Archäologie,  Denkmalschutz,  Herrschaft,  Nicht mehr vorhandene Gebäude,  Stadtentwicklung,  Stadtgeschichte

Vorgängerbau des Schlossensembles

Lageplan

Der vorliegende Beitrag beschränkt sich auf die Vorgängerbebauung. Die Baugeschichte des Schlossensembles wird in weiter vertiefenden Beiträgen zur Geschichte, zur Bauforschung und zu den Sanierungsarbeiten für interessierte Leser ausführlicher dargestellt.

Die Schlösser – Archäologische und Bauforschung

Das Schlossensemble

Die Sanierung der Schlösser

Der Vorgängerbau vor 1460

Da das heute ‚Altes Schloss‘ genannte Gebäude erst ab 1460 erbaut wurde, muss es einen Vorgängerbau gegeben haben, wenn die Herrschaft zu dieser Zeit schon mind. 350 Jahre bestanden hat und auch die Nähe zur Kirche das Machtzentrum an dieser Stelle vermuten lässt.

Unter dem heutigen Schlossensemble ist ein Keller vorhanden, welcher sich teilweise außerhalb der Umfassungsmauern des Schlosses befindet und der auch eine andere Lage als die übrigen Bauten aufweist. Hierbei dürfte es sich um den Keller des Vorgängerbaus handeln, den man erhalten hat, während die aufstehenden Bauteile abgebrochen wurden. Bei den archäologischen Grabungen 2010 kamen mehrere Fundamente zutage, die mit Sicherheit einem Vorgängerbau zugeordnet werden können. Ebenso wurden bei der Grabung zum Ausbau des Schlossplatzes 2016 weitere Fundamente aufgedeckt. Leider wurde hierbei nur bis zur Aushubtiefe des neuen Schlossplatzes gegraben und somit die Chance vertan, nach weiteren Resten des Vorgängerbaus zu suchen, um die Baugeschichte des Vorgängerbaus näher erforschen zu können.

Die dokumentierten Funde stammen natürlich aus verschiedenen Zeitstellungen und müssen separat betrachtet werden. Teilweise handelt es sich um noch vorhandene Fundamentreste, teilweise aber auch nur noch um Bodenstörungen, wo frühere Fundamentreste entfernt wurden. Aus der Fülle der Grabungsergebnisse wurden diejenigen Funde ausgewählt, die mit hinreichender Sicherheit dem Vorgängerbau zuzuordnen sind und in einem separaten Plan dargestellt. Der Rekonstruktionszeichnung wurde der älteste überlieferte Grundriss des Schlosses von 1850 unterlegt.

Klar erkennbar sind zwei Kellerräume (6), zwei Rundtürme (1)+(5) und ein Brunnen. Aus den Befunden lässt sich mit einigen Vorbehalten und Unsicherheiten ein möglicher Umriss eines Vorgängerbaus darstellen.

Eine weitere erhaltene Struktur (2) lässt sich in Verbindung mit erkennbaren Bodenstörungen (8) als Toranlage mit Vorturm (12) interpretieren.

Deutlich sichtbar wurde ein ca. 35 m² großer Raum (3), dessen Decke wohl von einem Unterzug getragen wurde, der auf zwei erhaltenen Einzelfundamenten ruhte. Aus diesem Raum führt eine erhaltene Treppe (4) in den Keller, wo sich ein zugesetzter Zugang mit Segmentbogen befindet.

Im südlichen Teil des Untersuchungsbereichs waren die Funde spärlicher und nicht so klar zu interpretieren. So finden wir hier im Keller zwar einen weiteren Raum (7), dieser scheint auch einen Ausgang neben dem Bergfried gehabt zu haben, der Raum ist aber nicht in ein logisches Gefüge einzuordnen. Überhaupt sind außer den Kellern in dieser Zone keine weiteren Funde aufgetreten, zu umfangreich waren die mehrfachen Umbauten im Bereich des Mittelbaus.

Auch die Deutung des Befundes (2) als Torsituation kann nicht bewiesen werden. Es liegt zwar nahe, den Mauerzug (9) als breiten Mittelflur zu interpretieren, die Ergänzung (8) zum südlichen Teil des Tores muss aber als Hypothese stehen bleiben. Die gefundenen Fundamente des Fuggerschlosses lassen die Möglichkeit einer Zweitverwendung offen. Auch die Fundamentreste (10) konnten nicht klar definiert werden. Denkbar wäre an dieser Stelle die Treppenanlage zur Erschließung der Burg. Vielleicht sind es aber auch nur überdimensionierte Fundamente einer späteren Latrinenanlage.

Relativ glaubhaft ist die Annahme, dass die Südwand des Vorgängerbaus später als Fundament für die Stadtmauer verwendet wurde. Die breite Stadtmauer von 1480 endet auf der Nordseite bei ca. 498,45 m NN, während der südliche Teil noch mind. 1,50 m tiefer geht, die Sohle wurde nicht ergraben. Dies deutet darauf hin, dass dieser Mauerteil älter ist (11). Zwischen dem Bergfried und der Außenmauer des Vorgängerbaus gab es keine bauliche Verbindung, deutlich ist das aufgefüllte Material zu sehen. Die Stadtmauer wurde 1480 auf die Mauerreste des Bergfrieds aufgesetzt. Auf der Außenseite ging die Mauer erheblich tiefer. Auf dem Foto der freigelegten Innenseite der Stadtmauer ist deutlich die schmälere Stadtmauer hinten und die breiteren Fundamente der Bogenstellung zu sehen, wie in der Aufmaßzeichnung dargestellt. Bei der Sanierung wurden diese Bereiche mit Beton unterfangen.

Offenbar wurde an manchen Stellen beim Bau des Fuggerschlosses 1514 auf ältere Fundamente aufgebaut, denn die Fundamentmauern gehen noch mind. 4-5 m gegenüber dem heutigen EG-Fußboden in die Tiefe, ohne dass dieser Bereich als Keller genutzt wurde. Zudem bestehen Teile dieser Fundamente aus älteren Bruchsteinen. Daraus wird die These entwickelt, dass sich hier gegenüber der Eingangssituation ein Torbau auf der anderen Grabenseite befunden haben könnte. (12)

Noch größere Unsicherheit besteht bei der Bestimmung der Umgebung. Habel1 erwähnt in seiner Baubeschreibung der Stadtbefestigung ein Wasserschloss der Herren von Neuffen, ohne leider hierfür eine Quelle zu nennen. Die vorgefundenen Strukturen brachten zwar keinen Beweis hierfür, lassen aber die Richtigkeit vermuten. Die Fundamente des jetzigen Alten Schlosses gehen noch fast 4 Meter tief in die Erde. Sie bestehen aus großen Bögen, welche aber kein Scheitelmauerwerk aufweisen, so dass der Raum innerhalb dieser Substruktionen nicht als Keller genutzt wurde. Es ist denkbar, dass es sich hier um reine Unterkonstruktionen handelt, die in den umgebenden Wassergraben gebaut wurden und man es nicht wagte, diesen feuchten Bereich als Keller zu nutzen. Als Verteidigungslinie war der Wassergraben nicht mehr erforderlich, nachdem man zu dieser Zeit (1480-1504) auch die Stadtbefestigung neu anlegte und die Stadt mit einer Mauer umschloss. Auch die Fundamentmauern des Fuggerschlosses gehen noch ca. 5 m tief in die Erde, ohne dass der hierdurch entstehende Raum erkennbar als Keller genutzt wurde. Diese Erkenntnis verdichtet die Theorie der Vorgängerbebauung.

Die Begrenzung des Wassergrabens ist nicht gesichert. Die Darstellung des Wassergrabens ist daher nur symbolhaft zu verstehen.

Wenn man der Annahme einer Torsituation im Westen folgt, liegt es nahe, auch die Erschließung des Vorgängerbaus im Westen zu vermuten. Das würde bedeuten, dass der Zugang zur Stadt und zum Schloss an verschiedenen Stellen erfolgte. Dies deckt sich mit der These einer früheren Bebauung des Kirchplatzes und eines anderen Zugangs von Osten.

Aus dem Jahr 1450 ist die Urkunde eines Gerichtsurteils überliefert, in dem der Herrschaft untersagt wurde, aus einem Gebäude mist und andern unsauberkeit in den Gang zur Kirche zu schütten. Nach dieser Beschreibung muss sich ein Gebäude westlich der Kirche in einem geringen Abstand befunden haben. Die genaue Lage dieses Gebäudes ist leider nicht bekannt.

Aus diesen Angaben lässt sich mit einiger verbleibender Unsicherheit ein Lageplan der Situation vor 1460 rekonstruieren, der zumindest einen Gedankenanstoß über die Situation vor dem großen Ausbau der Stadt zwischen 1450 und 1500 darstellen soll.

  1. Habel, Bayerische Kunstdenkmale; Stadt und Landkreis Neu-Ulm, 1966, Deutscher Kunstverlag, München ↩︎

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