Hauptstraße 18 – schmal und hoch
Die Eigentümerangabe vor 1578 ist nicht zweifelsfrei gesichert, da die Eigentümerfolge im Steuerbuch nicht einheitlich ist. Melchior Braun könnte auch dem Gebäude Hasengasse 1 zugeordnet werden. Bei den hohen Steuerzahlungen dieses Eigentümers wird eine Lage an der Hauptstraße aber für wahrscheinlicher gehalten.
Es ist nicht belegbar, ob das Gebäude von Anfang an drei Geschosse hatte oder ob das 3. Geschoss erst bei dem Neubau 1716 gebaut wurde.
Die erstmalige Erwähnung dieses Hauses in den Steuerbüchern erfolgt 1505. Genannt wird Anna Claßin, wohl (ledige?) Tochter des Metzgers Hans Claus, Hauptstr. 28, schon seit 1496 dort ansässig. Daher wird von einem Neubau ausgegangen.
1508 sind Affra Dietzin (vorher PF) und Katharina Weidmann hier wohnhaft, 1509 Affra Dietz alleine, 1510 Affra Dietz und Othmar Seiler, 1511 Othmar Seiler und Agatha Enderlin und 1515 Othmar Seiler, Agatha Enderlin und Elßbeth Gneblerin. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.
1548 ordnen wir Melchior Braun diesem Haus zu. 1578 ist es Clauß Viescher. Viescher gehörte zu dieser Zeit auch das Gebäude An der Mauer 11. Clauß Vischer 1594 wechselt auf das Gebäude Martin-Kuen-Str. 1 als Teileigentümer, vermutlich ins Altenteil. 1594 folgt Jacob Stenlin hier. 1601 erwirbt Jacob Seytz, Schmied, vorher An der Mauer 3, Teileigentum an dem Gebäude. 1604 wird Jacob Eberlin, Alleineigentümer und 1607 Michael Mayers Erben in Augsburg.
1610 steht Jacob Strölin, Messerschmied, in den Büchern und 1614 seine Witwe. Die Behausung erhält einen Wert von 520 fl. 1626 wird Hans Strölin, Messerschmied; vermutl. Sohn des Jacob Strölin, als Eigentümer genannt.
Nach 1650 ist Lorenz Allgeuer Eigentümer, Wert 300 fl. Im Beschrieb ist ein Zuschlag enthalten von 425 fl für das Anwesen Hauptstr. 4, welches Allgeuer kurz danach erworben hat und wohin er nun seinen Wohnsitz verlegt. 1668 übernimmt seine Witwe Maria das Haus, das Erbe wird aufgeteilt. 1678 wird Anton Kröz sen., (Reichenbacher Str. 5), erwähnt, vermutlich zieht er hierher aufs Altenteil. Anton Kretz hatte umfangreichen Immobilienbesitz. Ihm gehörten die Häuser Hauptsr. 2 und 16 sowie die Hofstätten Lessingstr. 7 und Hasengasse 2, vor 1660 auch Reichenbacher Str. 5. Anton Krötz stirbt 1688, das Erbe wird aufgeteilt.
1688 kauft Mathes Link, Sattler; Wert 325 fl, das Haus Hauptstr. 18 und die Hofstatt Hasengasse 2. 1691 folgt Michael Link, Sohn des Mathes. Am 02.11.1694 heiratet Joseph Würth, Sohn des Kramers Wilhelm Würth aus Grafertshofen, die Witwe Ursula Linckh des Michael Linckh. Er wird als Cramer geführt.
Neubau 1716
1716 ist Joseph Würth Bürgermeister. Wegen dem neuen Bau wird der Wert des Hauses um 100 fl erhöht. Joseph Würth stirbt am 17.10.1752, von den Erben übernimmt der Sohn Leonhard Würth [HS02] das Haus und verkauft es offenbar weiter, bei seinem Tod 1777 gehört die HS18 nicht mehr zum Erbe. Leonhard Würth scheint 1755 in finanzielle Probleme gekommen zu sein. Im Jahr 1755 wird ein Schuldenprozess geführt. Es tritt hier bereits Ursula Würth als Berechtigte auf. 1757 ist es soweit, dass das Haus Hauptstr. 18 wegen der Schulden verkauft werden muss. Am 16.07.1756 hatte Leonhard Würth dem Balthasar Seifferle (Memminger Str. 38) noch ein Vorkaufsrecht für den Stadel Hasengasse 2 eingeräumt.
1757 wird Balthas Seifferle, vorher Memminger Str. 38, auch als Eigentümer der Hauptstr. 18 geführt. 1773 wird Balthas Seifferle, Strümpfstricker Witwe, als Eigentümerin genannt, ab 14.01.1779 Xaver Seifferle, wohl der Sohn. Dieser verkauft am 01.09.1779 das Haus an Johann Britzger. Dessen Sohn Ignaz war schon seit 1777 auf Hauptstr. 2 ansässig. 1786 ist noch Joseph Bigger (Schreibweise) als Beneficatus curatus hier gemeldet.
Am 22.09.1798 wird das Haus an Kajetan Schürser, Ratsprotokollist (Stadtschreiber) verkauft. Dieser verkauft es am 05.05.1803 weiter an Kajetan Habres, Bader, Behausung und Hofraiten, der 1835 als Chirurg bezeichnet wird. Am 23.08.1837 geht das Haus an Kerler Xaver, ohne Berufsnennung.
Mit Löffler Johann, Bader und Chirurg, erhält das Haus am 18.02.1841 wieder einen anderen Eigentümer. 1862 richtet der Chirurg Johann Löffler in seinem Haus eine Lithographie-Anstalt ein und baut hierzu das Gebäude um. Von dem ursprünglich nach Osten auskragenden Altan im 1. Stock nimmt Löffler nach Einspruch des Nachbarn Kast Abstand. In Löfflers Werkstatt entstanden zahlreiche Zeichnungen von der Stadt. Nach der Grundrisszeichnung bestand das Schaufenster bereits 1841.


1875 steht Alois Habisreitinger, Kürschner, als Eigentümer im Verzeichnis. Im folgen am 26.02.1889 Michael und Rosa Markthaler, geb. Haider, als Schuhmacher. Als Erkennungszeichen hat er über dem Schaufenster einen Stiefel an einem Ausleger. Bis 1922 ist Markthaler hier als Eigentümer aufgeführt. 1932 ist es schon der Schneider Franz Bischof, der zusätzlich noch mit Bürstenwaren handelt. Der Zeitpunkt des Eigentümerwechsels ist nicht bekannt. Bischof lässt ein neues Schaufenster ohne Sprossen einbauen.











1951 wird der Laden von Anna Bischof weitergeführt. Sie verlegt sich auf Spielwaren, man nennt es liebevoll ‚Bischofs Lädele‘. 1962 wird der Laden modernisiert und erhält ein großes Schaufenster und Einscheibenfenster. Als sich Frau Bischof zur Ruhe setzt, wird der Laden von Hermine Maitner weitergeführt. Um 2000 trägt sich der Laden nicht mehr und wird auch altershalber geschlossen.




Die Lokalität wird seitdem von einem gemeinnützigen Verein als ‚Weltladen‘ geführt. Bei der Renovierung wurden zumindest wieder Sprossenfenster eingebaut. Die simple Werbeanlage wurde ohne Genehmigung angebracht.


