Stadtentwicklung,  Stadtgeschichte

Stadtentwicklung und Stadtgeschichte 1789-1806

Stadtentwicklung und Stadtgeschichte bis 1500

Stadtentwicklung und Stadtgeschichte 1500-1600

Stadtentwicklung und Stadtgeschichte 1600-1700

Stadtentwicklung und Stadtgeschichte 1700-1789

Stadtentwicklung und Stadtgeschichte 1789-1806

Stadtentwicklung und Stadtgeschichte 1806-1918

Stadtentwicklung und Stadtgeschichte 1918-1945

Stadtentwicklung und Stadtgeschichte 1945-

In diesem Artikel wird die städtebauliche Entwicklung der Stadt Weißenhorn parallel zu ihrer historischen Entwicklung dargestellt. Für beide Themenfelder werden hierbei vor allem die wesentlichen Fakten angeführt. Über die vorhandenen Links können einzelne Fragen aufgerufen werden, die in eigenen Artikeln ausführlicher behandelt werden. So bleibt die Darstellung übersichtlich und kann bei Interesse vertieft werden.

Die Geschehnisse von der französischen Revolution bis zum Königreich Bayern sind so vielfältig und umfangreich, dass diesem Zeitabschnitt ein eigenes Kapitel gewidmet wurde.

Herrschaftliche Einordnung

Kaiserreich

Joseph II. (1741–1790) war ein zentraler Vertreter des aufgeklärten Absolutismus und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von 1765 bis 1790. Als Sohn Maria Theresias regierte er ab 1780 allein und setzte radikale Reformen um, die als Josephinismus bekannt sind. Er hob die Leibeigenschaft 1781 auf, erließ das Toleranzedikt für Protestanten und Juden, zentralisierte die Verwaltung, führte allgemeine Schulpflicht ein und rationalisierte die Kirche durch Aufhebung von Klöstern. Ziel war ein effizienter Beamtenstaat mit Deutsch als Amtssprache. Joseph beteiligte sich an der Ersten Polenteilung (Galiziengewinn) und führte den Türkenkrieg 1788–1790. Viele Reformen stießen auf Widerstand, sodass er kurz vor seinem Tod am 20. Februar 1790 Teile zurücknahm; sein Bruder Leopold II. folgte ihm.

Leopold II. (1747–1792), dritter Sohn Maria Theresias, war ein aufgeklärter Habsburger-Herrscher, der als Großherzog der Toskana einen Musterreformstaat schuf und ab 1790 als Kaiser die Unruhen seines Bruders Joseph II. besänftigte. Er schaffte Folter, Todesstrafe und Inquisition ab, führte Steuergleichheit ein, reformierte Justiz, Bildung und Armenpflege sowie Erbpachtrecht. Die Toskana galt als modernster Staat Europas. Als Kaiser nahm er zentralistische Edikte zurück, löschte Aufstände in Belgien und Ungarn, schloss mit dem Osmanischen Reich Frieden (Belgrad-Rückgabe) und plante demokratische Reformen vor dem Hintergrund der Französischen Revolution. Leopold starb am 1. März 1792 in Wien nach nur 20 Monaten als Kaiser.

Franz II. (1768–1835) war der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und später als Franz I. von Österreich, der erste des österreichischen Kaiserreichs. Seine Regentschaft fiel in die napoleonischen Kriege und markierte den Übergang von feudaler zu nationalstaatlicher Ordnung. Franz führte das Kaiserreich in die Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich (1792–1801) und Napoleon (Dritter Koalitionskrieg) 1805: Niederlage bei Austerlitz). 1809 folgte die Vierte Koalition mit der Besetzung Wiens. 1804 proklamierte er das Kaisertum Österreich (als Franz I.), um Napoleons Kaisertitel auszugleichen. 1806 legte er nach Gründung des Rheinbunds1 die Reichskrone nieder und beendete damit das Heilige Römische Reich.

Die Ortsherrschaft Weißenhorn

Anton Joseph Fugger (1750-1790) trat 1781 die Herrschaft an. Seine zweite Ehefrau war Maria Euphemia Walburga zu Fugger-Babenhausen (1762-1835). Er hatte die Herrschaft nur 9 Jahre. Von Johann Nepomuk Fugger und Anton Joseph Fugger sind in der Friedhofskirche St. Bartholomäus Epithaphe vorhanden.

Beim Tod des Vaters war der Nachfolger Johann Nepomuk Friedrich Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn (1787-1846) gerade einmal 3 Jahre alt. Es konnte noch nicht geklärt werden, wer nach dem Tod des Vaters 1790 die Vormundschaft übernahm. In die Zeit der Vormundschaft fielen die Franzosen-Kriege und der Übergang an neue Staaten (Bayern u. Württemberg). Seine erste Frau war Franziska Freiin von Freyberg-Eisenberg-Knöringen (1788–1818). Er wurde Generalmajor der bayerischen Armee und Landtagsabgeordneter. Um 1825 betrugen die Schulden 297.900 Gulden, für welche ein auf 45 Jahre ausgedehnter Tilgungsplan erstellt wurde. Friedrich war der letzte unter den Grafen, die häufig hier wohnten.

Die politische Entwicklung von der Französischen Revolution bis zum Frieden von Preßburg

1789: Die Französische Revolution

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wuchs die Unzufriedenheit in Frankreich. Die Ursachen waren vielfältig: zerrüttete Staatsfinanzen, wachsendes Selbstbewusstsein des Bürgertums und Armut in weiten Teilen der Bevölkerung. Mit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 brach der Konflikt offen aus. Er setzte eine Bewegung in Gang, welche die politische Ordnung und die Gesellschaftsordnung Europas vollkommen veränderte.

In der ersten Phase der Französischen Revolution kam es zu grundlegenden politischen Reformen in Frankreich. Nachdem sich der ‚Dritte Stand‘2 schon am 17. Juni 1789 zur einer Nationalversammlung erklärt und im Ballhausschwur eine Verfassung gefordert hatte, sah sich König Ludwig XVI. zu Reformen gezwungen. Der Adel und der Klerus gingen zur Nationalversammlung über, die am 04. August 1789 das Feudalsystem abschaffte. Am 26. August 1789 folgte die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die das Ende der Ständegesellschaft markierte. Am Ende des Reformprozesses stand die am 3. September 1791 verabschiedete französische Verfassung. Frankreich wurde damit zur konstitutionellen Monarchie. Die Jahre 1789 bis 1791 kamen fast ausschließlich dem Großbürgertum zugute, das an politischer und wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen konnte. Dies zeigte sich vor allem im Zensuswahlrecht, das die städtischen Unterschichten vom Wahlrecht ausschloss.

Die aufregenden Nachrichten aus dem Nachbarland wurden durch Presse, Flugblätter, Lieder und Broschüren auch im HRR rasch verbreitet. Auf der Seite der Herrschenden wuchs die Angst vor ähnlichen Zuständen, auf der Seite der Bürger entstanden Begehrlichkeiten. Die Pariser Ereignisse führten links und rechts des Rheins zu einem sprunghaften Anstieg von sozial verursachten Protestbewegungen. Dabei handelte es sich in der Regel um alte Konflikte. Ziel war nicht eine allgemeine bürgerliche Freiheit, sondern die Wiederherstellung oder Sicherung alter Privilegien (Freiheiten). Man benutzte die Symbole der Französischen Revolution, um den Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen.

Gewaltherrschaft

Mit der Einführung der konstitutionellen Monarchie 1791 war die Revolution nicht beendet. Der Ausbruch der Koalitionskriege und die Unzufriedenheit aufgrund hoher Brotpreise und Hungersnot mobilisierte die städtischen Unterschichten. Am 10. August 1792 ereignete sich der Sturm auf die Tuilerien, der König Ludwig XVI. schließlich in Gefangenschaft brachte. Die Septembermorde eröffneten den Weg in eine neue Dimension von Gewalt. In dieser Situation etablierten sich die Jakobiner3 als einflussreiche politische Partei und sprachen sich im Nationalkonvent für die Hinrichtung des Königs aus. Sie errichteten 1793/94 eine Schreckensherrschaft, in der politische Gegner skrupellos ausgeschaltet wurden. Zum Leitbild dieses Regimes wurde Maximilien de Robespierre. Als dieser am 28. Juli 1794 von der Opposition hingerichtet wurde, endete die Schreckensherrschaft.

Erster Koalitionskrieg 1792-1797

Die europäischen Monarchien, vor allem Österreich und Preußen, fürchteten die Ausbreitung revolutionärer Ideen wie Freiheit und Volkssouveränität. Frankreich jedoch bemerkte die Unruhen am Rhein und sah Chancen, diese für sich zu nutzen.

Nach der missglückten Flucht König Ludwigs XVI. nach Varennes (Juni 1791) und seiner Gefangennahme drängten französische Emigranten die Monarchen Europas zur Intervention. Kaiser Leopold II., Bruder von Marie Antoinette [Tochter von Maria Theresia, mit 14 Jahren (1770) mit dem franz. König Ludwig XVI verheiratet], wollte Ludwig XVI in seine „volle Freiheit“ zurückversetzen, um eine monarchische Ordnung zu sichern. In der Pillnitzer Deklaration vom 27. August 1791, einer gemeinsamen Erklärung von Kaiser Leopold II. (Österreich) und König Friedrich Wilhelm II. (Preußen), wurde die Situation Ludwigs XVI. als „gemeinsames Interesse aller Souveräne“ deklariert. In Frankreich galt die Deklaration als Kriegsdrohung, radikalisierte die Revolutionäre und führte zur Kriegserklärung an Österreich (20. April 1792) sowie zum Ersten Koalitionskrieg. König Ludwig XVI. wurde am 21.01.1793 durch die Guillotine hingerichtet.

Frankreich eroberte die Österreichischen Niederlande, das Rheinland und Belgien und zog gegen Österreich. Der Frieden von Campo Formio (1797) schwächte das Heilige Römische Reich.

Nach dem Sturz der Jakobinerherrschaft übernahmen in Frankreich die gemäßigten Republikaner wieder die Kontrolle über die Revolution. Sie errichteten 1795 ein ‚Direktorium‘, in dem das gehobene Bürgertum vertreten war. In der Verfassung von 1795 wurde erneut das Zensuswahlrecht4 eingeführt. Alle von den Jakobinern eingeführten Gesetze wurden rückgängig gemacht. Das Direktorium unterstand der Kontrolle einer Legislative, die sich in einen “Rat der Alten” und “Rat der 500” aufteilte. In den Jahren zwischen 1795 und 1799 verlagerte sich der Mittelpunkt der Revolution auf die Koalitionskriege gegen andere europäische Großmächte. Frankreich hatte sich durch die Revolution von der Monarchie befreit, gab seine Hegemoniebestrebungen in Europa aber nicht auf. Im Gegenteil: In Napoleon Bonaparte fand sich ein Herrscher, der nach dem 30-jährigen Krieg die nächste Europa umfassende militärische Auseinandersetzung suchte.

Napoleon

Im ersten Koalitionskrieg taucht 1796 im Italienfeldzug gegen Österreich erstmals ein Name auf, der Europa die nächsten 20 Jahre grundlegend verändern wird: Napoleon Bonaparte (1769–1821).

Am 9. November 1799 führte Napoleon einen Staatsstreich gegen das Direktorium, wurde Erster Konsul und de facto Diktator. 1804 krönte er sich selbst zum Kaiser der Franzosen und schloss das Konkordat mit dem Papst5.

Napoleon zentralisierte die Verwaltung, führte den Code civil (1804) ein – ein modernes Bürgergesetzbuch mit Gleichheit vor dem Recht – und gründete die Banque de France.

In über 60 Schlachten war Napoleon siegreich: Austerlitz (1805) gegen Österreich/Russland, Jena-Auerstedt (1806) gegen Preußen, Wagram (1809) gegen Österreich. Er löste das Heilige Römische Reich auf und schuf den Rheinbund.

Sein Russlandfeldzug (1812) scheiterte jedoch katastrophal mit der Niederlage bei Leipzig (Völkerschlacht 1813) gegen die Sechste Koalition. Die Alliierten marschierten am 31.03.1814 in Paris ein, seine Marschälle (u. a. Marmont) gingen über, die innere Opposition wuchs durch Kriegsmüdigkeit und Wirtschaftskrise. Am 06. April 1815 dankte Napoleon bedingungslos ab, um Bürgerkrieg zu vermeiden und legte die Kaiserkrone ab. Die Alliierten wollten ihn von Europa fernhalten und verbannten ihn nach Elba.

Am 26. Februar 1815 gelang Napoleon die Flucht von Elba. Er fand Unterstützer bei den Soldaten und marschierte nach Paris, was er am 30.03.1815 ohne einen Schuss erreichte. Er konnte noch einmal eine Armee versammeln und marschierte in die Niederlande ein. Er besiegte Ney bei Quatre-Bras am 16. Juni 1815. Doch Blücher vereinte sich mit Wellington.

Am 18. Juni 1815 griff Napoleon bei Waterloo (Belgien) mit 72.000 Mann gegen 118.000 Alliierte an. Regen verzögerte den Angriff; preußische Verstärkung (45.000 Mann)6 brach aber die französischen Linien. Die Schlacht forderte 25.000 Tote/Verwundete auf französischer und 24.000 auf alliierter Seite.

Napoleon floh nach Paris und dankte am 22. Juni ein zweites Mal ab. König Ludwig XVIII. kehrte zurück; Napoleon ergab sich den Briten und wurde nach St. Helena verbannt, wo er im Oktober 1815 ankam. Napoleon starb 1821 auf St. Helena im Exil.

Trotz seiner vielen Kriege mit zig-Tausenden Toten wird Napoleon bis heute vielfach noch als Nationalheld gefeiert.

Der zweite Koalitionskrieg 1799-1802

1798 schickte das ‚Direktorium‘ den jungen General Napoleon nach Ägypten um die britischen Handelsrouten nach Indien über Ägypten zu unterbrechen und so die wirtschaftliche Vormachtstellung des Erzfeindes zu brechen. Er verlor aber die Seeschlacht bei Abukir 1799 gegen Admiral Nelson (GB).

Napoleon zog heimlich von Ägypten ab und führte am 09. November 1799 einen Staatsstreich gegen das Direktorium, setzte sich als ‚Erster Konsul‘ an die Spitze des Staates und wurde de facto Diktator.

Die aggressive Eroberungspolitik Napoleons ließ die anderen europäischen Staaten näher zusammenrücken und eine neue Koalition bilden. Im Zweiten Koalitionskrieg (1798/99–1802) verbündete sich eine Allianz aus Großbritannien, Österreich, Russland, dem Osmanischen Reich, Neapel, Portugal und dem Kirchenstaat gegen Frankreich. Der Krieg begann nach Napoleons Ägyptenfeldzug.

Österreichische Erfolge in Italien und der Schweiz (Zürich) wurden durch russische Siege (Suworow) unterstützt, doch Russland zog sich 1800 zurück. Napoleon besiegte Österreich bei Marengo (1800) und Hohenlinden, woraufhin Wien fiel.

Im Frieden von Lunéville am 09.02.1801 erkannte Österreich die französischen Annexionen (Belgien, linksrheinisches Deutschland) an. Napoleon setzte eine Neuordnung der Gebietszuständigkeiten durch, die im Reichdeputationshauptschluss von 1803 festgeschrieben wurden. Napoleon bestimmte den Inhalt des Reichdeputationshauptschluss, beinhaltend die Säkularisation und die Mediatisierung: 15 Reichsstädte (darunter Augsburg und Nördlingen) und 13 Reichsabteien (u.a. Kempten) verloren ihren reichsfreien Status. Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Bayern (seit 1799) erhielt Gebietsgewinne als Entschädigung für die linksrheinischen Verluste. (11.000 km² mit 730.000 EW zu 15.840 km² mit 843.000 EW)

Der Reichsdeputationshauptschluss

Der Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 war das letzte große Gesetz des Heiligen Römischen Reiches und regelte die Neuordnung deutscher Territorien nach dem Frieden von Lunéville. Napoleon diktierte die Deputation in Regensburg, welche Säkularisation (Auflösung geistlichen Besitzes) und Mediatisierung (Aufhebung kleiner Reichsstände) als Ausgleich der betroffenen Fürsten festlegte.

Dritter Koalitionskrieg 1803-1805

Großbritannien brach 1803 den Krieg wieder auf, da Napoleon weiter expandierte. Österreich und Russland traten 1805 bei, um die französische Hegemonie zu brechen.

Am 14. Oktober 1805 besiegte Napoleon die Österreicher in der Schlacht bei Elchingen. Die Briten siegten aber am 21.10.1805 in der Seeschlacht bei Trafalgar und sicherten sich dadurch die Seeherrschaft. Am 02. Dezember 1805 vernichtete Napoleon das russisch-österreichische Heer bei Austerlitz in der sogenannten „Dreikaiserschlacht“.

Österreich gab auf. Im Frieden von Preßburg (heute Bratislava) am 26. Dezember 1805 verzichtete Habsburg auf Tirol, Venedig, Istrien, Dalmatien u. a. Bayern und Württemberg wurden zu Königreichen erhoben und bildeten eigene Staaten. Der Rheinbund entstand 1806.

Kaiser Franz II. legte Kaiserkrone nieder. Das war das Ende des Heiligen Römischen Reiches.

Am 01.01.1806 wurde das Königreich Bayern proklamiert. Kurfürst Maximilian IV. Joseph nahm den Titel König Maximilian I. Joseph an, gestützt auf den Frieden von Preßburg (26. Dezember 1805), in dem Napoleon Bayern als Verbündeten belohnte. Bayern trat aus dem Heiligen Römischen Reich aus und dem Rheinbund bei. Bayern erhielt weitere Gebiete zugesprochen, u.a. auch Tirol und Vorarlberg.

Welche Auswirkungen hatten die Kriege auf Weißenhorn?

Die auf Weißenhorn bezogenen Ereignisse werden von Joseph Holl in seiner 1904 erschienenen ‚Geschichte der Stadt Weißenhorn‘ (Neudruck 1983 nach der Ausgabe von 1904, Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn) ausführlich geschildert. Dieser Text wird hier – leicht redigiert und gekürzt – weitgehend übernommen.

Die Ereignisse der franz. Revolution führten zu einer großen Fluchtbewegung aus Frankreich heraus. Priester, Adelige und royalistische Laien suchten Schutz im Nachbarland. Es dauerte recht lange, bis die Nachrichten über die Ereignisse in Paris auch eine ländliche Kleinstadt wie Weißenhorn erreichten. Ab 1792 gab es zwar den ‚Ulmer Landboten‘ als erste Zeitung, doch wegen der Pressezensur wurde über derartige Umwälzungen nicht berichtet. Erst 1792 kamen französische Emigranten nach hier, die in ihrer Heimet um das Leben fürchten mussten und schreckliche Kunde brachten. Im Stift Roggenburg waren französische Bischöfe, Prälaten, Grafen, Adelige, Priester und Laien, soviele man nur unterbringen konnte; manche waren mehrere Jahre da. Anderen wurde auf der Durchreise Kost und Quartier gegeben. Ähnlich war es in Wiblingen, oft mußte man ihnen Kleider und Reisegeld geben. Auch die hiesigen Pfarrbücher bekunden solche Franzosen. Geistliche kamen so viele, weil in Frankreich alle Klöster aufgehoben wurden und der größte Teil den Konstitutionseid verweigerte und daher abgesetzt und vertrieben wurde.

Erster Koaltionskrieg

Noch empfindlicher berührten die Kriege mit Frankreich aber unsere Gegend. Österreich war von 1792 bis zum Lunéviller Frieden am 09. Februar 1801 fast immer im Krieg mit den Franzosen. Da gab es schwere Lasten an Rekrutenstellung, Durchmärschen, Quartier, Steuern und anderen Leistungen. Vom April 1793 wird berichtet: Unausgesetzt dauerten die Züge der kaiserlichen Armee fort und Ulm samt Umgebung waren mit Truppen angefüllt. Da die Deutschen in diesem Jahre zumeist siegten, brachte man viele gefangene Franzosen. Die Sterberegister nennen mehrere, die im Dezember 1793 und danach hier starben. Die Gefangenen waren zumeist in erbärmlichem Zustande, zerlumpt und abgemagert. Am 06. Juli 1794 starb hier ein gefangener Franzose. Auch sind mehrfach Soldaten aus der Pfarrei eingetragen, die am Krieg auf der Seite Österreichs teilnahmen und ihr Leben ließen.

General Moreau überschritt im Ersten Koalitionskrieg im Juni 1796 bei Kehl den Rhein, besiegte österreichische Truppen bei Rastatt, Ettlingen und Biberach und marschierte Richtung Donau. Er erreichte die Isar und besetzte Städte wie Ulm, Augsburg, Landsberg und München. Auf dem Rückzug kam das Hauptquartier Moreaus am 22. September 1796 nach Beuren. Zahlreiche Reiterei mit zwei Marschkommissären kam nach Wallenhausen und die ganze Nachbarschaft wurde mit Truppen überschwemmt. Schon am 23. September morgens verließ das feindliche Heer unter klingendem Spiel Beuren. Der Durchmarsch durch den Ort dauerte bis nachmittags 2 Uhr. Moreau nahm in Holzschwang Quartier und am 25. September in Dellmensingen. Wallenhausen und Oberhausen litten weniger Schaden als Niederhausen, wo die Franzosen wild hausten und Biberberg, wo sie neben andern Dingen auch 19 Pferde mitnahmen.

Nach Weißenhorn kamen die Franzosen am 23. September 1796; namentlich kamen von Schießen her wohl über 8.000 Mann Infanterie und eine Anzahl Reiterei. Man musste schnell großartige Lieferungen von Lebensmitteln, Hemden, Schuhen usw. aufbringen und nur durch bedeutende Geschenke an Geld konnte der Magistrat die feindliche Generalität bewegen, dass sie eine allgemeine Plünderung verhinderte. Nach der Überlieferung soll Gräfin Euphemia durch persönlichen Einsatz bei Moreau die Plünderung der Stadt abgewendet haben.

Nach einer Kostenübersicht der Stadt Weißenhorn wurden für die Franzosen vom 17.08.1796-24.09.1796 3.319 fl aufgebracht.

Kaum waren die Franzosen fort, so kamen die Österreicher. Vom 25.-27. September 1796 war viel Militär hier, darunter der Feldzeugmeister Latour mit dem Hauptquartier. Dieser wohnte beim Sonnenwirt Johann Kretz, damals das erste Hotel!

1797 wurde der Frieden von Campo Formio geschlossen. Hierin erhielt der Herzog von Modena das Breisgau zugesprochen. Infolgedessen wurde die vorderösterreichische Regierung von Freiburg nach Günzburg verlegt.

Zweiter Koalitionskrieg

1799 kämpften im Zweiten Koalitionskrieg die Russen gegen Frankreich und kamen 1799 mehrfach in unsere Gegend. Dahier wurde am 28. November 1799 sogar ein russischer Oberleutnant getraut, wobei zwei russische Offiziere Zeugen waren.

Während die besiegten Österreicher und Russen mit General Kray in Ulm Schutz suchten, überschwemmten die Franzosen das an der unteren Iller und weiter östlich gelegene Gebiet und griffen von da die Gegner an. Am 12. Mai 1800 rückte General Baraquay d’Hilliers in Kirchberg ein und verlangte unter Drohung das Schloß anzuzünden, für sich 100 (900 fl) und für den Kommandanten 25 Louisdor (225 fl), was ihnen auch gewährt wurde.

Am 14. Mai 1800 rückte General Jorris mit dem Vortrab der Division Ney in Weißenhorn ein und erhielt sofort, um Plünderung zu verhindern, 3.055 fl.; verlangt hatte er 500 Louisdor; von der Gräfin Euphemia bekam er 550 fl. Am 16.Mai 1800 rückte General Tarreau mit großem Gefolge und vieler Mannschaft ein. Er forderte sofort 3.000 Zentner Mehl, 6.000 Maß Branntwein, 6.000 Portionen Heu, 6.000 Rationen Hafer oder sofort in Geld 44.000 fl. von Stadt und Herrschaft. Es war eine fürchterliche Aufregung und alles durcheinander. Durch viele Bitten wurde es herabgesetzt auf 22.000 fl. Da man im Augenblick nur 5.230 fl. zusammenbrachte, kam von Tarreau Arrestbefehl: 24 Soldaten wurden in das Schloß gelegt und eine Wache vor das Zimmer der Gräfin Euphemia gesetzt und diese selbst mit ihrem Herrn Bruder arretiert. Auch in das Rathaus hat man 24 Soldaten gelegt und den Forstmeister Bennegger, Rat Deinsel, Bürgermeister Raffler und Syndikus Feyrer dahin arretiert. Im Laufe des Nachmittags brachte man aus der Umgebung noch 2.900 fl. zusammen, so dass sich mit den vorherigen Zahlungen die Summe von 11.735 fl. ergab. Da Tarreau sah, daß man nicht mehr habe, hob er abends 9 Uhr den Arrest auf.7

General Ney war auch einige Tage hier und zog am 20. Mai nach Roggenburg. Beim Abzug erpresste sein Kommandant noch 15 Louisdor und nahm 3 Pferde mit, die aber der General nach einer halben Stunde zurückschickte.

Die ganze Gegend war von französischen Soldaten überströmt. Sie konnten nicht alle einquartiert werden. Daher waren viele in Feldlagern in Zelten; auch machten sie hölzerne Baracken, wozu man Holz und Stroh liefern mußte. Sie waren im fortwährenden Kampfe mit den Österreichern, deren Obergeneral Kray um diese Zeit in Ulm sein Hauptquartier hatte. So waren Kämpfe am 22. Mai in Dellmensingen, am 5. Juni auf dem Ried, am 19. Juni 1800 bei Höchstädt. Dahier hatte man französische Generäle und Truppen vom 14.-29. Mai. Am 30. und 31. Mai waren südlich von hier heftige Kämpfe. Auch bei Grafertshofen war ein Gefecht, wonach die Franzosen abzogen und die Kaiserlichen kamen. Dahier starben am 9. Juni zwei kaiserliche Ulanen an den Wunden, die sie im Gefecht erhalten hatten. Die Verwirrung war so groß, dass acht Personen, die um diese Zeit starben, kein Priester einsegnen konnte. Vom 12. Juni an hatte man wieder viele Franzosen bis Ende des Monats und in den Juli hinein. Am 22. Juni schrieb der Magistrat an den Günzburger Amtmann Glück, man habe volle 27 Tage in hiesiger Stadt die Generalität und verhältnismäßig viele Truppen im Quartier gehabt, es herrsche völlige Hungersnot, die Feldfrüchte seien durch die Soldaten verdorben, schon 14 Tage habe man nur Wasser zu trinken, man treffe kaum eine Handvoll Heu und Hafer, man habe 26 Zentner Salz requiriert und seien nurmehr zwei Kübel für Stadt und Umgebung übrig; die französischen Soldaten selbst sähen das Elend und hätten Mitleid, da solle man sie doch mit weiteren Requisitionen verschonen, da jede Leistung unmöglich sei.

Die gleiche Klage und Bitte enthält ein vom Kanzleirat Köferle französisch gefertigtes Schreiben, das am 30. Juni an den General Richepance nach Oberelchingen abging. Dieser hatte den Oberbefehl über die in hiesiger Gegend verbliebenen Truppen, welche die Belagerung und Einschließung der Festung Ulm betrieben, während Moreau mit dem Großteil der Armee am 14. Juni in Krumbach weilte und sich dann gegen Augsburg und Oberbayern wandte. Richepance ließ am 2. Juli 1799 durch seinen Adjutanten Lacour antworten. An der Spitze des französischen Schreibens stand Liberté (Freiheit), Egalité (Gleichheit), Armée du Rhin (Rheinarmee). Die Antwort sagt, man werde nächstens einen Platzkommandanten für Weißenhorn ernennen; Beschwerden gegen die aufgetragenen Leistungen müsse man füglich an die richten, die zum Bezahlen der Leistungen ermächtigt sind, d. h. die Vollzugsorgane des Schwäbischen Kreises.

Solche Platzkommandanten waren wie an den größeren Orten so auch hier, vielfach, wenn andere Truppen abgezogen waren. Sie hatten für Ruhe und Ordnung eine sogenannte Schutzmannschaft (Sauvegarde); man musste sie verpflegen und viel Wohlwollen entgegen bringen. Manchmal waren es ordentliche Leute, manchmal machte man den Bock zum Gärtner.

Zu den vielen Requisitionen hatten die Franzosen eigene Formulare, gedruckte Quartblätter, worauf geschrieben wurde, was man eben liefern mußte. Diese brachte eine Ordonnanz zum Bürgermeister oder, wie man französisch sagte, auf die Municipalität, eventuell zum Fuggerschen Pflegamt; man mußte in der festgesetzten Zeit an den bestimmten Ort liefern. Unten stand ‚Bon pour‘ (Anweisung für) und hier wurde der Empfang bescheinigt. Diese Bescheinigungen hieß man daher Bons, die man natürlich aufbewahren mußte. Sie betrafen die verschiedensten Gegenstände, die eben eine große Armee für Menschen und Tiere braucht: also Fleisch, Bier, Schnaps, Weinessig, Salz, Brot, Getreide, Heu, Hafer, Holz usw. Manchmal war die Lieferungszeit zu kurz. So sollte man hier am 28. Mai 4.000 Laib Brot à 3 Pfund liefern. Da es in der kurzen Frist nicht möglich war, legte das hiesige Kommando 11 Mann in die Wohnung des Bürgermeisters und 11 in das Pflegamt. Man durfte sie ins Schulhaus unterbringen, mußte sie aber zwei Tage verpflegen, was 44 fl. kostete. Unterdessen war das Brot gebacken. Die Lieferungen dauerten vielfach fort, als das Gros der Armee bereits fort war, bald in das Spital oder die große Feldbäckerei nach Günzburg, bald in das Lager nach Leipheim oder Gerlenhofen oder anderswohin. Am 10. Juli musste man eine Zusammenstellung der Lieferungen mit den Bons belegt nach Augsburg geben, wo Dr. Probst, der Syndikus der schwäbisch-österreichischen Landstände, der sonst in Ehingen seinen Sitz hatte, eben weilte.

Indes hörten die Lieferungen um diese Zeit keineswegs auf. Am 12. Juli schrieb das Oberamt Kirchberg, man habe seit 8. Juni täglich 8 zweispännige Wagen voll Holz – also in 35 Tagen 280 Wagen – in das Lager des Generals La Coste zu Gerlenhofen geliefert, die Stadt Weißenhorn möge am 16. und 19.Juli früh 5 Uhr je 4 zweispännige Wägen voll liefern. Auch am 7. August lieferte man drei zweispännige Wägen. Im September hatte man Lieferungen an den General Le Croix in Schloß Reutti, dann vielfach an die Magazine. Die Bons dieser Lieferungen gingen mit Verzeichnis (Bordereau) wieder nach Ehingen.

Eine besonders lästige Sache waren die vielen Fuhrwerke, die man zum Vorspann usw. brauchte. Solche Mähren waren oft tagelang fort; um ihre Rückkehr mußte man besorgt sein und dazu Gesuche und Boten schicken. Auch die Einquartierungen dauerten fort, so hier im September und November und im folgenden Jahre 1801. Am 6.Juli legte General Moreau von seinem Hauptquartier in Freising aus sechs Millionen Franken Kontribution auf Schwaben; in drei Fristen mußte man sie an den Generalzahlmeister Matthieu Faviers von 10 zu 10 Tagen leisten. Hiervon trafen die schwäbisch-österreichischen Stände 310.303 Franken.

Am 27. September 1800 zogen die Franzosen in Ulm ein; dann marschierten die Österreicher und Bayern ab, worauf die Stadt in französische Verwaltung kam.

Es ist klar, dass bei diesen Kriegsunruhen vielfach auch die sittliche Ordnung verletzt wurde. Dahier vergewaltigten zwei französische Soldaten, die in Wullenstetten im Quartier waren, auf offenem Felde am 8. August eine Bürgerstochter. Einer wurde festgenommen und vom Öschay (Schutzmann) Martin Heinrich in Arrest gebracht. Der andere lief davon. Man meldete den Vorfall sofort an Richepance, der strenge Bestrafung versprach. Was die einzelnen Familien an Schrecken, an Misshandlungen, Erpressung und Not gelitten haben, ist in den Akten nicht verzeichnet. Viel geplagt war namentlich die städtische und herrschaftliche Obrigkeit. So blieb das Jahr 1800 allen, die es in hiesiger Gegend durchmachten, ihr Leben lang unvergesslich, viel schlimmer als 1796. Man lernte gründlich, welch großes Übel der Krieg ist. Nur langsam konnte man sich von den Leiden erholen. Wohl war das Jahr fruchtbar an Futter und Getreide, aber vieles war verdorben. Ein Schreiben schätzte den Flurschaden dahier auf über 15.000 fl.
 

Organisation nach dem Frieden von Lunéville

Weißenhorn blieb zwar noch österreichisch, wurde aber vom neu entstandenen bayerischen Gebiet umschlossen. In Oberhausen wurde ein provisorisches kurpfalzbayerisches Pflegamt eingerichtet.

Auflösung der Klöster Roggenburg und Elchingen

Unter die Auflösung der Klöster fiel auch Roggenburg. Am 30.08.1802 kamen die bayerischen Kommissäre Baron von Hertling und Baron von Lerchenfeld und meldeten den versammelten Prälaten von Roggenburg, Ursberg, Wettenhausen und Elchingen die vorläufige Besetzung des Gebietes. Am 4. September kam ein bayerischer Offizier mit zwölf Mann und besetzte das Gebiet, ohne in die geistliche und zeitliche Verwaltung des Prälaten einzugreifen. Nachdem der in Regensburg tagende Ausschuss am 23. November 1802 den Verteilungsplan fertig hatte, kam am 29. November der pfalzbayerische Oberamtmann Paul von Illertissen in einem vierspännigen Wagen angefahren, stieg im Hause des Oberamtmanns von Gimmi ab und ging mit diesem zum Prälaten. Dort überreichte er seine Vollmachten, enthob den Prälaten aller ferneren Regierungsgeschäfte, beeidigte die bisherigen Klosterbeamten, dann forderte er die Ausschüsse der Klosteruntertanen, die anwesend waren auf, ihrem neuen Herrn zu Pfalzbayern Treue und Gehorsam zu geloben. Tiefgebeugt tat dies der gute Abt Thaddäus Aigler an erster Stelle. Seine Augen zum Himmel erhebend und ein besseres Schicksal für sein Stift erwartend ergab er sich den Fügungen einer allherrschenden Vorsehung, die er in Demut anbetete.

Darauf wurden die bayerischen Patente und Wappen angeschlagen, der Klosterbesitz verzeichnet, vieles unter Siegel genommen und das Inventar in der Folge an die Meistbietenden verkauft. Damals hatte das Klostergebiet 539 Untertanen-Häuser und in 10 Dörfern, 8 Weilern und 4 Einödhöfen 3261 Seelen. Die drei Höfe des Klosters in Roggenburg, Hochbuch und Waldhausen (Glaserhof) hatten zusammen 1.117 Tagwerk Äcker und Wiesen. Die Stiftsgründe wurden an den Grafen Spaur verkauft und kamen 1852 durch Kauf an den Grafen Geldern-Egmont. An Waldungen hatte das Kloster wenigstens 6000 Jauchert, welche noch jetzt Staatswaldungen sind.

Der fromme Abt Thaddäus Aigler, der 2.400 fl. Pension erhielt, lebte in Roggenburg noch bis zum 17. Januar 1822 und wurde als der letzte in der Klosterkirche begraben. Er war unermüdlich in der Seelsorge, besonders eifrig versah er die Filiale Schießen. Von den Geistlichen des Klosters lebten damals noch 18, aber nur 5 waren als arme Pensionisten in Roggenburg, die übrigen wirkten als Weltgeistliche an verschiedenen Orten.

Da im Jahre 1805 Roggenburg als Säkularpfarrei geregelt wurde, blieb die herrliche, 1752-1758 gebaute Klosterkirche als ordentliche Pfarrkirche. Die Filialkirchen in Ingstetten (1790 erbaut) und Meßhofen wurden geschlossen und sollten abgebrochen werden. Auf gründliche Vorstellungen hin durfte man sie belassen und wieder Gottesdienst darin halten. Im gleichen Jahre 1805 wurde auch Schießen, das bisher eine Filiale gewesen, zur Pfarrei erhoben und der Klostergeistliche Hermann Högg erster Pfarrer.

Als erster Pfarrer in Roggenburg wurde der gelehrte Pater Ludolf Weiler (t 1836) am 1. April 1805 installiert, welcher lange Zeit auch Distriktsschulinspektor war.

Wie anderwärts traten auch in Roggenburg die bisherigen Beamten in den Dienst der neuen Regierung und wurden zunächst der provisorischen Regierung in Dillingen und seit dem Sommer 1803 der für die Provinz Schwaben errichteten kurpfalzbayerischen Landesdirektion in Ulm, wo Wilhelm Frhr. von Hertling das Präsidium führte, untergeordnet.

In gleicher Weise wurde von Kurbayern 1802 das Reichsstift Elchingen aufgehoben. Hier wurden die Maßregeln noch gewaltsamer durchgeführt, so daß im Mai 1805 öffentlich ausgeschrieben wurde, die Klostergebäude sollten auf Abbruch versteigert werden.

Aufhebung des Kapuzinerklosters

Wenn man sich 1781 noch gegen den Aufhebungserlass Kaiser Joseoh II. wehren konnte, weil man dem Kloster seelsorgerische Arbeit attestierte, war das 1805 gegen die von Napoleon veranlasste Verfügung zur Aufhebung des Klosters nicht mehr möglich. Die hiesige Bitte, das Kloster zu belassen und wegen seiner Größe zum Zentralkloster zu machen, wurde abgeschlagen. Auf Befehl der bayerischen Landesdirektion zu Ulm wurden Kirche und Kloster an den Meistbietenden auf Abbruch versteigert. Der Käufer war der Sonnenwirt und Posthalter Johann Kretz. Die Religiösen mußten ausziehen, und darauf stand das Kloster längere Zeit leer. 1808 war geplant, es zum rentamtlichen Getreidemagazin zu machen, das kam aber nicht zur Ausführung. 1812 wurden die Kirche und das Kloster von den Käufern abgebrochen. Der Platz wurde parzellenweise veräußert und in von der Klostermauer umgebene Gärten umgewidmet.

Weißenhorn im dritten Koalitionskrieg

Obwohl die Wunden der letzten Kriege noch lange nicht geheilt und noch weniger die Schulden bezahlt waren, stand das Jahr 1805 schon wieder im Zeichen des nächsten Krieges, dem Dritten Koalitionskrieg. In Weißenhorn war in den ersten Monaten des Jahres vielfach österreichisches Militär, namentlich waren die Blankenstein’schen Husaren vom März bis August im Quartier. Viel schlimmer wurde es vom September bis zum Ende des Jahres.

Am 25. September 1805 und an den folgenden Tagen waren zahlreiche österreichische Truppen hier im Quartier. In diesen Tagen wurden vor Ulm neue Schanzen angelegt, wozu die Österreicher viele Bauern aus dem kurbayerischen Gebiet heranzogen.

Rascher, als man vermutete, kamen die Franzosen und mit ihnen Napoleon. Gegen Ende September überschritten diese den Rhein und zogen in der Richtung von Straßburg gegen Mannheim, Nördlingen, Donauwörth, Augsburg. Deren Armee hatte etwa 200.000 Mann, während General Mack nur etwa 70.000 hatte. Da er die übermächtigen Franzosen allein nicht angreifen wollte, hatte er seine Armee von Ulm südlich bis nach Memmingen, die Front nach Westen aufgestellt und wartete auf das Eintreffen der verbündeten Russen. Nun ging es wider Erwarten, die Franzosen kamen von Osten her, ehe die Russen eintrafen. Als man dies erfuhr, stellte Mack in der Eile seine Armee zwischen Ulm und Günzburg auf mit der Front nach Norden. Er wollte die Franzosen beim Übergang über die Donau angreifen. Auch das verlief wider Erwarten, da diese die Donau schon überschritten hatten. Nun wollte Mack bei Günzburg die Donau überschreiten und nach Norden abziehen, stieß aber in der Nacht vom 9.-10. Oktober auf Marschall Ney, weshalb es in Günzburg zu einem Nachtgefecht kam. Nach Ulm zurückgekehrt wollte Mack über Albeck und Nördlingen nach Böhmen abziehen (13. Oktober). Dabei sollte Marschall Riesch den rechten Flügel decken und traf schon am 13. Oktober in Elchingen mit Franzosen zusammen, während am 14. das blutige Treffen folgte, welches den letzten Plan Macks vereitelte und ihn zu Ulm einschloss.

Napoleon war am 10. Oktober in Augsburg und nahm in der Residenz Wohnung. Von da begab er sich in die hiesige Gegend. Am ersten Tag fuhr er bis Günzburg. Er erwartete eine Schlacht an der Iller, bis er die veränderte Lage erfuhr. In Pfaffenhofen blieb er in der Mahler’schen Wirtschaft [Äußere Taverne] über Nacht. Das Haus und der Stiegenaufgang war mit zahlreichen Wachen besetzt. Später wohnte er im Amtshaus, jetzt Pfarrhaus, zu Oberfahlheim, wo noch das Napoleonszimmer gezeigt wird und dort soll der Kaiser das Gefecht überblickt und geleitet haben.

In Weißenhorn war am Sonntag, den 13. Oktober, ein solches Durcheinander, dass man keinen Gottesdienst halten konnte. Das Verkündbuch bemerkt: Fiel aus wegen Einbruch der Franzosen. In der vorausgegangenen Woche hatten sie die Stadt und die ganze Gegend überschwemmt. Am folgenden Morgen war der Zug in der Richtung nach Elchingen. Von dessen Höhe gewährte es einen fürchterlichen Anblick, nachts (vom 13. auf 14.) die Wachfeuer der beiderseitigen Armeen zu überblicken. Gegen Unterelchingen auf der Hochebene nach Norden, gegen Thalfingen, Burlafingen, Ulm bis gegen Kirchberg sah man die österreichischen Wachfeuer; gegen Leibi, Nersingen, Straß am Klassenhart hinauf, dann zu Fahlheim und Leipheim loderten die französischen Nachtfeuer hoch empor. Trotz des heftigen Sturmes und Regens war der ganze Horizont stark beleuchtet, bis sie der anbrechende, in düstere Wolken gehüllte Morgen erblassen ließ. Napoleon hielt nochmal eine Anrede an die höheren Offiziere, die wie ein Funke durch seine Krieger fuhr.

Gegen 7½ Uhr marschierten die französischen Truppen von allen Seiten gegen Leibi und suchten das dortige Holz zu erreichen. Gegen 8 Uhr stürmten sie gegen die Donaubrücke und griffen diese mit großem Geschrei an. Die Blankensteinschen Husaren verteidigten sie, auch richtete die Infanterie und Artillerie ein heftiges Feuer gegen die Franzosen; endlich wurden die Verteidiger überwältigt und in einer endlosen Reihe setzten die Franzosen über die Brücke. Nun entwickelte sich der Kampf um die Höhe. Dieser war sehr blutig. Das französische Zentrum versuchte die Österreicher den Klostergarten hinaufzutreiben, da entstand ein gewaltiges Handgemenge. Marschall Ney stürmte die steile Dorfgasse hinauf, wurde aber noch einmal zum Stehen gebracht. Dazwischen brüllte eine fürchterliche Kanonade. Der rechte Flügel der Franzosen stürmte unter Dupont auch von Unterelchingen her und nahm das Kloster samt Umgebung ein. Da die Franzosen immer neue Hilfe bekamen, musste Marschall Riesch mit seinen geschwächten und erschöpften Truppen, von den französischen Reitern und Kartätschen verfolgt, über Albeck den Rückzug nach Ulm antreten. Der Kampf ging um 1 Uhr zu Ende. Das Korps Riesch verlor circa 4.000 Tote, Verwundete und Gefangene; auch die Feinde hatten großen Verlust. Ein Augenzeuge schätzt die Toten und Blessierten beiderseits auf 5.000.

Napoleon kam am 16.Oktober abends selbst nach Elchingen und blieb dort bis zum 21. Oktober mittags, als er im achtspännigen Wagen nach Augsburg zurückfuhr. Tags zuvor hatten die Österreicher Ulm übergeben und ihre Waffen, Pferde, Kanonen und Fahnen den Franzosen ausgeliefert. Man schätzt die Zahl der Entwaffneten auf etwa 30.000 Mann.

In Weißenhorn hörte mit der Schlacht bei Elchingen die Einquartierung der Franzosen noch nicht auf, sondern dauerte bis zum 29. Oktober, als sie abzogen.

Indes eilte Napoleon im raschen Siegeslauf durch Bayern nach der Hauptstadt Österreichs. Vom 24. bis 28. Oktober weilte er in München, reiste an diesem Tage nach Altötting, zog am 13. November in Wien ein. Es folgte am 2. Dezember die mörderische Schlacht bei Austerlitz in Mähren und am 26. Dezember der Friede zu Preßburg, welcher die Markgrafschaft Burgau und ihre Zugehörden an Bayern, die übrigen schwäbischen Besitzungen an Württemberg und Baden brachte. Die Kurfürsten von Bayern und Württemberg erhielten die souveräne Königswürde. Im nächsten Jahr kam der Rheinbund und das Ende des Deutschen Reiches.

Städtebauliche Entwicklung

Infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen, der Einquartierungen und Kontributionszahlungen fand in dieser Zeit keine wesentliche Entwicklung in der Stadt statt.

Zwischen 1790 und 1800 wurde an der Grenze zu Grafertshofen in der Memminger Str. 62 durch einen französischen Emigranten ein Wohnhaus in französischem Stil erbaut.

Zwischen 1803 und 1808 wurde die östliche Stadtmauer zwischen Wollhaus und Unterem Tor einschl. des Keserturms abgebrochen und sukzessive durch Stadelbauten ersetzt.

Fortsetzung der Stadtgeschichte: Im Königreich Bayern 1806-1918

  1. Der Rheinbund war ein von Napoleon 1806 gegründeter Staatenbund deutscher Fürstenstaaten, der das Heilige Römische Reich endgültig beendete. ↩︎
  2. Die wohlhabenden Bürger ↩︎
  3. Die Jakobiner waren eine radikale politische Gruppierung während der Französischen Revolution, benannt nach ihrem Versammlungsort im ehemaligen Jakobinerkloster in Paris. ↩︎
  4. Das Zensuswahlrecht war ein Wahlsystem, bei dem die Wahlberechtigung oder das Stimmgewicht vom Nachweis eines bestimmten Vermögens, Grundbesitzes oder Steueraufkommens abhing. ↩︎
  5. Das Konkordat von 1801 war ein Staatskirchenvertrag zwischen Napoleon Bonaparte und Papst Pius VII., der den Konflikt zwischen der Französischen Revolution und der katholischen Kirche beilegte. ↩︎
  6. Legendärer Ausspruch Wellingtons: Ich wollte es wäre Nacht, oder die Preußen kämen! ↩︎
  7. Joseph Holl, Geschichte der Stadt Weißenhorn, Neudruck 1983 nach der Ausgabe von 1904, Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn ↩︎

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