Beiträge zur Historie,  Historie

Der große Umbruch 1792-1815

Vorbemerkung

Diese zusammenfassende Geschichtsdarstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und wissenschaftliche Qualität. Sie soll lediglich Abläufe und Zusammenhänge darstellen, um die Entwicklung mit dem Schwerpunkt auf Mittelschwaben – insbesondere den Raum Ulm / Weißenhorn / Günzburg – nachzuvollziehen. Sie wurde großenteils mit KI erstellt und kann daher grundsätzlich mit Fehlern behaftet sein.

Von der Französischen Revolution bis zum Reichsdeputationshauptschluss

In der Zeitspanne von der französischen Revolution 1789 bis zur Neuordnung Europas im Wiener Kongress 1814 fand eine immense politische und gesellschaftliche Veränderung statt, die das alte System der Feudalherrschaft abschaffte, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einfluss der Kirche in der Säkularisation stark verminderte und die zersplitterte Herrschaftsstruktur beendete, indem neue Nationalstaaten entstanden.

Die Bürger wurden in die politischen Entscheidungen eingebunden, zwar noch nicht im heutigen Sinne demokratisch, aber durch das Zensuswahlrecht zumindest mit mehreren bürgerlichen Verantwortlichen an den Entscheidungen beteiligt. Persönliche Bereicherung und Willkür wurden abgeschafft. Weitblickende kluge Köpfe erarbeiteten Rechtssysteme, die heute noch Grundlage unseres Rechtsstaates sind. Die Gewaltenteilung wurde eingeführt, die Regierungsverantwortung auf mehrere, gewählte Personen verteilt.

Diese neue Staatsform, verbunden mit einem schrittweisen Abbau der Zollschranken und dem Aufbau eines Banksystems ermöglichten erst die Industrialisierung und die Prosperität des 19. Jahrhunderts.

Die Ausgangslage

Mit dem Tod des bayerischen Kurfürsten Maximilian III Joseph am 30.12.1777 erlosch die bayerische Linie der Wittelsbacher. Nach den Erbfolgeverträgen fiel Bayern an Kurfürst Karl-Theodor von Pfalz-Sulzbach. Österreich intervenierte dagegen und erhob Anspruch auf Niederbayern und die Oberpfalz, die seit König Karl I von Luxemburg einen böhmischen Anteil hatte (Neuböhmen). Österreich fürchtete das Entstehen einer weiteren Großmacht. Kaiser Joseph II handelte schon am 03.01.1778 mit Kurfürst Karl Theodor einen Tausch von Teilen Vorderösterreichs (Freiburg bis Konstanz) gegen Niederbayern und die Oberpfalz mit finanziellem Ausgleich aus.

Dies rief Preußen auf den Plan, welches Österreich am 03.07.1778 den Krieg erklärte und in Böhmen einmarschierte. So begann der Bayerische Erbfolgekrieg. Wegen der schlechten Versorgungslage kam es nicht zu größeren militärischen Auseinandersetzungen, weshalb der Krieg spöttisch die Bezeichnung ‚Kartoffelkrieg‘ erhielt.

Nachdem auch Kaiserin Maria Theresia den preußischen König bat, von einer Schlacht abzusehen, wurde am 13.05.1779 mit dem Frieden von Teschen der Krieg beendet. Bayern trat das Innviertel an Österreich ab, Preußens Ansprüche auf Ansbach und Bayreuth wurden anerkannt, ebenfalls die Erbfolgeverträge der Wittelsbacher, was Karl Theodor die Vereinigung Bayerns mit der Pfalz sicherte.

Durch die Vereinigung erlosch eine der beiden Kurstimmen.

Die Französische Revolution

Am 14.07.1789 begann mit dem Sturm auf die Bastille die Französische Revolution. Sie setzte eine Bewegung in Gang, welche die politische Ordnung und die Gesellschaftsordnung Europas vollkommen veränderte. In der ersten Phase der Französischen Revolution kam es zu grundlegenden politischen Reformen in Frankreich. Nachdem sich der ‚Dritte Stand‘2 schon am 17. Juni 1789 zur einer Nationalversammlung erklärt und im Ballhausschwur eine Verfassung gefordert hatte, sah sich König Ludwig XVI. zu Reformen gezwungen. Der Adel und der Klerus gingen zur Nationalversammlung über, die am 04. August 1789 das Feudalsystem abschaffte. Am 26. August 1789 folgte die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die das Ende der Ständegesellschaft markierte. Am Ende des Reformprozesses stand die am 3. September 1791 verabschiedete französische Verfassung. Frankreich wurde damit zur konstitutionellen Monarchie.

Mit der Einführung der konstitutionellen Monarchie war die Revolution aber noch nicht beendet. Am 10. August 1792 ereignete sich der Sturm auf die Tuilerien, der König Ludwig XVI. schließlich in Gefangenschaft brachte. Die Septembermorde eröffneten den Weg in eine neue Dimension von Gewalt. In dieser Situation etablierten sich die Jakobiner als einflussreiche politische Partei und sprachen sich im Nationalkonvent für die Hinrichtung des Königs aus. Sie errichteten 1793/94 eine Schreckensherrschaft, in der politische Gegner skrupellos ausgeschaltet wurden. Zum Leitbild dieses Regimes wurde Maximilien de Robespierre. Als dieser am 28. Juli 1794 von der Opposition hingerichtet wurde, endete die Schreckensherrschaft.

Die aufregenden Nachrichten aus dem Nachbarland wurden durch Presse, Flugblätter, Lieder und Broschüren auch im HRR rasch verbreitet. Auf der Seite der Herrschenden wuchs die Angst vor ähnlichen Zuständen, auf der Seite der Bürger entstanden Begehrlichkeiten. Die Pariser Ereignisse führten links und rechts des Rheins zu einem sprunghaften Anstieg von sozial verursachten Protestbewegungen. Dabei handelte es sich in der Regel um alte Konflikte. Ziel war nicht eine allgemeine bürgerliche Freiheit, sondern die Wiederherstellung oder Sicherung alter Privilegien (Freiheiten). Man benutzte die Symbole der Französischen Revolution, um den Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen.

Die europäischen Monarchien, vor allem Österreich und Preußen, fürchteten die Ausbreitung revolutionärer Ideen wie Freiheit und Volkssouveränität. Frankreich jedoch bemerkte die Unruhen am Rhein und sah Chancen, diese für sich zu nutzen. Trotz der Wirren der Revolution hatte Frankreich seine Hegemoniebestrebungen nicht aufgegeben.

Der erste Koalitionskrieg 1792-1797 – Besetzung des linksrheinischen Gebiets

Nach der missglückten Flucht König Ludwigs XVI. nach Varennes (Juni 1791) und seiner Gefangennahme drängten französische Emigranten die Monarchen Europas zur Intervention. Kaiser Leopold II., Bruder von Marie Antoinette [Tochter von Maria Theresia, mit 14 Jahren (1770) mit dem franz. König Ludwig XVI verheiratet], wollte Ludwig XVI in seine „volle Freiheit“ zurückversetzen, um eine monarchische Ordnung zu sichern. In der Pillnitzer Deklaration vom 27. August 1791, einer gemeinsamen Erklärung von Kaiser Leopold II. (Österreich) und König Friedrich Wilhelm II. (Preußen), wurde die Situation Ludwigs XVI. als „gemeinsames Interesse aller Souveräne“ deklariert. In Frankreich galt die Deklaration als Kriegsdrohung, radikalisierte die Revolutionäre und führte zur Kriegserklärung an Österreich (20. April 1792) sowie zum Ersten Koalitionskrieg. König Ludwig XVI. wurde am 21.01.1793 durch die Guillotine hingerichtet.

Im ersten Koalitionskrieg besetzte Frankreich das gesamte linksrheinische Gebiet vom Elsass über die Pfalz bis zum Herzogtum Jülich und der niederländischen Grenze, außerdem die Österreichischen Niederlande (Belgien und Luxemburg).

Mit dem Frieden von Campo Formio wurde am 17. Oktober 1797 der Erste Koalitionskrieg zwischen Frankreich und Österreich beendet. Verhandelt wurde das Abkommen maßgeblich von General Napoléon Bonaparte und dem österreichischen Gesandten Graf Ludwig von Cobenzl. Der römisch-deutsche Kaiser Franz II. erkannte in geheimen Zusatzartikeln an, dass die linksrheinischen Reichsgebiete an Frankreich fallen. Österreich trat das Gebiet des heutigen Belgien offiziell an die Französische Republik ab. Österreich verzichtete ebenfalls auf die Lombardei und Norditalien. Napoleon schuf dort die von Frankreich abhängige Cisalpinische Republik. Als Entschädigung für seine territorialen Verluste erhielt Österreich das Gebiet der aufgelösten Republik Venedig, inklusive Istrien und Dalmatien. Damit endete nach über 1100 Jahren die Unabhängigkeit der Lagunenstadt.

Da der Kaiser den Vertrag zunächst nur für seine eigenen habsburgischen Erblande abschloss, mussten die Bedingungen für das gesamte Deutsche Reich auf dem nachfolgenden Rastatter Kongress formell ausgehandelt werden. Der Frieden von Campo Formio legte den Grundstein für die endgültige Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wenige Jahre später.

Die Wittelsbacher verloren durch diesen Frieden ihre linksrheinischen Stammlande Simmern, Zweibrücken, Veldenz, Birkenfeld und weitere Herrschaften der Nebenlinien.

Der zweite Koalitionskrieg 1799-1802

Der zweite Koalitionskrieg hatte zunächst seine Schauplätze in Oberitalien und der Schweiz.

Der französische General Moreau dehnte den Krieg aber auch nach Bayern aus. Er schlug die Österreicher unter anderem bei Höchstädt (19.06.1800) und Neuburg an der Donau. Nach einem kurzen Waffenstillstand kam es für die bayerische Armee zur Katastrophe. Zusammen mit ihrem österreichischen Verbündeten Erzherzog Karl erlitten sie bei Hohenlinden am 3. Dezember 1800 eine schwere Niederlage. Damit war der Zweite Koalitionskrieg endgültig zugunsten Frankreichs entschieden.

Der zweite Koalitionskrieg wurde am 09.02.1801 mit dem Frieden von Lunéville beendet. Hierin wurde die französische Annexion der linksrheinischen Gebiete auch völkerrechtlich verbindlich vereinbart. Im berühmten Artikel 7 des Vertrages wurde festgelegt, dass die deutschen weltlichen Fürsten, die linksrheinische Gebiete verloren hatten, auf der rechten Rheinseite entschädigt werden mussten. Dies führte direkt zum Reichsdeputationshauptschluss von 1803.

Der Reichsdeputationshauptschluss 1803

Der Reichsdeputationshauptschluss geschah maßgeblich auf Forderung, Druck und Initiative Napoleons. Obwohl das Gesetz formal von einem Ausschuss des deutschen Reichstags in Regensburg verabschiedet wurde, hielt Frankreich im Hintergrund alle Fäden in der Hand und diktierte die Bedingungen. Der Reichsdeputationshauptschluss war das Werkzeug, um den französischen Diktatfrieden von Lunéville in deutsches Recht zu gießen.

Das Gesetz wurde keineswegs unabhängig in Regensburg erarbeitet. Napoleon schloss bereits im Sommer 1802 Separatverträge mit den großen deutschen Gewinnern(wie Preußen und Bayern). Zusammen mit Russland (das als zweite Garantiemacht auftrat) reichte Frankreich im August 1802 einen fertigen Entschädigungsplan ein. Der deutsche Reichsausschuss musste diesen im Wesentlichen nur noch abnicken und in den „Hauptschluss“ (Abschlussbericht) einfügen.

Napoleon wollte den „Flickenteppich“ aus hunderten deutschen Kleinstaaten zerschlagen. Seine strategische Absicht war es, handlungsfähige, mittelgroße deutsche Staaten (wie Bayern, Württemberg und Baden) zu schaffen.

Dier Säkularisation

Die großflächige Säkularisation im Heiligen Römischen Reich war eine zentrale Forderung und strategische Vorgabe Napoleons, um die Bestimmungen des Friedens von Lunéville (1801) umzusetzen. Zwar gab es auch unter den deutschen Landesfürsten schon lange vor Napoleon Begehrlichkeiten, sich kirchlichen Besitz anzueignen, doch erst durch den massiven Druck Frankreichs wurde die Säkularisation 1803 zum Staatsrecht.

Napoleon hatte Frankreich die linksrheinischen Gebiete gesichert. Die dort vertriebenen weltlichen Fürsten verlangten Ersatz. Da der Grund und Boden rechts des Rheins jedoch bereits besetzt war, forderte Napoleon, den Besitz der katholischen Kirche als „Verhandlungsmasse“ zu nutzen. Die Kirche musste bluten, um die weltlichen Fürsten zu entschädigen.

Die geistlichen Reichsfürsten (wie die Kurfürst-Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier oder die Fürstbischöfe von Würzburg und Bamberg) waren die verlässlichsten Stützen des römisch-deutschen Kaisers. Indem Napoleon ihre Herrschaftsgebiete auflösen ließ, entzog er dem Kaiser gezielt die politische Machtbasis im Reich.

Napoleon verteilte die reichhaltigen Kirchenbistümer und Klöster bewusst so, dass vor allem mittlere Staaten wie Bayern, Württemberg und Baden massiv vergrößert wurden. Diese profitierten so stark von Napoleons Gnaden, dass sie sich eng an Frankreich banden und bald darauf im Rheinbund zu seinen treuen Militärverbündeten wurden.

Vier Erzbistümer, 25 Fürstbistümer und rund 300 Klöster, Abteien und Stifte wurden aufgelöst. Die Fürsten erhielten durch die Säkularisation oft ein Vielfaches an Land und Untertanen zurück, als sie linksrheinisch an Frankreich verloren hatten.

Einschub: Carl Theodor Anton Maria v. Dalberg, Erzbischof und Kurfürst von Mainz

Die einzige geistliche Territorialherrschaft, die die Säkularisation durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 als souveräner Staat überlebte, war der Erzkanzlerische Kurstaat Mainz unter dem Kurfürst-Erzbischof Karl Theodor von Dalberg. Napoleon löste zwar alle anderen geistlichen Fürstentümer auf, machte bei Dalberg jedoch aus rein taktischen Gründen eine Ausnahme. Nach der Reichsverfassung war der Erzbischof von Mainz gleichzeitig der Reichserzkanzler – der höchste Beamte des Heiligen Römischen Reiches. Er leitete den Reichstag und war für das Funktionieren des Reiches unentbehrlich. Napoleon brauchte diese Institution vorübergehend noch, um die vorgenommenen Umbrüche formal legalisieren zu lassen.

Karl Theodor von Dalberg war als reformfreudiger, aufgeklärter Fürst bekannt. Napoleon schätzte ihn und sah in ihm einen loyalen Verbündeten, über den er direkten Einfluss auf die verbliebene Reichsstruktur ausüben konnte. Da Dalbergs eigentlicher Hauptsitz, das Kurfürstentum Mainz, linksrheinisch an Frankreich gefallen war, wurde sein Staat im Jahr 1803 rechtsrheinisch völlig neu organisiert und als Erzkanzlerischer Kurstaat (oft auch Kuriat Regensburg-Aschaffenburg) neu formiert. Er bestand aus dem Fürstentum Aschaffenburg, dem Fürstentum Regensburg und der Grafschaft Wetzlar.

Die weltliche Herrschaft der Reichskirche war damit jedoch nur aufgeschoben. Mit der endgültigen Auflösung des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1806 wandelte Napoleon den Staat in das weltliche Fürstentum Frankfurt (ab 1810 Großherzogtum Frankfurt) um. Dalberg blieb zwar bis 1813 dessen Oberhaupt (als Fürstprimas), seine Herrschaft war ab 1806 jedoch faktisch ein rein weltliches Staatskonstrukt.

1813 übersiedelte Dalberg nach Napoléons Niederlage und der Zerschlagung des Großherzogtums Frankfurt aus Aschaffenburg ins Exil nach Konstanz. Zwar besaß er nun keine weltlich politische Macht mehr, übte aber von 1814 an wieder sein geistiges Amt als Erzbischof von Regensburg aus. Dort verstarb er 1817 und wurde im Regensburger Dom beigesetzt, sein Herz in die Stiftskirche nach Aschaffenburg überführt.

Die Auswirkungen auf Österreich – Habsburg

Das Haus Österreich-Habsburg hatte keine unmittelbaren Gebietsverluste durch den Hauptschluss zu beklagen. Die habsburgischen Erblande blieben im Kern erhalten; Österreich wurde nicht einfach unter die Gewinner verteilt. Der Hauptverlust lag darin, dass der Kaiser als Reichsoberhaupt an Gewicht verlor und das Reich als Machtverband ausgehöhlt wurde.

Österreich musste das Breisgau und die Ortenau zur Bildung einer Entschädigung für den Herzog Herkules III. Rinaldo d’Este von Modena abgeben, der im Frieden von Lunéville 1801 sein Herzogtum verloren hatte. Der Herzog verstarb noch 1803 und wurde von seinem Schwiegersohn beerbt. Das politische Gebilde besaß keine geografische Kontinuität. Es bestand theoretisch aus den zurückgeforderten italienischen Stammlanden und den weit entfernten neuen Gebieten am Oberrhein. Eine eigenständige modenesische Verwaltung in Freiburg im Breisgau existierte faktisch nur vom 2. März 1803 bis zum 25. September 1805, da das Gebiet danach im Zuge des Dritten Koalitionskrieges erneut von Frankreich besetzt wurde.

Schon 1799 hatten die Österreicher aus Angst vor den heranrückenden Franzosen die vorderösterreichische Verwaltung nach Günzburg verlegt.

Die Enklave Tarasp in Graubünden musste an die Schweiz abgegeben werden.

Napoleon wollte Österreich klein halten, weshalb die säkularisierten Klöster und die entmachteten Reichsstädte nicht an Österreich gegeben wurden.

Das Erzbistum Salzburg wurde zwar säkularisiert, aber zunächst nicht Habsburg zugeschlagen. Bis 1805 waren Salzburg und Berchtesgaden ein selbstständiges Kurfürstentum.

Die reichen Klöster in Oberschwaben: Ochsenhausen, Zwiefalten, Marchtal, Öhningen und andere gingen an Adlige als Entschädigung für linksrheinischen Besitz, an Württemberg oder an Baden. Nur das Kloster Wiblingen blieb als landsässiges Kloster vorerst noch bei Habsburg.

Die Reichsstädte, darunter auch Überlingen und Pfullendorf, wurden Baden zugeschlagen.

1804 konnte Österreich die zwischen Vorarlberg und der Fürstabtei Füssen gelegene Grafschaft Königsegg-Rothenstein käuflich erwerben und sich auf diese Weise etwas mehr Einfluss in der Region schaffen.

Die Auswirkungen auf Bayern – Wittelsbach

Bayern profitierte stark von dieser Neuordnung. Es erhielt die 6 Hochstifte Augsburg, Bamberg, Freising und Würzburg sowie Eichstätt (teilweise) und Passau (teilweise). Weiter wurden die 13 Reichsabteien / Fürststifte: Ebrach, Elchingen, Irsee, Kaisheim, Kempten, Ottobeuren, Roggenburg, Söflingen (Ulm), St. Ulrich und Afra in Augsburg, Ursberg, Waldsassen, Wengen (Ulm) und Wettenhausen bayerisches Staatsgebiet. Den 15 Reichsstädten Rothenburg, Weißenburg, Windsheim, Dinkelsbühl, Schweinfurt, Nördlingen, Memmingen, Kaufbeuren, Kempten, Leutkirch, Ulm, Bopfingen, Buchhorn [Friedrichshafen], Wangen und Ravensburg wurden die reichsstädtischen Rechte genommen, ebenso den zwei Reichsdörfern Gochsheim und Sennfeld bei Schweinfurt.

Bayern verzichtete ‚gezwungen freiwillig‘ auf die weit entfernte, isolierte rechtsrheinische Pfalz und überließ sie Baden.

Die Auswirkungen auf Württemberg

Durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 erzielte das Herzogtum Württemberg massive territoriale Gewinne. Als Entschädigung für den Verlust der von Frankreich besetzten linksrheinischen Gebiete, wie der Grafschaft Mömpelgard (Montbeliard) im südlichen Elsass erhielt Württemberg insgesamt neun freie Reichsstädte, acht geistliche Herrschaften und ein Dorf.

Von den säkularisierten Klöstern erhielt Württemberg Ellwangen, Zwiefalten, Schöntal, Comburg und Heiligkreuztal, sowie die Frauenalbschen Besitztümer und weitere Rechte und Klöster (wie Rottenmünster und Margrethausen).

Diese katholisch oder reformiert geprägten Regionen veränderten das bis dahin homogen protestantisch-lutherische Herzogtum grundlegend. Die neuen Territorien wurden zunächst als separater Staat unter dem Namen „Neu-Württemberg“ absolutistisch verwaltet.

Gleichzeitig wurde der württembergische Herzog Friedrich II. zum Kurfürsten erhoben, was ihm aber nichts mehr nutzte, weil sich das Reich bereits 1806 auflöste.

Die Auswirkungen auf Baden

Die napoleonische Neuordnung Südwestdeutschlands führte dazu, dass die Markgrafschaft Baden innerhalb weniger Jahre um das Fünffache anwuchs. Aus dem territorial zersplitterten Kleinstaat am Oberrhein wurde ein geschlossenes Großherzogtum. Baden profitierte massiv von der Säkularisation geistlicher Fürstentümer und der Mediatisierung von Reichsstädten und Adelsherrschaften.

Baden erhielt die wirtschaftlich bedeutenden Kerngebiete der Kurpfalz mit den Städten Mannheimund Heidelberg. Die rechtsrheinischen Besitzungen der Bistümer Konstanz, Basel, Straßburg und Speyer fielen an Baden. Dazu gehörte auch das Stift Öhningen auf der Halbinsel Höri am Bodensee. Bayern hatte nun keine Gebiete mehr in der Pfalz.

Baden einverleibte sich die Reichsstädte der Ortenau (Offenburg, Gengenbach, Zell am Harmersbach) sowie des Linzgaus (Überlingen und Pfullendorf). Die Reichsstadt Biberach ging zwar an die Grafen von Sandizell und Erbach, diese hatten aber kein Interesse an der Verwaltung einer weit entfernten oberschwäbischen Stadt. Noch im selben Jahr (1803) verkauften sie ihre gerade erst erworbenen Rechte an das Kurfürstentum Baden. Baden übernahm die Stadt und richtete das badische Amt Biberach ein.

Zahlreiche reichsunmittelbare Abteien wurden badisch, darunter das Reichsstift Petershausen sowie das riesige Kloster Salem.

Verluste verzeichnete Baden, indem Baden im Frieden von Lunéville (1801) alle Gebiete westlich des Rheins an Frankreich abtreten musste. Dazu gehörten unter anderem die Grafschaft Eberstein sowie Teile der Markgrafschaft Baden-Baden im Elsass.

Die Reichsstadt Wimpfen fiel 1803 kurz an Baden, musste jedoch unmittelbar danach in einem Austauschvertrag an Hessen-Darmstadt abgegeben werden.

Auch Baden wurde zum Kurfürstentum aufgewertet.

Der Reichsdeputationshauptschluss war der erste Schritt zu einer Neuordnung, aber es blieb nicht dabei. Die Kleinstaaterei war noch nicht behoben. Die neuen Staaten hatten zwar durch die Säkularisation und die Aufhebung der Reichsstädte an Macht gewonnen, es blieben aber noch viele Grafschaften und Fürstentümer, die erst in einem nächsten Schritt einverleibt werden konnten.

Vom Reichsdeputationshauptschluss bis zum Frieden von Pressburg 1803-1806

Der dritte Koalitionskrieg

Es war Napoleons Ziel, Bayern und die anderen süddeutschen Staaten durch diese Begünstigungen an sich zu binden und aus dem bisherigen Bündnis mit Österreich herauszulösen. Dieser Plan hatte Erfolg, Bayern wechselte die Seiten. In der Bogenhauser Vereinbarung schlossen Bayern und Frankreich ein Geheimbündnis. Bayern scherte hiermit aus der anti-napoleonischen Koalition mit Österreich und Russland aus. Kurfürst Max IV. Joseph rang sich nach langem Zögern zu diesem Bündniswechsel durch, weil weder Napoleon noch Österreich eine Neutralität Bayerns hinnehmen würden.

Bayern musste 20.000 Soldaten für Frankreich stellen, Frankreich den Durchmarsch durch Bayern gestatten und Napoleons Eroberungen in Italien anerkennen. Weil die Österreicher von dem Bogenhauser Abkommen nichts wussten, marschierten sie Anfang September 1805 in Bayern ein, mit dem Ziel, bis an die Iller vorzustoßen und das damals bayerische Ulm zu besetzen, um es als Festung auszubauen.

Dieser Plan misslang. In der Schlacht bei Elchingen am 20.10.1805 wurde die Österreichische Armee in Ulm von Napoleon eingeschlossen und musste kapitulieren.

Einschub: Seeschlacht bei Trafalgar

Am anderen Ende des Kriegsschauplatzes kündeten sich aber Probleme für Napoleon an. Napoleon plante, auch in Großbritannien einzumarschieren und England zu erobern. Wegen Großbritanniens Insellage musste er sich dazu aber einer Seeschlacht stellen. Diese fand am 21. Oktober 1805 zwischen der britischen Flotte und der verbündeten französisch-spanischen Flotte statt. Die Briten unter Admiral Horatio Nelson wandten jedoch eine ungewöhnliche Schlachtordnung an, mit der Frankreich nicht gerechnet hatte. Nelson schlug die Allianz vernichtend, erlitt nur ein zehntel der Verluste und sicherte den Briten die Herrschaft über die Weltmeere für die nächsten 100 Jahre.

In der folgenden ‚Dreikaiserschlacht‘ bei Austerlitz am 02.12.1805 schlug Napoleon die Koalition aus Österreich, Russland, England, Schweden und Neapel vernichtend. Mit dem Frieden von Pressburg am 26.12.1805 wurde der Krieg beendet.

Napoleon und das Französische Kaiserreich wurden in ihrer Hegemonialstellung auf dem Kontinent gestärkt. Der Krieg bereitete das Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 vor.

Die drei verbündeten Staaten Bayern, Baden und Württemberg konnten sich in den Brünner Verträgen (Dezember 1805) Rangerhöhungen und weitere Gebietsgewinne sichern. Bayern und Württemberg avancierten zu Königreichen, Baden zum Großherzogtum.

Bayern erhielt durch den Krieg Tirol samt den Bistümern Brixen und Trient und Vorarlberg sowie die noch der Kirche gehörenden Teile von Passau, Eichstätt und Augsburg. Allerdings musste Bayern Würzburg abgeben, weil der Habsburger Erzherzog Ferdinand (Bruder von Kaiser Franz II) sein Stammland Toskana an Napoleon verloren hatte und dafür entschädigt werden musste. Würzburg wurde zum Großherzogtum Würzburg erhoben, Ferdinand wurde Großherzog. Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo 1814 fiel das Großherzogtum größtenteils zurück an Bayern.

Schon am 01.01.1806, also nur 6 Tage nach dem Friedensschluss in Pressburg, wurde Kurfürst Maximilian IV Joseph in München zum König Maximilian I Joseph erhoben.

Der Rheinbund

16 napoleontreue süd- und westdeutsche Reichsfürsten traten aus dem Reichsverband aus und schlossen sich am 12. Juli 1806 in Paris zum Rheinbund unter französischem Protektorat zusammen. Hiermit war das Ende des Heiligen Römischen Reiches besiegelt und seine offizielle Auflösung nur noch eine Formsache.

Die 16 Rheinbundstaaten erklärten auf dem Reichstag in Regensburg am 01.08.1806 offiziell ihren Austritt aus dem HRR. Napoleon verkündete, die Reichsverfassung nicht länger anerkennen zu können und forderte Franz II. ultimativ auf, binnen 10 Tagen die Kaiserkrone niederzulegen. Franz II. beugte sich dieser Aufforderung und legt die Krone ab. Er blieb aber dennoch Kaiser von Österreich.

Der Rheinbund hatte für Bayern erhebliche territoriale Auswirkungen – er war der entscheidende rechtliche Mechanismus für Bayerns vollständige territoriale Abrundung. Die Rheinbundakte ermöglichte, dass Bayern sich nun auch die restlichen reichsunmittelbaren Territorien einverleiben konnte. Bayern erhielt die ehemaligen Reichsstädte Augsburgund Nürnberg und die Markgrafschaft Ansbach, 1810 auch noch Bayreuth. Die fränkische und schwäbische Reichsritterschaftwurde mediatisiert, d.h., deren gebiete fielen auch an Bayern.

Bayern wurde hiermit zum geschlossenen Flächenstaat ohne reichsunmittelbare Enklaven entwickelt.

Bis Ende 1808 war der Rheinbund auf 39 Mitgliedstaaten angewachsen und umfasste ungefähr die Hälfte des alten Reichsgebietes.

Gebietsveränderungen 1806

Durch den Frieden von Preßburg 1805 und die Rheinbundakte 1806 wurden die Grenzen in Europa erneut neu gezogen.

Bayern

Bayern expandierte vor allem nach Süden (auf Kosten Österreichs) und gliederte die letzten verbliebenen, freien Enklaven in Franken und Schwaben ein.

Österreich musste die Grafschaft Tirol, inklusive der Fürstbistümer Brixen und Trient, sowie Vorarlberg komplett an Bayern abtreten. Dies war der größte Flächengewinn.

Allerdings brachte der Gewinn von Tirol massiven Sprengstoff mit sich: Die strikte, zentralistische bayerische Verwaltung unter Minister Montgelas missachtete die traditionellen Tiroler Freiheitsrechte, was bereits 1809 im blutigen Tiroler Volksaufstand unter Führung von Andreas Hofer eskalierte.

Das ehemals preußische Fürstentum Ansbach in Franken fiel über ein Tauschgeschäft mit Frankreich an das neue Königreich Bayern.

Bayern verleibte sich die Markgrafschaft Burgau, die Reichsstadt Augsburg, das Fürstbistum Eichstätt sowie Besitzungen des Deutschen Ordens (wie Mergentheim und Ellingen) und zahlreiche reichsritterschaftliche Gebiete ein.

Hiermit war die Zeit Vorderösterreichs endgültig zu Ende.

Demgegenüber standen Gebietsverluste. Bayern musste sein rechtsrheinisches Herzogtum Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf an Frankreich abtreten. Napoleon machte daraus das Großherzogtum Berg für seinen Schwager Joachim Murat.

Während Bayern Ansbach gewann, musste das Fürstentum Bayreuth zunächst an Frankreich abgegeben werden und wurde erst 1810 bayerisch.

Auch Nürnberg wurde am 15. September 1806 offiziell in das neue Königreich Bayern eingegliedert. Damit endete nach über 500 Jahren die Unabhängigkeit der einst mächtigen, selbstständigen Stadtrepublik.

Württemberg

Das Jahr 1806 war für Württemberg der wichtigste Meilenstein seiner Staatsgeschichte: Am 1. Januar 1806 wurde, wie in Bayern, das Kurfürstentum zum Königreich Württemberg ausgerufen. Hiermit verbunden waren weitere große Gebietsgewinne. Württemberg gliederte vor allem die verbliebenen habsburgischen Gebiete in Oberschwaben sowie zahlreiche reichsritterschaftliche und fürstliche Enklaven ein.

Dazu gehörten die Grafschaft Hohenberg (Region Rottenburg am Neckar), die Landvogtei Schwaben (Region Altdorf/Weingarten), die Herrschaft Ehingen und die Donaustädte (wie Munderkingen, Riedlingen und Mengen).

Baden trat die wichtige oberschwäbische Exklave Biberach im September 1806 an Württemberg ab.

Gewaltige Adelsbesitzungen verloren ihre Souveränität und wurden württembergisch. Darunter fielen das Fürstentum Hohenlohe, die Besitzungen der Fürsten von Thurn und Taxis inklusive der gerade erst erworbenen Klöster Marchtal und Buchau, die Grafschaften Oettingen und Waldburg sowie das Fürstentum Königsegg.

Da Württemberg im Zentrum des napoleonischen Neuordnungskonzepts für Süddeutschland stand und Napoleon ein starkes Gegengewicht zu Österreich schaffen wollte, musste das Land im Jahr 1806 fast keine nennenswerten Verluste hinnehmen. Es gab lediglich minimale Grenzbereinigungen und den Verzicht auf kleinere Exklaven an den Grenzen zu Baden und Bayern, um ein geschlossenes Staatsgebiet zu formen.

Der „schwäbische Zar“: König Friedrich I. regierte das vergrößerte Land als absolutistischer Herrscher. Er hob die alten Rechte der württembergischen Landstände (die sogenannte „Altwürttembergische Ehrbarkeit“) auf, um den Staat zentralistisch von Stuttgart aus zu lenken.

Die neuen Gebiete im Süden waren fast ausnahmslos tief katholisch. Das bis 1803 homogen protestantische Herzogtum musste nun Hunderttausende katholische Untertanen integrieren. Um religiöse Konflikte zu vermeiden, garantierte der König eine weitgehende religiöse Gleichberechtigung. Diese Entwicklung führte in den Folgejahren zur Gründung des katholischen Landesbistums Rottenburg, da die katholischen Württemberger nicht mehr von ausländischen Bischöfen (wie dem in Konstanz oder Augsburg) regiert werden sollten.

Baden

Nach Österreichs Niederlage gegen Napoleon erhielt Baden den Breisgau inklusive Freiburg und die Ortenau. Die Stadt Konstanz und die Deutschordensgebiete auf der Insel Mainauwurden badisch.

Die ehemals autonomen Fürstentümer Fürstenberg (Donaueschingen), Leiningen, Salm-Reifferscheidt und Löwenstein-Wertheim wurden mediatisiert und der badischen Landeshoheit unterstellt. Die Gebiete der Reichsritter im Kraichgau, Hegau und Odenwald fielen an Baden.

Kleinere Teile der ehemaligen habsburgischen Landgrafschaft Nellenburg im Hegau fielen ebenfalls an Baden.

Im Vergleich zu den enormen Gewinnen waren die realen Verluste Badens verschwindend gering. Sie dienten vor allem der diplomatischen Bereinigung von Grenzen.

Der badische Herrscher Karl Friedrich stieg 1806 schließlich zum Großherzog auf.

Die Zeit bis zum Wiener Kongress 1814

Für Bayern hatte der Seitenwechsel und der Gebietszuwachs aber auch Schattenseiten. Die Tiroler standen der neuen Herrschaft ablehnend gegenüber. Durch die bayerische Übernahme wurde die Tiroler Autonomie und alte Privilegien aufgehoben, den Tiroler Bauern wurden wichtige Privilegien entzogen. Die Oberste Verwaltung wurde in München zentralisiert, Innsbruck verlor seine regionale Bedeutung. Die französische Wehrpflicht(Conscription) wurde zwangsweise eingeführt und die Einschränkung kirchlicher Rechte, verbunden mit einer ablehnenden Haltung gegenüber Klöstern, stieß auf Widerstand.

Andreas Hofer sammelte gleichgesinnte und gründete eine Widerstandsbewegung. Am Berg Isel kämpfte Hofer in drei siegreichen Schlachten gegen die Bayern, musste sich aber in der vierten Schlacht am 01.11.1809 geschlagen geben. Er wurde in Mantua festgesetzt und am 20.02.1810 auf Befehl Napoleons hingerichtet.

Der vierte Koalitionskrieg

Durch die Bindung an Napoleon musste sich Bayern jetzt auch an den von Napoleon oft provozierten Kriegen beteiligen.  Bayern stellte mit 30.000 Mann das größte Kontingent der deutschen Staaten im Rheinbund. Kriegsführung gehörte zu Napoleons Art, Politik zu betreiben und so dauerte es nicht mehr lange, bis der nächste Krieg ins Haus stand.

Nur drei Monate nach Gründung des Rheinbunds forderte der preußische König Friedrich Wilhelm III Napoleon auf, seine Truppen hinter den Rhein zurückzuziehen. Dieses Ansinnen kam für Frankreich einer Kriegserklärung gleich und war der Auslöser für den vierten Koalitionskrieg. In der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt am 14.10.1806 erlitt Preußen zwei schwere Niederlagen. Der preußische König floh mit seinem Hof nach Ostpreußen. Napoleon zog am 27.10.1806 siegreich durch das Brandenburger Tor und besetzte Berlin. Im November 1806 zog Napoleon weiter gen Osten bis nach Polen.

Um die Unterstützung Englands zu verhindern, erließ Napoleon am 21.06.1806 eine Kontinentalsperre gegen Großbritannien. Es durften keine Waren mehr von der Insel auf den Kontinent verbracht werden.

Die Schlacht von Preußisch-Eylau am 07.02.1807 endete unentschieden zwischen Frankreich und Russland, aber am 14.06.1807 musste sich der Zar in der Schlacht bei Friedland geschlagen geben.

Der Frieden von Tilsit am 07.07.1807 beendete den Krieg. Preußen verlor fast die Hälfte seines Gebietes und musste hohe Kriegsentschädigungen leisten. Der preußische Staat schied als Großmacht aus und sank auf den Status eines minder mächtigen Staates herab. Napoleon befand sich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Die Kontinentalsperre konnte nun effektiv durchgesetzt werden und der Handel mit Großbritannien wurde vollständig unterbrochen.

Spanischer Volkskrieg 1807-1814

Auch am Spanischen Volkskrieg musste Bayern aufgrund seiner Bündnisverpflichtung mit 30.000 Soldaten teilnehmen. 1807 annektierte Napoleon Spanien, setzte König Karl IV ab und erhob seinen Bruder Joseph zum spanischen König. Daraufhin begann der spanische Volksaufstand, der erste Befreiungskrieg gegen Napoleons Vorherrschaft.

Großbritannien unter General Wellington und Portugal, was sich nicht an der Kontinentalsperre beteiligte, verbündeten sich gegen Frankreich. Am 21.08.1808 musste sich Frankreich in der Schlacht von Vimeiro geschlagen geben. Es brauchte aber noch einige Gefechte, bis Wellington die Franzosen am 07.10.1813 über den Grenzfluss Bidassoa in den Pyrenäen zurücktrieb.

Am 10.04.1814 fügte Wellington bei Toulouse den Franzosen eine vernichtende Niederlage zu, die den Krieg beendete. Am Tag darauf dankte Napoleon als Kaiser ab und wurde ins Exil nach Elba geschickt.

Fünfter Koalitionskrieg 1809

Österreich und Großbritannien hofften 1809 darauf, dass Napoleons Truppen in Spanien gebunden seien, wo Spanien sich von der Fremdherrschaft der Franzosen lösen wollte und um seine Unabhängigkeit kämpfte. Das sollte sich als Fehleinschätzung erweisen.

Am 10.04.1809 griff Österreich unter Erzherzog Karl das mit Frankreich verbündete Bayern an. Doch die angegriffenen wehrten sich und fügten den Österreichern am 22.04.1809 bei Eggmühl (Regensburg) schwere Verluste zu. Napoleon rückte mit seinen Truppen nach Österreich ein und besetzte am 13.05.1809 Wien. Beim Rückzug zerstörten die Österreicher die Brücken über die Donau und verhinderten in der Schlacht bei Aspern-Essling die Überquerung der Donau durch die Franzosen.

Dies war die erste Niederlage Napoleons in einer Feldschlacht. Noch einmal suchten die Streitparteien eine Auseinandersetzung. In der Schlacht bei Wagram erlitten beide Seiten zwar hohe Verluste, Napoleon blieb aber doch Sieger.

Österreich bat am 12.07.1809 in Znaim um einen Waffenstillstand und ergab sich am 14.10.1809 im Frieden von Schönbrunn. Wien zahlte bitter für die Niederlage: Salzburg, Berchtesgaden und das Innviertel fielen an Bayern, Westgalizien an Warschau und Ostgalizien an Russland. Die dalmatinische Küste und Triest fielen an Frankreich. Neben Kontributionszahlungen an Frankreich wurde die Österreichische Armee auf 150.000 Soldaten beschränkt. Österreich blieb ztwar als unabhängiger Staat erhalten, war aber geschwächt. Napoleon sicherte seine Position in Europa.

Der sechste Koalitionskrieg

Der Sechste Koalitionskrieg (1812–1814) war der größte Krieg der Napoleonischen Kriege. Er begann mit dem Russlandfeldzug 1812 und ging nahtlos in die Befreiungskriege in Mitteleuropa 1813-1814 über. Die Koalition bestand aus Russland, Großbritannien, Preußen, Schweden, Österreich und vielen deutschen Kleinstaaten gegen Frankreich mit dem Rheinbund.

Seit der Seeschlacht bei Trafalgar am 21.10.1805, die Admiral Nelson für sich entschied, beherrschte Großbritannien die Weltmeere. Durch die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre versuchte er, Großbritanniens Handelsmacht und damit seine wirtschaftliche Kraft zu brechen. An der Kontinentalsperre beteiligten sich alle europäischen Staaten außer Portugal. Als Zar Alexander von Russland 1810 beschloss, sich nicht mehr an der Kontinentalsperre zu beteiligen, wollte Napoleon Russland wieder in das System zurückzwingen. Unter der russischen Bevölkerung wuchs die Unzufriedenheit über die wirtschaftlichen Folgen der Kontinentalsperre. Alexander und Napoleon misstrauten sich immer mehr gegenseitig. Alexander fürchtete seinerseits, Napoleon könnte ein Königreich Polen gründen und so Unruhe unter der polnischen Bevölkerung Westrusslands auslösen. Napoleon hoffte auf einen kurzen Feldzug mit einer raschen Entscheidungsschlacht, die Russland an den Verhandlungstisch zurückzwingen sollte. Zar Alexander prognostizierte: „In Europa ist kein Platz für uns beide“.

Im Jahr 1812 befand sich Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht. Ganz Kontinentaleuropa (mit Ausnahme des Osmanischen Reichs und Russlands) befand sich unter seiner Kontrolle. Napoleon bot mit 600.000 Mann eines der größten Heere der Weltgeschichte auf. Auch Bayern war wieder mit 30.000 Soldaten auf der Seite Napoleons mit dabei.

Napoleon überschritt mit seiner Grande Armée am 24.06.1812 den Grenzfluss Memel ohne Kriegserklärung und marschierte in Russland ein.  Die russische Kriegstaktik bescherte Napoleon Probleme. Er kam zwar bis Moskau, konnte sich dort aber nicht halten und musste einen verlustreichen Rückzug antreten. Von den 600.000 Mann der Grande Armée starben weit über 400.000. Über 100.000 gerieten in Gefangenschaft. Der Mythos der Unbesiegbarkeit Napoleons war endgültig zerstört, was unmittelbar darauf die Befreiungskriege in Europa auslöste.

Das Ergebnis war katastrophal: Napoleons Rückzug aus Russland führte zum Ende von Napoleons Herrschaft über Frankreich und Europa. Sein Desaster in Russland brach Napoleons europäisches Herrschaftssystem und war der Anfang vom Ende der napoleonischen Herrschaft. Seine Armee zerfiel auf dem Rückzug im Dezember 1812, ohne dass es eines formellen Friedensschlusses bedurfte.

Nun wendete sich das Blatt gegen Napoleon. Es begannen die Befreiungskriege. Preußen löste sich am 30.12.1812 in der Konvention von Tauroggen faktisch von Napoleon und trat im März 2013 offiziell gegen Napoleon an. Auch Österreich schloss sich im August 1813 der Koalition gegen Napoleon an. Hierdurch verschoben sich die militärischen Kräfteverhältnisse zu Ungunsten Frankreichs. Nach mehreren Schlachten im sächsischen Raum stellten die Koalitionstruppen die französische Armee bei Leipzig. Die Völkerschlacht vom 16.-19.10.1813 war mit über einer halben Million beteiligter Soldaten die bis dato größte Schlacht der Geschichte.

Die Alliierten trieben Napoleon zurück nach Paris, wo er am 12.04.1814 abdankte und anschließend nach Elba verbannt wurde. Am 31.03.1814 erkannten die europäischen Mächte Ludwig XVIII als König an. So wurde ohne offiziellen Akt die konstitutionelle Monarchie in Frankreich wieder eingeführt.

Der Wiener Kongress

Auf Betreiben der verbliebenen Groß- und Mittelmächte in Europa wurde ein Kongress einberufen, der das Ziel haben sollte, die vornapoleonische politische und gesellschaftliche Ordnung in Europa wiederherzustellen. Die alten Herrscherfamilien wurden wieder eingesetzt. Die Mächte beschlossen, sich gegenseitig Schutz bei erneuten revolutionären Bewegungen zu geben und suchten einen Ausgleich zwischen den europäischen Großmächten. Weitere Kriege und Revolutionen sollten mit allen Mitteln verhindert werden.

Unter Leitung des österreichischen Außenministers Fürst von Metternich verhandelten 200 europäische Staaten mit Königen, Fürsten und über 200 Verhandlungsführern vom 18.09.1814-09.06.1815 eine Neuordnung Europas.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Es entstanden 5 Großmächte, die alle Gebietsgewinne verzeichneten. Nur Frankreich wurde auf die Grenzen von 1792 zurückgeführt, im Gegensatz zu den Vereinbarungen des Friedens von Lunéville.

Preußen erhielt Gebiete im Rheinland, in Westfalen und das Saarland, Österreich wurde durch die Rückgewinnung von Tirol (von Bayern) und Norditalien wieder gestärkt. Auch Russland wurde gestärkt und bekam einen Teil Polens (Kongresspolen). Großbritannien erhielt Malta, Ceylon (Sri Lanka), Helgoland und Hannover. Nur Polen wurde mit seinen Interessen völlig übergangen und quasi von der Landkarte entfernt.

Die Bourbonen wurden in Frankreich und Spanien wieder als Herrscher eingesetzt. Alle europäischen Mächte außer England und dem Kirchenstaat bildeten die sog. ‚Heilige Allianz‘ als Schutz gegen Widerstand von innen.

Positiv anzumerken ist auch die formelle Verurteilung der Sklaverei.

Neu am Wiener Kongress war auch, dass der Kongress als Gesellschaftliches Ereignis klonzipiert war. Die Prominenz Europüas traf sich in Wien, ‚der kongress tanzt‘ war das gesellschaftliche Motto. Hierdurch sollten sich die Teilnehmer auch persönlich näherkommen und Feindschaften abbauen. Die Konferenzdiplomatie sollte zu einer belastbaren Friedensordnung führen.

Am 09.06.1815 wurde die Schlussakte des Wiener Kongresses mit 121 Artikeln unterzeichnet.

Das Konzept hatte im Großen und Ganzen Erfolg. Fast 40 Jahre lang, bis zum Krimkrieg 1853, herrschte Frieden in Europa. Die Regelungen hatten im Wesentlichen bis zum ersten Weltkrieg 1914 Bestand.

Durch die Restauration der vorherigen Herrschaftsstruktur wurden allerdings nationale und demokratische Bewegungen infolge des Wiener Kongresses unterdrückt. Erst nach dem ersten Weltkrieg war die Zeit der bestimmenden Königshäuser endgültig vorbei.

Bayerns Staatsgebiete veränderte sich durch das Ergebnis des Wiener Kongresses noch einmal stark. Tirol (ohne das Amt Vils), Vorarlberg (ohne das Amt Weiler), Salzburg ohne Berchtesgaden, das Innviertel und das Hausruckviertel mussten wieder an Österreich zurückgegeben werden. Jülich und Berg wurden an Preußen abgetreten.

Die rechtsrheinische Pfalz mit Mannheim und Heidelberg hatte Bayern schon 1803 auf Geheiß Napoleons an Baden abgeben müssen.

Bayern gewann hingegen die linksrheinische Pfalz (Rheinpfalz) als zusammenhängendes Gebiet, weil Frankreich die Annektionen aus der Réunion aberkannt wurden. Die Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth kam wieder zu Bayern, das Großherzogtum Würzburg und das Fürstentum Aschaffenburg (Dalberg-Staat). Aus fuldaischem Besitz kamen Hammelburg und Brückenau sowie Tiefer von Bieberstein. Aus Hessischem Besitz kamen Alzenau, Miltenberg, Amorbach und Heubach. 1819 trat Baden im Frankfurter Generalrezess noch das Amt Steinfeld ab.

Waterloo

Napoleon wäre nicht Napoleon gewesen, wenn er sich der politischen Situation so einfach gefügt hätte. Nach nur 9 Monaten im Exil gelang ihm am 26.02.1815 die schon länger vorbereitete Flucht von Elba an die südfranzösische Küste bei Cannes, die er am 01.03.1815 mithilfe von 1000 Getreuen und 7 Schiffen erreichte.

Er marschierte sofort nach Paris und gewann auf dem Weg schnell viele Anhänger. König Ludwig XVIII floh am 18.03.1805 aus Paris. Napoleon erreichte am 20.03.1815 Paris und übernahm erneut die Herrschaft als Kaiser. Man muss sich vor Augen führen, dass dies alles während der Verhandlung des Wiener Kongresses stattfand! Mit der Schlussakte des Wiener Kongresses am 09.06.1815 hatte Napoleon eigentlich die politische Legitimation verloren und war jetzt genau genommen nur noch ein Rebell. Dennoch gab er sich nicht geschlagen und suchte seinen Sieg.

England und Preußen hatten gleich nach Napoleons Rückkehr zwei Armeen an den Niederrhein und nach Belgien entsandt. Napoleon wollte eine Vereinigung der beiden Armeen verhindern und marschierte am 15.06.1815 in Richtung Brüssel. Er wollte die beiden Armeen voneinander trennen, bevor sie vereint kämpfen konnten. Napoleon stellte die Preußen unter Feldmarschall Blücher am 16.06.1815 bei Ligny zum Gefecht und erreichte seinen letzten militärischen Sieg.

Blücher zog seine Armee aber vor der vollständigen Vernichtung zurück. Napoleon suchte das Gefecht mit dem britischen Befehlshaber Herzog Wellington bei Waterloo. Am 18.06.1815 begann das Gefecht. Blücher verordnete seiner Armee Eilmärsche und konnte so während der Schlacht Wellington zu Hilfe kommen (‚Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen‘ soll Wellington gesagt haben.) Gemeinsam wurde Napoleon vernichtend geschlagen.

Napoleon floh zurück nach Frankreich. Durch die Niederlage verlor er aber Vertrauen und damit auch den politischen Rückhalt. Am 22.06.1815 musste er ein zweites Mal abdanken, nicht ohne vorher noch seinen Sohn Napoleon II als Kaiser der Franzosen zu proklamieren. (Der erst 4-jährige Napoleon II trat nie ein politisches Amt an. Als Sohn von Marie Louise von Österreich verbrachte er sein Leben in Schönbrunn, wo er am 22.07.1832 mit nur 21 Jahren an Tuberkulose starb.)

Der legitime König Ludwig XVIII kehrte am 03.07.1815 nach Paris zurück, Napoleon floh nach Rochesfort, wo er am 15.07.1815 von den Engländern gefangengenommen und nach Northumberland verbracht wurde. Am 15.10.1815 wurde er auf die weit entfernte britische Insel St. Helena verbannt, wo er am 05.05.1821 starb.

Endgültige Staatsformung durch den Wiener Kongress

Bayern

Um die europäische Friedensordnung zu stabilisieren und die Großmacht Österreich zu beschwichtigen, musste Bayern auf die unter Napoleon gewonnenen alpinen Regionen verzichten. Tirol und Vorarlberg fielen komplett zurück an das Kaisertum Österreich.

Das ehemalige Erzbistum Salzburg, das erst 1810 bayerisch geworden war, wurde bis auf den Rupertiwinkel an Österreich abgetreten. Berchtesgaden verblieb allerdings bei mBayern.

Das Innviertel und das Hausruckviertel an der Grenze zu Oberösterreich gingen ebenfalls dauerhaft an Wien verloren.

Als Entschädigung für die verlorenen Alpentäler sicherte sich Bayern im Wiener Hauptvertrag sowie im Münchner Vertrag von 1816 Gebiete, die das Land ökonomisch und kulturell tiefgreifend veränderten.

Bayern erhielt ein völlig neues, vom Kernland isoliertes Territorium im Westen – die linksrheinische Pfalz mit der Hauptstadt Speyer. Dies war der Ausgleich für das 1803 an Baden abgetretene rechtsrheinische Land.

Bayern bekam das Fürstentum Aschaffenburg / Regensburg. Zusammen mit Würzburg bildete das Territorium Aschaffenburg die Basis für das spätere Unterfranken.

Kleinere Herrschaften und Städte im schwäbischen Raum wurden dem bayerischen Staatsgebiet dauerhaft einverleibt, um die Grenzen abzurunden.

Das größte geografische Manko der Wiener Ordnung war die Zerstückelung des Staates. Das Königreich bestand nun aus dem großen bayerisch-fränkisch-schwäbischen Kernland und der weit entfernten Exklave am Rhein. Bayern forderte daher in Wien vehement einen Landkorridor durch den Süden Hessens und den Norden Badens unter Rückforderung der rechtsrheinischen Kurpfalz. Baden lehnte dies allerdings strikt ab. Der erbitterte badisch-bayerische Grenzstreit drohte zeitweise in einen Krieg zu eskalieren und wurde erst 1819 im Frankfurter Territorialrezess endgültig zugunsten Badens entschieden. Bayern musste akzeptieren, dass seine Pfalz eine Exklave blieb.

Mit dem Jahr 1819 war die äußere Gestalt Bayerns für die nächsten 130 Jahre fixiert. Der Kongress zementierte ein politisches Gebilde, das aus drei großen Kulturräumen bestand: dem alten, katholischen Stammbayern im Süden, den überwiegend protestantisch und industriell geprägten neuen Gebieten in Franken und Schwaben sowie der liberalen Rheinpfalz.

Württemberg

Der Wiener Kongress (1814/15) brachte für das Königreich Württemberg im Vergleich zu Bayern oder Österreich kaum nennenswerte Grenzverschiebungen.

Dank des russischen Zaren Alexander I. (der Friedrichs Schwager war und seine schützende Hand über Württemberg hielt) konnte die württembergische Delegation alle Restitutionsansprüche erfolgreich abwehren.

Es fanden lediglich kleinere Grenzbereinigungen zu Baden, Hohenzollern und Bayern statt.

Die eigentliche Herausforderung für Württemberg verschob sich nun von der Außen- zur Innenpolitik. Das in Wien völkerrechtlich anerkannte Königreich bestand aus dem alten, protestantischen Kernland („Altwürttemberg“) und den neuen, katholischen Gebieten („Neu-Württemberg“). Um diese tiefen kulturellen und religiösen Risse zu überbrücken und den neuen Untertanen Rechte zu garantieren, musste eine gemeinsame Verfassung her. Dies führte direkt nach dem Kongress zu einem jahrelangen, erbitterten Verfassungskampf, den Friedrichs Nachfolger, König Wilhelm I., im Jahr 1819 mit der Verabschiedung der fortschrittlichen württembergischen Verfassung erfolgreich beendete.

Baden

Auch Baden konnte mit Hilfe des russischen Zaren Alexander I sein Überleben retten. Alexander I war seit 1793 mit der badischen Prinzessin Luise von Baden (1779–1826), der Schwester des Großherzogs von Baden, verheiratet. Außerdem war Alexanders Mutter die Schwester des württembergischen Königs Friedrich I. Alexanders Schwester heiratete zudem den Kronprinzen und späteren württembergischen König Wilhelm I.

Diese engen Familienbande waren der Hauptgrund, warum beide süddeutschen Staaten auf dem Wiener Kongress (1814/15) trotz ihrer langen Treue zu Napoleon nicht zerschlagen wurden – der Zar hielt schützend seine Hand über die Verwandtschaft: Blut ist dicker als Wasser!

Obwohl Baden seine Grenzen in Wien von 1815 halten konnte, blieb die „Badische Frage“ völkerrechtlich ungelöst. Bayern gab seine Ansprüche auf die Pfalz nicht auf. Die Situation verschärfte sich, als absehbar war, dass die badische Hauptlinie des Hauses Zähringen ohne männliche Erben aussterben würde. Bayern bestritt das Nachfolgerecht der nachgeborenen, „morganatischen“ Linie (den Grafen von Hochberg).

Erst Jahre nach dem Wiener Kongress wurde die Staatsformung Badens endgültig rechtlich abgesichert. Auf dem Aachener Kongress (1818) erkannten die europäischen Großmächte die Hochberger Linie als thronfolgeberechtigt an. Damit verlor Bayern den rechtlichen Hebel für eine Übernahme. Im Frankfurter Territorialrezess 1819 wurde der badisch-bayerische Grenzstreit endgültig beigelegt. Bayern musste formell auf alle Ansprüche auf die rechtsrheinische Pfalz verzichten. Im Gegenzug erhielt Baden die volle völkerrechtliche Garantie für sein Staatsgebiet in den Grenzen von 1806.

Der Sonderfall Hohenzollern

Die historische Region Hohenzollern, die schwäbischen Stammlande der Familie Hohenzollern, nahm im Zuge der napoleonischen Neuordnung und des Wiener Kongresses eine völlig andere Entwicklung als die großen Nachbarn Bayern, Württemberg und Baden.

Während die mächtigen Nachbarstaaten zu Großherzogtümern oder Königreichen aufstiegen, blieben die schwäbischen Hohenzollern zwei eigenständige, souveräne Fürstentümer, die jedoch geografisch komplett umklammert wurden.

Über Jahrhunderte war das Haus Hohenzollern in der schwäbischen Heimat in zwei katholische Linien gespalten: Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen. Im Reichsdeputationshauptschluss gelang beiden Fürstentümern eine Vergrößerung. Hohenzollern-Sigmaringen erhielt unter anderem die Herrschaften Glatt und Beuron sowie das Kloster Inzigkofen.

Als Napoleon 1806 die Souveränität fast aller kleinen Grafen und Reichsritter in Schwaben zerschlug (Mediatisierung) und sie Württemberg oder Baden zuschlug, blieben die beiden Fürstentümer Hohenzollern wie durch ein Wunder unabhängig. Die Fürstin Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen lebte in Paris, war eine enge Freundin von Napoleons Ehefrau Joséphine und setzte bei Napoleon persönlich durch, dass ihre Familie die Landeshoheit behalten durfte. Beide Fürstentümer traten im Juli 1806 dem Rheinbund bei.

Nach dem Sturz Napoleons war die Lage im Wiener Kongress prekär: Das mächtige, angrenzende Königreich Württemberg hatte ein gieriges Auge auf die kleinen Territorien geworfen, um sein Staatsgebiet abzurunden. Die schwäbischen Fürsten besaßen aber mächtige Verwandte – die protestantische Linie der Hohenzollern saß in Berlin auf dem preußischen Königsthron. Preußen legte in Wien ein klares Veto gegen eine Mediatisierung der schwäbischen Verwandten ein.

Sowohl Hohenzollern-Hechingen als auch Hohenzollern-Sigmaringen wurden im Wiener Hauptvertrag in ihrer vollen Souveränität bestätigt. Sie traten als eigenständige Staaten dem Deutschen Bund bei. Das Staatsgebiet der beiden Fürstentümer glich aber einem schmalen, zerrissenen Streifen, der sich von der Schwäbischen Alb bis zur Donau erstreckte. Sie waren nun vollständig vom Staatsgebiet des Königreichs Württemberg umschlossen, eine souveräne Enklave mitten im schwäbischen Konkurrenzstaat.

Die in Wien zementierte Zwergstaatlichkeit hielt nur gut drei Jahrzehnte. Im Zuge der Revolution von 1848/49 gerieten beide Fürsten unter massiven Druck ihrer Bürger, die liberale Reformen forderten. Da die kleinen Staaten wirtschaftlich kaum überlebensfähig waren und die Fürsten von Hechingen und Sigmaringen die Kontrolle verloren, wählten sie einen radikalen Schritt: Sie traten ihre Souveränität freiwillig im Dezember 1849 an das Königreich Preußen ab.

Als Folge marschierte Preußen 1850 (im Rahmen der Niederschlagung der Revolution) militärisch ein und vereinte die beiden Fürstentümer zu den „Hohenzollerischen Landen“. Damit war Hohenzollern kein eigener Staat mehr, sondern ein preußischer Regierungsbezirk mit Verwaltungssitz in Sigmaringen. Für das Königreich Württemberg bedeutete dies, dass es fortan einen preußischen „Keil“ (eine preußische Exklave) mitten in seinem eigenen Territorium dulden musste, was bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs (1945) so blieb.

Der Sonderfall Coburg

Das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld war 1792 ein eigenständiges, reichsunmittelbares Fürstentum im Heiligen Römischen Reich, das von der ernestinischen Linie des Hauses Wettin regiert wurde.

Während des Ausbruchs der Französischen Revolutionskriege im Jahr 1792 wechselten die Regenten in Coburg kurz nacheinander. Herzog Ernst Friedrich regierte seit 1764. Unter seiner Herrschaft stand das Land aufgrund immenser Schulden unter kaiserlicher Zwangsverwaltung (Debetkommission).

Herzog Franz Friedrich Anton (1750-1806) übernahm 1800 die Regierung und gilt als der eigentliche Initiator des spektakulären Aufstiegs der Coburger Familie im 19. Jahrhundert. Er verheiratete seine Kinder geschickt in die mächtigsten Herrscherhäuser Europas. Der Coburger Prinz Albert heiratete 1840 die britische Königin Victoria. Das britische Königshaus hieß fortan offiziell Sachsen-Coburg und Gotha (erst 1917 benannte es sich wegen des Ersten Weltkriegs in Windsor um). Coburger Prinzen bestiegen im 19. Jahrhundert außerdem die Throne von Belgien (Leopold I.), Portugal (Ferdinand II.) und Bulgarien (Ferdinand I.). Coburg wurde zum familiären Zentrum des europäischen Hochadels

Der Coburger Prinz Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld, der Bruder des regierenden Herzogs, wurde im Spätjahr 1792 zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Reichsarmee gegen das revolutionäre Frankreich ernannt.

Herzog Ernst I (1784-1844) übernahm 1806 nach dem Tod seines Vaters das Doppelherzogtum.

Im Wiener Kongress 1814 konnte sich Herzog Ernst I das Recht sichern, beim Wiener Kongress am Verhandlungstisch der Gewinner zu sitzen. Er forderte massiven territorialen Ersatz für die Kriegsschäden und Einbußen seines Landes. Da das nähere Umland Coburgs bereits an Bayern und Württemberg verteilt war, griffen die Großmächte in der Wiener Kongressakte (Artikel 49) zu einer kuriosen Notlösung: Sie sprachen Coburg das Fürstentum Lichtenberg weit entfernt im Westen am linken Rheinufer, im heutigen Saarland und Rheinland-Pfalz, mit Sitz in St. Wendel zu. Dieses linksrheinische „Geschenk“ erwies sich für Coburg auf Dauer jedoch als politischer und finanzieller Mühlstein. Die rheinländischen Untertanen in Lichtenberg waren durch die französische Zeit stark liberal geprägt. Sie rebellierten wiederholt gegen die autoritäre Verwaltung aus dem fernen Coburg. Um das Dauergrau der unruhigen Exklave loszuwerden, fackelte Ernst I. schließlich nicht lange. Er verkaufte das Fürstentum Lichtenberg im Jahr 1834 für eine immense jährliche Rente (80.000 Taler) dauerhaft an das Königreich Preußen. Mit diesem Geld sanierte er die Coburger Staatskasse und finanzierte prachtvolle Schlossbauten in der fränkischen Heimat

In der großen thüringischen Erbteilung im Jahr 1826 gab Herzog Ernst I den Landesteil Saalfeld ab, erhielt dafür Gotha hinzu und firmierte fortan als Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Herzog Ernst I. regierte ab 1826 zwei getrennte Landesteile: das Herzogtum Coburg im Süden und das Herzogtum Gotha im Norden. Es handelte sich um eine Realunion: Beide Staaten blieben rechtlich eigenständig mit eigenen Landtagen, wurden aber vom selben Herzog in Personalunion regiert. Der herzogliche Hof pendelte fortan im jährlichen Rhythmus zwischen den beiden Residenzstädten Coburg (Schloss Ehrenburg) und Gotha (Schloss Friedenstein).

Herzog Ernst II (1814-1893) erließ eine fortschrittliche Verfassung, garantierte Pressefreiheit und machte Coburg zu einem Zufluchtsort für politisch Verfolgte und nationale Denker. In Coburg wurden wegweisende nationale Verbände gegründet, darunter der Deutsche Nationalverein (1859), der Deutsche Schützenbund (1861) und der Deutsche Sängerbund (1862).

Im Deutschen Krieg von 1866 stellte sich Coburg-Gotha (im Gegensatz zu Bayern oder Hannover) frühzeitig auf die Seite Preußens.

Im Jahr 1871 wurde das Doppelherzogtum ein souveräner Bundesstaat des neu gegründeten Deutschen Kaiserreiches. Das Coburger Militär wurde als Regiment in die preußische Armee eingegliedert.

Mit der Novemberrevolution am Ende des Ersten Weltkriegs brach die Herrschaft des letzten Herzogs, Carl Eduard, zusammen. Am 14. November 1918 erklärte er seinen Thronverzicht. Das Doppelherzogtum zerfiel endgültig in seine beiden alten Landesteile: Gotha wurde Teil Thüringens, während Coburg den Weg nach Bayern einschlug. In einer Volksabstimmung am 30.11.1919 entschieden sich die Coburger mit 88,1% für einen Anschluss an Bayern. Der Freistaat Coburg wurde am 1. Juli 1920 offiziell mit dem Freistaat Bayern vereinigt.

Geschichtlicher Rahmen – Grundbeitrag

Hier finden Sie einen Überblick über die Beiträge zur Geschichte mit Angaben zum strukturellen Aufbau der Artikelreihe. Von hier aus können Sie alle Beiträge über einen Link aufrufen.

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