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Das Königreich Bayern 1806-1871 – Politische und Territoriale Entwicklung

Mit der Krönung Maximilian I Joseph am 01.01.1806 zum bayerischen König von Napoleons Gnaden fing für Bayern eine neue Zeit an. Die Säkularisation nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 brachte große Gebietsgewinne aus den kirchlichen Besitztümern und die Machtverschiebungen aus dem Frieden von Pressburg bescherten Bayern ein großes zusammenhängendes Herrschaftsgebiet. Diese Entwicklung ist im Artikel ‚Der große Umbruch 1792-1814′ ausführlich dargestellt, weil sie nicht nur Bayern allein, sondern auch die anderen europäischen Staaten betraf.

Der Werdegang Bayerns soll in drei großen Themenkomplexen behandelt werden, die zeitgleich abliefen und sich auch gegenseitig beeinflussten, aber doch unterschiedlich abliefen.

  1. Politische und Territoriale Entwicklung
  2. Gesellschaft, Bildung und Wirtschaft
  3. Verwaltung und Recht

Bayern unter König Maximilian I Joseph 1806-1825

Am 26.12.1805 beendete der Frieden von Pressburg den Dritten Koalitionskrieg mit Napoleon. Da Bayern sich im sog. Bogenhauser Geheimabkommen vom 25.08.1805 auf die Seite Frankreichs geschlagen hatte, wurde es nach der Schlacht von Elchingen am 20.10.1805 und dem nachfolgenden Frieden von Pressburg am 26.12.1805 durch die Gunst Napoleons entschädigt. Schon am 01.01.1806, also nur 6 Tage nach dem Friedensschluss in Pressburg, wurde Kurfürst Maximilian IV Joseph in München zum bayerischen König Maximilian I Joseph erhoben.

Durch den Frieden von Pressburg am 26.12.1805 hatte Bayern beträchtliche Fläche hinzugewonnen. Bayern erhielt durch den Krieg Tirol samt den Bistümern Brixen und Trient und Vorarlberg sowie die noch der Kirche gehörenden Teile von Passau, Eichstätt und Augsburg. Allerdings musste Bayern Würzburg gegenüber 1803 wieder abgeben, weil der Habsburger Erzherzog Ferdinand (Bruder von Kaiser Franz II) sein Stammland Toskana an Napoleon verloren hatte und dafür entschädigt werden musste. Würzburg wurde zum Großherzogtum Würzburg erhoben, Ferdinand wurde Großherzog1. Das ehemals preußische Fürstentum Ansbach in Franken fiel über ein Tauschgeschäft mit Frankreich an das neue Königreich Bayern. Bayern verleibte sich die Markgrafschaft Burgau, die Reichsstadt Augsburg, das Fürstbistum Eichstätt sowie Besitzungen des Deutschen Ordens (wie Mergentheim und Ellingen) und zahlreiche reichsritterschaftliche Gebiete ein.

Der Rheinbund und seine militärischen Auseinandersetzungen

Napoleon wollte die Bündnistreue auch politisch absichern. 16 napoleontreue süd- und westdeutsche Reichsfürsten traten aus dem Reichsverband aus und schlossen sich am 12. Juli 1806 in Paris zum Rheinbund unter französischem Protektorat zusammen. Hiermit war das Ende des Heiligen Römischen Reiches besiegelt und seine offizielle Auflösung durch die Abdankung Kaiser Franz II am 06.08.1806 nur noch eine Formsache.

Der Rheinbund hatte für Bayern erhebliche territoriale Auswirkungen – er war der entscheidende rechtliche Mechanismus für Bayerns vollständige territoriale Abrundung. Die Rheinbundakte ermöglichte, dass Bayern sich nun auch die restlichen reichsunmittelbaren Territorien einverleiben konnte. Bayern erhielt die ehemaligen Reichsstädte Augsburg und Nürnberg und die Markgrafschaft Ansbach, 1810 auch noch Bayreuth. Die fränkische und schwäbische Reichsritterschaft wurde mediatisiert, d.h., deren Gebiete fielen auch an Bayern.

Durch die Bindung an Napoleon musste sich Bayern jetzt aber auch an den von Napoleon oft provozierten Kriegen beteiligen.  Bayern stellte mit 30.000 Mann das größte Kontingent der deutschen Staaten im Rheinbund. Kriegsführung gehörte zu Napoleons Art, Politik zu betreiben und so dauerte es nicht mehr lange, bis der nächste Krieg ins Haus stand. Am 01.10.1806 begann der Vierte Koalitionskrieg, der am 07.07.1807 mit dem Frieden von Tilsit endete.

Am 10.04.1809 begann mit dem Angriff Österreichs auf Bayern der Fünfte Koalitionskrieg, der für Österreich fatal endete, indem es im Frieden von Schönbrunn am 14.10.1809 erhebliche Gebiete abtreten musste.

Probleme in Tirol

Für Bayern hatte der Seitenwechsel und der Gebietszuwachs aber auch Schattenseiten. Die Tiroler standen der neuen Herrschaft ablehnend gegenüber. Durch die bayerische Übernahme wurde die Tiroler Autonomie und alte Privilegien aufgehoben, den Tiroler Bauern wurden wichtige Privilegien entzogen. Die Oberste Verwaltung wurde in München zentralisiert, Innsbruck verlor seine regionale Bedeutung. Die französische Wehrpflicht (Conscription) wurde zwangsweise eingeführt und die Einschränkung kirchlicher Rechte, verbunden mit einer ablehnenden Haltung gegenüber Klöstern, stieß auf Widerstand.

Andreas Hofer sammelte gleichgesinnte und gründete eine Widerstandsbewegung. Zeitgleich mit dem Fünften Koalitionskrieg musste sich Bayern mit einem innenpolitischen Aufstand auseinandersetzen. Am Berg Isel kämpfte Hofer in drei siegreichen Schlachten gegen die Bayern, musste sich aber in der vierten Schlacht am 01.11.1809 geschlagen geben. Er wurde in Mantua festgesetzt und am 20.02.1810 auf Befehl Napoleons hingerichtet.

Der Sechste Koalitionskrieg

Der Sechste Koalitionskrieg (1812–1814) war der größte Krieg der Napoleonischen Kriege. Er begann mit dem Russlandfeldzug 1812 und ging nahtlos in die Befreiungskriege in Mitteleuropa 1813-1814 über. Die Koalition bestand aus Russland, Großbritannien, Preußen, Schweden, Österreich und vielen deutschen Kleinstaaten gegen Frankreich mit dem Rheinbund.

Der Krieg endete mit der Völkerschlacht bei Leipzig am 16.-19.10.1813. Sie war mit über einer halben Million beteiligter Soldaten die bis dato größte Schlacht der Geschichte.

Rechtzeitig vor der Völkerschlacht bei Leipzig löste König Max Joseph das Bündnis mit Frankreich, trat aus dem Rheinbund aus und sicherte sich im Vertrag von Ried den Verbleib der territorialen Gewinne

Als Folge des verlorenen Krieges musste Napoleon am 12.04.1814 abdanken, anschließend wurde er nach Elba verbannt. Am 31.03.1814 erkannten die europäischen Mächte Ludwig XVIII als König an. So wurde ohne offiziellen Akt die konstitutionelle Monarchie in Frankreich wieder eingeführt.

Der Wiener Kongress

Auf Betreiben der verbliebenen Groß- und Mittelmächte in Europa wurde ein Kongress einberufen, der das Ziel haben sollte, die vornapoleonische politische und gesellschaftliche Ordnung in Europa wiederherzustellen. Die alten Herrscherfamilien wurden wieder eingesetzt. Die Mächte beschlossen, sich gegenseitig Schutz bei erneuten revolutionären Bewegungen zu geben und suchten einen Ausgleich zwischen den europäischen Großmächten. Weitere Kriege und Revolutionen sollten mit allen Mitteln verhindert werden.

Unter Leitung des österreichischen Außenministers Fürst von Metternich verhandelten 200 europäische Staaten mit Königen, Fürsten und über 200 Verhandlungsführern vom 18.09.1814-09.06.1815 eine Neuordnung Europas.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Es entstanden 5 Großmächte, die alle Gebietsgewinne verzeichneten. Nur Frankreich wurde auf die Grenzen von 1792 zurückgeführt, im Gegensatz zu den Vereinbarungen des Friedens von Lunéville.

Am 09.06.1815 wurde die Schlussakte des Wiener Kongresses mit 121 Artikeln unterzeichnet.

Bayerns Staatsgebiet veränderte sich durch das Ergebnis des Wiener Kongresses noch einmal stark. Tirol (ohne das Amt Vils), Vorarlberg (ohne das Amt Weiler), Salzburg ohne Berchtesgaden, das Innviertel und das Hausruckviertel mussten wieder an Österreich zurückgegeben werden. Jülich und Berg wurden an Preußen abgetreten.

Die rechtsrheinische Pfalz mit Mannheim und Heidelberg hatte Bayern schon 1803 auf Geheiß Napoleons an Baden abgeben müssen.

Bayern gewann hingegen die linksrheinische Pfalz (Rheinpfalz) als zusammenhängendes Gebiet, weil Frankreich die Annektionen aus der Réunion aberkannt wurden. Die Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth kam wieder zu Bayern, das Großherzogtum Würzburg und das Fürstentum Aschaffenburg (Dalberg-Staat). Aus fuldaischem Besitz kamen Hammelburg und Brückenau sowie Tiefer von Bieberstein. Aus Hessischem Besitz kamen Alzenau, Miltenberg, Amorbach und Heubach. 1819 trat Baden im Frankfurter Generalrezess noch das Amt Steinfeld ab.

Bayern erhielt auch die Bezirke Gersfeld und Orb, musste diese aber 1866 an Hessen wieder abgeben.

In dieser Form blieb Bayern nun bis 1918 bestehen. Diese Stabilität und Sicherheit war die Grundlage für die positive Entwicklung unsere Heimatlandes.

Waterloo

Napoleon startete noch einmal einen letzten Versuch, die Macht zurückzuerlangen. Ihm gelang zwar die Flucht von Elba am 26.02.1815 und der Aufbau einer neuen Armee, doch diese wurde am 18.06.1815 durch die britisch-preußische Allianz unter Wellington und Blücher bei Waterloo vernichtend geschlagen. Napoleon wurde von den Briten festgesetzt und am 15.10.1815 auf die Südatlantikinsel St. Helena verbannt, wo er am 05.05.1821 starb.

Bayern im Deutschen Bund

Am 08.06.1815, einen Tag vor der Unterzeichnung der Schlussakte des Wiener Kongresses, verabschiedeten 34 Fürsten und 4 freie Städte die Deutsche Bundesakte, welche am 10.06.1815 formell unterzeichnet wurde. Unter dem Vorsitz Österreichs sollte hiermit eine Nachfolgeinstitution des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reiches treten.

Er war kein Nationalstaat, sondern ein Völkerrechtlicher Zusammenschluss souveräner Staaten und wurde 1866 nach dem Deutschen Krieg aufgelöst. Mitglieder waren die Großmächte Österreich und Preußen, außerdem Bayern, Sachsen, Hannover und Württemberg, Baden, Braunschweig und die freien Städte Bremen, Hamburg, Frankfurt und Lübeck. Die Könige von Dänemark (für Holstein), England (für Hannover) und Niederlande (für Luxemburg) waren nach den Statuten Mitglieder.

Das Präsidium saß in Frankfurt im Palais Thurn und Taxis später in der Paulskirche. Österreich führte den Bundestag, einen ständigen Gesandtenkongress. Dieser war nur beratend und hatte keine Entscheidungsgewalt.

Hauptziel war die Gewährleistung der Unabhängigkeit & Integrität der Mitgliedsstaaten und gegenseitiger Beistand bei Aufständen oder Angriffen von außen. Hiermit wurde den Fürsten ein Instrument zur Wahrung von Ordnung an die Hand gegeben.  Das Recht blieb Sache der Einzelstaaten.

Bayern unter König Ludwig I Joseph 1825-1848

Am 13.10.1825 verstarb Max I Joseph. Noch am gleichen Tag wurde sein Sohn Ludwig I zum König proklamiert.

Die Regierungszeit von König Ludwig I. war innenpolitisch von einem radikalen Wandel geprägt. Sie begann als Phase des aufgeklärten Liberalismus und der Modernisierung, schlug nach europaweiten Unruhen in reaktionäre Unterdrückung um und endete schließlich im Zuge der Revolution von 1848 mit der Abdankung des Königs.

Die Konflikte zwischen König Maximilian I. Joseph und seinem ältesten Sohn Kronprinz Ludwig (später König Ludwig I.) prägten die bayerische Innen- und Außenpolitik des frühen 19. Jahrhunderts. Sie entzündeten sich vor allem an der französischen Bündnispolitik des Vaters und dem ungeduldigen Reform- und Machtdrang des Thronfolgers. Ludwig lehnte das harte Bündnis seines Vaters mit dem napoleonischen Frankreich sowie die Abtretung von Familieninteressen tief ab und entwickelte eine ausgeprägte Ablhnung Frankreichs. König Max Joseph und sein leitender Minister Maximilian von Montgelas hielten den oppositionellen Kronprinzen jahrelang bewusst von den eigentlichen Staatsgeschäften fern. Ludwig sträubte sich heftig gegen die von Napoleon arrangierten oder geförderten dynastischen Verbindungen des bayerischen Hauses (wie die Heirat seiner Schwester Auguste mit Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais).Ludwig sträubte sich heftig gegen die von Napoleon arrangierten oder geförderten dynastischen Verbindungen des bayerischen Hauses (wie die Heirat seiner Schwester Auguste mit Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais). Mitr der Entlassung Montgelas im Februar 1817 beugte sich der Vater dem Willen des Sohnes.

Ludwig empfand sich in vielem als das personifizierte Gegenteil seines väterlichen und eher ausgleichend agierenden Vorgängers („guter Vater Max“). Während der Vater den bürokratischen, aufgeklärten Absolutismus festsetzte, drängte Ludwig auf eine stärkere nationale und romantisch-patriotische Politik, zeigte sich bei seinem Regierungsantritt 1825 aber zunächst überraschend liberal, z.B in der Aufhebung des Zensuredikts, ehe er später rigider regierte.

Ludwig I. übernahm den Thron nach dem Tod seines Vaters Max I. Joseph und präsentierte sich als moderner, volksnaher Verfassungskönig. Er milderte die strenge Pressezensur seines Vaters ab und gewährte erhebliche Meinungsfreiheit, was Bayern kurzzeitig zum liberalsten Staat des Deutschen Bundes machte. Er verlegte die Landesuniversität von Landshut nach München (heutige LMU) und leitete den Ausbau Münchens zur europäischen Kunst- und Kulturmetropole ein. Ludwig lockerte den harten, antikirchlichen Kurs der Säkularisation und holte viele Orden und Klöster nach Bayern zurück. Unter dem streng konservativen Innenminister Karl von Abel wurde Bayern eher zu einem ultra-katholischen Obrigkeitsstaat umformiert. Protestanten, Liberale und Demokraten wurden systematisch überwacht und benachteiligt; der Staatsapparat wurde auf absolute Loyalität zu Thron und Altar getrimmt.

Ludwig I. wollte München in ein „Isar-Athen“ verwandeln und Bayerns Identität durch monumentale Bauwerke im klassizistischen und neuromanischen Stil stärken. Diese unter seiner Regentschaft entstandenen Bauten prägen das Bild Münchens bis heute entscheidend. Seine bekanntesten Projekte sind die Walhalla bei Regensburg, die Befreiungshalle in Kehlheim, die Prachtstraßen in München mit der Ludwigstraße, der Feldherrnhalle und dem Siegestor, den Königsplatz mit Propyläen und Glyptothek sowie die Ruhmeshalle mit Bavaria an der Theresienwiese.

Der Deutsche Zollverein

Zum 01.01.1834 schlossen sich auf Initiative von Preußen und Sachsen über 20 Staaten, überwiegend des Deutschen Bundes, zum Deutschen Zollverein zusammen. Der Zollverein war das wirtschaftliche Rückgrat der späteren deutschen Einheit. Er legte den Grundstein für die politische Einigung Deutschlands 1871 durch wirtschaftliche Integration unter preußischer Führung.

Nun konnten Waren uneingeschränkt zwischen den Staaten transportiert werden. Die deutsche Wirtschaft wurde durch einen gemeinsamen Außenzoll geschützt. 1838 wurde ein gemeinsames Zollrecht nach preußischem Vorbild eingeführt und 1857 eine gemeinsame Währung (Münzkonventionen) und ein einheitliches Gewicht: das Zollpfund von 500 g. Schrittweise wurde eine Vereinheitlichung von Maßen & Gewichten eingeführt.

Die Waren konnten jetzt – auch durch den Aufbau eines Eisenbahnnetzes – schneller und billiger transportiert werden. So wurde der Handel zwischen den Mitgliedsstaaten deutlich erhöht, was zu einer Verbilligung der Waren führte.

Mit der Reichsgründung 1871 wurde der Zollverein überflüssig.

Die Deutsche Revolution 1848

Die deutsche Revolution von 1848/1849 (auch Märzrevolution) war die erste gesamtdeutsche Revolution. Bürger, Arbeiter und Studenten kämpften für Freiheit, Demokratie und einen deutschen Nationalstaat. Obwohl die Revolution am Ende militärisch niedergeschlagen wurde, legte sie den Grundstein für eine demokratische Tradition in Deutschland.

Schon die liberale Julirevolution 1830 in Frankreich schürte bei Ludwig die Angst vor einem Umsturz und beendete seinen Reformkurs abrupt. Nach der Massendemonstration für Freiheit und deutsche Einheit auf dem Hambacher Fest 1832 – auf dem Boden der bayerischen Pfalz – reagierte die bayerische Regierung mit massiver Repression, harten Verhaftungswellen und der Wiedereinführung der strengen Pressezensur.

Doch die Unzufriedenheit in der Bevölkerung hatte sich über Jahrzehnte angestaut und entlud sich im Frühjahr 1848 durch zwei Hauptfaktoren. Deutschland existierte nicht als Nationalstaat, sondern als loser Deutscher Bund aus 39 Einzelstaaten. Diese wurden von Fürsten absolutistisch regiert. Jede liberale oder nationale Regung wurde durch Zensur, Bespitzelung und Berufsverbote (Karlsbader Beschlüsse) unterdrückt. Durch die beginnende Industrialisierung und Missernten kam es zu einer schweren Wirtschaftskrise. Hungersnöte, bittere Armut und Massenarbeitslosigkeit plagten die Arbeiter und Handwerker.

Überall kam es in den deutschen Staaten im März 1848 zu Massendemonstrationen. Die Bürger formulierten die sogenannten Märzforderungen: Presse- und Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Volksbewaffnung, ein deutsches Parlament und eine Verfassung sowie Schwurgerichte nach englischem Vorbild.

Aus Angst vor dem Thronverlust gaben viele Fürsten nach und setzten liberale Minister („Märzminister“) ein. In Wien und Berlin kam es jedoch zu blutigen Barrikadenkämpfen zwischen Bürgern und dem Militär. Preußens König Friedrich Wilhelm IV. musste schließlich vor den Toten der Barrikaden den Hut ziehen und versprach: „Preußen geht fortan in Deutschland auf„. In Bayern verlief die Reaktion auf die Forderungen von 1848 jedoch völlig anders als in Preußen oder Österreich. Es kam zwar zu heftigen Protesten, aber das bayerische Königshaus unter Ludwig I wählte einen strategischen Doppelweg: schnelle Zugeständnisse im Inneren, aber eine harte Ablehnung der gesamtdeutschen Revolution.

Das erste gesamtdeutsche Parlament (Mai 1848)

Am 18. Mai 1848 trat in der Frankfurter Paulskirche die erste frei gewählte Nationalversammlung zusammen. Die Abgeordneten (überwiegend Akademiker wie Professoren, Juristen und Beamte – daher oft „Professorenparlament“ genannt – standen vor einer gigantischen Doppelaufgabe: Einheit und Freiheit. Die Delegierten debattierten monatelang über die grundlegenden Fragen der Grundrechte (Freiheit der Person, Glaubensfreiheit, Abschaffung der Standesvorrechte), der Staatsform (Sollte Deutschland eine Republik oder eine konstitutionelle Monarchie werden? ) und die Grenzen eines neuen Staates: Sollte das katholische Österreich dem neuen Reich angehören (Großdeutsche Lösung) oder sollte das Reich ohne Österreich unter preußischer Führung entstehen (Kleindeutsche Lösung)? Man einigte sich schließlich auf die kleindeutsche Lösung.

Das Scheitern der Revolution 1849

Im März 1849 verabschiedete die Paulskirche die Frankfurter Reichsverfassung. Doch die Monarchen nutzten die lange Debattenzeit der Abgeordneten, um im Hintergrund die Konterrevolution zu organisieren. Sie sammelten ihre Truppen und gewannen die Kontrolle über die Städte zurück. Der endgültige Todesstoß für die Revolution erfolgte durch zwei Ereignisse:

Die Ablehnung der Kaiserkrone: Die Nationalversammlung wählte den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum Kaiser der Deutschen. Dieser lehnte die Krone im April 1849 barsch ab. Er begründete dies damit, dass er keine Krone aus der Hand des Volkes („aus der Gosse“) annehme, sondern nur durch das Gottesgnadentum der Fürsten.

Militärische Niederschlagung: Daraufhin wurden Preußische und österreichische Abgeordnete aus Frankfurt zurückgerufen. Radikale Aufstände im Frühjahr 1849 (z. B. in Baden und Sachsen), die die Verfassung erzwingen wollten, wurden von preußischen Truppen blutig niedergeschlagen. Es erfolgte eine militärische Niederschlagung: die Festung Rastatt, das letzte Bollwerk der Revolutionäre, kapitulierte im Juli 1849.

Obwohl die Revolution ihr direktes Ziel – einen demokratischen Nationalstaat – verfehlte, blieb sie nicht folgenlos. Die Farben der Revolution Scharz-Rot-Gold wurden zum Symbol für deutsche Demokratiebestrebungen und sind heute unsere Nationalfarben. Der Grundrechtekatalog von 1848 diente 1919 der Weimarer Reichsverfassung und 1949 dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland als direktes Vorbild. Viele Artikel wurden fast wortwörtlich übernommen. Während der Revolution entstanden auis den Fraktionen in der Paulskirche die Vorläufer der modernen deutschen Parteien und eine lebendige Zeitungslandschaft.

Die Affäre Lola Montez und die Abdankung König Ludwig I

Obwohl Ludwig I. sehr populär startete, endete seine Amtszeit im März 1848 mit einer erzwungenen Abdankung. Der Grund dafür war seine Affäre mit der irischen Tänzerin Lola Montez, in deren Verlauf er seine Kompetenzen überschritt und sein gesamtes konservatives Ministerium entließ.

König Ludwig I lernte Lola Montez (Maria Dolores Elisa Gilbert) am 07.10.1846 als Tänzerin im Hoftheater kennen. Der damals 60-jährige Monarch verliebte sich sofort unsterblich in die 25-jährige Frau. Die intime Liaison begann unmittelbar nach diesem Treffen. Das gesamte Jahr 1847 stand im Zeichen dieser Affäre. Der König überschüttete sie mit Geld und kaufte ihr ein Luxuspalais in der Barer Straße. Die Aufwendungen des Königs für seine Mätresse in den Jahren 1846 bis 1848 überstiegen die Kosten für den Bau der Feldherrnhalle.

Lola Montez war gebürtige Irin. Um gesellschaftlich voll anerkannt zu werden und einen bayerischen Adelstitel (zur Gräfin von Landsfeld) erhalten zu können, benötigte sie zwingend die bayerische Staatsbürgerschaft. König Ludwig I. wollte ihr diesen Wunsch unbedingt erfüllen. Als der konservative Innenminister Abel sich im Februar 1847 weigerte, die Einbürgerungsurkunde für die Geliebte des Königs zu unterschreiben, entließ Ludwig I. am 17.02.1847 seine gesamte Regierung unehrenhaft und ersetzte sie durch willfährigere Minister. Der folgende Minister Georg Ludwig von Maurer unterschrieb die Einbürgerung, wodurch Lola Montez zur Gräfin von Landsfeld wurde. Als Maurer sich jedoch beharrlich weigerte, mit Lola Montez gesellschaftlich zu verkehren, verlor der König erneut die Geduld und entließ Maurer und dessen Minister am 30. November 1847.

Nach schweren Protesten von Studenten gegen Lola Montez verlor König Ludwig I. die Nerven und befahl am 09.02.1848, die Universität München zu schließen. Dies brachte das Fass zum Überlaufen: Bürger, Studenten und sogar die ultrakonservative Kirche verbündeten sich gegen den König. Die Schließung der Universität löste einen riesigen Sturm der Entrüstung bei Bürgern, Professoren und Händlern aus. Eine wütende Menge bedrängte Lola Montez auf offener Straße, sodass sie sich in die Theatinerkirche flüchten musste. Unter dem massiven Druck der Öffentlichkeit und seiner eigenen Familie musste der König die Universität sofort wieder öffnen und die Ausweisung seiner Geliebten am 11.02.1848 unterschreiben. Lola Montez musste die Stadt innerhalb einer Stunde verlassen. Sie floh in einer Kutsche unter den gellenden Pfiffen der Münchner Bevölkerung zunächst in die Schweiz. Die berühmte zeitgenössische Karikatur „Der Engelsturz“ hält genau diesen Tag ihrer Vertreibung bildlich fest.

Um einen gewaltsamen Umsturz wie in Wien oder Berlin zu verhindern, reagierte die bayerische Krone im März 1848 mit raschen Reformen. Das letzte von Ludwig I. berufene Kabinett stand unter der Leitung von Fürst Ludwig von Oettingen-Wallerstein. Als im März 1848 die Revolution Deutschland erreichte, wendete sich dieses Ministerium komplett gegen den König. Sie zwangen ihn am 6. März zur Märzproklamation, die dem Volk weitreichende liberale Rechte gewährte: Abschaffung der Zensur und Einführung der Pressefreiheit, Einführung von Schwurgerichten und der Öffentlichkeit bei Gerichtsverfahren, eine liberalere Wahlrechtsreform und die Ministerverantwortlichkeit gegenüber dem Parlament.

Obwohl Ludwig I. die Reformen unterschrieben hatte, weigerte er sich innerlich, als „konstitutioneller“ König von Bürgers Gnaden zu regieren. Er betonte später bitter, er habe abgedankt, weil er nicht zum bloßen „Unterschreiber“ seiner Minister herabsinken wollte. Die Demütigung und der Verlust seiner absoluten Machtkontrolle trafen ihn so tief, dass er am 20.03.1848 freiwillig zugunsten seines Sohnes Maximilian II. abdankte.

Bayern unter König Maximilian II Joseph 1848-1864

Nach der freiwilligen Abdankung seines Vaters übernahm König Maximilian II. Joseph am 20. März 1848 in einer tiefen Staatskrise die Herrschaft. Seine Regierungszeit bis zu seinem Tod 1864 war geprägt von der Befriedung des Landes, einer beispiellosen Förderung von Wissenschaft und Kultur sowie dem Versuch, Bayern als eigenständige Großmacht neben Preußen und Österreich zu etablieren.

Maximilian II. beruhigte die revolutionäre Stimmung in Bayern, indem er die im März 1848 versprochenen Reformen konsequent und loyal umsetzte. Er hielt Wort und behielt die Pressefreiheit, das liberalere Wahlrecht und die Einführung von Schwurgerichten bei. Sein Regierungsstil folgte der Maxime: „Ich will Frieden stiften zwischen der Krone und dem Volk.“ Dadurch gelang es ihm, die Wittelsbacher Monarchie dauerhaft zu stabilisieren.

Mediatisierung (Mediation) nach 1848

Die Revolution von 1848 markiert den endgültigen Bruch für die verbliebenen Privilegien der Ortsherrschaften. Das bayerische „Gesetz über die Aufhebung der standes- und gutsherrlichen Gerichtsbarkeit..“ vom 4. Juni 1848 entzog dem Adel schlagartig seine verbliebenen Sonderrechte. Hiermit wurden die sog. Herrschaftsgerichte der Niederen Gerichtsbarkeit aufgelöst. Die gesamte Gerichtsbarkeit und Polizeigewalt gingen danach komplett an den bayerischen Staat über. Adelige Genussrechte oder privilegierte Gerichtsstände für Adelige wurden abgeschafft. Ehemalige Untertanen standen nun vor staatlichen Richtern. Die verbliebenen Ortsherrschaften waren danach lediglich noch Großgrundbesitzer mit privaten Rechten.

Die nach der Mediatisierung verbliebenen wirtschaftlichen Abhängigkeiten der Bauern wurden durch das Grundentlastungsgesetz von 1848 endgültig zerschlagen. Alle Naturalfrondienste (kostenlose Arbeit für die Grafen) und Zehnten wurden entschädigungslos abgeschafft. Ebenso fiel das verhasste adelige Jagdrecht auf fremdem Bauernland. Die verbliebenen finanziellen Abgaben der Bauern an die alten Herrschaften wurden fixiert. Der Staat half den Bauern über eine Rentenbank, sich mit Geldsummen von diesen Lasten freizukaufen. Den Grafen brachen dadurch jahrhundertealte, feste Maximaleinnahmen weg.

Förderung der Wissenschaft

Maximilian II. war hochgebildet, er hatte in Göttingen und Berlin studiert und wollte München zum geistigen Zentrum Deutschlands machen. Er holte führende Köpfe der Epoche nach Bayern, indem er gezielt berühmte, meist evangelische Professoren und Gelehrte aus Norddeutschland an die Universität München befrief. Dazu gehörten der Chemiker Justus von Liebig, der Historiker Heinrich von Sybel und der Dichter Emanuel Geibel.

Maximilian II gründete den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst sowie die Stiftung Maximilianeum, die hochbegabten bayerischen Studenten bis heute ein kostenloses Studium und eine Unterkunft ermöglicht, heute zudem Sitz des Bayerischen Landtags. Unter seiner Förderung entwickelte sich die Geschichtswissenschaft in München als ‚Historisches Seminar‘ zu einer der modernsten und einflussreichsten Wissenschaft in ganz Europa.

Bayerns Reaktion auf die Revolution

Als es 1849 um die Frage eines deutschen Nationalstaats ging, weigerte sich Maximilian II., Bayern entweder Preußen oder Österreich unterzuordnen. Er verfolgte eine strikt eigenständige Außenpolitik. Am 23. April 1849 lehnte die bayerische Regierung die Frankfurter Paulskirchen-Verfassung offiziell ab. Bayern hatte Angst, seine Eigenständigkeit und Souveränität an ein von Preußen dominiertes Reich zu verlieren. Maximilian II versuchte, die deutschen Mittelstaaten (wie Bayern, Sachsen, Hannover und Württemberg) zu einem dritten Machtblock (Trias) zu vereinigen. Dieser Block sollte das Gleichgewicht zwischen den beiden Großmächten Preußen und Österreich wahren. Das Konzept scheiterte letztlich an der Uneinigkeit der Mittelstaaten und am aggressiven Machtanspruch Preußens unter Otto von Bismarck.

Die Ablehnung der Verfassung löste in der bayerischen Pfalz den Pfälzischen Aufstand aus. Die dortigen Revolutionäre forderten die Annahme der Verfassung und die Loslösung von Bayern. Der bayerische König rief preußische Truppen zu Hilfe, die den Aufstand im Sommer 1849 blutig niederschlugen.

Bayern schaffte es durch das taktische Nachgeben im Inneren (unter Maximilian II.), die Monarchie der Wittelsbacher stabil durch die Krise zu retten, während es gleichzeitig die demokratische deutsche Einheit verhinderte.

Als Maximilian II. am 10. März 1864 überraschend starb, hinterließ er ein modernisiertes, innerlich stabiles und kulturell blühendes Königreich Bayern. Sein Nachfolger wurde sein erst 18-jähriger Sohn, der als „Märchenkönig“ weltberühmt werden sollte: Ludwig II.

Bayern unter König Ludwig II 1864-1886

Als König Ludwig II. am 10. März 1864 mit gerade einmal 18 Jahren den bayerischen Thron bestieg, erbte er von seinem Vater Maximilian II. ein stabiles Land. Seine Regierungszeit bis zu seinem mysteriösen Tod 1886 sollte jedoch die dramatischste Epoche der bayerischen Geschichte werden. Bayern verlor unter ihm seine politische Unabhängigkeit, stieg dafür aber kulturhistorisch durch seine legendären Schlossbauten zum Mythos auf.

Außenpolitik: Das Ende der Unabhängigkeit (1866–1871)

Ludwig II. verabscheute das Militär und die Politik. Dennoch fiel in seine ersten Regierungsjahre die endgültige Entscheidung über die deutsche Einheit, bei der Bayern eine tragische Rolle spielte. Bayern musste unter seiner Regentschaft an zwei Kriegen teilnehmen, dem sog. Deutschen Krieg 1866 und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Auslöser für den Deutschen Krieg 1866 war der Deutsch-Dänische Krieg von 1864, an dem Bayern militärisch nicht beteiligt war.

Einschub: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864

Die beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein wurden jahrhundertelang vom dänischen König regiert, obwohl Holstein zum Deutschen Bund gehörte. Als Dänemark 1863 versuchte, Schleswig komplett einzugliedern, kam es zum Krieg. Preußen und Österreich marschierten als Verbündete im Auftrag des Deutschen Bundes ein und schlugen Dänemark vernichtend. Im Frieden von Wien (1864) musste Dänemark beide Herzogtümer an die beiden Großmächte abtreten. Schleswig und Holstein gehörten nun Preußen und Österreich als Kondominium gemeinsam.

Dass die gemeinsame Herrschaft zweier Großmächte in einem so kleinen Gebiet zu Spannungen führen musste, war von vornherein klar. Um einen Krieg abzuwenden, trafen sich die beiden Staaten im August 1865 zur Gasteiner Konvention und teilten die Verwaltung der Gebiete auf: Preußen übernahm die Verwaltung von Schleswig und Österreich übernahm die Verwaltung von Holstein. Für Österreich war das Herzogtum Holstein jedoch ein absolut undankbarer Handel. Holstein lag hunderte Kilometer von Österreich entfernt. Es war komplett von Preußen oder dem Meer umringt. Österreich konnte das Gebiet im Ernstfall militärisch kaum verteidigen oder versorgen. Otto von Bismarck hatte diese Aufteilung bewusst so provoziert. Er wusste, dass Österreich die Verwaltung über diese weite Distanz überfordern würde. Er nutzte die ständigen Reibereien in der Verwaltung Holsteins, um Österreich im Frühjahr 1866 als „Vertragsbrecher“ hinzustellen.

Als Österreich im Juni 1866 die schleswig-holsteinische Frage vor den Deutschen Bund brachte, nutzte Preußen dies als Vorwand, brach den Vertrag von Gastein und marschierte in das österreichisch verwaltete Holstein ein. Dies war der direkte Funke, der den Deutschen Krieg von 1866 auslöste.

Der Deutsche Krieg (Bruderkrieg)

Machtpolitische Konflikte zwischen den Großmächten Preußen und Österreich führten trotz der Bundesakte 1866 zum Krieg zwischen Preußen und Österreich, den Preußen schnell für sich entschied. Im Deutschen Krieg kämpfte Bayern an der Seite Österreichs gegen Preußen. Der Krieg dauerte im Sommer 1866 nur rund sieben Wochen. Er entschied den Dualismus zwischen den Großmächten Preußen und Österreich um die Vorherrschaft in Deutschland.

Der von Otto von Bismarck bewusst herbeigeführte Streit um die Verwaltung von Schleswig-Holstein eskalierte im Juni. Am 07.06.1866 marschierten preußische Truppen in das österreichisch verwaltete Holstein ein. Auf Antrag Wiens beschloss der Bundestag des Deutschen Bundes am 14.06.1866 die Mobilmachung gegen Preußen. Preußen erklärte den Deutschen Bund daraufhin für aufgelöst. Preußen stand isoliert gegen die Übermacht Österreichs, Sachsens und der süddeutschen Staaten (darunter Bayern, Württemberg und Baden). Allerdings hatte Bismarck ein Geheimbündnis mit Italien geschlossen, was Österreich zwang, einen Zweifrontenkrieg zu führen.

Der Verlauf des Krieges war geprägt von einer modernen Blitzstrategie des preußischen Generalstabschefs Helmuth von Moltke und erstreckte sich über parallele Kriegsschauplätze in Böhmen, Italien, Thüringen und Franken.

Der Hauptschauplatz lag in Böhmen. Moltke setzte auf eine hochriskante Strategie. Er ließ drei preußische Armeen (ca. 220.000 Mann) getrennt per Eisenbahn anreisen mit dem Ziel, den Feind erst direkt auf dem Schlachtfeld einzukesseln („Getrennt marschieren, vereint schlagen“). Preußische Truppen rücken Ende Juni 1866 in Böhmen ein. In mehreren verlustreichen Gefechten (u. a. Nachod, Skalitz, Gitschin) drängen sie die Österreicher zurück. Am 03.07.1866 findet bei Königgrätz die Entscheidungsschlacht mit ca. 400.000 Soldsaten statt. Stundenlang steht die preußische Infanterie unter mörderischem österreichischem Artilleriefeuer. Am Nachmittag trifft im letzten Moment die verspätete 2. preußische Armee unter dem Kronprinzen ein und bricht in die Flanke der Österreicher ein. Die österreichische Nordarmee flieht panisch. Österreich verliert über 40.000 Mann, Preußen nur knapp 9.000. Der Krieg ist militärisch entschieden.

Italien erfüllte seine Bündnispflicht und griff Österreich von Süden an, um preußische Truppen zu entlasten. Militärisch verlief die Front für Italien katastrophal: Sie unterlagen den Österreichern am 24. Juni in der Landschlacht bei Custozza und am 20. Juli in der Seeschlacht von Lissa. Da Österreich jedoch zeitgleich in Böhmen kollabierte, blieben diese Siege für Wien bedeutungslos.

Ebensowenig militärische Bedeutung hatten die Schlachten bei Langensalza, Kissingen, Frohnhofen und Tauberbischofsheim. Die süddeutschen Staaten leisteten wegen mangelhafter Abstimmung kaum koordinierten Widerstand.

Nach dem Triumph von Königgrätz wollten König Wilhelm I. und seine Generäle siegreich in Wien einmarschieren. Bismarck lehnte dies jedoch vehement ab. Er wollte Österreich als zukünftigen Partner nicht dauerhaft demütigen. Im Prager Frieden vom 23.08.1866 wurde der Krieg beendet. Österreich musste keine Gebiete an Preußen abtreten und zahlte nur eine geringe Entschädigung, musste aber der Auflösung des Deutschen Bundes zustimmen. Italien erhielt trotz seiner Niederlagen Venetien.

Nach der verheerenden Niederlage musste Bayern die preußische Vorherrschaft anerkennen und ein geheimes Schutz- und Trutzbündnis mit Preußen unterzeichnen.

Preußen verließ infolge des Krieges den Bund, erklärte ihn für aufgelöst und gründete 1866 unter seiner Führung den norddeutschen Bund.

Dieser ging am 18.01.1871 bei der Reichsgründung im Deutschen Kaiserreich auf.

Das Verhalten Ludwig II im Deutschen Krieg

Im Deutschen Krieg von 1866 nahm König Ludwig II. eine zutiefst widerwillige, passive und realitätsferne Haltung ein. Der erst 20-jährige Monarch war ein entschiedener Gegner von Kriegen und allem Militärischen. Er versuchte verzweifelt, den Konflikt zu ignorieren, und flüchtete sich stattdessen in seine Kunstwelten. Ludwig II. wollte Bayern unbedingt aus dem drohenden Machtkampf zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft in Deutschland heraushalten. Genau wie sein Vater Maximilian II. wollte er die volle Souveränität Bayerns wahren. Er unterstützte die Idee eines „Dritten Deutschlands“ – eines Zusammenschlusses der deutschen Mittelstaaten als Puffer und drittes Machtzentrum neben den beiden Großmächten.

Als sich die Spannungen im Winter 1865/66 zuspitzten, verschloss Ludwig die Augen vor der Realität. Legendär ist sein Stoßseufzer: „Ich will keinen Krieg“. Österreich pochte jedoch auf die Verträge des Deutschen Bundes. Unter dem extremen Druck des bay. Außenministers Ludwig von der Pfordten und der bayerischen Regierung musste Ludwig nach langem Lavieren nachgeben. Am 11. Mai 1866 unterschrieb er widerstrebend den Mobilmachungsbefehl. Bayern trat damit auf der Seite Österreichs in den Krieg gegen Preußen ein.

Während bayerische Soldaten auf den Schlachtfeldern starben, zeigte der König ein Verhalten, das seine Minister zur Verzweiflung trieb und in der Öffentlichkeit für scharfe Kritik sorgte. Mitten in der heißen Phase der Kriegsvorbereitungen (vom 22. bis 24. Mai 1866) reiste Ludwig heimlich in die Schweiz nach Tribschen, um den Geburtstag seines geliebten Komponisten Richard Wagner zu feiern. Während des nur siebenwöchigen Krieges zog sich der König auf die Roseninsel im Starnberger See zurück. Er verweigerte weitgehend die Regierungsarbeit, las Gedichte und widmete sich Theaterentwürfen, statt Truppen zu inspizieren oder strategische Entscheidungen zu treffen.

Der Krieg endete für Bayern in einer Katastrophe. Preußen siegte im Juli 1866 in der Schlacht bei Königgrätz gegen Österreich und schlug die bayerische Armee im Mainfeldzug vernichtend. Im geheimen Friedensvertrag wurde Bayern gezwungen, im Kriegsfall den Oberbefehl über seine Armee an den König von Preußen abzutreten. Bayern musste zwei Bezirke in Unterfranken an Preußen abtreten und eine enorme Kriegsentschädigung von 30 Millionen Gulden zahlen.

Für Ludwig II. war die Niederlage eine traumatische Demütigung. Er begriff, dass er politisch nur noch ein „Vasall“ Preußens war. Historiker sehen in diesem Schock von 1866 den eigentlichen Auslöser für seinen endgültigen Rückzug aus der Realpolitik und den Beginn seiner exzessiven Schlossbauprojekte, in denen er zumindest virtuell noch ein absoluter, souveräner Herrscher sein konnte.

Der Deutsch-Französische Krieg 1870-71

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/1871 war der entscheidende Katalysator für die Gründung des Deutschen Kaiserreiches. Er besiegelte das Ende des Zweiten Französischen Kaiserreichs und führte zu einem starken Deutschen Reich in der Mitte Europas unter preußischer Führung.

Der tiefere Grund für den Krieg war das gestörte Gleichgewicht in Europa: Frankreich unter Kaiser Napoleon III. sah seine Vormachtstellung durch den rasanten Aufstieg Preußens gefährdet. Der konkrete Funke war ein Streit um die spanische Thronfolge. Erbprinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen (1835–1905) sollte den spanischen Thron besteigen. Nachdem die spanische Königin Isabella II 1868 abgesetzt worden war, suchte die dortige Revolutionsregierung europaweit nach einem neuen König. Sie boten Leopold die Krone an. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck drängte Leopold und dessen Vater heimlich dazu, das Angebot anzunehmen. Bismarck wusste genau, dass ein Hohenzollern-König in Madrid Frankreich im Westen und Osten strategisch in die Zange nehmen und so massiv unter Druck setzen könnte. Als die geplante Thronbesteigung im Juli 1870 vorab an die Öffentlichkeit durchsickerte, reagierte Frankreich mit wütenden Kriegsdrohungen. Um einen Konflikt abzuwenden, zog Leopold seine Kandidatur am 12. Juli 1870 offiziell zurück. Frankreich reichte dieser diplomatische Sieg jedoch nicht aus. Die französische Regierung forderte von Leopolds Oberhaupt, dem preußischen König Wilhelm I., eine Garantie für alle Zukunft – diese Zuspitzung führte schließlich zur berühmten Emser Depesche und zum Ausbruch des Krieges.

Die Emser Depesche

Der französische Botschafter bedrängte den preußischen König Wilhelm I. im Kurort Bad Ems, für alle Zukunft auf den Thron zu verzichten. Wilhelm lehnte höflich ab. Otto von Bismarck kürzte das Telegramm über dieses Treffen (die Emser Depesche) so provokant, dass es in Frankreich wie eine Beleidigung wirkte. Beleidigt und unter Druck der eigenen Bevölkerung erklärte Frankreich am 19. Juli 1870 Preußen den Krieg.

Napoleon III. hatte gehofft, die süddeutschen Staaten (Bayern, Württemberg, Baden) würden neutral bleiben oder sich auf seine Seite schlagen. Dies war aber eine fatale Fehlkalkulation. Die geheimen Schutz- und Trutzbündnisse, die Preußen 1866 mit den Südstaaten geschlossen hatte, griffen sofort. Bayern mobilisierte unter König Ludwig II seine Truppen und zog gemeinsam mit den Norddeutschen in den Krieg. Zum ersten Mal kämpften Deutsche aus allen Regionen als eine geschlossene Armee.

Kriegsverlauf

Der Krieg verlief für die deutschen Truppen unter der Leitung von Helmuth von Moltke als logistischer und militärischer Triumphzug. Die deutschen Armeen drangen schnell nach Frankreich vor und siegten in blutigen Schlachten (z.B. bei Wörth, Mars-la-Tour und Gravelotte). Ein großer Teil der französischen Armee wurde in der Festung Metz eingekesselt. Die verbliebene französische Hauptarmee wurde in der Schlacht bei Sedan am 02.09.1870 vernichtet. Kaiser Napoleon III. geriet in deutsche Gefangenschaft. Das französische Kaiserreich war damit am Ende; in Paris wurde zwei Tage später die Republik ausgerufen

Die neue französische Regierung weigerte sich aber, ein Kriegsende zu akzeptieren und zu kapitulieren. Die deutschen Truppen kesselten Paris monatelang ein und beschossen die hungernde Stadt mit Artillerie. Gleichzeitig flammte in der französischen Provinz ein erbitterter Guerillakrieg (Partisanenkämpfe) auf.

Noch während in Paris die Kanonen donnerten, nutzte Bismarck die nationale Euphorie, um die deutsche Einheit zu vollenden.

Kaiserproklamation in Versilles

Im prunkvollen Spiegelsaal des französischen Schlosses von Versailles wurde der preußische König Wilhelm I. am 18.01.1871 zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Das Deutsche Kaiserreich war geboren. Frankreich war tief gedemütigt, da die Proklamation im Herzen seines historischen Machtzentrums stattfand. Am 28.01.1871 kapitulierte Paris endgültig und es wurde ein Waffenstillstand vereinbart.

Der offizielle Friedensvertrag vom Mai 1871 in Frankfurt brachte harte Bedingungen für Frankreich. Frankreich musste das strategisch und wirtschaftlich wichtige Elsass und Teile von Lothringen an das neue Deutsche Reich abtreten. Frankreich wurde zu einer gigantischen Kriegsentschädigung von 5 Milliarden Francs verpflichtet. Bis zur Zahlung blieb Ostfrankreich deutsch besetzt.

Das Verhalten Ludwig II im Deutschen Krieg

König Ludwig II. von Bayern nahm im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 eine tragische, isolierte und rein formale Rolle ein. Erneut von tiefem Widerwillen gegen das Militär geprägt, war er politisch und militärisch komplett handlungsunfähig. Er fungierte lediglich als bürokratisches Werkzeug zur Mobilmachung, während er die tatsächliche Führung an Preußen abtreten musste.

Durch das nach dem Krieg von 1866 geschlossene „Schutz- und Trutzbündnis“ war Bayern vertraglich verpflichtet, Preußen im Falle eines Angriffs militärisch beizustehen. Ludwig versuchte zunächst, Zeit zu gewinnen. Er verabscheute Frankreich nicht, bewunderte den französischen Absolutismus (insbesondere Ludwig XIV.) und wollte bayerisches Blut nicht für preußische Interessen vergießen. Seine Minister (allen voran Innenminister Johann von Lutz) machten ihm unmissverständlich klar, dass ein neutrales Bayern von beiden Seiten zermalmt werden würde. Am 16. Juli 1870 gab Ludwig nach und unterzeichnete den Mobilmachungsbefehl für die bayerische Armee.

Mit dem Kriegsbeginn verlor Ludwig II. faktisch jegliche militärische Bedeutung. Gemäß den Bündnisverträgen ging das Oberkommando über die bayerischen Truppen sofort an den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm über. Während bayerische Soldaten in blutigen Schlachten wie bei Weißenburg oder Sedan kämpften, saß ihr eigener König machtlos in Bayern. Er hatte keinerlei Einfluss auf Strategie oder Truppenbewegungen. Während das bayerische Volk und die deutsche Öffentlichkeit im nationalen Taumel versanken, zog sich Ludwig völlig zurück. Er verbarrikadierte sich in der Abgeschiedenheit von Schloss Linderhof und der Schachen-Schwarzenkopfalm. Als im September 1870 die Nachricht vom entscheidenden Sieg bei Sedan und der Gefangennahme Napoleons III. eintraf, gab es in München riesige Jubelfeiern. Ludwig ignorierte diese demonstrativ. Er empfand den preußischen Triumph als den endgültigen Untergang der bayerischen Unabhängigkeit. Minister und Gesandte berichteten in Briefen von einem tief deprimierten, verstörten König, der kaum noch zu Regierungsgeschäften zu bewegen war und nächtelang im Wald ritt, um der Realität zu entkommen.

Der Kaiserbrief 1870

Nach dem Sieg über Frankreich 1870 war die nationale Einigung im Volk kaum noch aufzuhalten. Bayern stand unter Zugzwang, um seine Sonderrechte im neuen Bund zu sichern. Bayern war der zweitgrößte deutsche Einzelstaat. Ohne seine Zustimmung wäre eine Reichsgründung nicht machbar gewesen. Bereits während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 wurde über eine deutsche Einigung verhandelt. Hierüber berieten der bayerische Außenminister und der bayerische Kriegsminister mit Bismarck. König Ludwig II. von Bayern war daran nicht beteiligt. Bismarcks Unterhändler Graf Maximilian von Holnstein reiste im November 1870 (nach der Schlacht von Sedan) zu Ludwig II. nach Hohenschwangau, um den König zum Einlenken zu bewegen. Bismarck formulierte eigenhändig den sog. Kaiserbrief vor. Ludwig II. unterzeichnete ihn am 30. November 1870, worin er den preußischen König Wilhelm I. offiziell bat, den Kaisertitel anzunehme

Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck drängte auf die Gründung des Deutschen Kaiserreiches. Um den bayerischen König zur Zustimmung zu bewegen, bot er ihm geheime, jährliche Geldzahlungen aus dem Welfenfonds an. Verschuldet durch seine Bauprojekte gab Ludwig nach: Er unterschrieb den von Bismarck vorformulierten Kaiserbrief, mit dem er dem preußischen König Wilhelm I. die deutsche Kaiserkrone antrug.

Bismarck nutzte geheime Geldmittel (aus dem abgedankten hannoverschen Vermögen), um die immensen Schulden des finanzschwachen bayerischen Königs zu lindern und ihn so gefügig zu machen.

Nach dem vom König initiierten Schritt stimmte der bayerische Landtag im Januar 1871 mit einer knappen Zweidrittelmehrheit für den Beitritt zum Deutschen Reich.

Die weitere Entwicklung finden Sie im Kapitel „Das Deutsche Reich 1871-1945“

Ludwig II : Flucht in eine Traumwelt – Ludwig II und seine Schlösser

Zutiefst enttäuscht vom Verlust seiner politischen Macht und isoliert durch seine homosexuellen Neigungen, zog sich Ludwig II. immer mehr aus München und der Öffentlichkeit zurück. Er erschuf sich eine eigene, vorgezeichnete absolutistische Gegenwelt im bayerischen Voralpenland.

Die Finanzierung der Schlossbauten

Ludwig baute diese Schlösser nicht aus der Staatskasse, sondern finanzierte sie aus seinem privaten Vermögen (der Zivilliste) und über massive Kredite. Nach der Reichsgründung 1871 erhielt er aufgrund geheimer Vereinbarungen mit Bismarck Zahlungen aus dem sog. ‚Reptilienfond‘2

Der Reptilienfonds

Der Reptilienfonds (historisch korrekt eigentlich Welfenfonds) bezeichnete ursprünglich eine geheime „schwarze Kasse“ Otto von Bismarcks, mit der er ohne parlamentarische Kontrolle politische Gegner bekämpfte, die Presse manipulierte und Schmiergelder zahlte – unter anderem an König Ludwig II. von Bayern.

Die finanzielle Basis des Fonds war das beschlagnahmte Privatvermögen des Königshauses von Hannover (die Welfen) und des Kurfürsten von Hessen-Kassel. Preußen hatte diese Staaten im Deutschen Krieg von 1866 annektiert. Als der entthronte König Georg V. von Hannover aus dem Exil heraus gegen Preußen agitierte, fror Bismarck das welfische Millionenvermögen kurzerhand ein. Aus den massiven Zinserträgen dieser Beschlagnahmung speiste sich Bismarcks geheimer Dispositionsfonds. Da der Kanzler über den Fonds keine öffentliche Rechenschaft ablegen musste, nutzte er ihn als mächtiges, unsichtbares Instrument der Machtpolitik. Er kaufte im In- und Ausland gezielt Journalisten und Zeitungen, um die öffentliche Meinung zu steuern, er finanzierte Spitzel, Agenten und politische Spionage.

Unter anderem kaufte er sich hiermit die Zustimmung des bayerischen Königs Ludwig II zur Kaiserwahl im Kaiserbrief 1870. Die Zahlungen begannen direkt nach der Reichsgründung und der Unterzeichnung des Kaiserbriefs. Um den Deal zu besiegeln, gab es vorab eine einmalige, größere Abschlagszahlung. Fortan erhielt Ludwig II. 300.000 Mark pro Jahr (nach manchen Quellen zeitweise sogar bis zu 500.000 Mark) aus Bismarcks schwarzer Kasse. Insgesamt flossen über die Jahre hinweg ca. 4,5 – 6,0 Millionen Mark an den bayerischen Monarchen. Um einen politischen Skandal zu verhindern, liefen die Transaktionen extrem verdeckt ab. Bismarcks Vertrauter Graf von Holnstein hob das Geld bar in Berlin ab und transferierte es über Schweizer Bankkonten direkt auf das Privatkonto des bayerischen Königs. Weder das bayerische Parlament noch der preußische König Wilhelm I. durften von dieser Bestechung erfahren.

Die Zahlungen endeten im Juni 1886 mit dem mysteriösen Tod Ludwigs II. im Starnberger See, nachdem er wenige Tage zuvor wegen seiner immensen Schulden entmündigt und abgesetzt worden war. Obwohl Bismarck den König 15 Jahre lang finanziell stützte, reichten selbst diese Millionen nicht aus. Da die Kosten für Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Linderhof völlig explodierten, hinterließ Ludwig bei seinem Tod dennoch einen privaten Schuldenberg von rund 14 Millionen Mark, was letztlich seinen politischen Sturz besiegelte. Als die Banken 1885 mit Pfändungen drohten, drohte eine Staatskrise.

König Ludwig II und seine Schlösser

Eigentlich konnte sich Ludwig II nicht über einen Mangel an Schlössern beklagen. Schon beim Amtsantritt 1864 verfügte er über vier Schlösser.

Die Münchener Residenz

Die Münchner Residenz im Herzen der Münchner Innenstadt ist das größte Innenstadtschloss Deutschlands und diente den bayerischen Herzögen, Kurfürsten und Königen von 1385 bis 1918 als offizieller Wohn- und Regierungs-Hauptsitz. Die Anlage entstand ab 1385 aus der „Neuveste“, einer gotischen Wasserburg. Über die Jahrhunderte bauten die Herrscher die Residenz kontinuierlich aus, sodass sie heute ein gewaltiger Komplex aus zehn Innenhöfen und rund 130 Schauräumen ist. Da fast jeder Regent eigene Flügel anbaute, vereint die Residenz Meisterwerke der Renaissance, des Barock, Rokoko und Klassizismus. Zu den wichtigsten Architekten gehörten Leo von Klenze und François de Cuvilliés.

Für Ludwig II. war die Residenz der Inbegriff des verhassten, starren Regierungsalltags. Hier musste er Minister empfangen, Verträge unterschreiben und sich dem Hofstaat zeigen. Um der Enge der Stadt zu entfliehen, ließ Ludwig auf dem Dach des Festsaalbaus einen gigantischen, 70 Meter langen Wintergarten errichten. Er enthielt einen künstlichen See mit einem Boot, eine Kulisse des Himalaya-Gebirges, einen künstlichen Mond und exotische Flora und Fauna. Dieses spektakuläre Bauwerk wurde nach seinem Tod wegen statischer Probleme und Feuchtigkeit im Jahr 1897 komplett abgetragen.

Schloss Nymphenburg

Schloss Nymphenburg im Westen von München ist und war über Jahrhunderte die Sommerresidenz der bayerischen Herrscher aus dem Haus Wittelsbach. Kurfürst Ferdinand Maria und seine Frau Henriette Adelheid von Savoyen gaben das Schloss 1664 als Dank für die lang ersehnte Geburt des Thronfolgers Max Emanuel in Auftrag. Die Anlage wurde ab 1675 über mehr als ein Jahrhundert hinweg von einem kleinen Pavillon zu einer monumentalen, symmetrischen Schlossanlage mit einer Spannweite von 632 Metern ausgebaut. Berühmte Architekten wie Joseph Effner und François de Cuvilliés prägten den Stil. Der Park wurde im 18. Jahrhundert von Dominique Girard in einen barocken französischen Garten verwandelt und ab 1804 von Friedrich Ludwig von Sckell zu einem weitläufigen englischen Landschaftsgarten umgestaltet.

Prinz Ludwig wurde hier am 25. August 1845 im Nordflügel des Schlosses (im sogenannten Grünen Appartement) geboren. Seine Geburt am Geburtstag des heiligen Königs Ludwig IX. von Frankreich prägte zeitlebens sein absolutistisches Selbstverständnis. Nymphenburg stand für Ludwig II für repräsentativen, barocken Hofstaat und das starre höfische Protokoll, das er zutiefst verabscheute.

Schloss Berg am Starnberger See

1676 gelangt das 1640 erbaute Renaissance-Wasserschloss in den Besitz von Kurfürst Ferdinand Maria und ist seitdem ununterbrochen im Eigentum der Wittelsbacher. Unter König Max I. Joseph wird der barocke Garten 1807-1811 in einen weitläufigen englischen Landschaftsgarten umgestaltet. Der alte Wassergraben wird zugeschüttet. Ludwigs Vater, König Maximilian II., lässt das Gebäude durch den Architekten Eduard Riedel (der später auch Neuschwanstein entwarf) grundlegend im neugotischen Stil umbauen. Das Schloss erhält seine markanten vier Ecktürme und Zinnen.

Ludwig nutzt das Schloss alljährlich als Sommerresidenz. Er lässt kleinere Veränderungen vornehmen und baut im Park eine Telegrafenstation, um von der Idylle aus die Regierungsgeschäfte zu führen. Tragische Berühmtheit erlangte es am 13. Juni 1886, als Ludwig II. nur einen Tag nach seiner Internierung unweit des Schlosses unter ungeklärten Umständen im See ertrank.3

Schloss Hohenschwangau

Kronprinz Maximilian (der spätere König Maximilian II. und Vater von Ludwig II.) entdeckte die verfallene Burgruine Schwanstein auf einer Wanderung. Er erwarb die Ruine und ließ sie von 1832 bis 1836 im neugotischen Stil zu einem romantischen Wohn- und Jagdschloss umbauen.

Schloss Hohenschwangau ist das direkte Nachbarschloss von Neuschwanstein und nimmt eine Schlüsselrolle in der Biografie von König Ludwig II. ein: Es war seine Kinderstube, sein geliebter Sommerrückzugsort und der Ort, an dem er die entscheidenden Verhandlungen zur Reichsgründung führte. Die Wandgemälde prägten seine Fantasie tief und legten den Grundstein für seine spätere Leidenschaft für die Opern Richard Wagners. Von Hohenschwangau aus beobachtete Ludwig II. mit einem Fernrohr jahrelang den Bau seines eigenen, gegenüberliegenden Prachtschlosses Neuschwanstein.

König Ludwig II, die Schlossbauten des ‚Märchenkönigs‘

Schon Ludwigs Vater Maximilian hatte ein Faible für Schlösser und das Mittelalter. so ließ er, wie oben erwähnt, schon Schloss Berg und Schloss Hohenschwangau stilistisch aufwändig umbauen. Ludwig setzte diese Reihe fort und führte sie zum Excess. Aber er fing klein an.

Jagdschloss Soiernhaus

Kurz nach seinem Amtsantritt 1864 besuchte der junge Ludwig II. das Soierngebiet im Karwendel zum ersten Mal bei einer Bergwanderung und war von der wilden, unberührten Natur sofort tief beeindruckt. 1867-68 ließ er auf einer Felsterrasse oberhalb der beiden Soiernseen zwei Jagdhäuser im alpenländischen Stil errichten. Das größere Haus diente dem König als Unterkunft, das kleinere war für sein Gefolge und die Küche gedacht.

Das Soiernhaus, auf 1.610 Metern Höhe im Soiernkessel des Karwendelgebirges (nahe Krün/Mittenwald) gelegen, war einer der abgelegensten und intimsten Rückzugsorte von König Ludwig II. Hier verbrachte er fast jedes Jahr im Spätsommer (meist um seinen Geburtstag am 25. August herum) mehrere Wochen in der Einsamkeit der Soiernhütte.4

Ludwig ließ die Ufer der Soiernseen mit großen Petroleumlampen und bunten Gläsern magisch illuminieren. Eigens für den König wurde ein hölzerner Kahn auf den Berg transportiert. Während die Seen farbig leuchteten und die Bergkulisse im Mondschein lag, ließ sich Ludwig stundenlang über das Wasser rudern.

Das Königshaus am Schachen

Das Königshaus am Schachen (erbaut 1869–1872) liegt auf 1866 m Höhe im Wettersteingebirge bei Garmisch-Partenkirchen. Von außen wirkt es wie ein schlichtes, größeres hölzernes Haus im Schweizer Chalet-Stil. Im Inneren verbirgt sich im Obergeschoss der spektakuläre „Türkische Saal“. Er ist im Stil eines absolut prunkvollen, osmanischen Palastsalon eingerichtet – mit Goldverzierungen, Buntglasfenstern, Pfauenfedern, einem Springbrunnen und Diwanen.

Ludwig II. feierte hier oben im Hochgebirge jedes Jahr im August abgeschieden seinen Geburtstag.

Schloss Neuschwanstein (ab 1869)

Schloss Neuschwanstein ist eine idealisierte mittelalterliche Ritterburg in spektakulärer Lage, gewidmet den Sagenwelten und Opern seines engen Freundes und geförderten Komponisten Richard Wagner. Erste Entwürfe eines Schlossbaus stammen aus dem Jahr 1868 von Theatermaler Christian Jank und Architekt Eduard Riedel.

1873 wurde der Torbau fertiggestellt. Ludwig nutzte ihn über Jahre als provisorische Wohnung. 1880 war Richtfest des Palas (Hauptwohngebäude), der 1884 soweit bezugsfertig war, dass Ludwig die Räume im 3. und 4. Stock beziehen konnte. Nach seinem Tod 1886 wurden die Arbeiten sofort gestoppt und unfertige Abschnitte (wie der geplante große Bergfried) nie gebaut.

Schloss Linderhof (1870-1886)

Das einzige zu seinen Lebzeiten vollendete Schloss, erbaut im Stil des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. 1869-72 wurde das bestehende Forsthaus („Königshäuschen“) um- und ausgebaut. 1874 wurde das Königshäuschen dennoch abgetragen und an eine andere Stelle im Park versetzt, um Platz für den heutigen Steinbau zu machen.

1876 war das Schloss soweit fertiggestellt, dass die königlichen Wohnräume im Schloss beuogen werden konnten. Kurz vor Ludwigs Tod wurde 1886 das stark vergrößerte, prunkvolle Schlafzimmer als letzter Bauabschnitt fertiggestellt.

Schloss Herrenchiemsee (ab 1878)

Ein gigantisches Abbild von Versailles auf einer Insel im Chiemsee, das die Grenzen der bayerischen Staatsfinanzen sprengen sollte. 1873 kaufte Ludwig II. die Herreninsel im Chiemsee, um den Bau eines „bayerischen Versailles“ als Denkmal für den absolutistischen Sonnenkönig Ludwig XIV. zu realisieren. 1881 waren die wichtigsten Prunkräume (wie die monumentale Spiegelgalerie) im Innenausbau fertig.

Ludwig II. bewohnte das Schloss im September 1885 für genau neun Tage. Aus akutem Geldmangel wurden die Bauarbeiten im Spätherbst 1885 komplett eingestellt. Der geplante linke Seitenflügel wurde nach Ludwigs Tod im Jahr 1886 sogar wieder abgerissen.

Seine ungebauten Traumprojekte (Utopien)

Gegen Ende seines Lebens reichte Ludwig II. der Platz in seinen bestehenden Schlössern nicht mehr aus. Seine Entmündigung im Juni 1886 verhinderte die Realisierung noch weitaus gigantischerer Pläne.

Buirg Falkernstein

Bei Pfronten im Allgäu kaufte Ludwig eine alte Burgruine. Dort sollte eine noch spektakulärere, steilere und wild-romantischere Raubritterburg als Neuschwanstein entstehen. Die Pläne des Theatermalers Christian Jank waren fertig, eine Wasserleitung zur Ruine wurde bereits gelegt, doch der Bau wurde nie begonnen.

Der Chinesische Sommerpalast

In der Einsamkeit des Ammergebirges plante Ludwig einen riesigen Palast nach dem Vorbild des kaiserlichen Sommerpalastes in Peking.

Der Byzantinische Palast

Ein monumentaler Prachtbau, der im Inneren vollständig mit goldenen Mosaiken im Stil der Hagia Sophia in Istanbul oder der Kirchen von Ravenna ausgestattet werden sollte.

Die Schlösser nach Ludwig II Tod

Nach Ludwig II Tod stand man mit dem Problem der Fedrtigstellung und zukünftigen Verwendung der Schlösser sowie dem Abbau der immensen Schulden da. Die unvollendeten Schlösser wurden nach 1886 durch die Tourismus-Einnahmen der Schlösser selbst finanziert und fertiggestellt. Weder der bayerische Staat noch das private Vermögen der königlichen Familie (Zivilliste) mussten dauerhaft für die Schulden oder den Weiterbau aufkommen.

Nur sechs Wochen nach dem Tod Ludwigs II. im August 1886 wurden die eigentlich als private Rückzugsorte gedachten Prachtbauten auf Beschluss der bayerischen Staatsregierung unter der Leitung von Prinzregent Luitpold und der staatlichen Hofverwaltung (der sogenannten Hofsäcularisation) für zahlende Besucher geöffnet.5 Da der Staat nach dem Tod Ludwigs II. im Juni 1886 für die enormen Bauschulden des Königs haftete, suchten die Behörden nach einer schnellen Einnahmequelle.

Die Neugier der Bevölkerung auf die geheimnisvollen Liegenschaften des „Märchenkönigs“ war gigantisch. Die Eintrittsgelder6 flossen in eine separate Kasse zur Tilgung der Bauschulden (die damals rund 14 Millionen Mark betrugen). Bereits im Jahr 1902 – nur 16 Jahre später – waren alle Schulden komplett abbezahlt.

Verantwortlich für die praktische Umsetzung und Verwaltung vor Ort war die neu organisierte Königliche Hofverwaltung, der direkte Vorläufer der heutigen Bayerischen Schlösserverwaltung. Ludwigs Onkel Prinzregent Luitpold, der die Regierungsgeschäfte für Ludwigs geisteskranken Bruder Otto übernahm, trug die Verantwortung auch seitens des Hauses Wittelsbach. Es wurde kein frisches Geld für eine prunkvolle Vollendung im Sinne Ludwigs investiert. Stattdessen galt das Prinzip: Nur sichern, wetterfest machen und vereinfacht abschließen.

Das Hauptgebäude (Palas) von Schloss Neuschwanstein wurde außen fertiggestellt. Einige Innenräume wurden in schlichterer Form als geplant vollendet, die Arbeiten endeten 1892. Auf gigantische Großprojekte wie den riesigen Bergfried im Innenhof wurde komplett verzichtet.

Im Schloss Herrenchiemsee wurde der Innenausbau der bereits begonnenen Räume gestoppt. Die über 50 Zimmer, die sich im Rohbau befanden, wurden bis heute als nackte Backsteinwände belassen. Der unfertige linke Seitenflügel wurde sogar abgerissen, um Symmetrie zu erhalten und Kosten zu sparen.

Schloss Linderhof war bereits nahezu vollendet. Die Erlöse von Linderhof halfen direkt dabei, die Löcher bei den anderen beiden Großprojekten zu stopfen.

Innenpolitik: Die Modernisierung der Heimat

Während der König in seinen Bergresidenzen den Absolutismus herbeisehnte, entwickelte sich Bayern unter seinen Regierungen im Hintergrund zu einem hochmodernen Industrie- und Kulturstaat. Das bayerische Schienennetz wurde rasant ausgebaut, was Wirtschaft und Handel befeuerte. Ludwig förderte den technischen Fortschritt enorm. Er gründete 1868 die Polytechnische Schule München (die heutige weltberühmte Technische Universität München (TUM)).

Trotz der Konflikte um den teuren Richard Wagner blieb München dank der väterlichen Vorarbeit eine europäische Hauptstadt der Kunst, Musik und Malerei.

Siehe besondere Ausführungen (in Bearbeitung)

Entmachtung und mysteriöser Tod

Das Drama um den König spitzte sich im Juni 1886 zu. Da der König sich weigerte, mit dem Regieren aufzuhören und seine Schuldenberge die Kreditwürdigkeit der Monarchie gefährdeten, handelte die bayerische Regierung unter Ministerpräsident Johann von Lutz.

Ein medizinisches Gutachten von Ärzten um den Psychiater Dr. Bernhard von Gudden erklärte am 08.06.1886 den König in Abwesenheit für „seelengestört“ und paranoisch. Ludwig II wurde am 10.06.1886 abgesetzt. Ludwigs Onkel, Prinz Luitpold, übernahm als Prinzregent die Regierungsgeschäfte. Ludwig wurde auf Schloss Neuschwanstein festgesetzt und nach Schloss Berg am Starnberger See gebracht.

Am Abend des 13.06.1886 unternahmen Ludwig II und Dr. von Gudden einen Spaziergang im Schlosspark. Als sie nicht zurückkehrten, suchte man sie und fand beide Männer tot im flachen Wasser des Starnberger Sees. Bis heute ranken sich Mythen um diesen Abend: War es Selbstmord, ein Fluchtversuch oder Mord?

Die genauen Umstände dieses Abends werden wohl nie geklärt werden können.

  1. Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo 1814 fiel das Großherzogtum größtenteils zurück an Bayern. ↩︎
  2. Der Name geht auf eine berühmte, giftige Rede Bismarcks vom 30. Januar 1869 vor dem Preußischen Abgeordnetenhaus zurück. Es gab heftige Debatten über die Rechtmäßigkeit der Enteignung. Bismarck verteidigte die Beschlagnahmung und bezeichnete die geheimen, preußenfeindlichen Agenten der Welfen im Ausland als „bösartige Reptilien“. Die regierungskritische Presse drehte den Spieß daraufhin ironisch um: Sie nannte nicht die Agenten „Reptilien“, sondern bezeichnete jene Journalisten und Blätter als „Reptilienpresse“, die von Bismarck aus eben dieser Kasse dafür bezahlt wurden, regierungsfreundliche Artikel zu drucken. Der Name für die Kasse war geboren: Reptilienfonds. ↩︎
  3. Wegen schwerer Kriegsschäden und eines massiven Wasserschadens wird das Schloss 1949-51 saniert. Dabei werden die neugotischen Ecktürme und Zinnen von Maximilian II. komplett abgetragen. Das Schloss erhält seine einfache, kubische Urform aus dem 17. Jahrhundert zurück, die es bis heute besitzt. ↩︎
  4. Das ursprüngliche königliche Wohnhaus brannte 1920 durch Unachtsamkeit völlig nieder. Die Sektion Hochland des Deutschen Alpenvereins (DAV) erwarb das Gelände und baute das abgebrannte Haus als Soiernhaus neu auf. Das kleinere, originale Dienstbotengebäude von Ludwig II. blieb vom Brand verschont und existiert bis heute. ↩︎
  5. Ludwig II. selbst hatte übrigens verfügt, dass seine Schlösser nach seinem Tod zerstört werden sollten, um sie niemals der Allgemeinheit preiszugeben – ein Befehl, den die pragmatischen Beamten im Juli 1886 geflissentlich ignorierten. ↩︎
  6. Der Eintrittspreis von zwei Mark für Neuschwanstein (heute 21 €) und Herrenchiemsee (heute 10 €) bzw. 3 Mark für Linderhof (heute 11 €) entsprachen 1886 kaufkraftbereinigt dem Tagesverdienst eines Arbeiters. ↩︎

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