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Das Benefiziatenhaus Wettbach 19

Die Erstbebauung des Grundstücks konnte archivalisch bislang nicht geklärt werden. 1475 ist an dieser Stelle in B 38-15 ‚Sant Lienhards Meß Hus‚ genannt. Es ist nicht zu klären, ob hiermit auch der Leprosenkaplan gemeint ist, der schon bei Nik. Thoman erwähnt ist.

Am 24.10.1493 entstand im Bereich des Hl.-Geist-Stadels ein Großbrand, dem neben dem Stadel 4 weitere Häuser zum Opfer fielen. Der Brand brach im Haus [Conrad] Waydman, Wettbach 17, aus. Im St.-Leonhards-Kaplan-Haus verbrannte der größte Teil des Dachtragwerks und die Seite gegen den Spitalstadel, die dann auch einstürzte. Es ist nicht beschrieben, was mit dem Haus anschließend geschah. Es ist im Zinsbuch B 301-12 von 1507 noch als ‚Sandt Lienhardts Capplan‚ beschrieben, stand also noch. Als Nachbar ist der ‚Spital-Kaplan‘ angegeben, demnach handelte es sich um verschiedene Personen. Diese Bezeichnung ist leider sonst an keinem Ort zu finden. Es wird angenommen, dass es sich bei dem Kaplanhaus um zwei Wohneinheiten handelte, dessen zweite hier als Nachbar angegeben wurde. Da das Kaplanhaus wohl baulich vom Pfründhaus getrennt war, könnte der restliche, nicht in Mitleidenschaft gezogene Gebäudeteil noch ein paar Jahre gestanden haben. Es ist nicht bekannt, wann das alte Kaplanhaus abgebrochen wurde, spätestens 1527 war das Grundstück aber unbebaut.

1527 wird in der Kaufurkunde U 179 bzgl. des Verkaufs des Hauses Wettbach 17 das Grundstück im Nachbarbeschrieb übersprungen, war also unbebaut. Auch 1545 wird im Salbuch der Leprosenpfleg (B 305-4) beim Nachbarbeschrieb Wettbach 17 für das Jahr 1545 von einem unbebauten Grundstück gesprochen ‚daneben von Weissenhorn unerpauren Hofstatt‘, beim Nachbarbeschrieb Wettbach 21 wird jedoch Jorig Miller als Eigentümer genannt. Nachdem Jorig Miller der Schmied auf Hauptstr. 25 ist, kann es sich um ein unbebautes Grundstück in Zweitbesitz des Jorig Miller handeln. 1548 wird im Zinsbuch der Liebfrauenpfleg St. Leonhards Pfründhaus erwähnt.

1562 wurde ein neues Haus erbaut. Nach Wylicil wurde in einem (nicht näher bezeichneten Schreiben) vom 20.03.1750 in einer Randnotiz das Erbauungsjahr mit 1562 genannt, was an einem Dachbalken bezeichnet gewesen sein soll. Dieses Baujahr ist denkbar. Das Frühmesshaus befand sich früher am Kirchplatz, angelehnt an die Stadtmauer. 1576 wurde das Haus für den Neubau der Kray (jetzt Rathaus) abgebrochen. Unter Umständen war das Haus am Kirchplatz schon so schlecht, dass bereits 1562 ein Neubau erfolgte.

1614 wird im Steuerbuch B 87-84 beim Nachbarbeschrieb des Hauses Wettbach 21 das Haus als ‚Frühmesshof‘ erwähnt.

Nach Wylicil stellte der Magistrat am 20.03.1750 fest, dass das Frühmesshaus ziemlich ruinös und nicht mehr bewohnbar sei. Man vertrat die Meinung, die Baulast habe der Graf Fugger, welcher aufzufordern sei, seiner Verpflichtung nachzukommen. Es ergibt sich von 1755-1768 eine mehrjährige Auseinandersetzung mit der Herrschaft über die Baulast. [1]A 57-7.1+2 In einem Schreiben des Dechants an den Grafen vom 04.12.1760 wurde die Einsturzgefahr des Hauses dargestellt. Am 26.03.1768 geschah die de facto Anerkennung der Baulast durch den Grafen Fugger. Am 22.07.1768 erging die Anweisung des Oberamts Günzburg an die Stadt, mit dem Bau unverzüglich zu beginnen. Im Archiv ist ein undatierter Kostenvoranschlag enthalten [2]B 122-673, der die Baukosten des Gebäudes auf 1740 fl 10 x schätzt. Der Voranschlag ist von Joseph Dossenberger, Baumeister, unterschrieben. Die in den Akten enthaltene Ansichtszeichnung ist jedoch recht dilettantisch ausgeführt. Es muss bezweifelt werden, ob diese von Dossenberger stammt.

Im Jahr 1859 muss sich der Zustand des Hauses verschlechtert haben, denn Benefiziat Jaeckle beschwert sich über den Zustand des Hauses. Aber erst 1900 sind wieder Bauarbeiten aktenkundig. Es wird der Abort erneuert und ein Teil der westlichen Außenwand. 1907 wurde die Barockmalerei durch Kirchenmaler Albert Heinle restauriert.

1965 wurde die Originalbemalung mit dem Verputz abgeschlagen. Bei einer erneuten Sanierung 1981 wurde die Bemalung wiederhergestellt, allerdings nur auf der Straßenseite.

Quellen:

Quellen:
1 A 57-7.1+2
2 B 122-673
3, 4 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
5, 6, 7, 8, 9 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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