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Cafés, Kneipen, Bistrots, Internationale Küche

Die Wünsche der Gäste ändern sich ständig, die Gastronomie reagiert mit neuen Konzepten. Diese Entwicklung machte auch vor der Weißenhorner Gastronomie nicht halt – bis heute!

Ein neuer Typus entsteht – Caféhäuser in Weißenhorn

Die Anfang des 19. Jhdts. von Wien ausgehende Caféhauskultur erreichte auch Weißenhorn, das wegen seiner jahrhundertelangen Zugehörigkeit zu Habsburg solche Strömungen auch aufnahm. Doch das ging nicht ganz ohne Probleme.

Der Kampf um das erste Café

1828 beantragte der Wachszieher Jos. Abt, im Haus Hauptplatz 4 Kaffee, Bier, Wein und gebrannte Getränke ausschenken sowie einen Billard-Tisch aufstellen zu dürfen. Schon früher habe in diesem Haus ein Billard gestanden. Auch könne er die Gäste in einem großen Keller bewirten. Der Magistrat lehnte das Gesuch ab: In Erwägung, daß hier Uiberfluß an Bier- und Weinschänken ist, weder der Genuß des Kaffe noch das Billardspiel Bedürfnis ist, und ähnliche Gesuche deshalb schon früher nicht nur vom Magistrat sondern selbst von der k. Regierung abgewisen worden sind, u. zudem Abt als Wachszimmer, Lebzelter u. Spezereihändler hinlänglichen Erwerb sich zu schaffen Gelegenheit hat, so wird dessen Gesuch als unbegründet abgewiesen. Der hiergegen gerichtete Widerspruch bei der Regierung hatte keinen Erfolg: indem für Weißenhorn daß Bedürfnis eines eigenen Kaffeeschenke mit Billard umsoweniger existirt als in einer jeden Taferne auf Verlangen Kaffe ausgeschenkt wird, und es einem jeden conceßionirten Wirth unbenommen ist zur Unterhaltung seiner Gäste ein BIllard aufzustellen.

1830 versuchte Josef Abt es ein zweites Mal. Das erneuerte Gesuch des Jos. Abt wurde aber wiederum abgewiesen. Abt ließ sich nicht entmutigen und stellte 1833 noch einmal einen Antrag auf ein Café. Aber auch dieses Gesuch um die Kaffee-Konzession wurde wiederum abgewiesen und von der Regierung bestätigt. Jos. Abt versuchte etwas anderes und wollte 1840 eine ‘Lohnrössler’-Konzession erhalten. Lohnrössler waren die Vorgänger des Taxis, also ein Personen-Fuhrunternehmen. Doch auch das war nicht so leicht, das LG Roggenburg lehnte den Antrag auf Erteilung einer Lohnrössler-Konzession wegen mangelnden Bedürfnisses ab.

1849 übergab Jos. Abt Spezerei und Wachszieherei an seinen Sohn Josef Abt. 1851 machet er es seinem Vater gleich: Er beantragte die Konzession für ein Café. Aber auch 23 Jahre nach dem ersten Antrag war man nicht liberaler geworden. Die beantragte Konzession für eine Konditorei wurde dem Josef Abt nicht erteilt, weil er die erforderliche Lehr- und Wanderzeit als Konditor nicht nachweisen konnte. Er konnte 1852 aber eine Wanderdispens erhalten und hatte die Meisterprüfung als Konditor in Dillingen abgelegt. Er beantragte somit erneut eine Konzession als Konditor. Der Magistrat erkundigte sich daraufhin bei den Städten Günzburg, Memmingen und Kempten nach deren Erfahrungen mit Konditoreien und ob diese auch eine Konzession zum Branntweinausschank besäßen. In Günzburg dürfen die Konditoren keine hochprozentigen Alkoholgetränke ausschenken, aber Likör, Punsch und Glühwein. Ebenso antworten Memmingen und Kempten. Der Magistrat lehnte das Gesuch nochmals ab, weil Abt die vorgeschriebene Lehr- und Wanderzeit nicht abgeleistet und sich das Prüfungszeugnis daher erschlichen habe und kein Bedürfnis nach einer Konditorei in Weißenhorn bestehe. Abt erhob hiergegen Einspruch beim LG Roggenburg mit einer 16-seitigen Rekursschrift, worauf ihm die Regierung in Augsburg die Genehmigung erteilte und das Prüfungszeugnis bestätigte. Nachdem das LG Roggenburg also bestätigt hatte, dass nach abgelegter Meisterprüfung eine erneute Lehr- und Wanderzeit nicht mehr erforderlich ist, erteilte der Magistrat die beantragte Konditorei-Konzession. Das Café ging hier aber nicht in Betrieb, denn 1861 kaufte der Konditor Karl Mack das Haus An der Mauer 7. Es ist aber nicht aktenkundig, dass Mack bereits 1861 An der Mauer eine Konditorei betrieb.

Die ersten richtigen Cafés in Weißenhorn

Karl Mack war also der Nutznießer der 30 Jahre währenden Auseinandersetzung der Familie Jann mit der Stadt. Er bekam sein Café in der Östlichen Promenade 12 problemlos genehmigt und führte es von 1866-1870. Johann Wegele folgte ihm bis 1892 nach, dann führte die Familie Edel das Café bis 1977.

Wo ein Geld zu verdienen ist, kommen schnell Konkurrenten. 1880 kaufte der Konditor Franz Heinrich das Grundstück Bahnhofstr. 4 und errichtete auch dort ein Café. 1922 versuchte sein Sohn Alois Heinrich auch eine Bierausschankkonzession zu erhalten. Dies lehnte der Stadtrat mit Beschluss vom 26.08.1932 aber ab, da es schon genug Bierwirtschaften gebe. Man gewährte ihm aber eine Weinkonzession. Doch auch die Weinkonzession wurde widerrufen. Im folgenden Jahr versuchte Heinrich, die seit 1919 ungenutzte Tafernengerechtsame für Bier vom ehem. Gasthof Georgen (MM04) auf sein Haus zu übertragen. Doch auch dies wurde nicht genehmigt. Er erhielt aber nun doch eine Konzession für den Weinausschank. Am 07.10.1938 wurde auf Betreiben der NSDAP die Gaststättenkonzession des Café Habis (MM02) zurückgenommen und stattdessen die Konzession des Café Heinrich erweitert. Politische Willkür gegen einen Nonkonformisten. Während der Kriegszeit stellte Heinrich auch Kindernährmittel her und ab 1960 versuchte er sich mit der ersten Eisdiele in der Stadt. Diese bestand bis Ende der 90er-Jahre. Danach stand der Laden mehrere Jahre leer, das Haus wurde mittlerweile verkauft, der Laden zurückgebaut und das Haus modernisiert.

Im Jahr 1908 erhielt Josef Jann die Erlaubnis der Stadt zum Ausschank von Kaffee und Spirituosen in seinem Haus Hauptstr. 7. Für eine Kaffeschänke des Cajetan Jann wird zwar kein Bedürfnis gesehen, dem Antrag wird aber doch stattgegeben, weil derartige Betriebe in ähnlichen Städten existieren und der Magistrat derartigen Neuerungen nicht im Wege stehen will. Jann hat aber das Café scheinbar nicht sofort verwirklicht, denn am 21.02.1919 stellte er erneut den Antrag auf Eröffnung eines Cafés. Erst am 09.09.1921 erhielt er dann die Konzession ‚da die in der Nähe befindliche Gastwirtschaft zum Bräuhause voraussichtlich eingehen wird‘. Es ist nicht dokumentiert, wie lange das Café tatsächlich betrieben wurde. Spätestens 1931 zog die Sparkasse in die Räumlichkeiten ein.

1911 versuchte sich auch der Konditor Karl Hitz als Cafétier. Hierzu baute er in der Schulstr. 4 ein repräsentatives Gebäude, worin er das Café am 04.07.1912 eröffnete. Am 19.09.1913 beantragte er auch die Erlaubnis zum Ausschank geistiger Getränke, diese wurde ihm aber versagt, da kein Bedürfnis hierfür anerkannt wurde. Wohl im Zuge der beginnenden Inflation geriet Hitz um 1921 in finanzielle Schwierigkeiten. Er konnte das neu erbaute Haus nicht halten und musste es verkaufen. Trotz des Verkaufs an die Stadt musste er 1931 doch Konkurs anmelden. Bereits 1929 musste er auch das Haus Hauptplatz 6 verkaufen. Das Café Hitz bestand also nur knapp 10 Jahre.

Cafés als Gaststätte

1928 baute der Steuerinspektor Hans Habisreitinger in sein Haus Memminger Str. 2 eine Café-Gaststätte ein, das auch heute noch bestehende Café Habis. Am 04.05.1928 erhielt er die Gaststättenkonzession für alkoholfreie Getränke. Mit der Transferierung der Taferngerechtsame von MM04 (ehem. Georgenwirtschaft) auf MM02 bestand seitens der Stadt kein Einverständnis, die Konzession wurde aber auf den Ausschank von Wein erweitert. Nach dem Ausschank für Bier bestehe kein Bedürfnis, da sich in nächster Nähe 2 Gastwirtschaften befänden und insgesamt 19 Bierwirtschaften in Weißenhorn vorhanden seien. Mit Beschluss des Stadtrats vom 07.10.1938 wurde dem Café Habis auf Betreiben der NSDAP die Konzession entzogen und dem Café Heinrich in der Bahnhofstr. 4 zugeteilt. Nach dem Krieg nahm Habisreitinger den Betrieb wieder auf und erweiterte die Gaststätte, die er fortan als vollwertige Gaststätte führte. Das Lokal besteht bis heute.

Nachdem der Löwenwirt Joh. Bapt. Hörmann 1915 aus gesundheitlichen Gründen die Brauerei aufgab und sein Sohn Franz kein Interesse an der Gaststätte in der Martin-Kuen-Str. 5 hatte, wurde der Löwen 1922 an den Konditor Carl Stiegele verkauft, der die Gaststätte als Café fortführte. 1929 verkaufte Stiegele das Lokal an Sylvest Wegele, der den Löwen wieder als traditionelles Gasthaus weiterführte.

Im Zuge des Verkaufs des Löwen wurde 1921 auch der Bierkeller mit Fasshaus an der Roggenburger Str. 44 an den Postsekretär Christian Beck verkauft. Dieser baute 1921 in den Kelleroberbau eine Wohnung ein. 1927 wurde noch das Sommerhaus des Löwenkeller um einen Anbau mit Kegelbahn erweitert. Um 1928 brannte das Gebäude ab. 1929 stellte Christian Beck den Antrag auf Wiederaufbau des abgebrannten Wohnhauses. Der Ersatzbau wurde aber nicht an derselben Stelle, sondern etwas weiter westlich errichtet. Scheinbar konnte Beck aber die Mittel für den Neubau nicht aufbringen. Ihm sprang Karl Stiegele bei, der am 28.05.1929 sein Café Martin-Kuen-Str. 5 (Gasthaus Löwen) an Sylvest Wegele verkauft hatte. Stiegele kaufte den Neubau in der Roggenburger Str. 46. Zwei Jahre später konnte Beck das Haus wieder zurückkaufen. Am 06.06.1930 beantragte Karl Stiegele die Gaststättenkonzession und beabsichtigte hier eine Fremdenpension einzurichten. Das Gesuch wurde zunächst zurückgestellt. Am 20.06.1930 wurde die Gaststättenkonzession für ein Café an den Konditor Stiegele erteilt, die Transferierung der Taferngerechtigkeit (Recht zur Gästebeherbergung) von Hauptstr. 12 (ehem. Gasthaus Sonne) hierher wurde aber abgelehnt, weil bei der großen Zahl hier vorhandener Gastwirtschaften ein Bedürfnis zur Neuerrichtung einer Gastwirtschaft an der äußersten Grenze des bebauten Teils der Roggenburger Str. nicht anerkannt werden kann. Am 11.07.1930 wurde der Transferierung der Taferngerechtsame dann doch zugestimmt, weil Stiegele eine Fremdenpension einrichten will und eine solche bisher nicht vorhanden ist. Am 04.12.1931 kaufte Christian Beck die Gaststätte von Karl und Adelheid Stiegele zurück. Die Stadt verzichtete auf die Ausübung ihres Vorkaufsrechts. Am gleichen Tag erhielt Theres Beck die Gaststättenkonzession zum Fortbetrieb der Gastwirtschaft Schönblick. Diese entwickelte sich in den 30er-Jahren zu einer vielbesuchten Ausflugsgaststätte. Es ist nicht dokumentiert, zu welchem Zeitpunkt der Gaststättenbetrieb aufhörte. Schon 1959 wird die Gaststätte als solche nicht mehr im Adressbuch erwähnt.

Caféhäuser nach dem Krieg

1946 beantragte Hans Leins (1948 als Feinbäcker bezeichnet) die Einrichtung eines Cafés in dem Haus Östliche Promenade 11. Er erhielt hierzu die Genehmigung, da das Café Heinrich (Bahnhofstr. 4) eingegangen sei. Das traf zwar nicht zu, war aber eine politische Retourkutsche, da Heinrich 1938 seine Konzession auf Kosten des Café Habis erhalten hatte. Es ist nicht bekannt, wie lange das Café betrieben wurde. 1957 ist bereits Hildegard Leins als Eigentümerin genannt und 1958 ist Willi Stadler, ab 1959 Xaver Stadler aus Isny als Eigentümer genannt, eigenartigerweise aber 1968 wieder Hildegard Leins.

1956 baute der Konditormeister Engelbert Auerhammer ein Café in das Haus Reichenbacher Str. 19 ein und errichtete hierzu ein Schaufenster auf der Südseite. 1986 wurde der Laden und das Schaufenster wieder ausgebaut und der Laden als Wohnung genutzt. Es ist nicht bekannt, wie lange das Café letztlich in Betrieb war.

In den 80er-Jahren ließ das Kundeninteresse an einem Konditorei-Café nach. Das Café Edel hatte bereits 1977 aufgegeben und das Café Heinrich wurde eher als Eisdiele betrieben. So gab es dann kein Kaffeehaus mehr in Weißenhorn. Dafür eröffnete 1978 in der Memminger Str. 19 das Eis-Café Rizzo. Das war das erste italienische Eis in der Stadt. 1988 ging der Laden an die Familie Saviane, die den Eissalon übernahm. Die Nachfrage nach dem Eis war groß. 2002 konnten die Savianes ihre Eisdiele an den Hauptplatz 6 verlegen und sich dort erheblich vergrößern. Die Eisdiele besteht bis heute.

1987 entstand am Wettbach 1 ein Ersatzbau für den bereits 1966 abgebrochenen Vorgängerbau. Es fand sich auch im örtlichen Buchhändler ein Pächter, der hier ein literarisches Café mit Kunstorientierung ‚Café Zartbitter‘ führen wollte. Um dem Café die Nutzung einer Außengastronomie zu ermöglichen, wurde im Zuge des Ausbaus des Schlossplatzes 1988 hier eine Fläche mit Buchsbaum umgrenzt sowie ein Baum gepflanzt. Dem Café war in dieser Form leider kein Erfolg beschieden. Nach zeitweisem Leerstand gelang es auch einem Nachfolger um 2002 unter dem Namen Café Kolibri nicht, das Lokal dauerhaft einzuführen. Daher wurde die gastronomische Nutzung aufgegeben und das Lokal zu einem Büro umgebaut. Es beherbergt zurzeit ein Bestattungsunternehmen.

2007 eröffnete im Haus Hauptstr. 23 eine Chocolaterie, die neben Kaffee auch Pralinen und kleines Gebäck anbot. Der Laden etablierte sich und wurde um 2013 in die Martin-Kuen-Str. 4 verlegt. Coronabedingt schloss aber auch dieses Lokal 2021. Nach einigem Leerstand wurde um 2015 eine weitere Eisdiele ‚Io et Lei‘ in der Hauptstr. 23 eröffnet. Diese Eisdiele zog 2020 in die frei gewordenen Räume der ehem. Bäckerei Hauptstr. 15.

2010 wurde im Zuge des Hauptplatzumbaus das Haus Hauptplatz 3 verkauft, abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Die Bäckerei Brenner aus Senden-Wullenstetten pachtete den Laden und richtete hier ein Café ein. So gab es nach 20 Jahren auch wieder ein Kaffeehaus in Weißenhorn.

Nicht erwähnt werden hier die Kaffeeausschänke, die bei Bäckereien oder anderen Geschäften als Nebenbetrieb geführt werden.

Neugründungen – Internationale Küche, Kneipen und Bistrots

Spätestens seit den 1980er-Jahren änderte sich der Anspruch der Kunden. Traditionelle Gaststätten mit heimischer Küche sprachen immer weniger Gäste an. Zunehmend wuchs ein Interesse an ausländischer Küche, wobei insbesondere die italienische Pizza und der türkische Kebap nachgefragt wurden, wenn auch oft nur als Schnellimbiss. Zusätzlich entstanden Schankwirtschaften als Kneipen mit kleinen Speiseangeboten, die oft als Bistrot oder Café benannt wurden. Insofern wurde die Bezeichnung Café, die sich ursprünglich nur auf reine Konditorei-Cafés bezog, etwas irreführend.

Neugründungen

Neugründungen von traditionellen Speisegaststätten gab es nach 1900 kaum noch. Erst 2014 kaufte der Ulmer Großgastronom Eberhard (Beppo) Riedmüller das seit 1978 als Supermarkt genutzte Bräuhaus Kirchplatz 6 für seine ‚Barfüßer-Kette und baute auf der Westseite ein Hotel mit Tiefgarage an. Hierdurch konnte die städtebauliche Lücke wieder geschlossen werden, die 1972 durch den Abbruch des Brauereitrakts entstanden war, der Schlossplatz erhielt wieder eine raumbildende Abgrenzung. Das Erdgeschoss und Untergeschoss des Bräuhauses erhielt wieder eine gastronomische Nutzung. Durch eine Hausbrauerei wurde sogar die Brautradition des Bräuhauses wiedererweckt.

Die einzige wirkliche Neugründung eines Speiselokals geschah nach der Sanierung der Schlösser im Jahr 2015 mit dem ‚Anno 1465‘. Schon bei der Sanierungsplanung der Schlösser wurde von Architekt Mann angeregt, die ursprünglich als Archiv vorgesehenen Flächen im EG des Neuffenschlosses gastronomisch zu nutzen. Der Stadtrat folgte dieser Idee und ließ die Räume im Rohbau entsprechend vorbereiten. Die Suche nach einem Pächter der Gastwirtschaft gestaltete sich aber sehr schwierig. Es fand sich während der gesamten Planungs- und Bauzeit niemand, der dieses Wagnis eingehen wollte. Erst mehr als ein Jahr nach der Fertigstellung der Sanierung konnte ein Hauptpächter als Investor gefunden werden, der das Lokal entsprechend fertigstellte und einen Pächter als Betreiber einstellte. Der Name wurde durch einen kleinen Wettbewerb gefunden und bezieht sich auf das Baujahr des Schlosses. Auf der südlichen Terrasse des Schlosses wurde ein Biergarten angelegt. Das Lokal etablierte sich gut, wurde aber durch die Einschränkungen der Gastronomie in der Corona-Pandemie hart getroffen, so dass nach der zwangsweisen Schließung ein neuer Betreiber gesucht und gefunden wurde.

Weinstuben, Kneipen und Bistrots

Die traditionelle Weinwirtschaft in Weißenhorn war der Hirsch in der Hauptstr. 24. Schon 1739 verkaufte der damalige Hirschwirt Jakob Frick das Braurecht an seinen Nachbarn, den Stadtwirt Beyhel. Seit dann war der Hirsch nur noch Schankwirtschaft. Ab 1882 wird der HIrsch explizit als Weinwirtschaft genannt. Wohl um 1932, der genaue Zeitpunkt ist nicht überliefert, schloss die Weinwirtschaft. Zwar verkauften auch die anderen Lokale, besonders die Cafés, Wein und Spirituosen, die Stimmung einer Weinwirtschaft war aber nicht vorhanden.

In die Bresche sprang der Küfermeister Anton Hinträger. 1919 baute Anton Hinträger sein Wohnhaus Günzburger Str. 8 um. Am 04.07.1919 erhielt er die Gaststättenkonzession für eine Weinstube, die er ‚Zum guten Tropfen benannte. Diese Konzession wurde am 19.07.1929 nochmals erneuert, wobei Hinträger jetzt Weinhändler genannt wird. 1929 baute Franz Hinträger einen Laden an sein Wohnhaus an. Der Anbau hatte nur ein kleines Fenster, der Zugang zum Laden war im Anbau. Franz Hinträger und Schmöller wollten die Taferngerechtsame von MM04 (ehem. Georgenwirtschaft) auf das Haus hierher übertragen. Der Stadtrat zögerte am 02.08.1929 und bat das Bezirksamt um Prüfung, ob die Gerechtsame nicht durch 10-jährigen Nichtgebrauch erloschen sei. Es ist nicht vermerkt, wie die Entscheidung ausging. Es war auch unerheblich, da unter den neuen Machthabern das Gesetz geändert wurde und eine besondere Konzession nicht mehr erforderlich war. 1957 wurde der Ladeneingang geschlossen, der Laden verlegt und die Gaststätte vergrößert. In dieser Gestaltung besteht die Gaststätte im Prinzip bis heute.

1997 versuchte sich eine ehemalige Verwaltungsangestellte als Weinwirtin. Sie erwarb das Haus Wettbach 17 und richtete dort mit viel Liebe eine Weinwirtschaft mit dem Namen ‚Weinblatt‘ ein. Leider war diesem Konzept aber kein Erfolg beschieden, so dass das Lokal nach ca. 3 Jahren schließen musste. Das Haus wurde wieder verkauft und zu einem Wohnhaus zurückgebaut.

Eines der ersten Lokale das sich Café nannte ohne eine Konditorei zu sein, war das Stadtcafé. Um 1975 stellte die Gärtnerei Drössel in der Kaiser-Karl-Str. 20 ihren Betrieb ein. 1976 wurde das Haus verkauft und in das 1.OG eine Gastronomie eingebaut. Der Ladenanbau von 1924 wurde aufgestockt und erhielt einen weiteren Giebel. Da der Gaststättenbetreiber eine Außenbewirtschaftung wollte und diese auf den Flächen im EG nicht möglich war, setzte man 1985 eine Café-Terrasse als schwere Betonkonstruktion dem Gebäude vor. 1987 wurde die Terrasse teilüberdacht. Um 1988 geriet die Gaststätte in finanzielle Probleme. Das Gebäude kam in die Zwangsversteigerung. Der neue Eigentümer sanierte das Gebäude und fand einen neuen Pächter für das Lokal. Eine Zeit lang beherbergte das Gebäude ein griechisches Lokal, gefolgt von einem italienischen Restaurant unter verschiedenen Pächtern. Das jetzt ‚Bella Italia‘ genannte Lokal besteht fort.

1976 ersteigerte ein Investor aus Krumbach das Haus Hauptstr. 14, welches zuletzt die Metzgerei Koch beheimatete. 1977 baute der Investor die ehem. Metzgerei zur Pilsstube ‚Monte um, die auch als Pizzeria geführt wurde. In den rückwärtigen Teil wurde ein Spielsalon eingebaut. Die Gastwirtschaft erhielt entsprechende Werbeanlagen. 1979 wurde noch ein Eiscafé angegliedert. Das Lokal konnte aber nicht richtig Fuß fassen. 1989 wurde es geschlossen, das Gebäude abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, der nicht mehr gastronomisch genutzt wurde. Immerhin war das die erste Pizzeria in Weißenhorn.

Nach Aufgabe des Bären als Brauereigaststätte wurde um 1979 die Gaststätte nochmals umgebaut und ab 1983 als Pilsstube geführt. Der Sohn des Löwenwirts, Andreas Ländle, führte ‚Andy zum Bären‘ bis zur coronabedingten Schließung 2020. Dieses Lokal war einer der beliebtesten Treffpunkte in Weißenhorn.

Ebenfalls im Jahr 1987 erwarb ein Investor aus Blaubeuren das Haus Memminger Str. 45 und baute es zu einer Gastronomie um. 1988 wurde eine Spielhalle beantragt, aber nicht genehmigt. Mit diesem Verkauf begann eine lange Zeit der problematischen Gaststättennutzung. Mehrmalige Anträge auf die Errichtung einer Spielhalle wurden vom Bauausschuss und vom Landratsamt abgelehnt. Die Gaststätte „Wurzelsepp“ bekam einen schlechten Ruf. Die Bausubstanz wurde vernachlässigt. 1991 wurde die Gaststätte umgebaut und nun unter dem Namen ‚Seemannsbar‘ weitergeführt, was den Ruf auch nicht verbesserte. Es wurden immer wieder zweifelhafte Konzepte vorgelegt, so 2001 die Umnutzung eines Lagerraumes in einen Clubraum ‚Golden Bear Saloon‘. 2008 sollte die Gaststättennutzung aufgegeben werden und das Gebäude zu Wohnungen umgebaut werden, 2009 wurde dann aber doch noch einmal eine Spielhalle beantragt und wieder nicht genehmigt. Erst 2011 wurde das Gebäude verkauft. Der neue Eigentümer sanierte das Haus und baute ein Café-Restaurant mit Catering-Service ein. Hiermit kam das Gebäude wieder in ordentliche Hände. Es wurde saniert und eine neue Wirtschaft eingerichtet. Diese erhielt in Anlehnung an die ehemals dort befindliche Zigarrenfabrik den Namen „S’Eulen Café“.

Um 1988 entstand eine weitere Kneipe in der Schulstr. 33. Der ehem. Ausstellungsraum einer Autowerkstatt wurde zu einem Kiosk umgebaut. 1989 wurde eine Gaststätte in den ehem. Laden eingebaut, die mehrfach den Pächter und den Namen wechselte. So hieß das Lokal einmal ‚Krokodil‘, später ‚Nachtschicht‘. 2005 baute ein neuer Besitzer das gesamte Gebäude um, richtete Fremdenzimmer ein und baute eine Gästeterrasse. Das Lokal erhielt den Namen ‚Bayrisch Pub‘. 2011 wurde die ehem. Werkstatt zu einem Veranstaltungsraum umgebaut. Hierbei erhielt das Gebäude auch ein neues Dach mit Kniestock und großen Dachüberständen.

Nach Fertigstellung des NORMA-Supermarktes 1988 in der Herzog-Georg-Str. 3 entstand über die Nutzung des Obergeschosses eine längere Auseinandersetzung. Genehmigt wurde ein Café-Bistro ‚Paradiso‘ mit Billardsalon. 1994 wurde der Billardsalon verkleinert und eine Videothek eingebaut. Diese sollte 1997 in eine Spielhalle umgebaut werden, was aber nicht auf die Zustimmung der Stadt stieß. Die Genehmigung wurde vom Landratsamt nicht erteilt. Auch eine geänderte Form der Spielhalle wurde 1999 nicht genehmigt, woraufhin der Antragsteller klagte, vor Gericht aber unterlag. Es wurde dann der Billardsalon wieder vergrößert und die Gaststätte unter dem neuen Namen ‚Exit‘ in anderer Form betrieben. Auch der Wunsch des Gaststättenbetreibers in 2006, Parkplätze zu einem Biergarten umzuwidmen, stieß nicht auf die Zustimmung der Stadt. Stattdessen wurde dann über den Parkplätzen eine Terrasse aufgeständert und so eine Wirtschaftsterrasse errichtet.

Ab 1989 wurde das Gelände des ehem. Lebensmittelgroßhändlers Sälzle & Schneider zwischen Kaiser-Karl-Str., Blumengasse und Östl. Promenade städtebaulich neu geordnet. Das Gelände der Blumengasse kaufte die Stadt (Neubebauung Kaiser-Karl-Str. 9), das Haus Östl. Promenade 10 wurde von einem Bauträger gekauft. Dieser baute das Haus zu 5 Wohnungen um und die Ladenfläche zu einem Café -Bistrot, das Café Promenade, im Volksmund ‚Promi‘ genannt. Das Lokal führte sich gut ein und ist bis heute einer der beliebtesten Treffpunkte in der Stadt. Im Jahr 1998 fand wieder ein Eigentümerwechsel statt. Hierbei wurde das Haus zu einer Frühstückspension umgebaut. Zu der Gaststätte wurde eine Außenbewirtschaftung eingerichtet, die 2002 auf die ganze Vorgartenfläche erweitert wurde.

Nach dem Konkurs der Lederwarenfabrik Leplât um 1990 zog sich die Neuverwertung der Immobilie Günzburger Str. 33 längere Zeit hin. 1998 wollte der Discounter Lidl das Gebäude abbrechen und hier einen Supermarkt errichten. Das Vorhaben entsprach aber nicht den städtebaulichen Vorstellungen der Stadt und wurde abschlägig beschieden. 2001 fand sich ein Interessent, der die Immobilie intern aufteilte. So fand ein Messebauer mit Werbeagentur hier Platz, ein Verkauf von Auto-Ersatzteilen und eine Gaststätte ‚Pepito‘, die den Garten des Anwesens als Biergarten nutzt.

Die jüngste Gaststätte im Bistrot-Stil ist die ‚Endstation‘ im ehemaligen Bahnhof. Nach Einstellung des Personenverkehrs im Jahr 1967 wurde das alte Bahnhofsgebäude immer mehr vernachlässigt. Eigentlich wollte die DB AG im Jahr 2012 die Strecke stilllegen. Gemäß den gesetzlichen Vorgaben musste die Strecke aber vorher zum Verkauf angeboten werden. Die SWU (Stadtwerke Ulm) entschieden sich, die Strecke zu kaufen und als Personenverkehrsstrecke zu reaktivieren. Die SWU kaufte die reine Eisenbahnstrecke und erneuerte die Gleisanlagen. Die Stadt Weißenhorn kaufte die anderen Grundstücke und Gebäude. Güterschuppen und Abortgebäude wurden abgebrochen. Der Landkreis Neu-Ulm als ÖPNV-Träger stieg in das Projekt mit ein. Nach einem Verkehrsgutachten wurden die Buslinien und deren Fahrpläne dem neuen S-Bahn-Konzept angepasst. Die Stadt Weißenhorn verlegte den Busbahnhof vom alten Standort Illerberger Str. an den Bahnhof und stellte acht Bushaltestellen einschl. eines digitalen Anzeigesystems her. Das Bahnhofsgebäude wurde 2014 zum Verkauf ausgeschrieben. In der Ausschreibung wurde ein Konzept für die Nutzung des Bahnhofs gefordert. Einer der Bewerber wollte das Gebäude abbrechen und hier ein größeres Wohn- und Geschäftshaus errichten. Den Zuschlag erhielt aber ein Bewerber, der das Gebäude erhalten und in dem Gebäude eine Gastronomie einrichten wollte. Südlich des Gebäudes wurde auf der Fläche des ehem. Güterschuppens ein Biergarten hergestellt. Neben der Gaststätte erhielt das Gebäude im EG auch eine öffentliche Toilette, nach dem Abbruch des Kiosks am alten Busbahnhof die einzige in der Stadt. Das Lokal erhielt den sinnhaften Namen ‚Endstation‘.

Internationale Küche

Im Vergleich zu anderen Städten blieb das Angebot an ausländischer Küche in Weißenhorn mager. Die erste Pizza gab es ab 1977 in der Pilsstube Monte (Hauptstr. 14) ab 1984 wurde die Gaststätte Kanne in der Hollstr. 9 als Pizzeria von der Familie Falcone geführt und in der Gaststätte ‚Fuggereck‘ Kammerlanderstr. 3) gab es die Pizzeria Riviera. Um 2015 hatten wir vier italienische Lokale in der Stadt, das ‚Bella Italia im ehem. Stadtcafé Kaiser-Karl-Str. 20, das ‚Santa Lucia‘ in der Sportgaststätte beim Stadion Memminger Str. 61 (ehemalige Pächter der Kanne in der Hollstr. 9) und das ‚Dolce Vita‘ am Hauptplatz 5. Eher als Take-Away wird zudem noch seit 2004 Sharmas Pizza und Schnitzel House in der Bleichstr. 1 (früher Memminger Str. 44) geführt.

Etwas schwer taten sich griechische Lokale in Weißenhorn. Sowohl im ehem. Alten Kino Kaiser-Karl-Str. 28 als auch im ehem. Stadtcafé Kaiser-Karl-Str. 20 versuchten sich Griechen, konnten aber nicht dauerhaft Fuß fassen.

Im alten Kino wird jetzt ein thailändisches Restaurant unter dem Namen ‚Doi Suthep‘ betrieben. Weitere asiatische Küche in Art eines Schnellimbisses erhält man im Haus Obere Mühlstr. 2.

Der Siegeszug des türkischen Kebaps machte auch vor Weißenhorn nicht halt. Nach einigen Versuchen mit mobilen Verkaufsständen entstand 1994 im Haus Memminger Str. 14 mit ‚Ali Baba‘ der erste Döner-Laden in Weißenhorn. Um 2000 wurde das Haus Kaiser-Karl-Str. 4 verkauft und die neuen Eigentümer richteten einen Döner-Imbiss unter dem Namen ‚Chefle-Kebap‘ ein. Nach einem Umbau des Ladens nannte man das Lokal nun ‚Kara Deniz‘. Ähnlich geschah es auch mit dem Haus Günzburger Str. 4, dem ehem. Gasthaus Pflug. Hier begann der neue Eigentümer ab 2009 zuerst auch mit einem Imbiss, der um 2015 zu einem Lokal mit Sports-Bar erweitert wurde. Der Umbau ist momentan noch nicht abgeschlossen.

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