
Schulen in Weißenhorn – Teil 1 bis 1806
Inhalt
Vorbemerkung
Die Geschichte des Schulwesens in Weißenhorn ist sehr umfangreich, vielschichtig und verwoben. Sie wurde daher in drei Abschnitte unterteilt und behandelt die Schularten jeweils separat. Hier wird die Geschichte und Entwicklung der Schulen gezeigt. Viele Schulen waren im Laufe der Zeit in verschiedenen Gebäuden untergebracht. Die Geschichte der jeweiligen Gebäude erfolgt ebenfalls separat, da die Schulnutzung oftmals auch nur eine Episode im Gebäudeleben ist. Daher sind manchmal Doppelerwähnungen nicht zu vermeiden. Ein Link führt immer zur Baugeschichte der einzelnen Gebäude.
Weißenhorn verstand sich immer schon als Schulstadt. Dabei setzte sich die Stadt immer für ein breites Bildungsangebot ein und führte Schulen auch als städtische Einrichtung, wenn staatlicherseits die Unterstützung fehlte. Besonders machte sich die Stadt schon vor 125 Jahren um ein verstärktes Bildungsangebot für Mädchen verdient.
Die Anfänge der Schulen in Weißenhorn sind nicht leicht zu entdecken. So gehen auch die bekannten Weißenhorner Geschichtsschreiber nicht näher auf das Schulwesen ein. Nikolaus Thoman erwähnt in seiner Weißenhorner Historie aus dem Jahr 1536 das Schulwesen nicht. Auch der Chronist Joseph Holl geht in seiner Geschichte der Stadt Weißenhorn von 1904 nicht tief auf die Schulsituation vor 1700 ein. Eduard Wylicil widmet in seinen ‚Bilder aus der Vergangenheit Weißenhorns‘ aus dem Jahr 1958 zwar ein Kapitel der Schule, erwähnt aber in seinem erzählerischen Schreibstil nur wenige Fakten ohne Quellenangaben. In der jüngsten publizierten Geschichte der Stadt Weißenhorn des Hans Burkhart aus dem Jahr 1988 werden zwar viele Fakten (leider meist ohne Quellenangabe) zusammengetragen, es werden aber leider auch manche Daten und Fakten nicht richtig zugeordnet.
In der vorliegenden Publikation habe ich die Ergebnisse der vorgenannten Veröffentlichungen zusammengefasst und neu geordnet. Durch die systematische Aufarbeitung der Steuerlisten seit 1465 konnten zumindest einige Personen und Vorgänge den richtigen Gebäuden zugeordnet werden. Dennoch wird ausdrücklich erwähnt, dass ein noch tieferes Quellenstudium unter Auswertung von Ratsprotokollen und Stadtrechnungen vor 1800 nicht stattgefunden hat und somit die gezogenen Schlüsse unter einem gewissen Vorbehalt stehen. Auch setzt sich der Artikel nicht intensiv mit pädagogischen oder weltanschaulichen Fragen auseinander, der Schwerpunkt liegt auf der baugeschichtlichen Seite.
I. Das Schulwesen bis zur Proklamation des Kgr. Bayern 1806
Die Kunst des Lesens, Schreibens und Rechnens war früher nur für wenige Menschen zugänglich. Die Bildungshoheit lag bei den Kirchen. Die Pfarrer achteten auf besonders intelligente Kinder und ermöglichten diesen eine Bildung, um sie später auch in kirchliche Dienste zu bringen. Wohlhabendere Bürger ermöglichten ihren Kindern Unterricht bei Privatlehrern, vornehmlich den Knaben. Aber auch Mädchen aus besseren Kreisen genossen Bildung.
In der Stadt Weißenhorn gab es schon relativ früh eine städt. Schule, in der diese Kinder unterrichtet wurden. Das älteste Schulhaus der Stadt ist das später Lateinschule genannte Gebäude am Kirchplatz, wo bereits 1475 ein Schulmeister genannt ist.
Um 1610 errichtete die Stadt in der Martin-Kuen-Str. x eine neue Stadtmetzg. In diesem Gebäude war auch die deutsche Schule untergebracht. Ab 1729 wird das Gebäude als Schulhaus bezeichnet und in einer Immobilienaufstellung der Stadt aus dem Jahr 1777 wird vermerkt: das Deutsche Schuhl Hauß ein ziemlich spatioses gebau, worbricht unterhalb die Mezg, und ein Keller befindlich. Ist die Wohnung des Schuhlmeisters und Stadtorganisten und im Werth von 700 fl.
Unterlagen über Schüleranzahl und Lehrpläne sind nicht überkommen. Erst für das Jahr 1770 gibt es eine Tabelle, danach hatte die Schule im Winter etwa 60 Schüler, im Sommer nur 15-20, denn in dieser Jahreszeit blieben diejenigen, „so nur ein wenig zum Spinnen, Holzklauben, Kräutern oder Grasen zu gebrauchen sind, zu Haus“. Der Lehrer unterrichtete im Lesen, Schreiben und in der christkatholischen Glaubenslehre, auch im Rechnen, wofür jedes Kind vierteljährig eigens 30 Kreuzer zu bezahlen hatte. 1772 wurde die Schülerzahl mit 49 Knaben und 46 Mädchen angegeben.
Das lateinische Schulhaus Kirchplatz 4
Das älteste nachweisbare Schulhaus ist das lateinische Schulhaus, es stand auf der Ostseite des Kirchplatzes zwischen Kirche und Stadtmauer. Hier ist im Steuerbuch 1475 ein Peter Koch als Schulmeister genannt, 1496 ein Schulmeister ohne Namensnennung und 1498 steht ‚Caspar Klockch, Schulmaist`im Zinsbuch. 1507 wird eine Schulmeisterin, vermutlich die Witwe, genannt und ab 1508 wird ein Schulmeister nicht mehr in den Steuerlisten erwähnt. Caspar Klockher hatte seit 1501 auch die Stelle als Stadtschreiber inne.
Im Jahr 1590 wurde dieses Schulhaus für baufällig erklärt. Graf Philipp Eduard Fugger gab für den Neubau 100 Gulden. Im Zuge des Neubaus wurde auch das Lehrpersonal vermehrt1.
Über den Neubau sowie über die Schüler und den Lehrplan wird nichts erwähnt. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei dem auf einem Gemälde des Kirchplatzes von 1850 dargestellten Gebäude um ebendiesen Neubau handelt.

Es ist jetzt nicht nachzuverfolgen, wer in diesem Haus wohnte. Als städt. Gebäude trug es keine Steuerlast und die Lehrer waren nicht steuerpflichtig, also in der Steuerliste auch nicht erwähnt.
Erst in einer Immobilienaufstellung des Jahres 1777 ((Stadtarchiv A 218)) wird das Gebäude wieder klar benannt: H das Lateinische Schuhl Hauß ist etwas kleiner aber wohl gebaut, des Redceptors und Chorregents wohnung im Wert von 600 fl
Das deutsche Schulhaus Martin-Kuen-Str. x
Das sog. Deutsche Schulhaus befand sich in der Martin-Kuen-Str. x. Das Baujahr des Gebäudes ist nicht bekannt. Der Vorgängerbau gehörte zwischen 1475 und 1517 einer Familie, je nach Familienstand mit Finck oder Mang bezeichnet. Dieses alte Haus dürfte zwischen 1518 und 1548 abgebrochen worden sein. Das Grundstück blieb wohl längere Zeit unbebaut, 1609 wurde es von einem Hans Muff an die Stadt verkauft.
Die Stadt errichtete hier die ‚Stadtmetzg‘. 1614 wird das Gebäude beim Nachbarn als „gemeiner Stadt Metzg“ genannt. Neben diesem Gebäude wird bereits ab 1545 das Grundstück Wettbach 15 als „Schlachtmezg“ bezeichnet. Beide Bezeichnungen bleiben parallel bestehen bis 1729, ab dann wird das Haus Martin-Kuen-Str. x als Schulhaus bezeichnet. Vielleicht war im Gebäude Wettbach 15 die Schlachtstätte und in der Martin-Kuen-Str. die Verkaufsstätte der Fleischwaren. Im Steuerbuch 1729 wird das Haus nicht mehr als Metzg bezeichnet, sondern als „gemeiner Stadt Schulhaus“. Vermutlich wurden beide Nutzungen in dem Gebäude verrichtet, denn im Immobilienbericht 1777 heißt es G das Deutsche Schuhl Hauß ein ziemlich spatioses gebau, worbricht unterhalb die Mezg, und ein Keller befindlich. Ist die Wohnung des Schuhlmeisters und Stadtorganisten und im Werth von 700 fl.
Es ist also nicht genau zu definieren, ab wann das Gebäude als Schule genutzt wurde, vermutlich zwischen 1614 und 1729. Nachdem Burkhart (Burkhart, S. 179) ohne Quellenangabe bereits für das Jahr 1613 einen deutschen Schulmeister nennt, könnte dies auch der Zeitpunkt des Baus des deutschen Schulhauses sein.
1772 wird die Schülerzahl mit 49 Knaben und 46 Mädchen angegeben.
Nach Burkhart2 war diese Schule zu einem nicht genannten Zeitpunkt zu klein, so dass eine Klasse in das Haus Wettbach 2, zeitweilig auch in die Kray (heutiges Altes Rathaus Kirchplatz 2) verlegt werden musste.
Das Lehrpersonal bis 1802
Im lateinischen Schulhaus3
1475 | Im Steuerbuch 1475 wird ein Peter Koch als Schulmeister in der Lateinschule am Kirchplatz genannt. |
1496 | ein Schulmeister ohne Namensnennung |
1498 | steht ‚Caspar Klockch, Schulmaist`im Zinsbuch. Caspar Klockher hatte ab 1501 auch die Stelle als Stadtschreiber inne. 1507 wird eine Schulmeisterin, vermutlich die Witwe, genannt, aber ab 1508 wird ein Schulmeister nicht mehr in den Steuerlisten erwähnt. |
? | Hans Schwarz |
? | Georg Biedermann |
? | Hans Mayer |
1590 | ist ein Magister Johannes Faber als Lehrer im ‚schwarzen Buch‘ genannt. Sein Einkommen bezog er zum Teil aus dem Benefizium Unser Lieben Frau, das wegen seines geringen Einkommens von der Mitte des 16. Jahrhunderts an nicht mehr besetzt war; dazu gab der Rat eine Zulage von 10 Gulden, Holz und Getreide, ebensoviel Graf Fugger. |
-1673 | Dem späteren lateinischen Schulmeister Hans Jörg Rösner – er hatte die obere Abteilung Mädchen und Knaben – wurden noch zwei Immi Roggen von Rats wegen bewilligt (1661); Rösner starb 1673. |
-1726 | Sein Nachfolger war Andreas Seitz bis zu seinem Tode 1726. |
1726-1748 | An seine Stelle trat ein Weißenhorner Sohn namens Fridolin Miller; ihm wurden zeitweilig die Schulgehilfen Martin Bidermann und Adam Schwerdt zugeteilt. Im Akt P 44 wird ein Praeceptor Fridolin Müller genannt, der 1749 gestorben ist und dessen Erbe an seine Töchter Maria Barbara und Maria Anna verteilt wurde. Als Präzeptor wurden Lehrer an höheren Schulen oder Lateinschulen bezeichnet. |
1749-1765 | Am 9. Mai 1749 erfolgte die Anstellung des Lehrers Ignaz Staiger. Als Besoldung erhielt er wie sein Vorgänger 75 Gulden nebst 35 Mittle Roggen und von der Kirchenstiftung 35 Gulden Jahrtagsgelder. Seine zweite Frau war die Schwester des Malers Franz Martin Kuen. |
1766-1768 | Es folgte 1766 der Lehrer Joseph Anton Laucher, jedoch nur bis 1768. |
1768-1809 | An seine Stelle trat der obere deutsche und lateinische Schullehrer, Chorregent und Musiklehrer Franz Xaver Schmöger von 1768 bis 1809. Er hatte das ganze Jahr 7 Knaben und 17 Mädchen; von Martini bis Mittefasten etwa 15 Schüler mehr. Neben freier Wohnung, die zur Hälfte die Stadt und zur Hälfte die Stiftung unterhielt, bekam er wie der untere Lehrer Holz, dann 32 Mittle Gilt aus Steinheim, dann Bezüge an Schulgeld und aus der Stiftung, dazu 75 Gulden festes Einkommen. |
Am Deutschen Schulhaus4
1613 | Am 14.08.1613 war Ulrich Khüner aus der Stadt Biberach zum Organisten und deutschen Schulmeister von der Herrschaft und vom Rat bestellt worden. „Er musste dem Gottesdienst mit Schlagen der Orgel, der Jugend mit Haltung der deutschen Schule und guter Information der lateinischen Schulordnung gemäß und schuldiger Pflicht nach getreulich und möglichsten Fleißes aufwarten“. |
1654-1657 | Balthes Bader (+ 1657), |
1657-1707 | Hans Kaspar Leo (+ 1713) |
1707-1718 | Anton Seitz, |
1718-1750 | Joseph Merkle, |
1750-1751 | Franz Joseph Merkle (Sohn des Vorigen) |
1752-1765 | Franz Alexander Beller (+ 1766), |
1765-1805 | Johann Nepomuk Beller, gebürtig aus Kippenheim (Ortenaukreis) Er war als Sohn des Alexander Beller Lehrer, Organist und Feldmesser in Weißenhorn. 1772 wird er als deutscher Schullehrer genannt. In seine Dienstzeit fällt die Einführung der allgemeinen Unterrichtspflicht. Der Lehrer hatte in einem städtischen Gebäude freie Wohnung. Als Besoldung erhielt er einen Gulden wöchentlich und fünf Klafter Holz jährlich sowie 10 Gulden für den Organistendienst, dazu Schulgeld und Bezüge als Feldmesser. |
1774 | Als weiterer Lehrer wird 1774 Jacob Thalweiner, Sohn des Joseph Thalweiner (GZ22) aus 2. Ehe, als Schulmeister genannt. |
Schulreform unter Kaiserin Maria Theresia (1717-1780)
Weißenhorn gehörte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zu Österreich. Daher wurde auch hier unter Kaiserin Maria Theresia am 06.12.1774 die allgemeine Unterrichtspflicht eingeführt. Dies war keine Schulpflicht, denn die Kinder konnten auch privat unterrichtet werden.
Die Einführung der Unterrichtspflicht war eine rein politische Entscheidung der Kaiserin. Von ihr ist der Satz überliefert: „Das Schulwesen aber ist und bleibet allzeit ein politicum“. Ihr Ziel war im Sinne der Aufklärung, den Einfluss der Kirche zurückzudrängen und die Bildung als weltliche Aufgabe des Staates und nicht der Kirche festzuschreiben. Aus diesem Gedanken heraus verfügte sie u.a. auch die Auflösung kleiner Kirchen, in Weißenhorn z.B. der Wolfgangskapelle.
Die Einführung der Unterrichtspflicht war gut vorbereitet. Maria Theresia ernannte 1753 den markgräflichen Landvogt, den Freiherrn Christoph Joseph von Ramschwag – einen „typischen Vertreter der festen theresianischen Staatsordnung“ – zum Wirtschaftsbeauftragten für die ganzen österreichischen Vorlande mit dem Sitz in der „Hauptstadt“ Günzburg. Es war eine der ganz großen Leistungen seiner Reformen, dass Grundschule, Gymnasium, Lehrerausbildung und Universität in gleich intensivem Maß gefördert wurden. Die größte Leistung der theresianischen Schulreform war aber die Neuordnung des Volksschulwesens. Es wurde verfügt, mindestens in jedem Ort mit einer Pfarr- oder Filialkirche eine Volksschule zu errichten.
Daher wissen wir auch, dass Weißenhorn zu dieser Zeit zwei Lehrer hatte. Auf Anfrage vom Oberamt Burgau antwortete der Stadtschreiber am 29.01.1759: „Hier in Weißenhorn sind zwei Schulmeister, der eine als Praeceptor (lateinischer Schulmeister) und Chori regens, der das Lateinische und Deutsche zugleich lehrt und auch die Jugend in Musik unterrichtet. Der andere aber als Organist und Cantor ebenfalls in der Musik Lektion gibt, hauptsächlich aber deutsche Schul- und Rechnungskunst obliegt. Die Unterrichtszeit ist an beiden Schulen von 8 bis 10 Uhr vormittags und von 1 bis 3 Uhr nachmittags, die übrige Zeit wird musiziert. Bisweilen sind mehrere Privatkinder noch am Abend oder in aller Frühe zum Unterricht eingeteilt. Der Magistrat und der Stadtpfarrer besuchen öfter alle Schulen.“ Es wird ausdrücklich erwähnt, dass auch die Jugend von Grafertshofen hier die Schule besucht.
In einem Pfarrvisitationsprotokoll vom Jahr 1775 heißt es, dass die beiden Schulmeister unter einem löblichen Stadtmagistrat stehen, dass sie von der Stadt als Musikanten besoldet werden; wenn Schule gehalten werde, visitiere der Stadtpfarrer selber wöchentlich wenigstens einmal; überhaupt seien die Schulen dahier sehr schlecht bestellt. 1776 verlangte die Regierung ein Verzeichnis der schulfähigen Kinder mit genauer Angabe, von wem, wie lange und mit welchem Erfolg die Schule besucht wurde. Im September musste der Stadtknecht alle Familien mit schulfähigen Kinder aufsuchen und der Pfarrer in der Christenlehre den fleißigen Schulbesuch einschärfen.
In der Zeit der österreichischen Schulreform waren Johann Nepomuk Beller bis 1805 und Jacob Thalweiner als Lehrer tätig. Außerdem seit 1768 Franz Xaver Schmöger, deutscher und lateinischer Schullehrer, Chorregent und Musiklehrer.
Fortsetzung: Schulen in Weißenhorn – Teil 1, bis 1806
Fortsetzung: Schulen in Weißenhorn – Teil 2, 1807-1919
Fortsetzung: Schulen in Weißenhorn – Teil 3, 1919-1945
Fortsetzung: Schulen in Weißenhorn – Teil 4, nach 1945
Fortsetzung: Schulen in Weißenhorn – Teil 5, Schulverband, Standortsuche Hauptschule

