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Zum guten Tropfen – Günzburger Str. 8

Das Haus Günzburger Str. 8 ist das älteste ununterbrochen in Familienbesitz befindliche Gebäude in der Stadt, seit ca. 1655 ist der Name hier nachweisbar. Außerdem ist die Familie Hinträger die am längsten nachverfolgbare Familie. Die Weinstube besteht seit 1919.

Erster Vorgängerbau

Der älteste nachverfolgbare Name auf diesem Grundstück ist 1465 Thoman Merlin, dem auch das Haus Günzburger Str. 14 gehörte. Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. Doman Merlin ist auch 1475 hier zu finden. Im Steuerverzeichnis 1492 kann niemand diesem Grundstück zugeordnet werden, erst wieder 1496. Es könnte sein, dass es sich daher mit der Nennung des Jorig Kürßner um einen Neubau handelt und es daher einen noch älteren Vorgängerbau gegeben hat. Dies ist aber nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit belegbar.

1497 wird der Eigentümer Jorig Kintße geschrieben, und 1499 ist neben Joß Betz (vormals Günzburger Str. 14) Joßen Stöcklins Witwe genannt. die auch 1502 hier verzeichnet ist und 1505 Margreth Stöcklerin heißt, bei ihr könnte es sich um Joßen Stecklins Witib oder ihre Tochter handeln. 1508 ist Margaretha (später nur noch Gretha) Haberessin genannt. Evtl. hat Margreth Stöckle (noch einmal) geheiratet, ist aber dennoch Alleineigentümerin geblieben.

1515 steht Barthelme Klelin im Steuerverzeichnis und 1517 Gall Schoper, der vorher auf Heilig-Geist-Str. 4 war. Obwohl für die Jahre 1518-1548 keine Aufzeichnungen vorliegen kann Gall Schoper doch bis 1546 nachverfolgt werden, als ihm Hans Döcker nachfolgt und Gall auch noch 1548 als Teileigentümer geführt wird.

Die nächsten Jahre ist die Familie Döcker hier ansässig, 1548 Laux Döckher, Hafner, und ab 1575 seine Witwe und Matheus Döckher, vermutlich der Sohn. 1594 ist Matheus Döckhers Witwe genannt, ab 1598 wieder ein Laux Döckher, wohl wieder ein Sohn. 1614 ist dessen Besitz als Behausung, Hofraithen, Stadel und Garten mit einem Wert von 670 fl bezeichnet.

1619 folgt ihm Georg Erhard und ab 1629 Thomas Mayer. 1636 sind Thomas Mayers Kinder verzeichnet mit einem Wert von 450 fl. Gebäudebeschrieb und Wert sind gestrichen, daher ist das Haus wohl abgebrochen worden. 1651 ist der Wert auf 300 fl gesunken, Eigentümer ist Thomas Thoma. Hier wird es sich nur noch um das Grundstück handeln.

Zweiter Vorgängerbau

Auf Thomas Thoma folgt nach 1651 Hans Jörg Hinträger, vermutl. Neubau von Behausung, Hofraithen, Stadel, Garten, Wert im Jahr 1660 400 fl. Der Name Hinträger ist auf dem Haus bis heute ansässig. Der Name Hinträger selbst ist ab 1594 in Weißenhorn genannt. Ohne genealogische Forschung kann man davon ausgehen, dass es sich hier um dieselbe Familie handelt. 1691 stirbt Hans Jörg Hinträger, das Erbe wird aufgeteilt. Es folgt im selben Jahr der Binder, nach heutigem Sprachgebrauch Küfer, Sebastian Hinträger, vermutlich der Sohn. Somit wurde auch der Beruf des Küfers fast 300 Jahre lang hier weitergegeben.

Am 03.06.1729 kauft Michael Hinträger, Binder, das Anwesen von seinem Vater für 500 fl; er heiratet zugleich Barbara Ott aus Beuren. Ihm folgt 1758 Joseph Hinträger, wieder ein Binder, und nach 1760 Ignatius Hinträger. Am 07.06.1789 wird das Haus an Dominikus Hinträger überschrieben, 1843 ist seine Witwe Theresia Hinträger Eigentümerin.

Am 30.10.1847 übergibt Theresia Hinträger, Witwe des Dominik Hinträger, an ihren Sohn Joh. Nep. Hinträger. Dieser bricht auf der Ostseite seines Gebäudes die alte Remise ab und errichtet einen neuen Stadel mit Remise. 1862 baut der Küfermeister Joh. Nep. Hinträger an der nordöstlichen Seite seines Hauses einen Fachwerkstadel an. Er weist darauf hin, den gesetzl. Grenzabstand von 3′ (ca. 1 m) einzuhalten. Genehmigung des Magistrats am 11.07.1862. 1875 ist Anton Hinträger als Eigentümer genannt.

Neubebauung 1876

Im Jahr 1876 wurde durch Anton Hinträger das alte Haus abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Es wurde auch ein Stadel in den Hofraum und ein weiterer Schuppen in den Hofraum gebaut. Im Jahr 1906 wird der Küfermeister Franz Hinträger als Eigentümer genannt, der Zeitpunkt des Eigentümerwechsels ist nicht bekannt. 1919 baut Anton Hinträger das Wohnhaus um. Am 04.07.1919 erhält er die Gaststättenkonzession für eine Weinstube. Diese Konzession wurde am 19.07.1929 nochmals erneuert, wobei Hinträger jetzt Weinhändler genannt wird. 1929 baut Franz Hinträger einen Laden an sein Wohnhaus an. Der Anbau hatte nur ein kleines Fenster, der Zugang zum Laden war im Anbau. Franz Hinträger und Schmöller möchten die Taferngerechtsame von MM04 (ehem. Georgenwirtschaft) auf das Haus hier übertragen. Der Stadtrat zögert am 02.08.1929 und bittet das Bezirksamt um Prüfung, ob die Gerechtsame nicht durch 10-jährigen Nichtgebrauch erloschen sei. Es ist nicht vermerkt, wie die Entscheidung ausging. Es war auch unerheblich, da unter den neuen Machthabern das Gesetz geändert wurde und eine besondere Konzession nicht mehr erforderlich war. 1934 wird der Giebel des Wohnhauses erneuert.

1948 ist wieder ein Anton Hinträger, Weinhändler, als Eigentümer aufgeführt. 1951 wird die Küferei-Werkstätte unterkellert, 1957 wird nochmals an die Gaststätte angebaut. Hierbei wird der Ladeneingang geschlossen und in den Gaststättenanbau ein größeres Fenster sowie neue Fenster im Wohnhaus eingebaut. 2006 wird ein Wintergarten angebaut und das DG mit einer Dachgaube ausgebaut.

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