Historie

C 1 Fugger Nordendorf 1514-1676

C1 Nordendorf

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Nordendorf ist eine sehr verzweigte Herrschaft mit vielen Teilbesitzungen, die im Laufe der Zeit mehreren Zweigen zugeordnet wurden. Daher wird für jede Teilherrschaft ein eigener Beitrag angelegt, in dem die Geschichte dieses Ortes nachvollzogen werden kann. Der Werdegang der einzelnen Teile ist am besten über die Datei ‚Zeitstrahl‘ nachzuverfolgen.

Die Nordendorfer Herrschaft ist nach Weißenhorn der zweitälteste Besitz der Familie Fugger. Bereits 1514 wurden die ersten Ortschaften wie Biberbach, Eisenbrechtshofen, Markt, Langenreichen, Gablingen und Prettelshofen erworben. 1533 folgte Oberndorf.

Schon im Jahr 1536 hatte Anton Fugger (1493-1580, AC16) für eine Pfandsumme von 6.600 Gulden die sogenannte Reichspflege Wörth erworben, auch nach dem alten Namen Donauwörths Reichspflege Werd genannt. Zu diesem kaiserlich unmittelbaren Herrschaftsgebiet gehörte neben Mertingen auch das Dorf Riedlingen. Als Herrschaftssitz erbauten die Fugger kurz darauf das prächtige Fuggerhaus in Donauwörth.

1551 kamen Druisheim und Ortlfingen sowie die etwas entfernter gelegenen Orte Niederalfingen mit Duttenstein hinzu.

Anton Fugger und sein Bruder Raymund (1489-1535, AD16) hatten so durch den strategischen Kauf benachbarter Güter ein territoriales Fundament nördlich von Augsburg geschaffen.

Alle Besitztümer wurden anfangs gemeinschaftlich verwaltet. Das änderte sich nach dem Konkurs Johann Jakobs (1516-1575, AD19), einem Sohn Raymunds. Dieser galt zwar als bedeutender Humanist, Kunstförderer und bayerischer Rat, verursachte aber 1563 durch seine Sammelleidenschaft den größten Konkurs der Firmengeschichte. Die Folgen konnten zwar abgemildert werden, führten aber doch zu einer Neuorientierung. Im Jahr 1575 fand eine Aufteilung des gesamten Besitzes statt.

Herrschaft nach 1575

Bei der großen Erbteilung 1575 kamen Biberbach, Oberndorf und Wörth an Markus (Marx) Graf Fugger von der Lilie, Herr zu Nordendorf , (* 14. Februar 1529 in Augsburg; † 18.04.1597 in Augsburg,  D19). Markus  erweiterte 1580 die Herrschaft  durch Zukauf von Nordendorf, Blankenburg, Donnsberg, Meitingen, Ellgau, Ehingen (am Ries) mit Eggelstetten und Flein. Er ist also der Stammvater der Linie Fugger Nordendorf. Er war verheiratet mit Sibylla Gräfin von Eberstein (* 1531; † 1589), Tochter von Graf Wilhelm von Eberstein.

1581 erwarb er Täfertingen und Hirblingen, was aber 1661 wieder verkauft werden musste. 1585 kam Meitingen hinzu, was 1663 wieder verkauft wurde. Auch Niederalfingen kam 1575 an Markus.

Das Schloss Duttenstein ging 1575 an Hans Graf Fugger (1531–1598, N19). (siehe eigenen Artikel)

Am 1. Juni 1598 (die Kaufverhandlungen begannen bereits 1597) erwarb Jakob III. Fugger, Herr zu Babenhausen (1542-1598, U19), den gesamten Besitz Welden samt allen Rechten, Privilegien und der Blutsgerichtsbarkeit für die enorme Summe von 140.000 Gulden. Er erwarb Welden für die Gesamtfamilie.

Die Linien ab 1597

Nach Markus‘ Tod 1597 teilten seine Söhne Georg, Anton, Philipp und Albrecht den Nordendorfer Komplex auf. Durch diese Aufteilung entstanden im Lech-Donau-Winkel vier separate, nach den Hauptorten benannte Fugger-Linien, die jedoch im Laufe des 17. Jahrhunderts nach und nach im Mannesstamm wieder erloschen und letztlich im Jahr 1676 wieder an andere Fugger-Linien (Glött, Mickhausen und Wellenburg) zurückfielen.

C 1 Linie Nordendorf-Hauptteil & Wörth (C1a)

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Georg Graf Fugger, Herr zu Nordendorf  (*11. Juli 1560 ; †16. Januar 1634, C22) vermählte sich mit Elena Madruzzo aus dem einflussreichen Trentiner Adelsgeschlecht Madruzzo. Georg starb am 16. Januar 1634 in Riva del Garda während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges.

Georg übernahm 1597 die Reichspflege Wörth und zog sogar persönlich in das Donauwörther Fuggerhaus ein. Dadurch stand Riedlingen in direkter Verbindung zu diesem Zweig. Mit 12 Ortschaften konnte Georg den größten Anteil des Erbes übernehmen.

Georgs ältester Sohn Nikolaus Graf Fugger zu Nordendorf (24.02.1596-12.05.1676, C25) war Kaiserlicher Kämmerer und zeitweise Münzherr der Kipper-Münzstätte Nordendorf (1622/23) zusammen mit seinem Cousin Marquard (Linie Biberbach) und seinem Onkel Anton (Linie Oberndorf, D22). Er heiratete nach dem Tod seines Onkels Anton 1616 im Jahr 1625 dessen Witwe Elisabetha Fugger (1584-1636). Nikolaus hatte aus dieser Ehe keine Kinder. 1636 heiratete er ein zweites Mal, Juliana Prinzessin von Liechtenstein (* 1605; † 1658), Tochter von Fürst Karl I. von Liechtenstein.

Aus dieser Ehe entsprossen zwar Kinder, aber keiner seiner Söhne erreichte das Erwachsenenalter. Somit erlosch die direkte Linie des Vaters Georg mit Nikolaus‘ Tod im Jahr 1676 im Mannesstamm.

Wörth und Nordendorf waren nach dem 30-jährigen Krieg ein politisches und wirtschaftliches Trümmerfeld. Da die herrschende Linie um Nikolaus hochgradig bei anderen Familienzweigen verschuldet war, wurden die Herrschaftsrechte aufgeteilt.

Sebastian Fugger (1620-1677, I28) übernahm ab 1644 die reale administrative und wirtschaftliche Herrschaft über Wörth, weil er (bzw. das Erbe seines Vaters Otto Heinrich) die nötigen liquiden Mittel besaß, um die Herrschaften vor dem Zugriff fremder Gläubiger oder dem Ruin zu retten. Unter seiner Herrschaft wurde 1664 das Dorf Riedlingen aus der Reichspflege entlassen.

Fortsetzung: Jüngere Nordendorfer Linie 1676-1866

C 2 Linie Oberndorf 1533-2011

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Anton Graf Fugger zu Nordendorf und Oberndorf (*1. April 1563 ; †24. Juli 1616, D22), Georgs Bruder, war der Begründer der Linie Oberndorf-Nordendorf. Anton schloss 1591 mit Barbara Gräfin von Montfort eine für den schwäbischen Raum strategisch hochbedeutende Ehe, die ihm die Herrschaft über Oberndorf brachte. 1602 schloss er mit Elisabetha Fugger (1584-1636) eine 2. Ehe. Er war Kaiserlicher Rat, Kämmerer und Obersthofmeister der Kaiserin. Er leitete die Herrschaft während des verheerenden Dreißigjährigen Krieges. und prägte 1622 zusammen mit seinen Neffen Nikolaus (Linie Nordendorf) und Marquard (Linie Biberbach) die berühmten Nordendorfer Kipper-Münzen.

Zur Linie Oberndorf gehörten die Ortschaften Oberndorf am Lech (Hauptort), Eggelstetten (gehörte zur Herrschaft Oberndorf), Niederalfingen (mit Schloss, heute zu Aalen, Baden-Württemberg) und Duttenstein (mit Schloss Duttenstein bei Dischingen, Baden-Württemberg).

Georgs Sohn Franz Graf Fugger (*1612; †1664), war kaiserlicher Feldmarschallleutnant im Dreißigjährigen Krieg und bayerischer Statthalter von Ingolstadt.

Antons Sohn Maximilian Graf Fugger (1608-1669, D25) übernahm nach Eintritt der Volljährigkeit 1629 als ältester Sohn nach Antons Tod 1616 die Oberndorfer Linie. Er war kaiserlicher Kämmerer und heiratete am 15. Oktober 1635 Maria Franziska von Törring († 1650). Aus dieser Ehe stammte eine große Kinderschar, deren eigene Söhne aber alle vor ihm oder im selben Jahr wie er (1669) kinderlos verstarben. Mit Maximilians Tod im Jahr 1669 erlosch auch die Oberndorfer Linie im Mannesstamm endgültig.

Fortsetzung Oberndorf in der Linie Glött, 1676-2011

C 3 Linie Biberbach

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Im Spätmittelalter war Biberbach (zusammen mit der dazugehörigen Burg Markt) im Besitz der Marschälle von Pappenheim. Im Jahr 1514 kaufte Jakob Fugger „der Reiche“ (1459-1525, BB13) die gesamte Herrschaft Biberbach für die damals stattliche Summe von 32.000 Gulden.

Zeitgleich wurde Jakob von Kaiser Maximilian I. in den Grafenstand erhoben. Jakob ließ die alte Wehranlage der Burg Markt umgehend zum repräsentativen Fuggerschloss Biberbach-Markt ausbauen, der markante Bergfried und der Onoldsbacher Turm zeugen heute noch davon.

Nach Jakobs Tod 1525 durchlief Biberbach die gleiche Erbfolge wie Nordendorf: über Anton (AC16) auf Markus (D19). Nach Markus‘ Tod 1597 trat Philipp (1567-1601, E22) das Erbe an. Er bekam ein kompaktes Herrschaftsgebiet westlich des Lechs, mit Biberbach (Hauptort mit Burg Markt), Ehingen, Lauterbrunn (heute zu Heretsried), Eisenbrechtshofen (gehörte zur Herrschaft Biberbach) und Markt (mit der gleichnamigen Burg oberhalb von Biberbach).

Philipp Graf Fugger wurde am 19.06.1567 geboren und starb am 2. April 1601 im Alter von 33 Jahren. Er war zunächst Priester und Probst in Augsburg St.Moritz. 1592 resignierte er jedoch und heiratete am 21.11.1594 Barbara Fugger von Weißenhorn (1577–1605). Er hinterließ bei seinem frühen Tod den gemeinsamen Sohn Marquard (1595–1655), der nach einer Vormundschaft nach Erreichen der Volljährigkeit 1616 die Herrschaft übernahm.

1601 trat sein Sohn Marquard (1595-1655, E25) das Erbe an. Da er damals aber erst 6 Jahre alt war, stand er noch bis 1616 unter Vormundschaft. Marquard heiratete 1624 Maria Christina Gräfin von Oettingen-Wallerstein (1596-1662). Er stieg zu einer bedeutenden Persönlichkeit im Heiligen Römischen Reich auf, war kaiserlicher Rat, Kämmerer sowie Obersthofmeister der Kaiserin. Er ließ während der Kipper- und Wipperzeit (1622/23)1 zusammen mit seinem Cousin Nikolaus eigene Münzen in der Herrschaft prägen.

Doch Marquards Sohn Marx (Marcus / Markus) Philipp Graf Fugger, geboren 1620, verstarb bereits im Alter von nur 22 Jahren, noch vor dem Antritt nennenswerter Herrschaftsfunktionen und hinterließ keine Nachkommen. Deswegen fiel der Besitz nach Marquards Tod 1655 vertragsgemäß an seinen Cousin Nikolaus (1596-1676, C25).

Da jedoch auch dessen Linie ohne männlichen Erbfolger blieb, war die Markus-Linie 1676 agnatisch ausgestorben. So fiel die Herrschaft Nordendorf an die anderen verbliebenen Hauptstämme des Hauses Fugger.

Fortsetzung Biberbach in der Linie Wellenburg 1676-1806

C 4 Linie Welden

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Albrecht (Albert) Freiherr Fugger (1574–1614, F22) der jüngste der vier Brüder, erhielt die erst im selben Jahr (1597) frisch erworbene Herrschaft Welden im Holzwinkel, Reutern (heute Ortsteil von Welden) und Ehgatten. Die Fugger erwarben diesen gesamten Komplex im Jahr 1597, also genau in dem Jahr, in dem kurz darauf auch die große interne Aufteilung stattfand und Welden an den jüngsten Sohn Albrecht fiel.

Mit der Zuweisung bei der Erbteilung 1597 entstand die kurzlebige Weldener Linie.

Albrecht war seit 1595 mit Veronika Freiin Fugger aus dem Hause Babenhausen (1578–1645) verheiratet.

Sein Sohn Franz Graf Fugger, Herr zu Welden (geboren 1607; gestorben/gefallen 1639, F25) trat zwar nach Eintritt der Volljährigkeit 1628 als weltlicher Erbe die Herrschaft Welden mitsamt Reutern und Ehgatten an. Er wurde im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges in den Grafenstand erhoben, fiel jedoch jung inmitten der Kriegswirren. Da er kinderlos verstarb, erlosch die Weldener Linie im Mannesstamm bereits in dieser Generation komplett.

Albrecht hatte noch einen Sohn Markus (1598-1625) der Geistlicher wurde und in Augsburg und Passau das Amt eines Probstes innehatte. Wegen des Zölibats schied auch er als Stammhalter aus.

Nach Franz‘ Tod 1639 fiel Welden an seinen Cousin Nikolaus (1596-1676, C25). Dieser starb allerdings auch 1676 ohne männliche Nachkommen. Mit ihm war der gesamte Markusstamm agnatisch ausgestorben.

Während des Dreißigjährigen Krieges war Welden katastrophal verwüstet worden; nur rund ein Drittel der Bevölkerung überlebte. Unter der Inhaberschaft der Wellenburger Fugger wurde die alte, unbewohnbare Burgruine auf dem Hügel zwischen 1659 und 1662 abgebrochen. Die Fugger nutzten die Steine, um im Tal das repräsentative „Untere Schloss“ (den späteren Bäckerwirt) auszubauen.

Nach Nikolaus‘ Tod fiel Welden 1676 im Zuge des Erbes an Leopolds beide unmündigen Söhne, die noch unter Vormundschaft standen. 1677 bzw. 1679 wurden die beiden volljährig. Als Franz Joachim (1658-1685, AB28) schon mit 27 Jahren starb, fiel das ganze Erbe an den Zweig Wellenburg.

Aufteilung 1676 nach dem Tod der Cousins

Das Schicksal wollte es, dass alle vier Cousins keinen Erben im Mannesstamm aufweisen konnte. Nach den fuggerschen Erbregeln fielen die Herrschaften immer an den nächstältesten Familienstamm.

So gelangte Franz‘ Linie Welden 1639 zunächst an Marquards Linie Biberbach und nach Marquards Tod 1655 zusammen an Nikolaus‘ Linie Nordendorf. Als Maximilian 1669 auch starb, konnte Nikolaus wieder alle Nordendorfer Linien vereinen. 1676 verstarb aber auch er ohne männlichen Erben, so dass der gesamte Besitzkomplex im Jahr 1676 komplett neu an andere, noch blühende Fugger-Hauptlinien aufgeteilt wurde.

An die Linie Fugger-Glött fiel Oberndorf, an Fugger Mickhausen  Nordendorf mit der hochverschuldeten Reichspflege Donauwörth und an die Linie Fugger-Wellenburg fielen die Herrschaften Biberbach und Welden, jeweils mit ihren Zugehörungen.

Niederalfingen, bis 1676 mit Nordendorf verbunden, kam an Sigmund Joseph Graf Fugger (1654–1696, V28) vom Babenhauser Zweig. (siehe eigenen Artikel)

Im Jahr 1664 entließen die Fugger das Dorf Riedlingen offiziell aus dem Verband ihrer Reichspflege. Sie traten ihre Rechte im Ort im Rahmen eines Tauschgeschäfts an das nahegelegene Kloster Kaisheim ab. Im Gegenzug erhielten die Fugger vom Kloster andere Güter und Rechte, um ihren restlichen Herrschaftskomplex im Kerngebiet der Reichspflege zu schließen und zu konsolidieren.

Fortsetzung Welden in der Linie Wellenburg 1676-1764

  1. Als Kipper- und Wipperzeit (ca. 1619 bis 1623) wurde eine Phase extremer Geldentwertung und Hyperinflation im Heiligen Römischen Reich zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges bezeichnet. Der Begriff leitet sich von den Wörtern „kippen“ (Geldstücke aussondern oder die Waage neigen) und „wippen“ (das Auf- und Abwackeln der Waagschalen beim Wiegen) ab ↩︎

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