Wenenden 1
Der Einödhof Wenenden gehört zwar nicht mehr zur Stadt Weißenhorn, befindet sich aber nur 300 m von der Stadtgrenze entfernt an der Staatsstraße ST2019 in Richtung Biberach. Daher wollen wir ihn als Nachbarschaft behandeln, besonders weil er auch eine interessante Geschichte aufzuweisen hat.
Bei Wenenden handelt es sich um einen historischen Einödhöf, dessen Existenz seit mind. 1750 nachgewiesen ist. Joh. Lambert Kolleffel führt ihn in seiner Beschreibung ‚Schwäbische Städte und Dörfer‘ von 17501 noch unter seinem alten mundartlichen Namen ‚Ehewenden‘ (auch manchmal Ehwenden) auf. Horst Gaiser vermutet in seiner ‚kleinen Kreisbeschreibung‘ hier eine ganze ehemalige Siedlung, die wohl schon im 16. Jhdt. eingegangen sei.

Ein frühe wendische Besiedlung im 9. Jhdt. wird vermutet, konnte aber archivalisch oder archäologisch noch nicht nachgewiesen werden. Eine derartige Hypothese gibt es für den Ort Winnenden bei Waiblingen und wurde evtl. ungeprüft auf den hiesigen namensähnlichen Ort übertragen2. Die Namensforschung ordnet den Ortsnamen jedenfalls anders ein. Laut dem Historischen Ortsnamenbuch (HAB) von Neu-Ulm handelt es sich bei Wenenden um einen sogenannten Übertragungsnamen. Der Name bedeutet demnach „Siedlung, deren Name an die Neuffenburg Winnenden erinnert“. Er leitet sich also sehr wahrscheinlich von der bekannteren Stadt Winnenden in Baden-Württemberg ab (bzw. ist von dortigen Adelsbeziehungen inspiriert) und hat keinen direkten Bezug zu einer slawischen Urbevölkerung vor Ort3. Auch die benachbarte Stadt Weißenhorn stand von ca. 1154-ca.1342 unter der Herrschaft der Neuffen, was die Namemnsgebung beeinflusst haben könnte.
Eine grundherrschaftliche Verbindung zwischen Wennenden, Asch und Biberachzell bestand schon seit dem Jahre 1430.4 Schriftliche Nachweise haben wir allerdings erst ab 1776, abgesehen von der Kolleffel-Erwähnung 1750. Gaiser vermutet einen Neubau um 1730. Der Hof gehörte zur Herrschaft Biberachzell, kirchlich aber immer schon nach Biberach bzw. Roggenburg.
Im Staatsarchiv Augsburg werden aus der Güterbeschreibung derer von Tbürbeim die damaligen Besitzer beschrieben.
Vor 1773 besaß Georg Striebel Wennenden, eine erblehenbare Söldt oder Hauß mit beistehender Ziegelhütten und etwa 25 Jauchert Grund, der auf über 20 Flurstücke verteilt ist. 1773 besaß dieses Söldanwesen Joseph Striebel. 1778 wurden 1000 Dachplatten zur Neueindeckung der Kirche in Biberach vom Wennender Ziegler gespendet.
Es befand sich also hier eine Ziegelei. Auch im Urkataster 1823 ist hier eine Ziegelei vermerkt, der Begriff wurde allerdings später gestrichen, d.h., die Ziegelei wurde aufgegeben. Das Vorhandensein einer Ziegelei hier ist sehr gut möglich, da auf diesem Riedel Lehme anstehen, die auf der Westseite des Ohnsamgwaldes auch in Weißenhorn abgebaut wurden, wo eine große Ziegelei entstand.
1811 war im Rustikalkathaster Joseph Seibolds Witwe als Besitzerin von Wennenden genannt, mit einem Söldgut, 1/4 Tagwerk Garten und mit realer Taferngerecbtigkeit (Gastwirtschaft). Es ist der gleiche Grundbesitz wie 1773 vorhanden. Die erwähnte Taferngerechtigkeit ist auch heute noch im Grundbuch eingetragen. Mit Tauschbrief vom 2. Jänner 1817 erwarb Franz Weber dieses Anwesen, nebst mehreren nachfolgenden Grundstücken und mehreren veräußerten Parzellen, durch Tausch von Johann Roitter gegen seinen in der Gemeinde Biberach gelegenen Bauernhof (Hausnummer 15) und eine erhaltene Aufgabe von 3600 Gulden.
Bei der Liquidation (Grundbucherstellung) 1835 beschrieb sich der Hof in Wennenden als Hausnummer 70, Der Wennenderhof mit realer Taferngerechtsame; Franz Weber, Ziegler. Er wurde eingetragen als Plannummer 1609, Wohnhaus, Stallung unter einem Dache,besonderer Stadel und Ziegelhütten; 1610 a) Gras und Baumgarten 1610 b) Lehmgrube. Danach folgen 42 Plannummern mit allen Äckern, Wiesen und 3 Waldteilen.


1838 heiratete Maximilian Dirr von Bubenhausen die Wennender Tochter Walburga Weber. Deren Eltern zogen nach Biberach in ihr 1835 gekauftes Pfründhaus Nummer 68. 1851 nach dem Tode seiner Ehefrau Walburga heiratete Maximilian Dirr die Theresia Renz aus Weißenhorn und zog mit der ganzen Familie dorthin.
Es ist anzunehmen, dass spätestens mit dem Wegzug von Maximilian Dirr die Ziegelei aufgegeben wurde. Vielleicht wurde auch die Konkurrenz der fuggerschen Ziegelei zu groß. Im Kataster 1846 ist eine Ziegelei schon nicht mehr erwähnt.
1852 erwarben Josef und Elisabeth Betz von Asch, Hausnummer 85, den Wennender Hof. 1862 veräußerte Joseph Betz den Hof an Kircher Johann und erwarb 1862 die Biberacher Mühle. Kircher Johann vertauschte noch im selben Jahr 1862 den Ehwenderhof an Ettenhofer Bartholomäus, der ihn 1875 an seinen Sohn Ettenhofer Georg übergab.
1886 erwarb Graf Adolph von Geldern den Hof, zusätzlich zur gräflichen Gutsverwaltung in Roggenburg. Der Ehwender Hof wurde anschließend verpachtet.
1889 war Frank Michael der Gutspächter von Wennenden. Für ihn wurde am 25.03.1889 eine neue Schankerlaubnis ausgestellt. 1898 zog Matthäus Moll aus Schießen mit seiner Frau Agnes Rueß aus Schleebuch als Gutspächter in Wennenden auf.

Am 18.10.1908 brannte der alte Wenender Hof komplett ab. Im folgenden Jahr wurde der Hof neu gebaut, jedoch in eineren städtebaulichen Form. Ein 1910 datiertes Foto zeigt den neuen Hof mit Girlandenschmuck. Es könnte sich um die Einweihung, aber auch um ein anderes Fest handeln. Es ist nicht bekannt ob, und wenn ja wie lange, der Hof Wenenden noch als Gaststätte genutzt wurde.

Matthäus Moll fiel im I. Weltkrieg 1917 in den Vogesen. Sein Sohn Matthäus Moll übernahm Wennenden im Jahre 1927 mit seiner Frau Kreszentia, geb. Hofmayr aus Biberach, als Pächter. Noch 1959 waren Moll Matthäus und Kreszentia Gutspächter; 1986 waren es Moll Johann und Genoveva.

Im Jahre 1988 verkaufte der Graf von Roggenburg, Graf Johannes von Mirbach-Geldern, Prinz zu Hohenlohe-Jagstberg, die Wennender Hofstelle mit einigen Umgriffsflächen. Der neue Eigentümer errichtete im Jahre 1991 einen Neubau in gleicher Lage unter Verwendung einiger alte Bausubstanz in angepasster Form. Der Hof wird als privater Reiterhof mit Reithalle genutzt.

- Joh. Lambert Kolleffel, Schwäbische Städte und Dörfer, 1974, Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn ↩︎
- (https://www.pangloss.de/cms/index.php?page=winnenden-im-mittelalter ↩︎
- (https://www.geschichte-bayerns.de/ortsnamen/artikel/Schwaben/Neu-Ulm/Wenenden/c9xju) ↩︎
- Andreas Schmid, Biberach und Asch, 1995, Eigenverlag ↩︎


