenen Lehre wurde beschrieben und zugleich wurden die Ansichten anderer Konfessionen widerlegt. Dogmatik wurde so zu einem Instrument der Wahrheitsfindung, wobei die Wahrheit dabei natürlich immer nur für die eigene Konfession galt.

Dogmatiken gab es von allen Glaubensrichtungen und befeuerten vor allem auf Gelehrtenebene die Glaubensdebatten. Jeder stritt mit jedem. Polemik erhielt Einzug in den Kampf um die Seelen – ganz im klassischen Sinne einer Streitkultur allgemein, aber auch wie wir Polemik heute verstehen.

Die Frühe Neuzeit wurde so zu einem im höchsten Grade polemischen Zeitalter: Ironie, Sarkasmus, Verstellungen, persönliche Beleidigungen, Unterstellungen, Verleumdungen. Das alles war an der Tagesordnung. Zur Verbreitung der Polemik wurden alle verfügbaren Medien herangezogen. Predigten und Gesänge konnten genauso derb ausfallen wie Kunstwerke, Theaterstücke und nicht zuletzt auch die durch den gerade erfundenen Buchdruck ersten Massenmedien wie Flugblätter. Es wurde rücksichtslos gehetzt und geketzert.

Es wurde mit allen Mitteln für den wahren – den eigenen – Glauben gekämpft und dafür, die Seelen auf die eigene Seite zu bekommen. Ziel der Polemik war es also, den eigenen Glauben immer wieder zu bestätigen, ihn nach innen zu stärken und die vermeintlichen Irrtümer der anderen Konfessionen stetig zu widerlegen.

So waren die Menschen in der Frühen Neuzeit auch in unserer Gegend hin und her gerissen in der Frage um den wahren Glauben. Selbst der Augsburger Religionsfrieden, der 1555 die Konfliktsituationen entschärfen sollte, brachte nur teilweise Erleichterung. Von da an galt die Formel „cuius regio – eius religio = wessen Gebiet, dessen Religion“: Die Religion des Herrschers bestimmt die Religion seiner Untertanen. Das war einerseits schwierig für eine Religion selbst, denn wenn ein Herrscher den Glauben wechselte oder ersetzt wurde, ging für eine Konfession auch ein ganzer Landstrich von Anhängern verloren. Gezwungen, den Glauben ihres Herzogs anzunehmen, wurden die meisten Menschen aber nicht. Trotzdem mussten viele ihr Land verlassen und sich in einem ihrem Glauben entsprechenden Gebiet neu ansiedeln, wenn sie als Andersgläubige nicht geduldet wurden.

Identität

Identifiziert hat man sich damals vor allem über seinen Glauben. Dieser bestimmte oft das Selbstverständnis der Menschen, von ihm hing schließlich das eigene Seelenheil ab. Der Glaube bestimmte die religiöse Praxis und Lutheraner, Calvinisten, Katholiken und Reformierte entwickelten ihr jeweils eigenes Selbstverständnis als gute Christen und damit ihre eigene konfessionelle Identität. Klassische Identitätsfiguren im Glaubenskampf der Frühen Neuzeit waren Martin Luther, der Papst, der jeweilige Bischof und in katholischen Landen Heilige, Martyrer und neue Reformorden.

Die Kapuziner

Der Orden der Kapuziner bildete sich seit 1525 infolge der Bemühungen der italienischen Franziskanerobservanten Matthäus von Bascio und Ludwig von Fossombrone, die Stiftung des heiligen Franziskus von Assisi zur strengsten Beobachtung der ursprünglichen Regel zurückzuführen, u.a. durch das Tragen einer viereckigen, unten spitzen Kapuze – daher der Name Kapuziner – und eines Bartes.

Papst Klemens VII bestätigte 1528 diesen Zweig des Minoritenordens. Papst Gregor XIII erlaubte dem Orden 1574 die Niederlassung auch außerhalb Italiens. Seit 1609 sind die Kapuziner ein selbstständiger Orden.

Er verbreitete sich besonders in Deutschland und der Schweiz und nahm sich mit besonderem Eifer und Erfolg um die seelsorgerliche Betreuung des einfachen Volkes an. Für die katholische Restauration hat er Bedeutendes geleistet.

Die Kapuziner und die Gegenreformation

Die sogenannte „Gegenreformation“ ist nicht einfach nur Gegnerschaft und Kampf gegen den Protestantismus und mehr oder weniger gewaltsam betriebene Rekatholisierung. Sie geht vielmehr Hand in Hand mit der innerkatholischen Reformbewegung, wie sie durch das Konzil von Trient angestoßen wurde. Dieses Konzil in der norditalienischen Stadt Trient fand in drei Sitzungsperioden zwischen 1545 und 1563 statt. Hauptanlass war die Notwendigkeit, auf die Forderungen und Lehren der Reformation zu reagieren.

In Deutschland sind bei der innerkatholischen Reformbewegung besonders die Jesuiten zu nennen – etwa mit dem als „zweiten Apostel Deutschland“ betitelten Petrus Kanisius, der besonders auch in Ingolstadt wirkte.

Der Jesuitenorden wurde 1534 als innerkatholischer Reformorden von Ignatius von Loyola (1491–1556) gegründet. Als Gesellschaft Jesu verschrieb er sich dem „Fortschritt der Seelen in Leben und christlicher Lehre“ sowie der Glaubensverbreitung. In dieser Funktion war er gerade im Zuge der Gegenreformation, also dem Vorhaben der Rekatholisierung von Gebieten und Menschen, der katholischen Kirche ein bedeutender Unterstützer und ein wichtiger Akteur katholischer Identität und katholischen Selbstverständnisses. Mit seinen hoch gebildeten Mitgliedern bildete der Jesuitenorden die Speerspitze der Gegenreformation. Unter der Bevölkerung und Andersgläubigen war sein Ansehen jedoch gespalten: Während der Orden vielerorts mit dem Bau von Schulen und anderen Einrichtungen, mit Seelsorge und Sakramentspendung die Menschen wieder zum Katholizismus bekehren oder in ihrem bestehenden katholischen Glauben bestärken konnte, wurde er andernorts immer wieder bekämpft und mitunter sogar vertrieben. Wie die meisten anderen Glaubensgruppen der Frühen Neuzeit wurde er in Polemiken angefeindet und verunglimpft. Das erschwerte den Ordensmitgliedern oft eine dauerhafte Niederlassung und damit die Ausübung ihrer Arbeit.

Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555, der den deutschen Fürsten das Religionsbestimmungsrecht übertragen hatte, gab es eine katholische Erneuerungsbewegung, die zu einem wiedererwachten katholischen Selbstbewusstsein beitrug. Nun nahmen auch katholische deutsche Fürsten das Reformationsrecht stärker in Anspruch und setzten die Alleingeltung der katholischen Kirche in ihren Territorien durch. Es wurden Volksmissionen durchgeführt, eine strenge Bücherzensur eingeführt, das Tridentinische Glaubensbekenntnis  für alle Beamten und Professoren verbindlich gemacht und das Schulwesen der Jesuiten gefördert.

Kardinal Otto Truchseß von Waldburg – von 1543 bis 1573 Bischof von Augsburg – übergab 1563 den Jesuiten die von ihm gestiftete Universität Dillingen.

Waren die Jesuiten vor allem für die universitäre Bildung zuständig, so wurden die Kapuziner gerne von den katholischen Fürsten zur Rekatholisierung des einfachen Volkes in ihre Herrschaften gerufen. In dem später heilig gesprochenen Fidelis von Sigmaringen, der in Graubünden im Dienst der Gegenreformation 1622 von calvinistischen Bauern erschlagen wurde, hatten sie ihren ersten vom Volk sehr verehrten Martyrer.

Die Fugger und die Religion

Am 27.Juli 1507 wurden in Konstanz zwei Kaufbriefe ausgestellt. Sie bezeugen den Besitzwechsel folgender Güter und Rechte: Einerseits die Grafschaft und das Schloß Kirchberg mit der Kastvogtei Wiblingen, dem Schloß Illerzell sowie den Herrschaften Wullenstetten und Pfaffenhofen und andererseits die Herrschaft Weißenhorn. Der Kauf beinhaltete nicht nur die Grundherrschaft, sondern auch wichtige Hoheitsrechte, wozu insbesondere die hohe Gerichtsbarkeit gehörte. Nicht inbegriffen war allerdings die Landeshoheit – diese behielt sich weiterhin das Haus Österreich vor. Mit diesen Kaufbriefen ging die Herrschaft Kirchberg-Weißenhorn an Jakob Fugger über. Ausgenommen war lediglich das Schloß Obenhausen, das bereits seit 1504 lehensweise an die Ulmer Familie Roth ausgegeben war.

So lag also die Landeshoheit über Kirchberg-Weißenhorn formal und de jure beim Haus Österreich und nicht bei den Fuggern, trotzdem waren aber letztere de facto mit der Wahrung der Religionshoheit beauftragt. Dies gelang überall dort gut, wo die Fugger neben der hohen Obrigkeit auch die Ortsherrschaft und die pfarreilichen Rechte besaßen. Solches war in den Herrschaften Weißenhorn, Wullenstetten und weitgehend auch in der Herrschaft Pfaffenhofen der Fall. Hingegen gestaltete sich die Durchsetzung der katholischen Konfession in anderen Bereichen deutlich schwieriger. Das Grenzgebiet zwischen dem Ulmer Territorium und der Fuggerherrschaft war in dieser Hinsicht ebenso neuralgisches Gebiet wie der ulmische Grundbesitz innerhalb des Kirchberg-Weißenhorner Obrigkeitssprengels.

Die gut 20 Kilometer von Weißenhorn entfernt liegende Reichsstadt Ulm war – neben Straßburg und Basel – eines der Zentren der frühen evangelischen Bewegung. Daher darf die Stadt heute auch den Titel „Reformationsstadt Europas“ tragen. Obwohl Martin Luthers Neuansatz in Ulm für Begeisterung sorgte, waren hier nicht die Wittenberger, sondern die oberdeutsche Richtung der Reformation bestimmend. Außerdem existierten in Ulm verschiedene evangelische Strömungen über einen relativ langen Zeitraum nebeneinander. Die Reformation ist zwar per se sehr vielschichtig, weil sie jeden Christ auf seine Eigenständigkeit hin anspricht. Eine Ulmer Besonderheit ist jedoch, dass die Reformation hier sehr lang von der Bürgerschaft getragen wurde und der städtische Rat eine Moderationsfunktion übernahm. So konnten sich in Ulm verschiedene Strömungen lange halten. Bereits 1530 bekannte sich die Ulmer Bevölkerung mit großer Mehrheit zum evangelischen Glauben. Die Stadt wurde Vorbild für viele andere schwäbische Städte und Territorien.

Zum Zeitpunkt der Reformation gehörte die Pfarrei Holzschwang dem Ulmer Hüttenamt, während der größte Teil der Ortsherrschaft bei der Ulmer Patrizierfamilie Roth lag. Als 1523 ein durch Österreich ratifizierter Vertrag zustande kam, der die Hochgerichtsgrenzen zwischen Kirchberg-Weißenhorn und der Reichsstadt Ulm regelte, wurde eigens festgehalten, dass das Dorf Holzschwang innerhalb der Fuggerherrschaft Wullenstetten lag und somit unter österreichischer Landeshoheit stand. Andererseits wurde dem Ulmer Magistrat aber die hohe Gerichtsbarkeit über beinahe alle Holzschwanger Anwesen zugestanden. Faktisch blieb Holzschwang damit den protestantischen Lehren treu, obwohl es zu Österreich gehörte. Das im Augsburger Religionsfrieden festgelegte Prinzip „Cuius Regio eius Religio“ wurde im Fall Holzschwang somit umgekehrt.

Auch in anderen Orten der Herrschaft Kirchberg-Weißenhorn  wurde die fuggerisch-habsburgische Religionshoheit unterwandert. So etwa in den links der Iller liegenden Dörfern Illerrieden, Dellmensingen und Schnürpflingen. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen entlang unterschiedlicher Rechte des Ulmer Magistrats, beziehungsweise Ulmer Patrizierfamilien und der Fuggerherrschaft.

Das Weißenhorner Kapuzinerkloster

Graf Albrecht Fugger (1624-1692) regierte seit 1649 die Herrschaft Weißenhorn und von 1654 bis 1671 den gesamten Herrschaftskomplex Kirchberg-Weißenhorn. Er war bestrebt, seine Herrschaft geschlossen in den Schoß der alten Kirche zurückzuführen. So setzte er 1656 die zwangsweise „Rekatholisierung“ des Dorfes Schnürpflingen durch und versuchte dasselbe auch in den Ulmer Patriziersitzen Balzheim und Reutti.

Nach dem 30jährigen Krieg waren Moral und Religion in weiten Teilen der Bevölkerung auf einem Tiefpunkt angekommen. Um die Moral zu heben und den katholischen Glauben zu festigen bedienten sich die katholischen Landesherren vor allem der sogenannten Bettelorden wie der Kapuziner. Die Kapuziner spielten eine bedeutende Rolle bei der „katholischen Konfessionalisierung“ und galten im Unterschied zu den Jesuiten als besonders volkstümlich. Graf Albrecht Fugger hatte mit der Klostergründung also sicher in erster Linie die katholische Erneuerung im Sinn. Es ging ihm nicht um eine herrschaftliche Inszenierung und wohl auch nicht um einen besonderen Beitrag zur Stadtentwicklung Weißenhorns. Wiewohl gerade letzteres, also inwieweit das Kapuzinerkloster zur Stadtentwicklung Weißenhorns beigetragen hat, eine interessante noch zu beforschende Fragestellung ist.

Graf Albrecht konnte die Stadt von seiner Idee überzeugen und schnell ein Grundstück für den Bau des Klosters finden. Das noch heute durch Teile der ehemaligen Klostermauer markierte Gelände – im Westen und Osten durch Josef-Holl-Straße und Rösle-Straße, im Norden und Süden durch Reichenbacherstraße und Gabelsbergerstraße begrenzt, wurde u.a. von Bürgern der Stadt gestiftet.

Der berühmte Weißenhorner Chronist, Dekan Joseph Holl schreibt dazu in seiner Chronik:

„1662 kamen die ersten Kapuziner hierher, eingeführt von dem trefflichen Grafen Albert. Anfangs hatten sie eine provisorische Wohnung. Ein besonderer Wohltäter war der Bürgermeister Hans Christoph Wagner. Von ihm kommt ein Teil des jetzt noch von der Kapuzinermauer umgebenen Platzes, ein Teil gab J.Schmid und dann die Stadt, welche hier eine Kiesgrube hatte. Der Grundstein zu Kloster und Kirche wurde am 9.Oktober 1667 feierlich gelegt. In großer Prozession zog man von der Pfarrkirche zum oberen Tor auf den Bauplatz. Der Abt Anselm von Elchingen segnete den Grundstein ein, und Graf Albert legte ihn in die Erde. Anwesend waren unter anderen der Graf Fugger von Babenhausen, der Baron von Schwendi und eine ungeheure Menschenmenge. Wegen des herrlichen Wetters wurde der ganze Gottesdienst im Freien gehalten. Zum Bauen wurden viele Steine von den Ruinen des Schlosses Buch hergeführt; auch durfte man im städtischen Ziegelstadel Steine machen und brennen.“

Bezogen wurde das Kapuzinerkloster am 4.Oktober 1669. Die Weihe der Kirche erfolgte neun Tage später durch den Augsburger Fürstbischof Johann Christoph von Freyberg. Das Kloster war der Kapuzinerprovinz Tirol zugeordnet.

Die Kapuziner waren bei der Weißenhorner Bevölkerung sehr beliebt, was zum einen mit ihrem sehr schlichten Lebensstil zusammenhing: sie verzichteten auf alles Eigentum und hielten sich strikt an die „franziskanische Armut“. Ihre einfache, den Taglöhnern, Bauern, Handwerkern abgelauschte Sprache und die dadurch bedingte Nähe besonders zu den ärmeren Volksschichten, trugen sehr zu ihrer Beliebtheit bei. Die Kapuziner wendeten sich vornehmlich an das „gemeine Volk“, wenngleich sie auch auf die wissenschaftliche Forschung und schöne Literatur Zeit und Muße verwendeten. Aber stets stand die praktische Seelsorge im Mittelpunkt ihrer Bemühungen. So schreibt wieder Holl: „Die Kirche (der Kapuziner) wurde zu den heiligen Messen und Andachten, besonders zum Beichten aus der ganzen Umgebung viel besucht. Die Geistlichen halfen überall aus; jahrelang versahen die Patres auch die Kanzel in der Pfarrkirche.“

Wie hat die Klosteranlage ausgesehen? Zu Beginn des 19.Jahrhunderts, also kurz vor dem Abriss des Klosters, wurden Planskizzen von Kirche und Kloster gefertigt, die bis heute erhalten sind. Ein Grundrissplan vom Erdgeschoss und dem Obergeschoss geben Einblick in das Raumprogramm des Klosters. Anhand einer perspektivischen Zeichnung können wir uns die Ansicht des Klosters vorstellen.

Die Klosterkirche war ein sehr langer nach Osten gerichteter, einfacher Saalbau, tonnengewölbt, mit eingezogenem Chorraum und drei Altären. An der Epistelseite, also an der Südwand der Kirche, war eine Kanzel angebracht. Ihr gegenüber, also an der Evangelienseite, war mittig eine Kapelle mit einem Altar vorgebaut. Die Klosterkirche war dem heiligen Sebastian geweiht. Auf dem Dach des Chorraumes war im Stile der Bettelorden als Glockentürmchen ein einfacher hölzerner Dachreiter aufgesetzt. Der Eingang zur Kirche für das Volk lag im Westen, heute südlich neben der Kapuzinerkapelle in der Josef Holl-Straße.
Im Süden der Kirche war der in seinen Ausmaßen fast quadratische Klosterkomplex angebaut. In dem von Kirche und Kloster umschlossenen Hof war ein umlaufender Kreuzgang, in der Mitte des Hofes ein Brunnen für die Wasserversorgung des Klosters errichtet worden. Im Erdgeschoß des Klosters waren die Pförtnerstube, Waschküche, Speisekammer, Küche, Refektorium – also der Speisesaal der Mönche -, die Wintersakristei und weitere Wirtschaftsräume untergebracht. Im Obergeschoß befanden sich eine kleine Bibliothek, zur Kirche hin das Fürstenzimmer, in der Südwestecke die Provinzialzelle, Krankenzelle, Krankenkapelle und weitere Zellen für die Klosterbewohner.

1781 wurde durch die Österreichische Regierung die Aufhebung der Klöster verfügt. Durch den Nachweis, dass die Kapuziner in Weißenhorn zum Besten des Nächsten und der bürgerlichen Gesellschaft etwas beitragen, konnte man zu dieser Zeit den Bestand des Kapuzinerklosters noch gewährleisten.
1803 wurden dann unter dem Druck der französischen Macht – im Anschluß an den Frieden von Lunéville vom 9.Februar 1801 – die geistlichen Gebiete konsequent säkularisiert; Ulm und die Klöster in unserem Gebiet wurden bayrisch, was bedeutete, dass Klostereigentum Staatseigentum wurde. Desgleichen wurden Klosteruntertanen zu Staatsuntertanen und Klosterschulden wurden Staatsschulden. Kirchen und Klostergebäude sollten verkauft, zweckentfremdet oder abgebrochen werden. Bücher, Urkunden und Gemälde wurden aus den Klöstern in Staatsarchive, staatliche Bibliotheken und staatliche Kunstsammlungen gekarrt. Mönche und Klosterfrauen erhielten bis ans Lebensende eine staatliche Pension.

Handwerker und Künstler verloren ihre Auftraggeber. Ein jahrhundertealtes Gesellschaftsgefüge zerbrach. Mit den Klöstern verschwanden kulturelle Zentren.
Das betraf auch Weißenhorn.

Das Wirken der Kapuziner in den 144 Jahren des Bestehens des Weißenhorner Kapuzinerklosters war für den katholischen Glauben, für das Haus Fugger aber auch für die Stadt Weißenhorn ein großer Gewinn. Es verwundert daher nicht, dass Dekan Holl die Säkularisation des Klosters hart und unmissverständlich kommentiert: „In die ersten Jahre der bayrischen Herrschaft fiel eine kriegerische Aktion, die mit der Feder geführt wurde, die Zerstörung des Kapuzinerklosters.“

Konrad Nenning war Stadtschreiber in Weißenhorn, als das Kloster säkularisiert wurde. Ihm oblag es, die im Kloster lebenden Geistlichen und Brüder aufzulisten und den Besitz, das Vermögen und die Einkünfte der Kapuziner genau zu beschreiben. Dieser Bericht Konrad Nennings hat sich im Weißenhorner Stadtarchiv erhalten. Nenning schreibt in diesem Bericht auch folgende Zeilen: „Bey diesem Anlasse nimmt sich der unterzeichnete Magistrat die Freiheit den Wunsch zu äussern, dass ein Centralkloster allhier allergnädigst etabliert werden möchte, weil das Capuzinerkloster bis daher eine Hauptnahrungszweig des hiesigen Städtchens war, und selbes zur Aufnahme mehren Tedetriduren ganz geeignet wäre.“

Die Bitte des Magistrats, das Kloster zu erhalten und wegen seiner Größe zum Zentralkloster zu machen, wurde abgeschlagen. Die Kunstwerke und Einrichtungsgegenstände des Klosters wurden veräußert. Verschiedene Stücke gelangten so in die Heilig Geist Kirche oder in die Kirche nach Illerberg, aber auch in Privatbesitz. Eine genaue Aufstellung ist nicht vorhanden.

Bei der Auflösung wurde das Kapuzinerkloster von sieben Mönchen bewohnt:
* Pater Hermann, damals 63 Jahre alt und schon seit 21 Jahren Prediger an der Pfarrkirche
* Pater Ananius, damals 67 Jahre alt und Senior (Leiter) der Gemeinschaft
* Pater Michael, damals 53 Jahre alt
* Pater Bartholomäus, damals 47 Jahre alt
* Frater Lorenz, damals 81 Jahre alt und gebrechlich
* Frater Pius, damals 51 Jahre alt
* Frater Nepomuk, damals 27 Jahre alt

Auf Befehl der bayerischen Landesdirektion von Ulm mussten die Mönche das Kloster verlassen und wurden Kirche und Kloster an den Meistbietenden auf Abbruch versteigert. Der Käufer war der Sonnenwirt und Posthalter Johann Kretz.
Nachdem die letzten vier Patres und drei Brüder ausgezogen waren, stand das Kloster längere Zeit leer. 1812 wurden Kirche und Kloster von den Käufern abgebrochen. Der Platz wurde parzellenweise veräußert. Diese Parzellen waren noch bis hinein in das 20.Jahrhundert Gärten, die von der Klostermauer umgeben waren. Nach und nach wurde an den Rändern des „Kapuzinergartens“ durch Wohnbebauung die Gartenanlage beeinträchtigt. Den stärksten Eingriff in das Gelände stellte der Bau der Molkerei an der Josef-Holl-Straße dar. Durch diesen Bau mit seinen Tiefkellern wurden die letzten evtl. noch vorhandenen Reste der Klosteranlage beseitigt.

Aufgrund der neuerlichen Bebauung des Areals und dem Abbruch der Molkerei 2006, sowie dem Gebäude Josef-Holl-Straße 7 im Jahr 2007 konnte durch Stadtbaumeister Burkhard Günther die Lage des ehemaligen Klosters endgültig rekonstruiert werden. Der Kellerabgang im Haus Nr.7 dürfte identisch sein mit dem Kellerabgang der „Holzlege“ im Klosterareal. Die neu gewonnenen Erkenntnisse wurden von Herrn Günther in den Katasterplan von 1823 eingetragen, sodass der neue Forschungsstand festgehalten wurde.

Wie sehr der Abbruch des Klosters die Weißenhornerinnen und Weißenhorner am Anfang des 19.Jahrhunderts bewegte, wird durch den Bau der Kapuzinerkapelle in der Josef-Holl-Straße deutlich. An die Stelle des Eingangs zur einstigen Klosterkirche haben 20 Bürger der Stadt im Jahr 1813 diese Kapelle gestiftet und erbaut.

Die Entwicklung bis heute

Eine weitere Folge der politischen Ereignisse zu Beginn des 19.Jahrhunderts war die Gründung des evangelischen Dekanates Neu-Ulm. Am 10. Januar 1803 erließ die kurfürstliche Regierung Bayerns das Religionsedikt, wonach die drei christlichen Bekenntnisse des stark erweiterten Landes, das römisch-katholische, das evangelisch-lutherische und das reformierte, als gleichberechtigt anerkannt wurden.

Die zweite Voraussetzung für die Neuorientierung der protestantischen Gemeinden an der oberen Donau war der Vertrag von Paris, den die Königreiche von Napoleons Gnaden, Bayern und Württemberg, am 18. Mai 1810 abgeschlossen hatten. Mit ihm wurde der noch heute gültige Grenzverlauf zwischen beiden süddeutschen Staaten festgelegt. Der Großteil des ehemals ulmischen Territoriums kam zu Württemberg, nur der sogenannte Riedzaun mit den Ortschaften Pfuhl, Reutti, Holzschwang und Steinheim sowie Leipheim und Riedheim verblieb bei Bayern. Sie sind auch die ältesten Gemeinden des evangelischen Dekanates Neu-Ulm, dessen ursprünglicher Sitz in Leipheim eingerichtet wurde.

Vom 9. April 1825 bis zum 1. Januar 1838 gehörte das Dekanat Leipheim dem Königlich Protestantischen Konsistorium Bayreuth an, dann dem in Ansbach. Erst 1921 folgte der Wechsel zum Kirchenkreis München.
Kurz vor Ende des 1. Weltkrieges wurde der Sitz des Dekanats nach Neu-Ulm verlegt.
Am 3. Oktober 1947 wurde das seit 1810 bestehende Dekanat Leipheim umbenannt. Es hieß nun Dekanat Neu-Ulm.

Infolge der gewaltsamen Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reiches nahm die Zahl der Evangelischen auch in früher rein katholischen Landstrichen zu, so dass die Gründung neuer evangelischer Gemeinden notwendig wurde. So entstanden nacheinander die selbständigen Pfarrämter in Weißenhorn 1949, Lauingen 1951, Burgau 1953, Ichenhausen 1958, Vöhringen 1962, Offenhausen 1964 und Thalfingen 1968. Im Jahre 1971 wurden die Gemeinden des Regierungsbezirkes Schwaben im neu geschaffenen Kirchenkreis Augsburg zusammengefasst.

Der Kampf um die Seelen

Womit wir wieder im Heute des Jahres 2017 angekommen sind. Es war ein historischer Moment: In den stuckverzierten Räumen des Erzbischöflichen Hauses in München ist das ökumenische Programm für das Reformationsjubiläum 2017 vorgestellt worden. „Dass wir an diesem Ort über das Reformationsjubiläum sprechen, ist Ausdruck für die große Gemeinsamkeit, die zwischen unseren Kirchen gewachsen ist“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

In evangelisch-katholischer Verbundenheit präsentierten der EKD-Ratsvorsitzende und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, das von Spitzenvertretern zuvor förmlich verabschiedete Programm – launig, fröhlich und sichtlich zufrieden.

In den vergangenen Jahren ist zwischen den Kirchen viel Vertrauen gewachsen. Die Reformation ist weltweit von einer herausragenden geistlichen Bedeutung. Und dies ist für die evangelische Kirche Anlass, alle christlichen Kirchen zum Mitfeiern einzuladen. Denn das Evangelium bietet eine starke Orientierung in aktuellen Fragen unserer Zeit.

Kardinal Marx sagte, er sei „außerordentlich dankbar“ für die Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland, die ökumenischen Partner mit einzubinden. In Deutschland als Ursprungsland der Reformation stünden die Kirchen „in der besonderen Verantwortung, die Einheit im Glauben sichtbar werden zu lassen“, sagte der Erzbischof von München und Freising. Es gehe um das gemeinsame Bemühen, die Stimme des Evangeliums zu verkünden und auch künftig dafür zu sorgen, dass „Jesus bekannt ist und bleibt“.

Der Kampf um die Seelen ist heute also gottseidank kein Kampf zwischen den Konfessionen mehr. Vielmehr ist er der Einsicht gewichen, dass es sich lohnt, ernsthaft um die Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach der Berufung des Menschen zu einem Leben in Fülle, nach einer Gestaltung der Gesellschaft, die sich der Verantwortung für die zukünftigen Generationen bewusst ist und die verantwortlich mit den Ressourcen der Natur – christlich gesprochen: der Schöpfung Gottes – umgeht, zu ringen. Dazu gehört zuinnerst die Frage nach Gott – eine Frage, von der viele Zeitgenossen vergessen haben, dass es diese Frage überhaupt geben könnte. In diesem Ringen ist der Blick in die Geschichte, wie wir ihn eben unternommen haben, stets eine unverzichtbare Anregung, um heute die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Ulrich Hoffmann

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