Die Reichenbacher Straße
Inhalt
- 1 Benennung
- 2 Lage und Größe
- 3 Ausbau
- 4 Historie
- 4.1 Anlage der Kastanienallee 1889
- 4.2 Die Lourdes-Kapelle 1889
- 4.3 Das Wasserhaus
- 4.4 Entwicklung von einer Kiesgrube zur Grundschule
- 4.5 Die Feldkreuze an der Reichenbacher Str.
- 4.6 Die Schweinezuchtanlage
- 4.7 Impressionen entlang der Reichenbacher Str.
- 4.8 Siedlungsentwicklung südlich der Reichenbacher Str.
- 4.9 Bebauung nördlich der Reichenbacher Str.
Benennung
Die Benennung erfolgte nach einem örtlichen Bezug; die Straße führt nach Reichenbach.
In älteren Akten oder Plänen wird die Straße ‚Biberachzeller Str.‘ oder auch ‚Spatzengasse‘ genannt. Die Herkunft dieses Namens konnte nicht geklärt werden. Burkhart1 leitet den Namen Spatzengasse von den Sperlingen ab, die dort wegen des vielen Pferdeverkehrs besonders viele ‚Pferdeäpfel‘ gefunden hätten.
Lage und Größe
Die Straße führt nach Unter- und Oberreichenbach und ist daher eine der ältesten Ortsverbindungen überhaupt. Die Straße beginnt am Hauptplatz und führt als innerörtliche Straße bis zur Einmündung des heutigen Birkenwegs. Die Länge beträgt bis dorthin 1245 m, bis nach Unterreichenbach sind es 3470 m.
Vom Hauptplatz bis zur Einmündung der Oberhauser Str. ist die Straße als Staatsstr. ST 2022 gewidmet, von dort bis nach Reichenbach seit 1971 als Kreisstraße NU 17.
Ausbau
Die Reichenbacher Str. wurde entsprechend der Verkehrsentwicklung schrittweise ausgebaut.
Ein erster Ausbau in wassergebundener Bauweise erfolgte 1923. Hierzu wurde von den Anliegern kostenlos Grund für die Verbreiterung der Straße abgetreten. Entlang der Reichenbacher Str. wurden 19 Telegrafenstangen für den Telefonanschluss der Schweinezuchtanstalt aufgestellt. Die Kastanie an der Einmündung Oberhauser Str. / Reichenbacher Str. wurde 1925 entfernt und die Kreuzung 1926 nach einer Grundabtretung aus dem Grundstück des Hasenkellers reguliert.


1961 wurde die Reichenbacher Str. im Bereich vom Hauptplatz bis zur Oberhauser Str. geteert.
Der grundlegende Ausbau zur Kreisstraße erfolgte im Jahr 1967. Am 27.09.1963 stellte die Stadt einen Antrag auf Teilausbau der Ortsverbindungsstraße Weißenhorn-Biberachzell. Das Stadtbauamt errechnete hierfür Kosten von 190.000 DM. Verbunden war damit ein Zuschussantrag auf 80% der Kosten aus Mitteln der Kfz-Steuer. Die Planung wurde am 17.11.1965 an das Ing. Büro Glogovsky vergeben. Die Trasse der Straße musste an einigen Stellen im Wald bis zur Gemarkungsgrenze an die heutigen straßenbautechnischen Erfordernisse angepasst werden. Die Kurven am Ende der Reichenbacher Str. wurden abgeflacht, die alte Straßentrasse wurde als Parkplatz für den Waldfriedhof genutzt. Wegen der Erweiterung der Einmündung Oberhauser Str. mussten 5 Bäume gefällt werden. Die Straße erhielt auf der Südseite einen durchgehenden Gehweg bis zum Buchenweg2. Die Ausbaukosten auf den Standard einer Kreisstraße wurden auf 475.000 DM geschätzt. Die Stadt erhielz 150.000 DM Zuschuss. Die Bauarbeiten gingen an die Fa. Kranzfelder, Augsburg. Für den Ausbau der Reichenbacher Str. mit 445.000 DM Kosten erhielt die Stadt 150.000 DM Zuschuss. Abgerechnet wurde die Straße 1968 mit 577.316,60 DM.



Am 25.03.1969 stellte die Stadt einen ersten Antrag auf Aufstufung der Reichenbacher Str. zur Kreisstraße. Am 045.04.1971 wurde die Ortsverbindungsstraße Weißenhorn-Biberachzell zur Kreisstraße NU17 aufgestuft.
Besonders die Einmündung der Oberhauser Str. in die Reichenbacher Str. wurde mehrfach umgebaut und den Verkehrsbedürfnissen angepasst. Der letzte Umbau der Kreuzung erfolgte 2007.


Historie
Im Jahr 1475 ist im Steuerbuch B 38 ein Gebäude ‚unnsd frauen Huß‘ im Bereich des heutigen Gebäudes Reichenbacher Str. 11 genannt, mit dem Zusatz ‚bei der Kegelgasse‘ (1475) und ‚beim Thörl gegen den Onsang‘ (1507). Mit der Kegelgasse könnte die jetzige Oberhauser Str., die Kammerlanderstr. oder die Josef-Holl-Str. gemeint sein. Die Lage gegen den Ohnsang-Wald (am Ende der Reichenbach Str.) würde stimmen, sie setzt allerdings voraus, dass sich 1507 hier ein Tor befunden haben muss. Dies ist denkbar, da auch am Ende der Günzburger Str. (bei GZ23) und am Ende der Memminger Str. (bei MM35) derartige Tore aufgeführt sind. In späteren Beschrieben ist hier kein Tor mehr erwähnt.
1669 erschlossen die Kapuziner am ‚Zeller-Fußweg‘ für ihr 1667 neu erbautes Kloster eine Quelle zur Wasserversorgung am Waldrand des Ohnsang-Waldes. Diese Quelle ist auch in einem undatierten Bestandslageplan des Ohnsangwaldes vom Ende des 18. Jhdt. noch vermerkt, war damals also noch in Betrieb. Wohl nach Abbruch des Klosters nach der Säkularisation 1809 wurde die Wasserversorgung nicht mehr gebraucht, vielleicht blieb sie aber auch für die Kapuzinergartenbesitzer noch länger in Betrieb. Spätestens mit der neuen Druckwasserversorgung 1910 ging die Wasserquelle außer Betrieb. Heute erinnert nichts mehr an diese alte Wasserfassung.


1863 wurde die Distriktsstraße nach Reichenbach abplaniert, d.h., wieder in ein ordentliches Profil gebracht.
1864 wurden Trottoirs und Kanteln durch Pflasterung in der Spatzengasse hergestellt.
1870 wurde der sog. Schicksche Garten (heutiger Bereich der Grundschule Süd) erworben.
Anlage der Kastanienallee 1889
Am 14.06.1889 beschloss der Rat, im Zuge der Flurbereinigung entlang der Biberachzeller Str. (Reichenbacher Str.) einen Fußweg vom Hasenkeller bis zum Ohnsang bei der Brunnenquelle und dem Weg zur Wasenmeisterhütte anzulegen und mit einer 4 m breiten doppelten Baumreihe zu bepflanzen. Der Verschönerungsverein schlug Kastanienbäume für den neuen Fußweg vor. Im Herbst 1889 wurde die Allee angelegt. Es war dies der erste straßenbegleitende Fußweg in Weißenhorn. Im Mai 1890 beanspruchte der Glockenwirt Peter Rinderle wegen des zu erwartenden Schattenwurfs der Bäume eine Pachtreduzierung von 29 auf 20 M/Jahr, die ihm aber nicht gewährt wurde.
Ein Foto von vor 1899 zeigt die noch nicht befestigte Straße und die noch jungen Bäume. Auf einem weiteren Foto von 1910 sind die Bäume schon 21 Jahre alt.


Die Lourdes-Kapelle 1889
Im Jahr 1889 stiftete Frau Severina Hauf den Bau einer Lourdes-Kapelle beim Waldteil Ohnsang. Nach nur einem Jahr Bauzeit konnte die im Neorenaissance-Stil gehaltene Kapelle am 20.10.1890 von einem
Kapuzinerpater geweiht werden. Der Fußweg an der Kastanienallee hatte nun ein Ziel.


1914 beantragte der Verschönerungsverein, bei der Lourdes-Kapelle einen Park anzulegen. Der Magistrat gewährte hierzu 1000 Buchenpflanzen.
Das Wasserhaus
An der Einmündung der Oberhauser Str. in die Reichenbacher Str. befand sich bis zur Inbetriebnahme der Druckwasserleitung das sog. Wasserhaus. Die alte Laufwasserleitung aus dem Jahr 1538 floss einzig durch den hydrostatischen Druck in der Leitung. Da die verwendeten Holz- und Tonrohre aber besonders in den Muffen keinem hohen Druck standhielten, errichtete man hier ein Bauwerk zur Druckentlastung. Das Wasser wurde in einer Art Turm auf eine Höhe von ca. 3 m hochgeführt und offen in ein Auffangbecken geleitet, wodurch sich der Druck entspannte. Danach konnte sich für die Wasserversorgung der Brunnen und wenigen Einzelabnehmer wieder ein neuer hydrostatischer Druck von mind. 3 mWS aufbauen. Das Wasserhaus wurde nach Fertigstellung der neuen Wasserversorgung 1914 nicht mehr benötigt und abgebrochen.



Entwicklung von einer Kiesgrube zur Grundschule
Im Bereich der Einmündung Röslestr. / Reichenbacher Str. betrieb die Gemeinde Oberhausen seit nicht dokumentierter Zeit eine Kiesgrube für ihren Straßen- und Wegebau3. Im Jahr 1910 war die Grube offenbar wirtschaftlich ausgebeutet. Die Gemeinde versuchte das Grundstück zu verkaufen und bot es der Stadt zum Kauf an. Die Stadt erklärte sich zum Kauf bereit, wollte aber nur 5000 M zahlen. Ein Gutachten stellte den Wert mit 5500 M fest. Dennoch war dies der Gemeinde Oberhausen zu wenig. Sie fand dann mit den Gebr. Molfenter im Oktober 1910 einen Käufer, der mehr zahlte (Kaufpreis unbekannt).
Am 29.09.1911 wollten die Gebr. Molfenter auch das benachbarte gemeindliche Grundstück 2111 kaufen, was aber vom Rat abgelehnt wurde. Zwei Monate später legten sie einen von Baumeister Gaiser gefertigten Baulinienplan zur Genehmigung vor. Dieser Plan wurde am 07.12.1911 von der Stadt festgesetzt und am 18.01.1912 vom Bezirksamt genehmigt.

Am 07.06.1912 legten die Gebr. Molfenter einen Plan über einen Wohnhausneubau an der Biberachzeller Str. vor, der aber nicht verwirklicht wurde. Er ist im Bauantragsverzeichnis nicht gelistet, kam folglich gar nicht ins Verfahren. Der I. Weltkrieg verhinderte zudem eine Bauentwicklung hier. Die Gebr. Molfenter haben das Grundstück nicht bebaut, sondern an den Baumeister Luitpold Gaiser verkauft, der spätestens 1923 hier als Eigentümer genannt ist.
Die Hungersnot nach dem I. Weltkrieg führte dazu, dass diese Fläche, wohl auch mit Zustimmung der Eigentümer, als Kleingärten genutzt wurden. Am 12.05.1922 beschloss der Stadtrat, die bereits hergestellten Zäune der Pächter sollten bis zum Herbst entsprechend der Anordnung umgeändert werden. Der städt. Zimmermann wurde zu diesen Arbeiten abgeordnet.
1923 wurde die Reichenbacher Str. ausgebaut und verbreitert. Es verblieb jedoch bei der wassergebundenen Befestigung. Die Fam. Gaiser trat unentgeltlich Grund zum Straßenbau ab und erhielt hierfür die Bestätigung des dauernden Bestands der Baulinie. Es kam aber doch nicht zu einer Bebauung. Im ersten gesamten Baulinienplan der Stadt im Jahr 1924 wurde das Potenzial dieses Grundstücks für eine Schulbebauung erkannt und die Fläche entsprechend festgesetzt.

Am 12.11.1926 konnten die Grundstücke 2110 a+b an der Reichenbacher Str. mit 8110 m² für einen Schulhausneubau von Luitpold und Josefa Gaiser für 16.000 RM erworben werden.
In der Fortschreibung des Baulinienplanes 1938 wurde die Festsetzung als Schulbaufläche beibehalten.

Bis zur Verwirklichung des Schulhausbaus 1960-1972 wurden die Grundstücke noch als Kleingärten genutzt. Die weitere Geschichte des Schulhausbaus wird in in einem eigenen Artikel behandelt.




Die Feldkreuze an der Reichenbacher Str.
1900 wurde vom Bankier Josef Egner ein Feldkreuz an der Einmündung des Feldwegs im II. Gewann, heute Verlängerung der Joh.-Seb.-Bach-Str. angelegt, das sog. Egner-Kreuz. Das Feldkreuz wurde beim Straßenbau der Erschließungsstraßen des Baugebiets ‚B‘ ersatzlos entfernt.





Ein weiteres Feldkreuz wurde 1909 an der Abzweigung der Biberachzeller Str. gegen den früheren Ziegelstadel und die Schweinezuchtanlage (heute Einmündung Buchenweg) aufgestellt. Auch dieses Kreuz wurde beim Straßenbau 1965 abgebaut, aber an die Einmündung des Birkenwegs transferiert.
Die Schweinezuchtanlage
Im Jahr 1910 wurde am östlichen Ende der Reichenbacher Str. eine neuzeitliche Schweinezuchtanlage errichtet. Die Erschließung dieser Anlage erfolgte über die Reichenbacher Str.
Nach dem II. Weltkrieg war die Anlage jedoch veraltet. Zwischen 1954 und 1960 wurde die Verpachtung der Anlage problematisch und dann aufgegeben. Die vorhandenen Grundstücke wurden für den Neubau der Oberrealschule (heute Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium) zur Verfügung gestellt und bildeten den Beginn der baulichen Entwicklung des sog. ‚Waldviertels‚4 (siehe unten).

Impressionen entlang der Reichenbacher Str.



























Siedlungsentwicklung südlich der Reichenbacher Str.
Schon im Baulinienplan 1938 wurde die Fläche um den geplanten Schulstandort an der Reichenbacher Str. als geeignet für eine Siedlungsentwicklung angesehen. Allerdings konnte der Umfang dieser Siedlungsentwiclung damals noch nicht vorhergesehen werden. Es sollte auch noch 30 Jahre dauern, bis hier wirklich etwas entstand.
Die Aufgabe der Schweinezuchtanlage nach 1960 gab eine große Fläche für eine bauliche Entwicklung frei. Schon Anfang der 50er-Jahre hatte sich am Ende der Hagenthaler Str., ebenfalls auf schon damals nicht mehr benötigten Flächen der Schweinezuchtanlage, eine Wohnbauentwicklung ergeben, die sogar Standort für ein Altersheim wurde. So lag der Gedanke nahe, nun auch die Restfläche der Schweinezuchtanlage für eine Bebauung zu verwenden. Besonders dringend wurde der Bedarf für eine neue Oberrealschule, die bisher auf dem Grundstück der heutigen Grundschule Süd als weitere Schule vorgesehen war. Das Grundstück stellte sich jedoch mittlerweile als zu klein dar und so kam 1962 der Vorschlag auf, diese Oberrealschule, das heutige Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium, hier anzusiedeln.
Wie so oft auch heute noch, erfolgte eine städtebauliche Entwicklung nicht nach sachlichen planerischen Überlegungen, sondern wurde von der momentanen Verfügbarkeit von Grundstücken bestimmt. So entstand eine disperse Bebauung von außen nach innen, mit der die Stadt fast 30 Jahre lang zu kämpfen hatte, bis diese Entwicklung wieder städtebaulich eingefangen und harmonisiert werden konnte. Noch heute sind an der Bodelschwinghstraße ca. 2 ha beste Baulage einfach nicht verfügbar.
Das Waldviertel
Nach dem II. Weltkrieg herrschte wegen der starken Zerstörungen in den Großstädten und der Notwendigkeit der Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten eine sehr große Wohnungsnot, der von staatlicher Seite zuerst mit der Zwangsbewirtschaftung von Wohnraum begegnet wurde. Die Stadt Weißenhorn tat ihr Möglichstes und konnte mit dem Bau von Notwohnungen im Eschach der größten Not begegnen. Die Stadtväter erkannten aber auch, dass die Vielzahl von Wohnungen nur in städtebaulich geplanten Bereichen errichtet werden konnten.
Bereits am 12.02.1949 beschloss die Stadt daher die Aufstellung eines neuen Baulinienplanes, der nun Wirtschaftsplan hieß und die Funktion des heutigen Flächennutzungsplanes hatte. Eine erste öffentliche 14-tägige Auslegung dieses Planes wurde am 02.06.1950 beschlossen. Doch am 01.09.1950 wurde Arch. Louis, Neu-Ulm, mit der Ausarbeitung eines Generalbaulinienplans für das Stadtgebiet und eines Bebauungsplans für das Gelände zwischen Hagenthalerstr. und Roggenburger Str. beauftragt.
Am 30.06.1952 stellte Baurat Louis, Neu-Ulm, den Wirtschaftsplan im Stadtrat vor. Die bereits 1950 erarbeitete Planung beinhaltete auch Hegelhofen und Grafertshofen. Louis plädierte für eine konzentrierte Bebauung auf der Ostseite der Stadt. Das Schweineweidengelände liege weit von der Stadt entfernt, könnte aber als ‚Ableger‘ erschlossen werden. Er empfahl den Ausbau der Kaiser-Karl-Str., die Verlegung der Ulmer Str. (später Zollstr.) und den Bau einer Südtangente. Zum Abschluss der Beratung erhielt Louis den Auftrag für einen Generalbebauungsplan. Wegen des geplanten Neubaus des Altersheims sollte der B-Plan hierfür vorgezogen werden, was Herr Louis für die nächsten 3 Wochen zusagte.
Schon Anfang der 50er-Jahre war abzusehen, dass die Schweinezuchtanlage in dieser Form nicht zu halten war und die großen Vorbehaltsflächen nicht mehr benötigen würden. Da privates Baugelände nicht verfügbar war, sah sich der Stadtrat gezwungen, das Gelände für eine Bebauung freizugeben. Arch. Louis legte dem SR am 01.09.1952 den Entwurf eines B-Plans bei der Schweineweide (südlicher Teil) vor, der am 22.09.1952 auch gebilligt wurde. Am 17.10.1952 begann der Verkauf von Teilgrundstücken. Der Preis für die Bauplätze in den Neubaugebieten wurde auf 2 DM/m² für die Eckplätze und 1,80 DM/m² für die anderen Plätze festgelegt. Die Plätze sollen zwischen 500 und 650 m² groß werden.
Für die weitere Bebauung der Schweineweide wurde gem. Verfügung des LRA vom 26.04.1954 ein B-Plan erforderlich. Die Stadt argumentierte, ein solcher sei bereits von Arch Louis ausgearbeitet.
Auch für den Bereich der Gabelsbergerstr. wurde am 26.04.1954 ein B-Plan gebilligt.
In die städtebauliche Entwicklung wurde nun auch die Ortsplanungsstelle bei der Regierung von Schwaben5 eingebunden. Am 21.06.1954 heißt es im Sitzungsprotokoll: Die Ortsplanungsstelle hat für die Baugebiete neue Bebauungspläne vorgelegt, die vom SR gebilligt werden6.

Am 09.06.1960 wurde zum wiederholten Male über eine Bebauung des restlichen Schweineweidegebiets gesprochen. Einige Stadträte vertraten die Meinung, man könne nur Bauplätze verkaufen, die auch erschlossen werden können. Hier könne weder ein Kanal angeboten werden (der zur Reichenbacher Str. hin entwässern müsste), noch habe man das Geld zum Straßenbau. Nach Diskussion beschloss man, nur die Grundstücke die noch zur Hagenthalerstr. hin entwässert werden können zu verkaufen, aber ohne eine Option auf den Straßenbau.
Die Bebauungsplanung wurde nun vom Stadtbauamt selbst in die Hand genommen. Am 03.10.1960 wurde der vom Stadtbauamt ausgearbeitete B-Plan für die Schweineweide gebilligt und am 28.10.1960 auf das ganze Schweineweidegelände ausgedehnt. Mit Beschluss vom 17.02.1961 wurde das ‚Schweineweidebaugebiet‘ fortan ‚Waldviertel‘ genannt.
Nachdem der Standort für den Neubau der Oberrealschule am 07.09.1962 hier festgelegt wurde, erhielt das Stadtbauamt am 24.05.1963 den Auftrag, den mittlerweile einfach als ‚B‘ benannten Bebauungsplan für die Aufnahme der Oberrealschule umzuplanen.







Das Musikerviertel
Das Musikerviertel, in dem alle Straßen nach Komponisten benannt wurden, war ebenfalls Teil des Bebauunbgsplanes ‚B‘. Die Bebauung begann um 1966 und zog sich – je nach Verkaufsbereitschaft der Grundstückseigentümer – bis zur Jahrtausendwende hin. Landmarke entlang der Reichenbacher Str. wurden die 1972-74 errichteten 5-stöckingen Wohnblöcke Waldblick 1 und 2 der Fa. Wohnbau Inhofer.




Der große Bebauungsplan ‚B‘ bestand zunächst aus 5 Teilplänen, die zum Teil von Stadtbaumeister Lieb, teilweise aber auch vom örtlichen Architekten Wolfgang Schmidl gefertigt wurden. Alle Teilpläne wurden nicht zur Rechtsverbindlichkeit gebracht, dennoch wurden hier Bauanträge genehmigt.

Auf Drängen des Landratsamtes fasste Kreisbaumeister Rudolf Bartosch die bisherigen Teilbebauungspläne B1-B5 zusammen und stellte am 16.02.1972 den von ihm überarbeiteten B-Plan ‚B‘ im Stadtrat vor. Die Satzung wurde wesentlich vereinfacht und die Änderungswünsche für die Teilpläne wurden eingearbeitet. Dadurch wurde der Plan wesentlich übersichtlicher und leichter handbar. BM Baur legte Wert darauf, den B-Plan noch vor dem 01.04.1972 abzuschließen, weil Weißenhorn vermutlich dann die 10.000 EW-Grenze überschreiten werde [durch die Eingemeindungen] und dann die Zuständigkeit der Genehmigung auf die Regierung übergehen werde. In den Plan wurde auch eine Erweiterung des NKG eingearbeitet und die geplanten Inhofer-Wohnblöcke an der Reichenbacher Str. Es wurde beschlossen, auch das Grundstück südl. der Grundschule in den B-Plan einzubeziehen. In dieser Form wurde der B-Plan gebilligt.


Bebauung nördlich der Reichenbacher Str.
Die Bebauung nördlich der Reichenbacher Str. begann praktisch mit der Entscheidung am 20.07.1971, die neue Hauptschule an der Reichenbacher Str. zu errichten. Der vorhandene Feldweg wurde zu einer Erschließungsstraße (Kolpingstr.) ausgebaut und so verschwenkt, dass er mit der gegenüberliegenden Erschließungsstraße des Musikerviertels, zwischen den beiden Inhofer-Blöcken, eine Kreuzung bildete. Diese Straße verband die Reichenbacher Str. und die St.-Johannis-Str. miteinander und wurde später als Thannbergstraße bis zur Oberhauser Str. verlängert und bildet so eine östliche Querspange, die als Spitalweg bis zur Günzburger Str. durchbindet.
Mit der Aufstellung des B-Planes A 5 Süd (Kettelerstr.) 1976 begann auch die Erschließung dieser Flächen als Wohngebiet.


Mit der Aufstellung des B-Planes A 5 Nord (1979) (Sozialreformer) wurde die Baulanderschließung fortgesetzt.




Die Hasenwiese
Mit der Bebauung der Hasenwiese erfolgte der jüngste Abschnitt der baulichen Entwicklung entlang der Reichenbacher Str. Begonnen hat die Bebauung bereits 1840, als der Hasenwirt Jos. Goßner hier einen Bierkeller graben ließ. Mit mehreren Erweiterungen stand dieser Bierkeller mit Biergarten bis 2013.









Die detaillierte Geschichte der Hasenwiese finden Sie hier.
Von 1845-1939 befand sich auf der Hasenwiese auch eine Schießanlage der königl. priv. Schützengesellschaft.
1971 wurde zu dem alten Gebäude ein neues, viergeschossiges Sudhaus errichtet, welches einen ungewohnten städtebaulichen Akzent setzte. Am 07.05.1986 brannte die Brauerei vollständig ab. Sie wurde bis 1988 zwar wieder aufgebaut, ging aber nicht mehr in Betrieb.
Um die schon seit längerem nicht mehr voll genutzte Immobilie des Hasenkellers zu verwerten entstand um 2012 der Wunsch nach einem Verkauf seitens des Eigentümers. Die SB-Discounter-Kette ALDI hatte Interesse an dem Standort.
Die Stadt stand dem Vorhaben zunächst skeptisch gegenüber und wünschte eine städtebaulich wirksamere Bebauung ohne Supermärkte an diesem Standort. Gegen den Supermarktbau bildete sich eine Bürgerinitiative, die einen Bürgerentscheid durchsetzte, welcher aber eine deutliche Mehrheit für den Bau von Supermärkten erbrachte. Die Stadt folgte diesem Entscheid und stellte einen Bebauungsplan für das Vorhaben auf. Die Gegner des Projektes formierten sich allerdings auch und gingen gegen die Planung auf dem Rechtsweg vor. Breiten Raum nahm hierbei die Erschließungsfrage ein. Die Gegner befürchteten eine große Verkehrszunahme, die die Sicherheit der Schulkinder beeinträchtigen würde. Die Zufahrten zu dem Objekt wurden daher mehrmals umgeplant. In der Oberhauser Str. wurde die Straße aufgeweitet um ein störungsfreies Linksabbiegen zu ermöglichen. Die gerichtlichen Auseinandersetzungen zogen sich über mehrere Jahre hin. Letztlich wurde die Planung bestätigt und der Bau genehmigt. Erst 2018 konnte der Bau durchgeführt werden.
Die Fa. ALDI setzte sich mit der Supermarktkette Feneberg in Verbindung, die den 1972 errichteten Supermarkt in der Kammerlanderstr. 1 betrieb, der schon etwas in die Jahre gekommen war. Feneberg entschied sich, auch auf den Standort beim Hasenkeller umzusiedeln. 2014 wurde daraufhin der Antrag auf Neubau von 2 Einzelhandelsbetrieben gestellt. Die Altbebauu8ng auf dem Grundstück wurde völlig abgebrochen. Die Baugenehmigung wurde letztlich 2018 vom Verwaltungsgericht für rechtens befunden, so dass die Märkte gebaut und 2019 eingeweiht wurden. Im Feneberg-Markt fand zudem auch eine Postfiliale Platz.
Der Stadt Weißenhorn gelang es, das restliche Grundstück zu kaufen. Eine städtebauliches Konzept für die zukünftige Nutzung dieser Fläche wurde aber nicht entwickelt. Im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplanes für die Supermärkte beim Hasenkeller 2013 wurden zwar Varianten untersucht, es fehlte aber der politische Wille zu einer Festlegung. 2022 wurde der östliche Teil der Hasenwiese an der Bodelschwinghstraße an einen Investor verkauft, dier hier eine dreigeschossige Bebauung mit einer Seniorenwohnanlage verwirklichte. Zwischen dieser Anlage und den Supermärkten verblieb eine Restfläche, für die bislang weder ein Konzept für eine Nutzung noch für die Erschließung vorliegt.
Mitte 2025 entschied die Feneberg-Gruppe, den Supermarkt nach nur 6 Jahren wegen Unrentabilität zu schließen. Besonders traf die Bürger, dass hiermit auch die Postfiliale geschlossen wurde. Nach mehreren Monaten ohne Postfiliale, konnte im November 2025 im Haus Bahnhofstr. 3 eine neue Postniederlassung eingerichtet werden. Die städtebaulichen Probleme der Hasenwiese sind durch den Verlust von Feneberg eher noch größer geworden.
- Hans Burkhart; Geschichte der Stadt Weißenhorn; 1988; Mareis Druck GmbH, Weißenhorn ↩︎
- Die Verlängerung des Gehwegs bis zum Birkenweg wurde 2009 erwogen, wegen Problemen beim Grunderwerb aber nicht durchgeführt. ↩︎
- Auch am östlichen Ende der Reichenbacher Str., im Bereich der späteren Schweineweide, besaß die Gemeinde Oberhausen eine Kiesgrube, die bereits im Urkataster 1823 dargestellt ist. Siehe hierzu den Artikel über die Schweineweide. ↩︎
- Die Bezeichnung rührt daher, dass hier als Straßennamen Baumbezeichnungen gewählt wurden. ↩︎
- Die bayerischen Ortsplanungsstellen bei den Bezirksregierungen wurden in den unmittelbaren Nachkriegsjahren, also ab etwa 1946/47, eingerichtet und waren spätestens 1949 flächendeckend tätig. Die Stellen entstanden als Reaktion auf die akuten Wiederaufbau- und Wohnungsprobleme nach dem Zweiten Weltkrieg und sollten für die Gemeinden systematische Orts- und Wiederaufbauplanungen erarbeiten. Ihre Aufgaben umfassten vor allem die Aufstellung von Wirtschafts- und später Flächennutzungsplänen für die Kommunen, die selbst noch kaum über planungsfachliche Kapazitäten verfügten. Sie hatten zwar eigentlich nur beratende Funktion, wurden aber, da bei den Regierungen angesiedelt, oft als Genehmigungsstellen behandelt. Viele Gemeinde beauftragten daher lieber die Ortsplanungsstellen als freie Architekten, um eine zügige problemlose Plangenehmigung zu erhalten. Die Ortsplanungsstellen wurden erst 2000 aufgelöst. ↩︎
- In derselben Sitzung schlug SR Kräß vor, einen Stadtbaumeister einzustellen, um Planungen selbst erbringen zu können und Kosten einzusparen. Am 14.03.1955 wurde die Stelle beschlossen und am 09.04.1956 Bauingenieur Hans Dosch (vorher LRA Friedberg) als Stadtbautechniker eingestellt. Dosch kündigte am 25.11.1960 seine Stelle zum 01.01.1961, sein Nachfolger wurde am 16.12.1960 Stadtbaumeister Hans Lieb (+1984). ↩︎


