Illerberger Str. – Die Rothinsel
Der Bereich zwischen den beiden Rotharmen wird als Rothinsel bezeichnet. Es handelt sich um eine Grünfläche, die nicht baulich genutzt wird. Die Fläche wurde noch im 19. Jhdt. landwirtschaftlich genutzt und war damals so gut wie nicht bewachsen. Ein Foto von ca. 1900 zeigt den ungehinderten Blick vom Ablass auf die Stadt. Zu dieser Zeit war der gesamte Bereich westlich der Stadt, mit Ausnahme der Linde in der Goethe-Anlage, völlig frei von Bewuchs.


Am 08.10.1897 verkaufte die Stadt das Grundstück an den Goldarbeiter Josef Oberbigler. Dessen Sohn Reinhold (MM39) stellte am 31.12.1915 den Antrag, auf diesem Grundstück eine Remise zu errichten.
Hiermit war die Stadt nicht ganz einverstanden und beschloss: Bevor der Bauplan zum königlichen Bezirksamt zu Neu-Ulm vorgelegt wird, ist mit Oberbigler dahin zu verhandeln, dass er einen Zugang für die beabsichtigte anzulegende [Weidenschehr ?]-Anlage außerhalb des städtischen Holzlagerplatzes herstellt. Nachdem durch Kaufvertrag vom 8.10.1897 dem Oberbigler das Fahrtrecht durch den städtischen Holzlagerplatz zum Umtrieb eines landwirtschaftlichen Grundstücks gewährt wurde, das Anwesen durch den beabsichtigten Bau aber mehr eine industrielle Anlage und dadurch die Fahrt durch den Holzlagerplatz weit mehr in Anspruch genommen wird, ist dem Oberbigler anheim zu geben, ob er nicht eine Zufahrtsbrücke außerhalb des städtischen Holz Lagerplatzes anzulegen beabsichtigt, falls das geschieht, wäre der erwähnte Zugangssteg nicht anzubringen. Der Remisenbau unterblieb daraufhin.
Um 1910 wird die Rothinsel von den Gebr. Molfenter erworben. Die Gebr. Molfenter stellten daraufhin den Antrag auf Kauf des Holzlagerplatzes, der ihnen für 85 M/Dez. zugesprochen wurde. Dieser Kaufpreis war illusorisch hoch, im Vergleich verlangte die Stadt für den Bauplatz Hörmann (Bahnhofstr. 9) nur 25 M/Dez. Demzufolge kam der Kauf auch nicht zustande. Am 27.087.1920 beanspruchte Molfenter das Fahrtrecht gemäß dem Kaufvertrag des Oberbigler vom 08.10.1897. Die Stadt verneinte dieses Fahrtrecht jedoch.
Das Grundstück verblieb im Eigentum der Gebr. Molfenter. Es wurde kleingärtnerisch genutzt, zuletzt auch für Kleintierhaltung. Nach der Betriebsaufgabe und dem vollständigen Verkauf der Grundstücke der Fa. Molfenter konnte die Stadt nach 2007 die Rothinsel wieder zurückerwerben.


Über die Rothinsel verläuft ein Fußweg von der Illerberger Str. bis zum Eisweiher und der Straße ‚Auf der Bleiche‘. Der Bau dieses Fußweges ist nicht dokumentiert, vermutlich wurde er gleichzeitig mit der Anlage des Eisweihers 1895 angelegt. Im Kataster 1906 ist ein Weg verzeichnet und in der Neuvermessung 1921 genau kartiert. Der Fußweg überquert die Nebenroth auf einer Brücke und diente seit Bau des Freibades 1933 als Hauptzugangsweg von der Stadt zum Freibad.
1992 war diese Brücke so schadhaft, dass sie durch einen Neubau nach Entwurf von Stbm. Günther ersetzt wurde.


Bei der Planung zum Neubau des Freibades im Jahr 1970 war allen Ernstes im ersten Entwurf vorgesehen, auf der Rothinsel einen Parkplatz anzulegen.




