Der ‚Gaiser-Block‘ an der östlichen Promenade
An dieser Stelle befand sich von 1860 bis 1872 die hölzerne Interimskirche, die nach dem Einsturz der alten Stadtpfarrkirche als provisorische Übergangskirche errichtet wurde. Nach Einweihung der neuen Stadtpfarrkirche 1872 wurde das Grundstück mit einem Baublock bebaut.
Dieser Baublock war der Startschuss zur weiteren Bebauung der Östlichen Promenade. Der alte Stadtgraben wurde vollständig verfüllt und eine alleeartige Straße mit Kastanienbäumen angelegt.
1872 wurde die Interimskirche nicht mehr benötigt. Valentin Gaiser als Eigentümer brach die Kirche ab und stellte den Bauantrag für eine Neubebauung.

Wie damals üblich, baute die Bauunternehmung die Häuser und verkaufte sie nach Fertigstellung an Interessenten. Das war im Prinzip eine Bauträgerarbeit wie wir sie auch heute noch kennen. Es entstanden so 5 einzelne Häuser in Art einer Blockbebauung mit Innenhof. Nach der Fertigstellung entwickelte sich jedes Gebäude einzeln mit heute recht unterschiedlichen Gestaltungen.



Beim Ausbau der Östlichen Promenade verblieben die Vorgärten im Eigentum der Stadt und wurden an die Anlieger nur vermietet. Hiermit wollte die Stadt eine allzu individuelle Vorgartengestaltung in dieser Straße vermeiden.
Östliche Promenade 14
Das Geburtshaus Anton Bischofs
Das Haus wurde vom Bäcker Josef Bischof erworben und als Bäckerei betrieben. Josef Bischofs Sohn ist der Maler Anton Bischof, der über seine Vaterstadt hinaus bekannt wurde. Die Bäckerei wird erstmals 1875 erwähnt. Bischof hatte die Häuser Östl. Promenade 14 und Kolumbusgasse 1 gekauft, besaß also zwei Einheiten.

1877 baut Joseph Bischof eine Holzremise in den Hof und baut den Backofen um. 1916 wird die Bäckerei von Ferdinand Epple betrieben. Scheinbar hat sich das Backen hier aber nicht rentiert, denn 1918 wird die Bäckerei aufgegeben.

Das Haus wurde von Josef Merkle, Landesproduktenhandlung, erworben, der Laden als solcher weitergeführt. 1932 wird Merkle nicht mehr als Händler, sondern als Kriegsinvalide geführt. Das Geschäft dürfte zu dieser Zeit aufgegeben und das Schaufenster ausgebaut worden sein.
Ab 1948 betrieb Karl Aumann hier sein Malergeschäft, zunächst als Mieter, spätestens 1959 ist er als Eigentümer im Einwohnerverzeichnis geführt. Bis 1985 erscheint er hier im Einwohnerverzeichnis.
Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt wurde das Haus modernisiert, verlor seine architektonischen Gliederungen und bekam neue Fenster.



2018 fand eine erneute Modernisierung statt ohne Verbesserung der Fenstersituation.
Östliche Promenade 16
Im Lageplan von 1877 ist Georg Schuler als Eigentümer eingetragen. Als nächste Eigentümerin des neuen Hauses erscheint die Witwe Seitz im Jahr 1882. 1906 ist die Prvatiere Hildegard Mayer genannt.
Ab 1922 gehörte das Haus der Familie Alois Thalhofer, die hier ihre Malerwerkstatt betrieb. 1924 wurde in das Nebengebäude (ehem. Remise Bischof) durch den Baumeister Karl Winkle eine Wohnung eingebaut.
1959 war die Angestellte Aloisia Thalhofer Eigentümerin, ab 1968 Geschwister Thalhofer.


Das Haus hielt sich bis 2026 weitgehend im Originalzustand mit den originalen Architekturgliederungen und originalen Fenster, die noch mundgeblasene Scheiben aufwiesen.

2026 wurde das Haus verkauft. Die neuen Eigentümer begannen ohne erforderliche Genehmigung mit einem gefühllosen Umbau. Die alten Fenster wurden herausgerissen und bodentiefe einflügelige Fenster eingebaut und andere Fensteröffnungen zugemauert. Die Stadt stimmte den Umbauarbeiten nicht zu, woraufhin der Bau eingestellt wurde und derzeit ruht.


Kolumbusgasse 1
Auch das Haus Kolumbusgasse 1 wurde vom Bäcker Joseh Bischof erworben und zusammen mit dem Nachbarhaus Östl. Promenade 14 genutzt. Bäcker Ferdinand Epple übernahm 1916 die Bäckerei. 1918 wurde die Bäckerei aufgegeben.
Ferdinand Epple behält das Haus in der Kolumbusgasse 1 und wird hier 1922 als Eigentümer genannt.
1932 steht Anton Span im Eigentümerverzeichnis und 1948 der Buchhalter Hans Rasp, der auch 1977 hier verzeichnet ist. 1985 ist niemand mehr hier gemeldet.
1992 werden zwei Dachgauben auf der Nord- und Südseite eingebaut.


Kolumbusgasse 3
Im Lageplan von 1877 ist noch Valenthin Gaiser als Eigentümer eingetragen. Das Haus war also noch nicht verkauft.
Als erster Eigentümer steht 1882 hier der Privatier Leonhard Dirr im Einwohnerverzeichnis. 1899 gehört das Haus dem Privatier Anselm Megele. Dieser baut 1899 zwei neue Fensterstöcke ein und erneuert 1909 den Kamin.
1922 steht die Privatiere Johanna Amman als Eigentümerin fest, 1932 Babette Stempfle und 1934 Johann Rapp, der einen neuen Kamin einbaut. 1948 folgt Anton Rösch, Hauptschriftleiter.
Ab 1950 gehörte das Haus der Familie Degant die es modernisiert und umbaut.




2007 fand ein erneuter Umbau mit nochmaliger Modernisierung statt.




Blumengasse 3
Das Haus Blumengasse 3 war von Anfang an doppelt so groß wie die anderen und umfasste zwei Einheiten. Im Lageplan von 1877 ist noch Valenthin Gaiser als Eigentümer eingetragen. Das Haus war also noch nicht verkauft.
Als erster Eigentümer ist 1882 Norbert Geiger, Metzger (vorher Wettbach 2) vermerkt. 1906 steht Dr. Wilhelm Schmid, Distriktstierarzt, als Eigentümer fest.
1914 gehört das Haus dem Privatier Wenzl Turnwald, der eine weitere Wohnung einbaut bzw. abteilt. 1932 steht Martha Turnwald, Privatiere im Verzeichnis und 1948 Mathilde Renz, Privatiere. Der Name Turnwald erscheint nicht, 1959 wird aber wieder ein Othmar Turnwald, wohnhaft in Lorch, als Eigentümer genannt.
Seit 1948 ist Franz Eggert in Blumengasse 3 wohnhaft, ab 1959 Ernst Eggert. 1968 konnte die Fam. Eggert das Haus kaufen, Franz Eggert wird als Eigentümer genannt. Auch 2015 erscheint der Name noch im Adressbuch.
Das Haus wurde nach 1950 modernisiert. Der Zeitpunkt der Fassadenänderung, der Fensterauswechslung und des Neuverputzes ist nicht dokumentiert.




