Das Kapuzinerkloster
Das Kapuzinerkloster in Weißenhorn bestand von 1667 bis 1806 und wurde 1812 abgebrochen. Die Gründung des Klosters fiel in eine Zeit der Gegenreformation, bei welcher sich in unserem Bereich besonders Graf Albrecht Fugger (1624-1692) für die katholische Sache starkmachte.
Inhalt
Gründung und Bau des Kapuzinerklosters
Es ist möglich, dass sich an der Stelle des späteren Kapuzinerklosters eine 1661-66 archivalisch benannte Sebastianskapelle befunden hat.
Um 1662 kamen die ersten Kapuziner hierher, eingeführt von Graf Albert Fugger. Anfangs hatten sie eine provisorische Wohnung, deren Ort nicht benannt ist. Ein besonderer Wohltäter war Bürgermeister Hans Christoph Wagner. Ihm gehörte ein Teil des Grundstücks des Klosters, ein anderer Teil gehörte J. Schmid und der Stadt, die dort eine Kiesgrube hatte.
Am 9. Oktober 1667 wurde der Grundstein für das Kapuzinerkloster mit Feuerwerk und Musik der Fuggerkapelle Babenhausen feierlich gelegt. Der Abt Robert von Elchingen segnete den Grundstein ein, und Graf Albert legte ihn in die Erde. Anwesend waren unter anderen der Graf von Babenhausen, der Baron von Schwendi und eine ungeheure Menschenmenge. Wegen des herrlichen Wetters wurde der Gottesdienst im Freien abgehalten. Zum Bauen wurden viele Steine von den Ruinen des Schlosses Buch1 hergeführt; auch durfte man im städtischen Ziegelstadel Steine machen und brennen.
1671 wurde die Kirche feierlich eingeweiht; das Kloster wurde erst allmählich fertig und eingerichtet. Die Klosterkirche war ein langgestreckter einfacher Saalraum, hatte drei Altäre, eine Kanzel auf der Epistelseite, gegenüber eine Seitenkapelle, und auf dem Dach ein hölzernes Türmlein. Südlich von dieser Kirche war das Kloster im Viereck gebaut. In dem von Kirche und Kloster umschlossenen Hof war ein Brunnen. Im Erdgeschoss des Klosters waren die Räume zum Waschen, Kochen, Essen, und Aufbewahren der Lebensmittel. Im Obergeschoss waren über zwanzig Zellen und einige Gastzimmer. Zeitweise wohnten darin 21 Religiosen, darunter etwa 14 Patres. Die Geistlichen halfen überall aus. Jahrelang versahen die Patres die Kanzel in der Pfarrkirche. Die fertiggestellte Klosterkirche wurde zu den hl. Messen und Andachten, aber besonders zum Beichten aus der ganzen Umgebung viel besucht.
1762 erhielt die Kirche neue Altäre.
Wasserversorgung des Kapuzinerklosters
Als 1667 das Kapuzinerkloster gebaut wurde, benötigten die dort lebenden Patres auch Wasser für ihr Kloster. Sie versuchten 1669, am Zellerfußweg (heutige Reichenbacher Straße) eine eigene Quelle zu erschließen. Hierzu wurde mit den betroffenen Grundeigentümern ein Vertrag abgeschlossen. Der so betitelte „Heilige Brunnen“ stellte sich aber als nicht ergiebig genug heraus und so baten die Kapuziner die Stadt darum, Wasser aus der städtischen Wasserleitung beziehen zu dürfen. Die Stadt hatte nämlich eine weitere Quelle erschlossen und diese in drei Wasserstuben gefasst.
Am 26.11.1685 schloss man einen Vergleichs-Rezeß, danach wurde das Wasser durch eichene Deicheln in den Kapuzinergarten geführt. Da sich das Kloster außerhalb der Stadt befand und auch die Fugger ein Anrecht auf das Wasser hatten, durften die Patres bei einer Kostenbeteiligung von 353 fl 57 x nur einen Wasserstrahl mit der Dicke „eines starken Federkiels“ beziehen und das auch nur, solange genügend Wasser für die Röhrenbrunnen in der Stadt und für die Herrschaft verblieb.
Am 15.11.1725 wurde eine neue Vereinbarung mit den Kapuzinern abgeschlossen, nach welcher die Wasserleitungen zusammengeführt und die Kosten gemeinsam getragen wurden.
Der Bauplan für das Wasserhaus an der Kreuzung Reichenbacher Str. / Oberhauser Str. von 1865 zeigt den separaten Anschluss des Kapuzinerklosters.
Ausführlich hierzu Brunnen und frühe Wasserversorgung
Das Bier der Kapuziner
Wie fast alle Köster brauten auch die Kapuziner ihr Bier selber. Aus Konkurrenzschutz für die vielen Brauereien in der Stadt durften die Kapuziner nur Bier für den Eigenbedarf brauen. Doch wie es immer ist, suichte man nach Wegen, das Verbot zu umgehen.
Der Sonnenwirt Seitz, Hauptstr. 12, kaufte um 1660 die dem Kloster gegenüberliegende Stahlschützenhütte Reichenbacher Str. 8 als Stadel. Er hatte keine eigene Brauerei und musste daher das Bier bei den konzessionierten Weißenhorner Brauereien einkaufen. Um diesem Monopol zu entgehen, kaufte er das Bier wohl bei den Mönchen ein, die hierdurch eine zusätzliche Einnahmequelle erhielten. Im Steuerbuch ist die ehem. Stahlschützenhütte erwähnt beim Sonnenwirt, bezeichnet als des ‘Blumenwürths und seinem Nebenstädelin’. Der Eigentumsübergang ist nicht dokumentiert, ebensowenig die Zeit der Blumenwirtschaft. Längstenfalls dürfte sie von 1662 bis 1701 bestanden haben. 1
Die Blumenwirtschaft führte zu Protest in der Bürgerschaft, besonders bei den anderen Wirten. Gegen Johann Seitz wollte man wohl wegen seiner sozialen Stellung nicht vorgehen, aber beim Verkauf der Hütte an Christoph Lutzenberger und die nachfolgende Verpachtung des Stadels an den Nagelschmied Melchior Müller (RB15) verpflichtete man diesen, kein Bier auszuschenken. Diese Auflage war möglich, weil die Stadt den Stadel um 1682 wieder erwarb und um 1692 weiterverkaufte.
Aufhebung und Abbruch des Klosters
1781 wurde die Aufhebung der Klöster durch die Österr. Regierung verfügt. Die hiesigen Kapuziner konnte man zunächst retten durch den Nachweis, dass sie zum Besten des Nächsten und der bürgerlichen Gesellschaft etwas Sichtbares beitrugen. Doch gegen die Säkularisation in Bayern kamen diese Argumente nicht an.
Die hiesige Bitte, das Kloster zu belassen und wegen seiner Größe zum Zentralkloster zu machen, wurde abgeschlagen. Auf Befehl der bayerischen Landesdirektion zu Ulm wurden Kirche und Kloster an den Meistbietenden auf Abbruch versteigert. Der Sonnenwirt und Posthalter Johannes Kretz, Hauptstr. 12, kaufte 1806 das aus der Säkularisation in Staatsbesitz gekommene ehem. Kapuzinerkloster auf Abbruch. Die Religiösen mussten ausziehen und danach stand das Kloster längere Zeit leer.
1808 war geplant, es zum rentamtlichen Getreidemagazin umzuwidmen, dies kam aber nicht zur Ausführung. 1812 wurden die Kirche und das Kloster vom Käufer abgebrochen. Das Klostergrundstück wurde parzelliert und in mehrere Gärten aufgeteilt. Vom ehem. Haupteingang des Klosters wurde bis zur späteren Röslestr. ein Mittelerschließungsweg angelegt. Es bildete sich die Gemeinschaft der Kapuzinergärtner, die zum einen eine starke Interessensgemeinschaft bildete, andererseits aber eine wirtschaftliche Nutzung der Fläche lange Zeit verhinderte.
Bauten und Relikte des Kapuzinerklosters
Leider sind nicht viele Pläne und Dokumente über das Kapuzinerkloster vorhanden. Zumindest wurde vor dem Abbruch noch ein Bestandsplan gefertigt, der uns die Grundrisse und eine perspektivische Ansicht zeigt.


Außerdem gibt es im Heimatmuseum eine von Konrad Huber gemalte Stadtansicht von Osten, die 1812 datiert ist. Sie muss also kurz vor Abbruch des Klosters gemalt worden sein, kann aber auch später nach Skizzen oder aus dem Gedächtnis entstanden sein. So haben wir doch einen Eindruck, wie sich das Kloster ins Stadtbild einfügte.

Erhalten blieb vom Kloster nur die den Garten umgebende Mauer und ein Keller unter dem heutigen Gebäude Hollstr. 7. Die Größe des Kellers und die Breite des Kellerzugangs stehen in keinem Verhältnis zur Größe und Art des Gebäudes. Nach dem Abbruch der ersten Überbauung aus 1864 blieb der Keller mit der Treppe beim Neubau 2007 erhalten und wurde integriert. Ein weiterer Keller befindet sich unter dem Gebäude Röslestr. 2. Dieses wurde 1828 als Sommerbierkeller des Ochsenwirts errichtet. Die Zugehörigkeit zum Kapuzinerkloster wird hier vermutet, kann aber nicht nachgewiesen werden.
Leider ist beim Bestandsplan des Klosters kein Lageplan dabei, so dass der konkrete Standort des Klosters lange nicht bekannt war. Bei der Erstellung de Urkatasters 1823 war das Kloster bereits nicht mehr vorhanden. Daher ist in diesem Plan auch nichts eingezeichnet. Der Abbruch des Klosters erfolgte 1812 sehr gründlich bis in die Fundamente. Auch bei späteren Baumaßnahmen in der Kapuzinerstraße konnten keine Reste gefunden werden. Dennoch konnte anhand weniger Relikte der Standort genau rekonstruiert werden.

Die den Kapuzinergarten umgebende Klostermauer blieb zwar zunächst erhalten, stand aber in den folgenden 200 Jahren zu oft einer späteren Bebauung im Weg und wurde daher stückchenweise abgebrochen oder in steriler Form saniert.









Die Kapuzinerkapelle
Mit dem Kapuzinerkloster erwarb der Sonnenwirt Kretz auch die Ausstattung des Klosters. Als gläubiger Katholik sah er sich für die Kunstwerke verantwortlich und erbaute daher für die Figuren des Franziskus und des Antonius aus der Klosterkirche bei seinem Obstgarten an der Kappengasse (Kaiser-Karl-Str.) die Antoniuskapelle.
Für die Figuren des Christus, Maria und Johannes, die auch im Kloster gewesen waren, ließ er zusammen mit anderen frommen Personen 1813 eine Kapelle an der Stelle des früheren Haupteingangs des Klosters errichten. Hierdurch wurde dauerhaft an das frühere Kloster erinnert.
Die Kapuzinerkapelle wurde offenbar vor 1944 umgebaut; Akten hierüber konnten bislang noch nicht gefunden werden. Ältere Fotos zeigen die Kapelle mit einem unten offenen Dreiecksgiebel, ein 1944 datiertes Fotos zeigt einen Schweifgiebel mit durchgehendem Traufgesims. Die Kapelle sieht hier auch frisch renoviert aus. Im Innenraum ist auf den älteren Fotos deutlich die 1813 erwähnte Kreuzigungsgruppe zu sehen. Diese hat große Ähnlichkeit mit der Kreuzigungsgruppe, die sich heute im südl. Querarm der Stadtpfarrkirche befindet. Es wird vermutet, dass diese Gruppe damals in die Stadtpfarrkirche verbracht wurde. Heute ist in der Kapuzinerkapelle nur noch ein Holzkreuz zu sehen, welches Habel auch in seiner Beschreibung der Kunstdenkmal 1966 erwähnt. Diese Umstände benötigen noch eine genauere Nachforschung.






Erbaut 1813 beim abgebrochenen Kapuzinerkloster an der Schulstraße. Quadratisches, nach Süden gerichtetes Gehäuse mit gegen Süden abgewalmtem Dach. An der Nordseite große, flachbogige Arkade mit Pilastern und Scheitelstein, an den Ecken Lisenen, die über dem Gesims noch fortgeführt sind, konkave Giebelflanken, als Abschluss kleiner Dreiecksgiebel. Inneres flachgedeckt, im Süden Stichbogennische, darin großer Kruzifix, Holz, weiß und golden gefasst, 2. Hälfte 18. Jh. – Am First Wetterfahne in Gestalt des knienden St. Franziskus.
Die Kapelle wurde 1971 und zu einem unbekanntem Zeitpunkt renoviert.
Der Kapuzinergarten
Nach dem Abbruch der Klostergebäude wurde die noch umfriedete Fläche parzelliert und in Teilen verkauft. Es ist nicht klar, ob der mittlere Erschließungsweg schon beim Kloster vorhanden war oder erst nach der Parzellierung entstand. Die umgebende Mauer wurde Gemeinschaftseigentum. Das Urkataster 1823/27 zeigt die damalige Situation.

Das Gemeinschaftseigentum an der Kapuzinermauer gab den Gartenbesitzern eine starke Position. Rund 70 Jahre lang vermochten sie hierdurch, eine bauliche Entwicklung zu verhindern oder zumindest durch hohe Abstandszahlungen zu ihrem Vorteil zu nutzen.
1828 errichtete der Ochsenwirt Göllmützer an der Röslestr. 2 einen Bierkeller mit darüber liegendem Lagerhaus (im Kataster 1827 bereits als Bestand dargestellt). Dies gelang ihm nur dadurch, dass er die Zustimmung aller Eigentümer einholen konnte und zudem eine hohe Abstandszahlung an die gemeinschaftliche Kasse der Eigentümergemeimschaft zahlte.
1835 wurde ein Baugesuch des Metzlers Karl Fahrenschon auf Hollstr. 9 abgelehnt. Auch der folgende Bauantrag des Hafners Andreas Schmid wurde abgelehnt. Das LG Roggenburg sah jedoch keine baurechtlichen Belange verletzt und hielt die Nachbareinsprüche nur für zivilrechtlicher Natur. Es erteilte die Baugenehmigung. In einem langen zivilrechtlichen Streit wurde endlich am 06.11.1848 ein Vergleich geschlossen, nach dem Schmid an sämtliche Kläger für ihre eingeklagte Entschädigung 33 fl (insgesamt) als Abfindung zu bezahlen hatte.
Durch diesen Erfolg gestärkt wurden 1844 auch die Bauanträge des Anton Sälzle (Hollstr. 5) und der Susanna Kollmann (Reichenbacher Str. x), 1846 des Seilers Otmar Oefner (Hollstr. 1) sowie 1855 des Gärtners Thaddä Stengle (Hollstr. 1) abgelehnt.
Maurermeister Franz Deibler versuchte 1863 sein Glück mit dem Antrag auf gleich 3 Gebäude (Hollstr. 1-5), scheiterte aber ebenfalls an der Phalanx der Eigentümergemeinschaft. Entnervt baute er auf dem Grundstück Hollstr. 5 ein Gartenhaus hinter der Mauer. Auch ein weiterer Versuch für eine Neubau 1872 hatte keinen Erfolg.
Eigenartigerweise konnte Xaver Böck 1864 auf dem Grundstück Hollstr. 7 ohne aktenkundige Probleme ein Wohnhauses mit Gartenschenke errichten. Dies geschah vermutlich, weil er das Gebäude über einem alten Vorratskeller des ehemaligen Kapuzinerklosters errichtete und hier wahrscheinlich nach dem Abbruch des Lagergebäudes keine Mauer mehr vorhanden war.
Erst 1886 konnte Jakob Rembold problemlos eine Genehmigung zum Abbruch des Gartenhauses und Neubau eines Wohnhauses auf Hollstr. 5 erhalten.
In den städt. Akten ist kein Vorgang hierüber enthalten, aber wahrscheinlich wurde die Eigentümergemeinschaft der Kapuzinergartenbesitzer zu dieser Zeit auch privatrechtlich neu geregelt. Nach 70 Jahren dürfte dieses Konstrukt durch viele Eigentümerwechsel und Erbschaften zu komplex und dadurch handlungsunfähig geworden sein. Jede Parzelle erhielt danach den anliegenden Teil der Mauer zu Eigentum. Dennoch konnte sich wegen der kleinteilgen Parzellierung auch danach nichts größeres entwickeln. Es sollte bis nach der Jahrtausendwende dauern, bis eine stärkere bauliche Nutzung hier stattfand.
Die Neubebauung des Kapuzinergartens wird in einem eigenen Artikel behandelt.

- Das Schloss Buch gehörte auch den Fuggern, war aber bereits seit Ende des 14. Jhdts. unbewohnt und brannte im 15. Jhdt. aus. ↩︎


