Memminger Str. 3 – Baujahr 1495, dennoch verloren
Dieses Haus ist einer der schmerzlichsten Verluste in der Altstadt. Obwohl es auf 1495 datiert wurde, verschwand das Haus ohne eine Neubebauung der Baulücke.
Das Grundstück ist eines der ältesten bebauten. Wegen fehlender Steuerlisten können leider keine Eigentümer vor 1475 festgestellt werden. 1475 steht eine ‚Luxerin‘ im Steuerbuch, was aber nicht gesichert ist. 1492 ist ein Haintz fyel genannt.
1495 wurde das Haus gem. dendrochronologischer Datierung erbaut. Der erste Eigentümer wird Haintz Veyel. 1502 ist seine Witwe Eigentümerin. 1508 finden wir Thoman Hartmann und Othmar Bed; Haintz Veyels Witwe wechselt auf Lessingstr. 13.
1509 ist kein Eigentümer genannt. Dies könnte auch dahingehend interpretiert werden, dass das Haus erst jetzt aus 10 Jahre altem abgelagerten Holz erbaut wurde. Othmar Bed [Biderman] ist ab 1511 auf Hauptplatz 3 genannt. Es wird vermutet, dass es sich bei ihm um eine Abstammung von Berian (Hauptplatz 3) handelt und das Haus hier im Zweitbesitz stand. 1512 ist Benedict Zimerman genannt. 1515 kommt Othmar Biderman von Hauptplatz 3 zurück, Benedict Zimmermann wechselt auf Hagenthalerstr. 4. 1517 ist Johanna Biderman die Eigentümerin.
Aus den Jahren 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.
1548 ist Peter Mayr, Schuster, bis 1567 Alleineigentümer. Peter Mayr dürfte der Sohn des Schusters Ulrich Mayr auf Memminger Str. 1 sein.


Teilung und Hauserweiterung
Hausteil B, hinten (1567-1666)
Im Jahr 1567 baut der Zimmermann Hans Kramer (vorher Illerberger Str. x) auf der Ostseite ein Haus an (Hausteil B). 1570 kann Kramer auch das Vorderhaus kaufen, so dass ihm nun beide Teile gehören. 1572 gibt Kramer den Hausteil A an Hans Pirchelein ab. Er behält die hintere Haushälfte B und teilt diese ab 1572 mit Michel Eberwein. Nach Kramers Tod ab 1575 gehört Michel Eberwein die hintere Haushälfte alleine. 1594 wird Michel Eberweins Witwe neue Eigentümerin.
1598 ist Apolonia Baur Gamlin neue Eigentümerin und wird ab 1604 als Apolonia Burckhardin geführt (jetzt verheiratet?) oder Herr Bernhardt Burckhart (Sohn, Stiefsohn?), der ab 1607 klar als Alleineigentümer genannt wird.
Ab 1614 steht Georg Mayer, Geiger, im Liegenschaftsbuch, ab 1623 seine Witwe. Nach deren Tod haben wir es 1636 mit den Erben zu tun. Georg Bader (Memminger Str. 4) kauft die halbe Behausung, Wert 200 fl, ihm gehört auch das Nachbargebäude MM01. Die Gebäudebeschreibung ist gestrichen. Das bedeutet, dass der Anbau abgebrochen wurde und nur noch die Hofstatt bestand. So ist auch der Eintrag von 1654 zu verstehen: Georgen Mayers halbe Behausung darzue [zu MM01], beede zusammen bis ers etwann erpauet: alz dann Ers gebürend versteuern soll, Martin Bad zugeschrieben. Die Haushälfte wurde also zusammen mit dem wohl abgebrochenen Haus MM01 an Martin Bader überschrieben.
Nach Martin Baders Tod 1666 erwirbt Maria Fischer die Liegenschaft, bis sie 1674 das Haus MM01 kauft und dort neu baut. Frau Fischer dürfte 1682 gestorben sein, ihre Erben verkaufen zu diesem Zeitpunkt das Haus MM01 an Ursula Schmidt und die Hofstatt MM03 hinten an Daniel Hellensteiner, MM05. Maria Fischer könnte die Frau oder Tochter von Johann Fischer, An der Mauer 5, gewesen sein. Das Haus ist die nächsten Jahre nicht mehr separat erwähnt, gehörte wohl zu Maria Fischers Besitz MM01. Maria Fischer ist wohl 1682 gestorben, ihre Erben verkaufen die beiden Grundstücksteile separat.
Daniel Hellensteiner kaufte 1682 die hinter Memminger Str. 3 gelegene Hofstatt mit Garten von Maria Fischers Erben dazu, früher zu MM01 gehörig. Dieser Grundstücksteil gehört bis heute zu Memminger Str. 5. Die weitere Eigentümerfolge siehe dort.


Hausteil A, vorne
Im Jahr 1567 baut der Zimmermann Hans Kramer (vorher Illerberger Str. x) auf der Ostseite ein Haus an (Hausteil B). 1570 kann Kramer auch das Vorderhaus kaufen, so dass ihm nun beide Teile gehören. 1572 gibt Kramer den Hausteil A an Hans Pirchelein ab. 1575 gehört Teil A Bartlem Marten und 1578 Bartlem Marten und Michel Schland.
1587 finden wir mit Michel Pflaud (oder Schreibweise von Schland, später wieder Pflaud geschrieben?) den nächsten Eigentümer. 1594 hat Balthas Paluner (Pauer), Sattler, das Haus inne. 1614 steht er mit Behausung halber Teil, Wert 200 fl, im Häuserverzeichnis. 1629 folgt ihm Andreas Schnizer, Wert 100 fl. Nach 1650 erwirbt Jacob Schweighart den halben Teil; Wert 160 fl. Jacob Schweighart war vorher auf dem Haus Fischergasse 3.1 ansässig. Noch in der gleichen Dekade stirbt Jacob Schweighart. Seine Witwe beerbt ihn. 1660 ist dann Bernhart Oßwaldt; Wert 230 fl, nächster Eigentümer. In den 1660er-Jahren folgen Jacob Thomans Witwe, Wert 160 fl, und Hans Clelin, Seiler mit zwei halben Behausungen. 1682 ist es nur noch eine halbe Behausung.
Nach 1690 besitzt der Schneider Andreas Hafner, das Haus; Wert 130 fl. 1716 ist Johann Lutzen(berger), Schneider, Witwe, eingeschrieben und ab 1710 ein Anton Hafner, Schneider; Wert 100 fl. Warum zwischen den beiden Hafner ein J.Lutzen erscheint ist nicht zu klären.
Am 21.10.1740 erbt Viktoria Hafner das Haus. Sie ist die Witwe des Anton Hafner und heiratet am 29.10.1740 Johann Huber, Schneider aus Echlishausen, und bringt ihm das Haus zu. Das Nachbarhaus Memminger Str. 5 gehört dem Vater, Johann Huber, Sattler! Johann Huber stirbt 1766. Sein Vater Johann Huber und Victoria teilen das Erbe auf. Erben sind der Vater Johann Huber und der Stiefbruder Michael Hafner aus erster Ehe der Mutter. Am 18.05.1778 stirbt Johann Huber. Es wird Erbschaftssteuer fällig. Das Haus wird als baufällig bezeichnet und daher im Wert von 200 fl auf 150 fl reduziert.
Als nächstes geht das Haus am 16.10.1784 an Jakob Schmid, Weber, bis 1799. Anschließend dürfte das Haus dem Nachbarn MM05, Anton Huber, Sattler, gehört haben, dem schon auch die unbebaute andere Hälfte des Hauses gehörte, denn zeitgleich am 05.01.1799 verkauft er zwei Immobilien, die MM05 an Johann Jann, Schneider, und die MM03 an Franz Sayler.
Der nächste Eigentumsübergang an Peregrin Holl ist nicht dokumentiert. Ab jetzt wird die unbebaute Haushälfte von MM03 nicht mehr erwähnt. Der Grundstücksteil wurde MM05 zugeschlagen. Dies blieb so lange, bis 2013 auch das Haus MM03 vom Nachbarn MM05 erworben und danach abgebrochen wurde.
1818 sitzt der Schneider Lorenz Probst auf dem Haus, bis dessen Sohn Franz am 06.05.1825 das Haus übernimmt. Der nächste Wechsel steht am 24.11.1831 mit Josef Oeffner, Schneidermeister, an. Auch der folgende Eigentümer ist wieder ein Schneider, Josef Rau, der das Haus am 22.11.1839 kauft. Dies war wohl ein Schwiegersohn, denn am 04.10.1851 fällt das Haus an Magdalena Oeffner, Witwe des Josef Oeffner, zurück. 1855 geht das Haus wieder an die Familie Rau: Josef Rau alt und Joseph Rau jungs Eheweib.
Am 17.07.1855 kauft Friedrich Klöpfer von Josef Rau das Haus, verkauft es selbst aber am 20.06.1856 an Anton und Maria Windeisen. 1858 ist Windeisen gestorben, das Haus bewohnen Maria Windeisen und Knoths Witwe. 1875 sitzt mit Anton Sälzle wieder ein Schneider auf dem Haus. 1893 erneuert Sälzle Teile der Außenwand. 1906 steht Magdalena Sälzle als Eigentümerin im Verzeichnis.


In den nächsten Jahren wechseln die Namen zwischen Sälzle und Pfinninger. Inwieweit hier ein verwandtschaftlicher Zusammenhang besteht, wurde nicht ermittelt. Um 1915 wird Fam. Pfinninger, vormals Sälzle, genannt; 1922 Magdalena Sälzle, Hausbesitzerin, die damals einen Kamin erneuern ließ. Am 05.12.1923 geht das Haus an Katharina Pfinninger, Graveurswitwe; Sälzle Alois, Flurschütz, und Karl Sälzle, Gerichtsassessor in Erbengemeinschaft. 1932 wird nur Katharina Pfenninger, Rentnerin, genannt, 1948 Kreszenz Pfinninger, Näherin und am 16.02.1954 Kreszenz Pfenninger und Magdalena Pfenninger als Erbfolger.
1955 erneuern die Geschwister Pfinninger, Damenschneiderei, die nördliche Umfassungswand und verändern hierbei die Fensterteilung. In den folgenden 50 Jahren wurde der Bauunterhalt immer mehr vernachlässigt, zuletzt stand das Haus längere Zeit leer.


2004 wurde ein Antrag auf ersatzlosen Abbruch des Hauses gestellt. Dem Abbruchantrag wurde wegen der städtebaulichen
Bedeutung des Gebäudes seitens der Stadt nicht zugestimmt. Da das Haus aber nicht als Einzeldenkmal in der Denkmalliste stand, konnten sich Landesamt für Denkmalpflege und Landratsamt nicht zu einer Pflicht der Erhaltung des Gebäudes durchringen. Eine bauforscherische Untersuchung kam durch Dendrochronologie auf das Entstehungsjahr 1495. Um zumindest an dieser wichtigen Stelle der Altstadt keine Lücke entstehen zu lassen, machte die Stadt ihre Zustimmung zum Abbruch von einer Wiederbebauung abhängig. Der Antragsteller ließ einen Bauantrag für eine Neubebauung erstellen, die 2011 auch genehmigt wurde. Daraufhin wurde das alte Haus abgebrochen.








Der Bauherr machte von der Baugenehmigung aber keinen Gebrauch. Da keine Bauverpflichtung ausgesprochen worden war, musste die Stadt tatenlos zusehen, wie so doch der unerwünschte Zustand einer Baulücke entstand und das Grundstück nur als Parkplatz genutzt wurde. Zumindest konnte die Stadt erreichen, dass die ungenehmigte großflächige Werbeanlage an der Hauswand des Nachbargebäudes wieder entfernt werden musste.




