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Hauptstraße 2 – ehem. Bankhaus Egner

Lageplan

Das genaue Baujahr des Gebäudes konnte archivalisch nicht bestimmt werden. Das Grundstück gehört zu den ältesten bebauten Flächen in Weißenhorn. Eigentümer vor 1465 sind archivalisch allerdings nicht feststellbar.

1465 beginnt die Liste mit Haintz Kramer und Michel Kramer. Ihnen folgt 1480 Heinrich Cramer und 1492 Heinrich Cramers Witwe. 1492 sind es Heinrich Cramers Witwe und Jorign Higels Wittib, 1497 Heinrich Cramers Witwe, Jorign Higels Wittib und Ulrich Karrer und 1498 Heinrich Cramers Witwe und Ulrich Karrer. 1499 haben wir es mit Ulrich Karrer und Jacob Jäckh (vorher Hauptstr. 4) zu tun und 1502 Ulrich Karrer, Jacob Jäckh und Haintzen Cramers Witwe. 1503 wohnt Haintzen Cramers Witwe alleine in dem Haus. 1504 ist weiterhin die Familie Kramer hier wohnhaft, beginnend mit Anna Cramerin und Barbel Weberin (bis 1502 auf Kirchplatz 8), gefolgt 1508 von Barbara Cramerin und 1509 Barbara Cramerin und Getz Schneider. Barbara Kramer war nach B 302 Hainrich Cramers Witwe.

1515 erscheinen mit Burla Rentz (?) und Alt Hannßen Bairs Witwe neue Namen auf dem Haus. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. Die Vielzahl der Eigentümer und deren häufiger Wechsel lassen auf eine schlechte Bausubstanz schließen. Somit könnte ein Abbruch und Neubau des Gebäudes zwischen 1518 und 1548 denkbar sein.

1548 werden die Steuerlisten fortgeführt. Jacob Meckle ist 1548 hier gemeldet, 1551 Jacob Trayblin, Bäcker. Bei Jacob Daibel 1570 könnte es sich evtl. nur um eine andere Schreibweise handeln. 1572 erscheint Jacob Döckher jun. und 1607 Bernhard Oschwald. 1614 wird das Anwesen beschrieben als Behausung, Stadel und Hofraithen. 1617 besitzt der Stadtschreiber Christoph Adam Ritler das Haus, die Steuer wurde von 1100 fl auf 550 fl gesenkt: war das eine Gefälligkeitslösung? Bei späteren Besitzern wurde der Wert wieder auf 900 fl heraufgesetzt.

1636 wird das Haus Georg Cleelin, Bürgermeister, zugeschrieben, Wert 900 fl. 1648 wohnt Mathias Hörbiger hier, Behausung, Stadel und Hofraithen, Wert 600 fl. 1660 erfolgt die Zuschreibung an Anton Kretz, Wert 750 fl. Anton Kretz besaß auch das Gebäude Reichenbacher Str. 5 in der oberen Vorstadt mit 1100 fl Wert. Er hat dieses seinem Sohn Hans Kretz zugeschrieben, als er das Haus hier erwarb. Anton Kretz hatte umfangreichen Immobilienbesitz. Ihm gehörten die Häuser Hauptstr. 2 und Reichenbacher Str. 5 sowie die Hofstätten Lessingstr. 7 und Hasengasse 2. Am 22.05.1675 wird das Haus Anton Kretz jun. zugeschrieben, Wert 1000 fl; der Vater Anton Kretz sen. wechselt auf HS18. Zum Besitz gehört auch noch das Baugrundstück
Lessingstr. 7. Anton Kretz ist auch 1682 noch hier Eigentümer.

Am 15.06.1694 heiratet Mathes Krötz, Witwer, die ledige Ursula Fahrenschon von Grafertshofen. 1997 wird das Baugrundstück Lessingstr. 7 an Georg Klotz verkauft. 1706 ist Mathes Krötz Bürgermeister. Er war wohl Bäcker, auf dem Haus wird eine Bäckergerechtigkeit vermerkt. Als Mathes Krötz 1715 stirbt, wird das Erbe aufgeteilt. Seine Witwe Ursula bleibt auf dem Haus. Sie stirbt 1722.

In den 1720er-Jahren ist zunächst der Maler Hans Jörg Schürser auf dem Haus, von der Bäckergerechtigkeit wird kein Gebrauch gemacht. Wohl wegen des Erbes der Ursula Krötz wird Fridolin Miller als Präceptor (Testamentsverwalter) tätig. Er verkauft am 10.04.1727 die halbe Behausung an seinen Schwager Hans Jörg Schürser für 360 fl samt Bäckergerechtigkeit. Am 16.05.1727 wird der rückwärtige Stadel für 380 fl an den Rentmeister Pfeiffer, KP07, verkauft. Am 24.09.1728 kauft Leonhard Würth, Zeugmacher und Kramer, für 1020 fl von Hans Jörg Schürser, Maler und Waagmeister das Haus einschl. der Bäckergerechtigkeit. Über die Nutzung des gemeinsamen Höfleins mit Kirchplatz 7 wird am 16.08.1734 ein Vertrag geschlossen. Leonhard Würth erbt am 17.10.1752 das Haus seines Vaters Joseph Würth, Hauptstr. 18.

Die Bäckerinnung übernimmt am 19.06.1773 die Bäckergerechtigkeit auf diesem Haus, wohl weil das Bäckerhandwerk hier nicht mehr ausgeübt wurde und man Konkurrenz abbauen wollte. Die Steuerzahlungen für die Bäckergerechtigkeit entfielen danach für das Anwesen.

Am 14.01.1777 stirbt Leonhard Würth. Erben sind Lorenz Würth und die Söhne der verst. Anna Maria Stuber (?), geb. Würth. Justina Würth, erste Ehefrau des Leonhard Würth, hatte einen vorehelichen Sohn aus einer Beziehung mit einem Soldaten, geb. ~1715. Um 1755 verließ dieser das Haus und trat in den KK-Kriegsdienst ein. Nachdem bis 1785 kein Lebenszeichen mehr von ihm kam, wurde er 1785 für tot erklärt und sein bis dato von seinem Stiefvater Leonard Würth verwaltetes Vermögen liquidiert. Am 02.12.1790 stirbt Maria Ursula Würth. Hier muss es sich um Leonhard Würths zweite Ehefrau gehandelt haben. Ihr Vermögen wird unter den Erben aufgeteilt, Immobilien werden aber nicht erwähnt. Das Haus muss demnach kurz nach Leonhard Würths Tod verkauft worden sein. Es ist nicht geklärt, wo Frau Würth ihren Lebensabend verbrachte. Aus der Leonhard Würth’schen Ehe muss noch ein weiterer Sohn, Franz Martin (a.a.O. Franz Carl) hervorgegangen sein. Dieser trat in kgl. preußischen Kriegsdienst ein. Als Strafe für die Auswanderung verlor er neben seinem Vermögen auch jegliche Erbansprüche.

Am 29.04.1777 kaufte Ignaz Prizger, Handelsmann, das Haus mit Wert 600 fl, Kramereigewerb 400, gestr. auf 300 fl. Vermutlich stellte Prizger nach dem Kauf die neue Fassade mit Schweifgiebel her. Ignaz Britzger starb 1815. Seine Frau Euphrosina führte zunächst die Krämerei weiter und verkaufte das Gebäude am 31.08.1821 an Fideli Stocker. (Näheres zur Kaufmannsfamilie Britzger)

Am 13.03.1828 wird der Kaufmann Franz Kloepfer neuer Eigentümer und am 15.11.1828 sein Sohn Friedrich Kloepfer.

1837 verkauft die Stadt den ‚Kanzleistadel‘, der 1727 dem Haus Kirchplatz 7 zugemessen wurde, wieder an das Haus Hauptstr. 2 zurück. Da schon lang es noth thut, das Kanzleihaus radikal zu reparieren u. in guten baulichen Stand zu stellen; dagegen der hinzu gehörige Stadl – sog. Kanzleistadl, welcher mit dem Handelsmann Klöpferschen Hause unter einem Dach steht, ganz unnütz u. entbehrlich ist, so hat der Magistrat einstimmig beschlossen, diesen Stadl dem Handelsmann Math. Klöpfer auf seinen Antrag käuflich zu überlassen und die zur Holzlege fürs Kanzlei hierzu erforferl. Lokalität in diesem selbst herzustellen zu machen bei angemessener Eintheilung Raum hiezu vorhanden ist. Da dieser Stadl unter einem eingeschätzt wurde, so solle mit dem Kaufmann Klöpfer hinsichtlich des Kaufpreises u. der weiteren Bedingungen in Unterhandlung getretten werden. Klöpfer bietet für den Stadel 550 fl. Maurermeister Kerner und Zimmermeister Abt schätzen den Wert des Stadels auf 500 fl. Die Gemeindebevollmächtigten stimmen dem Verkauf zu. Das Landgericht Roggenburg gibt die Erlaubnis zum Verkauf, sofern das Kanzleigebäude so umgebauit wird, dass die Holzlege im Gebäude untergebracht werden kann. Hierzu wurde ein Bauplan gefertigt. Im Rahmen des Kostenanschlags von Maurermeister Kerner wurde dieser Plan nochmals geringfügig abgeändert.

1838 baut Kaufmann Klöpfer den von der Stadt erworbenen Kanzleistadel zu einem Pferdestall um. Auch im Hauptgebäude werden einige Umbauten vorgenommen, u.a. werden einige Riegelwände mit Backstein ausgemauert. Klöpfer firmiert nun als Spezerey und Ellenwarenhändler. 1864 ist Klöpfer als Bürgermeister erwähnt. 1861 wurde das Haus an den Sohn Klöpfer Ludwig übergeben.

Als Klöpfer stirbt, kauft der Textilienhändler Josef Egner das Haus von den Erben. 1875 steht er als Eigentümer im Verzeichnis. 1890 führt er Änderungen am Dach durch (Flachdachtrerrasse) und baut einen neuen Abort.

Im Juli 1904 eröffnete Josef Carl Egner ein Bank- und Wechsel-Geschäft in der Hauptstraße 2. Egner vertrat auch den 1868 gegründeten „Landwirtschaftlichen Credit­Verein Augsburg“. 1922 kaufte Egner auch das Nachbarhaus Kirchplatz 7 und verlegte das Banklöokal dorthin. Am 3. Juli 1931 musste das Bankhaus J. C. Egner Konkurs anmelden; der Inhaber wurde verhaftet. Aus der Konkursmasse ging der „Alte Pfarrhof“ am Kirchplatz 7 an den Dentisten Mändl über.

1932 übernahm der Privatier Anton Deibler als Gläubiger des Bankhauses Egner das Haus Hauptstr. 2. Er war der Geschäftsführer des sog. Deiblerschen Consortiums, dem Zusammenschluss von Gläubigern mit Simon Hartmann, Adolf Kircher und Michael Zimmermann. Dieses Consortium baute das Haus zu einem Gewerbeobjekt um. 1936 wurden hierfür größere Schaufenster eingebaut. 1942 waren in dem Haus der Zahnarzt Dr. Bruno Weckerle, der Friseuer Andreas Stöckl und der Textilwarenhändler Albert Müller. Auf Dr. Weckerle folgte Dr. Krippner, der aber seine Praxis 1950 in das Haus Fuggerstr. 1 verlegte. Es folgte der Zahnarzt Dr. Karl Merk, der das Haus auch kaufte. Er baute 1954 ein weiteres Schaufenster und einen Kamin ein.

1957 verlegte der Ulmer Lebensmittelhändler Karl Gaissmaier seinen Laden von der Reichenbacher Str. 4 hierher und baute dazu 1958 den Laden um. Hierbei wurden breite Schaufenster eingebaut. 1967 wurden auch neue Fenster ohne Sprossen eingebaut. Gaissmaier verlegte seinen Standort 1983 in den Neubau Kaiser-Karl-Str. 22. Das Ladengeschäft wurde nun von der Drogeriemarktkette Müller genutzt und umgebaut. 1984 wurde eine entsprechende Werbung angebracht.

1988 erweiterte Müller die Verkaufsräume ins OG. Hierfür wurden alle Zwischenwände im OG entfernt und eine neue Treppe eingebaut. Diese Veränderungen geschahen ohne Einschaltung des Denkmalamtes. Dies gab zwar kurzzeitig Ärger, letztlich wurden die Eingriffe aber doch nachträglich sanktioniert. Zumindest konnten die großen Schaufensterflächen durch Sprossen unterteilt werden.

Beim Ausbau der Hauptstraße im Rahmen der Altstadtsanierung wurde der Eingang dieses gestalterischen Hauses durch eine Ornamentplatte (Entwurf: Dr. Friedhelm Amslinger) betont.

2008 verlegte Drogeriemarkt Müller seine Filiale von hier nach Kaiser-Karl-Str. 22, nachdem der Gaissmaier-Konzern einschl. seiner Nachfolger endgültig liquidiert wurde und die Verkaufsflächen in der Kaiser-Karl-Str. mehrere Jahre leer standen. Die Geschäftsverlegung war ein herber Rückschlag für die Frequenz in der Hauptstraße.

Das Gebäude wurde 2011 wieder aufgeteilt in zwei Läden im EG und eine Bürofläche im OG. Hierbei wurden die Schaufenster wieder in zwei Fenster aufgeteilt und das EG farblich abgesetzt. Es trat ein häufiger Wechsel von Mietern ein.

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