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Sälzle & Schneider – Östliche Promenade 10 und Blumengasse 1

Der Lebensmittelgroßhändler Sälzle & Schneider entstand aus einem kleinen Lebensmittelgeschäft und entwickelte sich zu einem bedeutenden örtlichen Unternehmen. Die groß dimensionierten Neubauten wurden um 1990 abgebrochen und das Gebiet saniert.

Östliche Promenade 10

Mitte des 19. Jhdts. begann die Bebauung der ehemaligen Befestigungsanlagen in der Östlichen Promenade. So kaufte auch 1855 der Zimmermeister Valentin Gaiser vom Grafen Fugger ein Gartengrundstück zwischen Kappengasse (heute Kaiser-Karl-Str.) und der Promenade und plante ein Wohnhaus mit Stall und Stadel unter einem Dach. Das Haus sollte ursprünglich an der Kappengasse (Kaiser-Karl-Str.) errichtet werden. Nach drei Entwürfen und Standorten legte Gaiser seinen Plan fest. Gaiser erklärte, er wolle das Haus mit dem Eingang von Westen mittels eines Steges über den Graben hinweg anlegen, so wie schon früher der Eingang zum Garten bestanden habe.

Gleichzeitig baute Gaiser in den Garten eine Gerätehütte und eine weitere Holzremise. 1861 vergrößerte Gaiser seine Holzremise und erhielt hierzu am 02.08.1861 die Genehmigung.

1868 ging das Haus an den Glaser Joseph Heckel, der eine Waschküche im Nebengebäude einbaute. Um 1888 erwarb Mathias Kircher das Gebäude. Er versah das Grundstück mit einem Eisenzaun. Heckel vermachte im Übrigen aus seinem Vermögen bei seinem Tod 1901 das Haus Blumengasse 8 und den Garten der Kinderschule, was den Grundstock für den ersten Kindergarten bildete.

Am 15.02.1892 erwarb Eugen Sälzle das Anwesen von den Erben des M. Kircher und baute einen Lebensmittel-Laden in das Haus ein. Im Jahr 1906 übernimmt der Drogist Franz Josef Schneider Haus und Laden. F.J. Schneider ist ein guter Kaufmann, der Handel entwickelt sich. 1925 baut er auf dem rückwärtigen Teil des Grundstücks zur Blumengasse einen Lagerraum und eine Autohalle. Hiermit beginnt die Entwicklung des Lebensmittelgroßhandels, der ab 1939 unter Sälzle & Schneider firmiert und bis ca. 1985 bestehen bleiben wird. Die bauliche Entwicklung in der Blumengasse wird im folgenden Artikel behandelt.

1940 erweitert F.J. Schneider sein Geschäftsportfolio um eine Kaffeerösterei, die auch im hiesigen Gebäude untergebracht wird. 1941 wird ein Luftschutzkeller gebaut.

Nach dem Krieg baute F.J. Schneider 1949 den Laden um, 1957 modernisierte er seine Wohnung, baute Einscheibenfenster und ein damals modernes Blumenfenster ein. 1961 wurde der Laden erweitert, hierbei wurde dem Laden eine Stahlkonstruktion mit großen Schaufenstern vorgesetzt, um die Verkaufsfläche zu erweitern.

1968 eröffnete die Fa. Sälzle Schneider im stillgelegten alten Kino Kaiser-Karl-Str. 28 den ersten großflächigen SB-Einzelhandel in der Stadt. Zwar hatten schon andere kleinere Händler ihre Läden auf SB-Betrieb umgestellt, es war aber der erste größere Laden dieser Art in der Stadt.

Der Betrieb wurde bis ca. 1986 weitergeführt und dann liquidiert. Der Laden wurde an einen Getränkemarkt verpachtet. Nach der Geschäftsaufgabe wurden die Grundstücke Östl. Promenade 10 und Blumengasse 1 getrennt. Das Gelände der Blumengasse kaufte die Stadt (Neubebauung Kaiser-Karl-Str. 9), das Haus Östl. Promenade 10 wurde von einem Bauträger gekauft. Dieser baute das Haus zu 5 Wohnungen um und die Ladenfläche zu einem Café -Bistrot, das Café Promenade, im Volksmund ‚Promi‘ genannt.

Im Jahr 1998 fand wieder ein Eigentümerwechsel statt. Hierbei wurde das Haus zu einer Frühstückspension umgebaut. Zu der Gaststätte wurde eine Außenbewirtschaftung eingerichtet, die 2002 auf die ganze Vorgartenfläche erweitert wurde. Ebenfalls in 2002 wurden die Grundrisse geändert und eine Fluchtgaube erstellt.

Blumengasse 1

Die Bebauung der Blumengasse 1 begann im Jahr 1925 mit der Erbauung einer Autohalle und eines Lagerraumes durch den Kaufmann Franz Josef Schneider, dessen Haus Östl. Promenade 10 auf dem Stammgrundstück stand. Das Lager diente dem beginnenden Lebensmittelgroßhandel, der ständig prosperierte und entsprechende Erweiterungsbauten erforderte. Die bestehenden alten Nebengebäude wurden sukzessive zugunsten von Neubauten aufgegeben und abgebrochen. So wurde 1934 eine Schupfe an das Lagergebäude angebaut. 1937 wurde ein Benzin-Lagerkeller in das Gebäude eingebaut. 1938 musste eine weitere Autohalle angebaut werden. Ab 1939 firmierte der Betrieb unter Sälzle & Schneider.

Nach dem Krieg wurde 1946 das Lagerhaus aufgestockt, der Lagerschuppen vergrößert und ein Schutzdach angebracht, damit die Lkw-Beladung trocken erfolgen konnte. 1954 wurden bauliche Maßnahmen durchgeführt, u.a. wurde das Wohnhaus Östl. Promenade 10 durch eine Art verglaste Brücke mit dem Lager verbunden. 1955 wurde ein Keller gebaut und das Lagerhaus umgebaut.

Um größere zusammenhängende Lagerflächen zu erhalten, wurde 1959 ein dreigeschossiges Lagerhaus in Stahlbeton-Skelettbauweise neu erbaut und hierfür das alte Lagerhaus abgebrochen. 1965 wurde eine Betriebs-Tankstelle eingerichtet.

1968 eröffnete die Fa. Sälzle Schneider im stillgelegten alten Kino Kaiser-Karl-Str. 28 den ersten großflächigen SB-Einzelhandel in der Stadt. Zwar hatten schon andere kleinere Händler ihre Läden auf SB-Betrieb umgestellt, es war aber der erste größere Laden dieser Art in der Stadt.

Der Betrieb wurde bis ca. 1986 weitergeführt und dann liquidiert. Nach der Geschäftsaufgabe wurden die Grundstücke Östl. Promenade 10 und Blumengasse 1 getrennt. Das Gelände der Blumengasse kaufte die Stadt, das Haus Östl. Promenade 10 wurde von einem Bauträger gekauft. Dieser baute das Haus zu 5 Wohnungen um. Der Laden wurde an einen Getränkemarkt verpachtet.

Das Lagerhaus von 1959 wurde zunehmend hinsichtlich Dimension und Gestaltung als Fremdkörper im Altstadtbereich angesehen. Die Bereinigung dieser Situation wurde als wichtiges Projekt bei der ab 1985 laufenden Altstadtsanierung angesehen. Die Stadt konnte das Grundstück 1988 mit Städtebauförderungsmitteln erwerben und lobte für die Neugestaltung dieses Quartiers einen städtebaulichen Wettbewerb mit dem Ziel einer Wohnbebauung und einer Quartiersgarage aus. Der Ulmer Architekt Dr. Romano Cinetto erhielt den Zuschlag aus dem Wettbewerb. Für die Realisierung konnte ein Investor gefunden werden. Die Stadt beschloss, für das Vorhaben einen Bebauungsplan aufzustellen. Die Altbebauung wurde daraufhin 1993 abgebrochen. Die Neubebauung erhielt die Hausnummer Kaiser-Karl-Str. 9 und ist unter dieser Bezeichnung in einem eigenen Artikel behandelt. Die Bezeichnung Blumengasse 1 wurde nicht mehr vergeben.

Quellen:

Quellen:
1, 2, 3 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
4, 5, 6, 7, 8 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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