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Kaiser-Karl-Str. 2+4

Das ehemalige Doppelhaus wurde um 1559 an Stelle eines Vorgängerbaus errichtet. Die südliche Hälfte wurde 1674 neu erbaut, der nördl. Teil um 200 modernisiert.

Vorgängerbebauung bis 1559

Das Grundstück ist Teil einer Vorgängerbebauung, die im Artikel ‚Vorgängerbebauung am Hauptplatz‘ separat behandelt ist. Das Haus selbst war Teil des Großanwesens Seitz. Es wird sich um ein Pfründhaus o.ä. gehandelt haben, was relativ klein gewesen sein dürfte. Daher ist die Lage des Gebäudes näher am Hauptanwesen zu vermuten. Der erste zuordnungsbare Eigentümer war 1492 Thais Pfarad. Es ist nicht klar, ob es sich hier um einen Neubau gehandelt hat oder ob ältere Eigentümer nur nicht bestimmbar sind.

1496 haben wir Conrad Jacob und 1499 Thys Pfarrer, 1502 Marthes Pfadler (andere Schreibweise?), Claus Seytz und Margreth Seytz, 1511 Matheos Pfadler und Claus Seytz und 1517 Mathias Pfandlers Witwe und Claus Seiz. Für die folgenden Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. 1548 ist Simon Seitz Witib als Nachbar bei Hauptplatz x erwähnt. In den Steuerbüchern ist bis 1559 dann kein Steuerpflichtiger mehr erwähnt. Vielleicht war Simon Seitz der letzte Eigentümer eines Vorgängerbaus, danach wäre das Grundstück unbebaut gewesen.

Vorgängerbebauung 1559-1674

1559 finden wir wieder Eigentümer in den Steuerlisten. Es wird davon ausgegangen, dass das Haus jetzt durch den Weber Endlen Schneider neu erbaut wurde. 1567 ist Valenthin Seytz notiert, 1572 Jacob Seytzen Witib und 1581 Jacob Wiedeman. Als dieser um 1587 stirbt wird das Haus geteilt.

Teilung: Hausteil Kaiser-Karl-Str. 2

Nach der Teilung des Hauses übernimmt Jacob Wiedemanns Witib den südlichen Hausteil. 1594 übernimmt Ulrich Bayr die Haushälfte, die Witwe Wiedemann wechselt auf das Haus Memminger Str. 13. Unmittelbar nach der Übergabe tauschen Ulrich Bayr und Hans Saur (vom gegenüberliegenden Grundstück Kaiser-Karl-Str. 1) ihre Häuser, so dass fortan Hans Saur hier Eigentümer ist. Auch im Jahr 1594 erwerben die Fugger die benachbarte ehem. Schmidt’sche Herberge und errichten auf dem Gelände ihr Sommerschlösschen. Um das Grundstück wird eine Grenzmauer gezogen, die den alten Bau ausspart. 1604 folgt mit Matheus Saur vermutlich der Sohn. Im Steuerbuch 1614 wird die Immobilie mit halbe Behausung; Wert 200 fl beschrieben. 1626 wird Georg Steuchelin jung Eigentümer zu einem Wert von 160 fl; er war auch vorher auf Kaiser-Karl-Str. 1. Diese Konstellation legt verwandtschaftliche Beziehungen nahe. 1636 heißt der nächste Eigentümer Symon Hosser, der Wert ist auf 150 fl abgesunken. Als Symon Hossers Witwe 1851 das Haus übernimmt, ist der Wert nur noch 112 fl. In den 160er-Jahren kauft Matheus Claus das Haus. Im Zeitraum bis 1674 bricht er seine Haushälfte ab und erbaut sie neu.

Teilung: Hausteil Kaiser-Karl-Str. 4

Bei der Teilung des Hauses 1587 wird der nördliche Teil von Bernhardt Praun übernommen. 1601 wird Veit Wekherlin neuer Eigentümer und bleibt bis 1629, als die Haushälfte an Hans Hartmann geht. Der Wert ist seit 1614 mit 200 fl stabil geblieben. 1651 ist der Sohn Christian Hartmann neuer Eigentümer. Christian Hartmann kauft ein kleines Höflein von der Herrschaft zu seinem Grundstück dazu, Wert 4 fl. 1660 wird wieder ein Hans Hartmann als Eigentümer geführt.

Neubebauung Kaiser-Karl-Str. 2 ab 1674

Matheus Claus baut nach der Übernahme des Gebäudes die Haushälfte neu. Hierbei wird der Bau auch zur Straße hin vergrößert. Der Wert des Hauses wird auf 300 fl heraufgesetzt. 1706 werden Matheys Claus, Leineweber und Ehefrau Ursula als Eigentümer genannt, es dürfte sich um den gleichnamigen Sohn handeln. Mathes Claus stirbt 1711; das Erbe wird aufgeteilt. Am 08.07.1727 erbt der Sohn Joseph Claus das Haus. Er verkauft scheinbar das Haus, denn bei seinem Tod 13.12.1740 wird in der Verlassenschaft kein Grundbesitz mehr angeführt. Schon im Jahr 1727 erwirbt der Weber Jacob Burkhard das Haus mit einem Wert von 255 fl. Er ist ab 1727 auch als Eigentümer des gegenüberliegenden Hauses Nr. 162 (Kaiser-Karl-Str. 1) geführt. Vielleicht hat er dieses Haus als Altenteil erworben und die Kaiser-Karl-Str. 2 dann seinem Sohn überschrieben. 1729 kauft Jacob Burkhart von seinem Nachbarn Georg Frischhaupt eine Fläche von 12×35 Schuh (3,50×10,22 m), Wert 10 fl, zu seinem Grundstück dazu. In den 1760er-Jahren wird der Sohn Martin Burkhard, Weber, Nachfolger, der Wert beträgt jetzt 270 fl. Anschließend geht das Haus ohne Jahresangabe an seine Witwe Maria Burkhart über. Sie stirbt am 14.08.1780. Erbin ist u.a. Emerentia Glogger, Schwester des Martin Burkhart
und Ehefrau des Webermeisters Johann Glogger. Dieses Ehepaar übernimmt das Haus. Am 26.08.1788 stirbt Emerentia Glogger, Witwe. Das Erbe wird aufgeteilt. Schon am 19.07.1788 wurde das Haus auf den Sohn Ulrich Glogger überschrieben. Am 07.08.1799 geht das Haus an den Weber Anton Glogger, dessen Verwandtschaftsverhältnis nicht bekannt ist.

Mit dem Schuhmacher Bartl Weitmann erscheint am 28.06.1805 ein neuer Name auf dem Haus. Die Liegenschaft ist beschrieben als Wohnhaus, Stall und Stadel unter einem Dach, dann Hofraum. Zum 24.04.1840 übernimmt der Sohn, der Taglöhner Josef Weitmann, das Haus. Der Vater bleibt weiter hier wohnhaft. Am 14.02.1844 kaufen Anton und Franziska Schmid das Haus, verkaufen es aber schon am 06.06.1850 weiter an den Taglöhner Georg Schuler von Autenried. Schuler verkauft das Haus am 07.07.1862 an Josef Krautheim von Vöhringen. Auch er bleibt nicht allzu lange hier, am 14.04.1870 wird der Kupferschmied Anton Raffler als neuer Eigentümer eingetragen.

Anton Raffler besitzt das Haus lange, nach seinem Tod 1922 werden seine Kinder Eigentümer. 1929 bekam die Stadt das Haus zum Kauf angeboten. Vom Ankauf des Raffler’schen Anwesens wurde aber mangels Geldmittel abgesehen. Die Geschwister Raffler führen zusammen ein Weißwarengeschäft mit Kurz- und Wollwaren.

Ab 1953 ist in dem Haus ein Friseursalon ansässig. 1962 übernimmt Friseurmeister Klose den Salon. Er lässt das Haus komplett umbauen, bricht das Kellergewölbe ab und legt das EG dadurch tiefer. Die Fassade wird entsprechend dem damaligen Zeitgeschmack glatt verputzt und mit Bänderungen versehen. Im nördl. Teil wird ein Zwerchgiebel mit flacher Dachneigung aufgebaut. Der Frisiersalon hält sich bis 2015.

Kaiser-Karl-Str. 4 ab 1674

Zu der Zeit, als die südliche Haushälfte neu erbaut wurde, war Matheus Claus noch Eigentümer der nördlichen Haushälfte. 1685 wurde der Weber Georg Frischhaupt Eigentümer, der Wert betrug wieder 150 fl. 1716 war Georg gestorben und seine Witwe Maria trat als Eigentümerin auf. Am 10.11.1727 verkaufte sie ihrem Sohn Josef Frischhaupt, Weber, gelegentlich seiner Verheiratung mit Isabella Moser von Biberach die Haushälfte für 200 fl. 1729 verkauft Josef Frischhaupt seinem Nachbarn Jacob Burkhart eine Fläche von 12×35 Schuh (3,50×10,22 m), Wert 10 fl, zu dessen Grundstück dazu. Josef Frischhaupt stirbt Ende der 1760er-Jahre, seine Erben bleiben bis zum 31.10.1770 Eigentümer, als sie das Haus an den Weber Joseph Croner verkaufen. Dieser übergibt am 04.02.1797 das Haus an seinen Sohn Lazarus Kroner, wieder ein Weber. Im Urkataster ist das Haus als Wohnhaus und Stall unter einem Dach, ein daran gebauter Stadel, dann Hofraum beschrieben. Am 10.08.1826 findet noch einmal ein Eigentümerwechsel statt. Der Sohn, ebenfalls Lazarus Kroner, Bote, übernimmt das Haus. In den folgenden Jahren wird sein Beruf ebenfalls mit Weber angegeben. Zum 14.02.1840 übernimmt mit Franz Joseph Kroner die nächste Generation das Haus. Er bleibt bis zu seinem Tod 1864, danach wird seine Witwe Eigentümerin.

1875 taucht ein neuer Name auf dem Haus auf. Der Zinngießer Anton Mareis richtet sich hier Werkstatt und Laden ein. 1906 geht auch dieses Geschäft mit Alois Mareis in die nächste Generation. 1932 wird der Laden von den Geschwistern Mareis geführt, die jetzt auch Mode und Porzellan verkaufen.

1948 steht der Bäckermeister Ludwig Huber als Eigentümer im Einwohnerverzeichnis. Er baut eine Waschküche an das Nebengebäude des Nachbarn an und ändert die Schaufensteranlage ab. Hierbei wird das Haus neu verputzt und durch Putzfaschen eine Fachwerkstruktur nachgeahmt. Das mittlere Fenster im OG wurde entgegen dem Plan vermauert.

Zu unbekanntem Zeitpunkt übernahm (seine Tochter?) Amalie Huber den Laden, 1959 wird sie als Putzmacherin benannt. Sie ist noch 1997 auf diesem Haus wohnhaft.

Um 2000 wurde das Haus verkauft und renoviert. Die türkischen Mitbürger bauen den Laden zu einem Kebap-Verkauf um. Beim Bau wich man von der genehmigten Planung ab. 2001 wurde eine Nachtragsgenehmigung ausgesprochen, der sichtbar außen geführte Abluftkamin aus Edelstahl musste aus gestalterischen Gründen abgebaut und in das Mauerwerk verlegt werden. Der Außenputz wurde durch einen Vollwärmeschutz ersetzt. Nach Abschlagen des Putzes wurde die alte Fachwerkstruktur sichtbar. Die Konstruktionsdetails passen zu dem angenommenen Baujahr 1559.

2002 war der Name „Chefle-Kebap“ mit entsprechender Werbeanlage. 2004 wurde das Gebäude nochmals umgebaut und eine Gaststätte eingebaut. 2007 wurde die Werbeanlage auf „Deniz Kebap“ abgeändert.

Quellen:

Quellen:
1 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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