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Schulstr. 4 – Café Hitz und Landwirtschaftsschule

Das Haus wurde 1911 als Caféhaus erbaut und 1921 von der Stadt für die Landwirtschaftsschule und öffentlichen Bedarf erworben.

Die erste geplante Bebauung auf diesem Grundstück wurde nicht verwirklicht. Der Ökonom Mathias Gollmützer beantragte 1844 den Bau eines Wohnhauses mit Viehstall und Stadel in der Schulstr. Den Stadel zu seinem Haus Hauptplatz 6 wolte er dagegen wegen Baufälligkeit abbrechen. Auf Beschwerde der Nachbarn hin wurde der Bau aber vom LG Roggenburg nicht wie geplant giebelständig, sondern am 29.08.1844 traufständig genehmigt. Offenbar wurde das Vorhaben nicht verwirklicht und das Grundstück weiterhin als Garten genutzt.

Um 1908 erwarb der Konditor Karl Hitz das Grundstück, zu dem damals noch ein Stadel stand, der zu Hauptplatz 6 gehörte. Diesen Stadel brach Hitz 1908 ab. Im Jahr 1911 stellte Josef Hitz (vermutlich der Sohn) den Bauantrag für einen Wohnhausneubau mit Conditorei. Am 02.12.1911 erhielt er die Kaffeewirtschaftskonzession und konnte das Café am 04.07.1912 eröffnen. Am 19.09.1913 beantragte er auch die Erlaubnis zum Ausschank geistiger Getränke, diese wurde ihm aber versagt, da kein Bedürfnis hierfür anerkannt wurde. Wohl im Zuge der beginnenden Inflation geriet Hitz um 1921 in finanzielle Schwierigkeiten. Er konnte das neu erbaute Haus SH04 nicht halten und musste es verkaufen. Trotz des Verkaufs an die Stadt musste er 1931 doch Konkurs anmelden. Bereits 1929 musste er auch das Haus Hauptplatz 6 verkaufen.

Auf Anregung von SR Josef Mareis wurde das Haus Schulstr. 4 dann von der Stadt angekauft und dem Bezirk (Landkreis) als Schulträger zur Verfügung gestell um hier eine Landwirtschaftsschule einzurichten. Am 23.02.1921 erwarb die Stadt das Haus Schulstr. 4 von Konditor Hitz zum Preis von 150.000 M. Hitz durfte das Schaufenster für sich ausbauen und musste hierfür einen anderen Fensterstock einsetzen. Mit RE vom 27.09.1921 wurde dem Bezirk Neu-Ulm die Genehmigung zur Einrichtung einer 2-kursigen Landwirtschaftsschule in Weißenhorn erteilt. Als Vorstand wurde Eugen Fackler vom Außensitz Krumbach der Landwirtschaftsschule Augsburg nach Weißenhorn versetzt. Zur Unterbringung der Lehrkräfte und einzelner Schüler wurden in dem Gebäude noch Dienstwohnungen und Internatsräume untergebracht. Beim Umbau des Winterschulgebäudes (Schulstr. 4) wurden 9 Fensterstöcke frei, die am 30.09.1921 öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben wurden. Am 04.11.1921 stellte man fest, dass Konditor Hitz aus dem verkauften Gebäude die Öfen widerrechtlich ausgebaut hatte, er wurde zur Rückgabe aufgefordert. Am 18.11.1921 erhob die Stadt Klage gegen Hitz. Am 02.06.1922 ist der Zivilprozess gegen den Konditor Hitz zugunsten der Stadt entschieden worden. Auf das Gesuch des Konditors Josef Hitz um Gewährung eines freiwilligen Betrags als Entgelt für den Verkauf seines Anwesens in der Inflationszeit unter dem tatsächlichen Wert wurde ohne Anerkennung einer Rechtspflicht am 12.03.1926 ein Betrag von 1.500 RM bewilligt.

Das Gebäude Schulstr. 4 wurde ab 1921 zur landwirtschaftlichen Winterschule umgebaut. In das DG wurde eine Wohnung eingebaut. Der Acker an der Reichenbacher Str. (heute Grundschule Süd) wurde als Versuchsfeld genutzt, der Rest wurde als Heimgärten verpachtet. Am 12.05.1922 beschloss der Stadtrat, er sei nicht bereit, das Landwirtschaftsschulgebäude an den Bezirk zu verkaufen. 1922 wurde die landwirtschaftliche Haushaltungsschule vom Kloster Roggenburg nach Weißenhorn verlegt und im DG der Landwirtschaftsschule untergebracht. Der Unterricht wurde von Franziskanerinnen erteilt. 1930 wurde der Stadt die Genehmigung zur Errichtung einer eigenen landwirtschaftlichen Haushaltungsschule erteilt. Diese wurde im zunächst im Fuggerschloss untergebracht. Die Stadt war bis 1947 Trägerin der Schule.

Am 14.11.1930 beschloss der Stadtrat den Ankauf des Stadels Silberbaur (Hauptplatz 5) für die Landwirtschaftsschule für 4.000 RM, am 26.06.1931 wurde der Verkauf protokolliert.

Die Stadt erwarb 1936 die ehem. Goldwarenfabrik Kurz in der Bahnhofstr. 11a und baute das ehemalige Fabrikgebäude für die Zwecke einer landwirtschaftlichen Haushaltungsschule mit Vollinternat um. Während der Kriegsjahre waren die Hauswirtschaftsschule und die Internatsräume in verschiedenen Gebäuden untergebracht. Zuletzt wurde das Internat in das Dachgeschoss der Landwirtschaftsschule in der Schulstr. 4 verlegt. 1937 sollten die Landwirtschaftsschule und die landw. Haushaltungsschule in staatl. Aufsicht (Reichsnährstand – Landesbauernschaft Bayern) überführt werden. Es handelte sich um das Landwirtschaftsschulgebäude Schulstr. 4 und die Internatsräume im 2.OG Schulstr. 5. Die Stadt erklärte sich am 30.07.1937 aber nicht bereit, die Einrichtung ohne Ablöse zu übergeben. Die Räumlichkeiten verblieben in städt. Eigentum.

Nach dem Krieg wurde das Schulwesen neu geordnet und vollständig in staatl. Zuständigkeit überführt. Daher kündigte die Stadt dem Landkreis 1952 die Schulräume in der landwirtsch. Haushaltungsschule Bahnhofstr. 11a. Die Stadt stellte aber an der Memminger Straße 59 ein Grundstück für einen Neubau zur Verfügung. Von der Kündigung betroffen waren auch die Internatsräume in der Schulstr. 4. Die Stadt baute in das Gebäude einen Ratssaal ein. Weitere Räume wurden dem Bauernverband als Geschäftsstelle überlassen.

1977 wurde die Stadtbücherei in die Schulstraße 4 verlegt und nach mehrjähriger Pause im September 1977 eröffnet. Die Statistik erwähnte am Jahresende einen Bestand von 3800 Bänden und 9845 Ausleihungen.

Seit 1. Mai 1979 beherbergt das Gebäude auch die Archäologische Sammlung in der Schulstraße 4. Im Februar 1980 ging diese in das Eigentum der Stadt über.

Ende der 80er-Jahre wurde auch in Weißenhorn eine Sozialstation gegründet, die ebenfalls in der Schulstr. 4 ihre Geschäftsstelle hatte.

1990 wurden mit einer Überdachung des Parkplatzes bei der Sozialstation durch einen Carport in Stahlkonstruktion die Fahrzeuge der Sozialstation besser untergebracht.

1998 wurde durch einen Schriftzug auf die Stadtbücherei hingewiesen und auch eine Werbeanlage für die Sozialstation angebracht.

Mit dem Umzug 2009 der Stadtverwaltung in das Interimsrathaus Memminger Str. 59 wurde der Sitzungssaal aufgegeben und die Fläche der Stadtbücherei zugeschlagen.

Quellen:

Quellen:
1, 2 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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