Denkmalschutz,  Handel,  Wohnhäuser

Hauptstraße 1

Lageplan

Das Grundstück am Anfang der Hauptstraße gehört zu den ältesten bebauten Flächen in der Stadt. Da von vor 1465 keine Aufzeichnungen existieren, können ältere Eigentümer archivalisch nicht festgestellt werden.

1465 beginnen die Listen mit Contz Schmid, dem 1475 Michel Schmid folgt. 1497 ist Michel Schmid als Bürgermeister genannt. 1517 erscheint er letztmals in der Steuerliste. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.

1518 setzen sich die Aufzeichnungen mit Bernhard Ochs (auch Öxlin od. Öchslein genannt) fort. Aus der Ära der Schmid lebt 1548 noch Magdalena Schmid mit Teileigentum hier. 1559 ist Bernhard Oechsslein Alleineigentümer. Ihm gehören auch noch weitere Häuser in der Stadt. Zumindest ab 1562 ist er auch auf den Gebäuden Hauptplatz 6 und/oder 7 zu finden. Auch 1575 steht Bernhard Ochs mit Behausung und Hofraum in der Liste.

1587 heißt der nächste Hausbesitzer Tobias Schmid. 1595 erscheint Hans Jacob Brigel, der 1601 das Nachbarhaus HS03 hinzu erwirbt. Im großen Häuserbeschrieb von 1614 heißt es: Hans Jacob Brigel, Zwei Behausungen [HS01 und HS03], Stadel und Hofraithen, Wert 1300 fl (für beide Häuser). 1626 kommt Hans Philipp Buchmiller und 1636 Andreas Schnitzer, Behausung und Stadel, Wert 600 fl. Auch Schnitzer gehören HS01 und HS03. 1651 ist der Wert auf 450 fl abgesunken, wohl infolge des 30-jährigen Krieges. Schnitzer gehört auch der halbe Teil des Gebäudes Memminger Str. 3.

1670 gehört das Haus für die nächsten 80 Jahre der Familie Faulhaber. Sie beginnt mit Hans Faulhaber, Kramer; Wert 600 fl. Dem Haus wird ein Stadel mit Hofraithen für 200 fl zugeordnet, der hinter dem Haus Hauptstr. 3 liegt. Da sich der Wertansatz dieses Gebäudes aber nicht ändert, wird angenommen, dass es sich um einen Stadelneubau handelt. 1692 hat das Haus schon wieder 690 fl Wert. Hans Faulhaber übernimmt 1694 die Behausung Günzburger Str. 23 von seinem Schwager Andreas Schnitzer als Erbschaft. 1716 wohnt Anna Faulhaber, Witwe, hier, danach Hans Caspar Faulhaber, Wachszieher.

Das Haus muss mittlerweile in einem schlechten Zustand gewesen sein, denn 1739 finden wir die Notiz im Steuerbuch: Zue Erbauung dieser baufälligen Behausung lt. Prot. V. 5.2.1750 zu obigen 70 fl aus ULF Pflegschaft allhie weitere 70 fl schuldig geworden. Zur Finanzierung eines Neubaus leiht sich Caspar Faulhaber u.a. bei Abraham Michael Mayer in Nürnberg Geld.

Neubau 1750

1750 entstand ein Neubau. Caspar Faulhaber hatte sich aber wohl etwas übernommen, denn er kam 1757 wegen seiner Schulden in die Gant. Schuldnerin war u.a. Maria Elisabetha Schellin, Tochter der Francisca Leopoldina Lutzenberger, Wachszieherswitwe. Die Abstammung der Frau Lutzenberger ist noch nicht geklärt.

1758 kaufte Anton Keuffel, Jörgenwirt und Engelwirt (Memminger Str. 4 und Hauptstr. 9) das Haus aus der Gant, gab es aber schon 1759 an Joseph Tanner, Bärenwirt (Hauptstr.21) weiter. 1773 ging der Stadel hinter dem Haus von Hauptstr. 1 auf
Hauptstr. 3 über.

Am 06.10.1784 kaufte Mathias Mayer, Kupferschmied, das Haus. Für den 06.12.1786 liegt wieder ein Eigentumsübergang an Mathias Mayer, Kupferschmied, vor. Vielleicht handelt es sich hier um einen gleichnamigen Sohn. 1788 ist eine Erbauseinandersetzung aktenkundig: Mathias Mayers Vater hatte scheinbar eine Witwe Christ geheiratet, deren Sohn Martin Christ, Müller zu Pest in Ungarn, seinem Halbbruder Mathias Mayer Geld geliehen hatte und dies nun zurückfordert.

Anton Koeferle, gräfl. Assessor (vorher auf Hauptstr. 7 als Mitbewohner) erwirbt das Haus am 27.03.1824. 1831 ist Thomas Koeferle, Assessor, als Eigentümer genannt und 1843 seine Witwe. Am 27.08.1848 geht Anton Köferles Verlassenschaft an Alois Habisreitinger, Kürschner. Habisreitinger gehörte vorher das Haus MM30, welches er an Thomas Hieber verkaufte. Am 26.04.1851 siedelt er hier an.

1855 haben wir Habisreitinger Alois und Alfred Rues als Mitbewohner und 1858 Alois Habisreitinger und Agnes Rues, Witwe. 1861 haben wir Alois Habisreitinger und Agnes Rues, Witwe, sowie Johann Oberbigler als Mitbewohner. Alois‘ Sohn Hugo Habisreitinger heirate am 11.05.1867 die Tochter des Mitbewohners, Barte Oberbigler.

Habel vermutet eine spätklassizistische Fassadenänderung zu dieser Zeit, ein Nachweis konnte hierfür aber noch nicht gefunden werden.

Hugo Habisreitinger, Merzler, ist letztmals 1882 genannt, am 22.06.1885 erscheint Bernhard Thalhofer, Merzler, als nächster Eigentümer. Thalhofer baut 1893 eine Waschküche ein, erneuert 1901 einen Kamin und legt 1903 eine Plattform an.

Am 14.06.1917 kauft der Buchhändler Kaspar Schultheiß das Gebäude. Er gründet hier eine plastische Kunstwerkstatt Devotionalien Kaspar Schultheiß sen., St.-Anna-Verlag und Plast. Kunstanstalt. Am 27.07.1923 stellt Schultheiß den Antrag, das Trottoir vor seinem Haus asphaltieren lassen und bittet hierzu um einen Zuschuss. Der Stadtrat hält die veranschlagten Kosten von 1,5 Mio M (Inflation!) für zu hoch. Um 1925 baut Schultheiß ein Schaufenster ein. Kaspar Schultheiß erwirbt 1929 das Haus Günzburger Str. 10 und verlegt die Produktion dorthin.

Max Schultheiß, Sohn des Kaspar Schultheiß, übernimmt am 01.01.1937 das Haus und richtet hier ein Geschäft für Haus- und Küchengeräte ein. Zum 01.01.1965 übernimmt seine Tochter Annemarie Engelhart-Schultheiß Haus und Laden und führt das Geschäft weiter. 1974 wird die Ost- und Südansicht renoviert. Das Haus geht am 01.10.2002 an ihren Sohn über. Das Haushaltswarengeschäft wird aufgegeben.

Kathrin Hogrefe eröffnet am 15.03.2003 unter dem Namen ‚Little 1‘ ein Kindermodengeschäft. 2013 wird das Haus umgebaut und saniert. Hierbei wird auch das DG ausgebaut und erhält Gauben. Danach wechselt das Geschäft den Betreiber. Frau Mayerhofer führt eine Mode-Boutique.

2021 wird der Laden wird zu einer Bäckereifiliale des Bäckers Stetter aus Pfaffenhofen umgebaut, der seine Verkaufsstätte von der gegenüberliegenden Hauptstr. 4 hierher verlegt.

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