Archäologie,  Denkmalschutz,  Planer und Architekten,  Verwaltung und Behörden

Die Sanierung der Schlösser

Der vorliegende Beitrag stellt schwerpunktmäßig Planung und Durchführung der Maßnahme sowie die Ergebnisse der Bauforschung dar. Die Baugeschichte des Schlossensembles wird in weiter vertiefenden Beiträgen zur Geschichte, zur Bauforschung und zu den Sanierungsarbeiten für interessierte Leser ausführlicher dargestellt.

Der Vorgängerbau des Schlossensembles vor 1460

Die Schlösser – Archäologie und Bauforschung

Das Schlossensemble

Die Sanierung der Schlösser

Der Gedanke, das Schlossensemble als Rathaus zu nutzen, entstand schon recht früh. Seit 1971 gehörten die Schlösser wieder vollständig der Stadt, so dass man grundsätzlich darüber verfügen konnte. Die ganze Stadtverwaltung war bis 1973 noch in sehr beengten und veralteten Räumlichkeiten, ohne Zentralheizung und mit überalterten Sanitärräumen, untergebracht. Dann siedelte die Stadtkämmerei 1973 in das 2.OG des Alten Schlosses über, was zwar eine räumliche Entlastung mit sich brachte, aber organisatorisch beschwerlich war. 1986 folgte das Stadtbauamt in das 1.OG des Alten Schlosses, ergänzt 1987 um die neu geschaffene Museumsleitung und das 1988 erstmals besetzte Tiefbauamt.

So wurden schon 1986 erste Überlegungen für eine Gesamtnutzung angestellt. Die Räume im Fuggerschloss wurden aber noch gebraucht und es gab noch sehr viel bei der Infrastruktur der Stadt nachzuholen, im Straßenbau, Kanalbau mit Kläranlage und bei der Wasserversorgung. Außerdem lief ab 1985 die Altstadtsanierung und es wurden viele Neubaugebiete erschlossen, so dass auch bei Schulen und Kindergärten ein Nachholbedarf entstand. Die Finanzmittel waren knapp und so wurde der Umbau der Schlösser immer weiter herausgeschoben.

Zudem wusste man auch, dass die Bausubstanz der Schlösser schadhaft und die technische Ausrüstung völlig veraltet war. Man ahnte auch, dass im Dachbereich schwere statische Schäden vorlagen. Das würde alles sehr teuer, man verschob die Gedanken Jahr um Jahr.

Voruntersuchungen

1988 wurde aber ein organisatorischer Anfang gemacht. Das Bauforschungsbüro Müthe & Gaissmaier wurde mit der Erstellung eines verformungsgerechten Aufmaßes aller Geschosse mit Schnitten beauftragt. Auf diesen sehr exakten Plänen konnte man nun aufbauen.

Einige Jahre lang waren die Prioritäten in der Stadt weiter auf andere Projekte fokussiert, aber Anfang 2005 wurde die Sanierung der Schlösser doch in Angriff genommen. Die Anzeichen einer statischen Überlastung des Bauwerks verdichteten sich. Nach Gesprächen mit dem Denkmalamt und dem Statiker Dr. Schütz, Kempten, wurden vertiefende bauliche Voruntersuchungen in Angriff genommen. 1988 hatte man aus Kostengründen die Dachgeschosse nicht aufgemessen, was nun nachgeholt wurde. Nach der Zuschusszusage des Denkmalamts wurden am 14.11.2005 die Aufträge für die Ergänzung des Aufmaßes und begleitende statische und restauratorische Untersuchungen erteilt.

Das Ergebnis der statischen Untersuchungen war erschreckend. Sowohl in den Dachwerken des alten Schlosses als auch des Fuggerschlosses wurden gravierende Mängel festgestellt. Auch die Fundamente des Fuggerschlosses und des alten Schlosses wurden mittels Suchschlitzen untersucht und brachten Erkenntnisse über die Baukonstruktion. Erstmals wurden hierbei auch die Reste der später als Bastion identifizierten Bauteile gefunden.

Nachdem diese Ergebnisse vorlagen, wusste man, dass Handlungsbedarf bestand. Das Stadtbauamt erstellte eine Machbarkeitsstudie, ob die erforderlichen Räume funktional in den alten Gebäuden untergebracht werden könnten. Diese wurde hinsichtlich der denkmalpflegerischen Anforderungen mit dem LfD abgesprochen. Als unabdingbar bei einer Sanierung wurde eine zentrale neue Treppe und ein Aufzug angesehen. Wegen der schon sehr gestörten Struktur im Mittelbau erlaubte das LfD hier auch stärkere Eingriffe. Es musste aber festgestellt werden, dass eine derartige Baumaßnahme nicht im laufenden Betrieb durchgeführt werden könnte.

2007 konnte die Stadt nach der 1996 erfolgten Verlegung des Landwirtschaftsamtes nach Krumbach das weitgehend leerstehende Dienstgebäude in der Memminger Straße 59 kaufen. Dieses Gebäude war geeignet, die Stadtverwaltung während der Sanierungsphase interimsweise zu beherbergen. Jetzt konnte am 24.09.2007 der Grundsatzbeschluss zur Sanierung der Schlösser gefasst werden.

Planungsphase

Planungsvergabe und Wettbewerb

Im Januar 2008 wurde das VOF-Verfahren zur Planungsvergabe mit begleitendem Wettbewerb ausgelobt. In diesem sollten besonders für die neue Eingangssituation im Mittelbau Ideen entwickelt werden. Auf einer Besichtigungsfahrt am 02.05.2008 informierte sich der Stadtrat bei ähnlichen Bauvorhaben über die Sanierungsmöglichkeiten. Am 06.06.2008 fand die Preisgerichtssitzung über die Entwürfe statt. Sieben Architekten hatten anonym Vorentwürfe für den Umbau eingereicht.

Nach eingehender Prüfung und Beurteilung der Arbeiten wurde festgestellt, dass kein Büro die Aufgabe vollständig zufriedenstellend gelöst hatte. So ergingen zwei 2. Preise und ein 3. Preis mit der Aufforderung, die Entwürfe nochmals zu überarbeiten.

Schon am 11.06.2008 lagen die überarbeiteten Entwürfe vor und der Stadtrat entschied nach persönlicher Vorstellung der Planer, den Auftrag an das Büro Mann & Partner, Laupheim/München, zu vergeben, weil man sich hiervon die beste Lösung versprach.

Entwurfsplanung

Am 26.07.2008 beschäftigte sich der Stadtrat in einer ganztägigen Klausurtagung zusammen mit dem Architekten intensiv mit dem Vorentwurf und erarbeitete gemeinsam eine Grundsatzlösung der Sanierung.

Am 22.12.2008 wurden die Fachingenieure beauftragt, damit die statischen, haustechnischen, bauphysikalischen, brandschutztechnischen und restauratorischen Fragen gemeinsam geklärt werden konnten. Bis zum 27.07.2009 waren diese Fragen soweit geklärt, dass das Sanierungskonzept dem Stadtrat vorgestellt und von diesem beschlossen werden konnte. Nach dessen Verabschiedung konnte bereits am 26.08.2009 der Bauantrag eingereicht werden.

Nachdem die Verwaltung zum 01.04.2009 in das Interimsrathaus umgezogen war, standen die Schlösser komplett leer und konnten weiter untersucht werden. An vielen Stellen wurden Böden, Decken und Wände geöffnet, um den baulichen Zustand noch näher zu untersuchen und die erforderlichen Arbeiten zu erkennen. Gleichzeitig wurden alle Räume im Bestand dokumentiert.

Nach nur vier Monaten Bearbeitungszeit wurde am 07.01.2010 die Baugenehmigung erteilt. Nun begannen intensive Verhandlungen mit allen zuschussgebenden Stellen. Nach Ausarbeitung der erforderlichen Unterlagen konnte in einer konzertierten Besprechung mit allen Zuschussstellen am 07.05.2010 eine Zuschusszusage von insgesamt 3,3 Mio. Euro erreicht werden.

Das Sanierungskonzept sah vor, die Fußböden wegen ihres Zustandes und der Senkungen aufzugeben. Die wenigen erhaltenswerten Fußböden sollten ausgebaut und später neu verlegt werden. Die Putzdecken sollten weitgehend erhalten werden, die Stuckdecken mussten zusätzlich gesichert werden. Die statische Ertüchtigung der Balken konnte von oben erfolgen. Auf einem Unterboden wurde ein aufgeständerter Hohlboden aufgebracht, der alle Installationen aufnahm. Die Tragschicht besteht aus Gipsplatten, in welche die Fußbodenheizung eingelegt wird und über welcher der Oberboden aufgebracht wurde. Die Türöffnungen wurden an die neue Höhenlage angepasst. Zu den historischen Treppen wurden leichte Schrägen in Kauf genommen.

Werk- und Detailplanung

Das Jahr 2010 wurde vor allem genutzt, um die Werkplanung und die europaweite Ausschreibung der Bauarbeiten durchzuführen. Im Raum A 1.06 des ehem. Stadtbauamtes wurde ein provisorisches Baubüro mit Besprechungstisch eingerichtet.

Im Fuggerschloss wurde mit Gymnasiasten unter Leitung des Kreisarchäologen Ambs im März 2010 mit Untersuchungen im Fuggerschloss begonnen.

Bürgerbegehren gegen die Planung

Mitten in die Planungsphase platzte im Juni 2010 der Versuch einer Gruppierung, über ein Bürgerbegehren die Arbeiten zu stoppen und die Finanzmittel für ‚wichtigere‘ Aufgaben zu verwenden. Die Parteifreie Wählergemeinschaft Weißenhorn (PWG), die sich Ende 2009 mit 3 Personen von der CSU und der WÜW abgespalten hatte, initiierte ein Bürgerbegehren gegen die Sanierung der Schlösser. Das Begehren erreichte mit nur 558 Stimmen jedoch nicht das erforderliche Quorum. Johannes Amann, selber als Restaurator am Projekt beteiligt, wechselte aus Protest gegen die Initiative die Partei und wechselte zur WÜW.

Projektsteuerung

Am 29.07.2010 wurde ein Projektsteuerungsbüro eingeschaltet, weil man sich hiervon eine Entlastung von Architekt und Stadtbauamt versprach. Das Büro konnte sich aber nicht in die bisherige Arbeitsweise des Planungsteams eingliedern und wurde am 02.12.2010 von seinen Aufgaben entbunden.

Die Planungsarbeiten wurden nicht unterbrochen und die europaweiten Ausschreibungen erstellt. Die Gewerke wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Die Gruppe 1 mit den Abbrucharbeiten, Sicherungsmaßnahmen, Gerüst und Rohbau wurde am 25.10.2010 vergeben, um einen Baubeginn im Januar 2011 zu gewährleisten.

Bauarbeiten

2011

So konnten die Sanierungsarbeiten im Januar 2011 beginnen. Alle Böden wurden entfernt, die Fehlböden wurden mit einem großen Staubsauger geleert.

Auch die Gewölbe wurden aufgedeckt und die Anken leergesaugt. Nicht mehr erforderliche Zwischenwände wurden abgebaut.

Der Balkenrost über Raum A 1.10 wurde tiefergelegt. Im EG des Mittelbaus wurde ein Keller ausgehoben. Hierbei waren die Fundamente des Bestandes teilweise zu unterfangen.

Die Stuckdecken und Gewölbe wurden in einem von Dipl. Rest. Johannes Amann entwickelten Verfahren stützenfrei und elastisch gesichert. Die Barocktreppe wurde zum Schutz gegen Beschädigungen verkleidet.

Alle Bauarbeiten wurden von einem archäologischen Fachbetrieb begleitet und dokumentiert. Die Untersuchungen gingen tiefer als die von Herrn Ambs im März 2010 durchgeführten Grabungen.

Im Mai 2011 wurde die Decke des Renaissancesaals im Fuggerschloss freigelegt und auf ihre Sanierungsfähigkeit hin untersucht.

Am Alten Schloss wurde mit der statischen Sanierung des Dachstuhls begonnen.

Im August 2011 konnte mit der Sanierung der Holzbalkendecken begonnen werden.

Gleichzeitig wurde die Dachsanierung des Mittelbaus angegangen.

Im Fuggerschloss wurde der Betonboden im EG eingebracht.

Im September 2011 wurde mit der Dachsanierung des Fuggerschlosses begonnen.

Ab November 2011 wurde das Barocktreppenhaus freigelegt.

Auch der Mittelbau wurde zum Einbau des Foyers im 2. OG und die neue Haupttreppe freigelegt. Das Treppenloch für die neue Haupttreppe entstand am 19.03.2012.

2012

Bei der Freilegung des Foyers für den Ratssaal im 2.OG des Mittelbaus stürzte in der Nacht zum 24.04.2012 ein großer Teil der alten Putzdecke ab. Die neue Tragkonstruktion mit Stahlstützen war bereits eingebaut, aber das Gewicht von zwei Putzlagen konnte von der alten Unterkonstruktion nicht mehr gehalten werden. Personen kamen nicht zu Schaden und der Sachschaden war zu vernachlässigen.

Das Dachwerk über dem Treppenhausturm wurde auch im Mai 2012 erneuert. Die vermauerten Fenster im Turmzimmer wurden wieder geöffnet.

Die vermauerten Fenster in der Nordwand des Alten Schlosses wurden wieder geöffnet.

Bei der Herstellung des Fernwärmeanschlusses im Sept. 2012 wurde im Garten des Alten Schlosses eine große Metallkiste gefunden und geöffnet. Darin befanden sich ein alter Waschbrunnen, ein paar Armaturen, aber auch zwei Panzerfäuste, die vom Kampfmittelbeseitigungsdienst abtransportiert wurden.

Im Sept. 2012 war der neue Ratssaal so weit frei gemacht, dass mit der Sanierung der Decke begonnen werden konnte.

Im EG des Alten Schlosses wurde in der Südwand ein bisher vermauertes Fenster wieder geöffnet, um die Gaststätte besser zu belichten. In der Laibung war das Symbol IHS eingeritzt. Hinter der Vermauerung war das alte Fenster noch vorhanden.

Bei den Springbögen im UG des alten Schlosses wurden die Schildmauern mit Beton erstellt.

Fertigstellung 2013

Das Jahr 2013 wurde für den Innenausbau und die Fertigstellung verwendet. Im April 2013 wurden die Stuckdecken freigelegt und anschließend wiederhergestellt.

Nach nicht einmal drei Jahren Bauzeit waren die Schlösser soweit hergstellt, dass die Verwaltung am 04.10.2013 in die sanierten Räume einziehen konnte. Die veranschlagten Gesamtkosten von 9.552.000 € konnten mit 9.432.000 € sogar noch etwas unterschritten werden, was alle Beteiligten auch mit einem gewissen Stolz erfüllte. 3,3 Mio. Euro, also gut ein Drittel, konnten aus verschiedenen Fördertöpfen als staatliche Zuschüsse gewonnen werden. Es zeigte sich, dass bei gründlicher Vorarbeit und konstruktiver Zusammenarbeit aller Beteiligten mit Kostenbewusstsein auch ein derartig komplexes Vorhaben im Denkmalschutz im veranschlagten Zeit- und Kostenrahmen durchgeführt werden kann.

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