Die Hollstraße
Benennung
Die formelle Bezeichnung der Straße lautet Josef-Holl-Str., sie wird im Allgemeinen aber nur Hollstraße genannt. Sie erhielt den Namen bei der ersten Vergabe von Straßennamen im Jahr 1921. Früher wurde die Straße auch Kapuzinerstr. genannt, weil sie die Zufahrt zum Kapuzinerkloster war. Namensgeber war Stadtpfarrer Josef Holl (1883-1909).
Josef Holl wurde am 07.09.1844 in Aretsried geboren. Ab 1868 war er Kaplan in Dinkelscherben, an 1869 bei St. Ulrich in Augsburg. Danach war er Pfarrvikar von Pfersee, Präfekt in Dillingen, Wallfahrtspriester in Friedberg und ab 1873 Pfarrvikar von Merching. 1877 wurde er Pfarrer in Hopferau bei Füssen. Seit 1883 war er Stadtpfarrer in Weißenhorn. Später wurde er auch Dekan. Er war heimatkundlich sehr interessiert und machte sich um die Erforschung der Stadtgeschichte verdient. Im Jahr 1904 veröffentlichte er eine Geschichte der Stadt Weißenhorn. Das Buch wurde 1983 vom Anton H. Konrad Verlag neu aufgelegt. Josef Holl starb am 08.09.1909 in Weißenhorn. Sein Epitaph befindet sich in der Friedhofskirche St. Bartholomäus auf dem Alten Friedhof.


Lage und Größe
Die Hollstr. verbindet die Reichenbacher Str. mit der Schulstr. Sie führt am ehemaligen Kapuzinerkloster entlang. Es ist nicht klar, ob diese Straße schon vor Bau des Kapuzinerklosters bestanden hat oder erst beim Bau des Klosters angelegt wurde. In älteren Akten wurde die Straße öfters als Kapuzinergasse oder Kapuzinerstraße bezeichnet, nicht zu verwechseln aber mit der heutigen Kapuzinerstraße, die ungefähr in der Mitte der Hollstr., an der Stelle des ehem. Klostereingangs, nach Ost abzweigt.
Die Straße ist 130 m lang.
Ausbau
Auf der Westseite der Straße wurde 1928 ein Gehweg angelegt.

Es ist nicht dokumentiert, wann die Straße das erste Mal geteert oder bituminös befestigt wurde.
Nach Abbruch des Schulpavillons zwischen 1978 und 1983 wurden auf der Westseite der Straße Schrägparkplätze hergestellt.


Im Jahr 2003 wurde in der Hollstr. ein neuer Kanal verlegt. In diesem Zusammenhang wurden auch Teile der Straße ausgebaut.
Nach der Neubebauung des Molkereigrundstücks Kapuzinerstraße 2 wurde die unübersichtliche Einmündung an der Kapuzinerkapelle durch eine Verkehrsinsel etwas entschärft.


Historie
Das 1667 erbaute und 1812 abgebrochene Kapuzinerkloster wurde an der heutigen Hollstraße errichtet.

Nach dem Abbruch des Klosters begann zögerlich eine Bebauung der Straße. Zuerst wurde am ehemaligen Haupteingang des Klosters 1813 die Kapuzinerkapelle zur Erinnerung an das Kloster errichtet.
1818 wurde nahe der Reichenbacher Str. ein Stadel errichtet, der aber schon 1855 wieder beseitigt wurde.
In der Hollstraße wurden im 19. Jahrhundert auch Viehmärkte abgehalten.
1845 wurde das Eckgrundstück zur Beethovengasse bebaut. Die südlich angrenzende Fläche wurde seit dem Bau der Schulhäuser in der Schulstr. ab 1816 als Schulhof genutzt und blieb bis heute unbebaut.
Die Fläche des ehemaligen Kapuzinerklosters wurde mit einem mittleren Erschließungsweg versehen und in Gartenflächen aufgeteilt. Die Klostermauer mit einer Höhe von ca. 6′ (1,75 m) blieb erhalten und war Gemeinschaftseigentum der Gartenbesitzer. Diese hatten dadurch einen festen Stand und wussten so eine Bebauung der Ostseite der Straße wirkungsvoll zu verhindern oder zumindest zu verzögern oder eine Ablösung auszuhandeln (siehe hierzu eigenen Beitrag).
1848 wurde das Haus Hollstr. 9 (Gasthaus Kanne) errichtet, 1863 das Haus Hollstr. 7 und 1886 das Haus Hollstr. 5. Die Grundstücke Hollstr. 1 und 2 sind bis heute unbebaut.
1908 wurde das Eckhaus Schulstr. 9 abgebrochen, der Schulhof vergrößert und die Einmündung der Hollstr. in die Schulstr. verbreitert.








1929 baute der Kannenwirt Ludwig Rausch den hinterliegenden Stadel von Hollstr. 7 zu einem Wohnhaus um. Aber schon 1933 wurde dieses Haus an die Molkereigenossenschaft verkauft. Die Molkerei wurde mehrfach erweitert und bestand bis zum Konkurs 2005. Die gewerbliche Nutzung brachte erhebliche Störungen mit sich und dauerte bis 1992, als der Betrieb in die Siemensstr. 5 im Eschach verlagert wurde.



2006 wurde die Molkerei abgebrochen und 2007 durch den Bau von zwei Mehrfamilienhäusern ersetzt.
Das Haus Hollstr. 7 wurde 2007 durch einen Neubau ersetzt. Eine Neubebauung auf Hollstr. 9 folgte 2013. 2022 wurde auch das Haus Beethovengasse 6 abgebrochen und durch zwei neue Gebäude ersetzt, die nun von der Hollstr. aus erschlossen sind.






