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Hauptstr. 26

Das schmale dreigeschossige Haus wurde 1715 erbaut und fiel 1850 einem Brand zum Opfer. Beim Wiederaufbau wurde es drei Stockwerke hoch gebaut.

Erstbebauung 1715

Bis 1715 wurde das Grundstück als zweites Hausrecht bei der Stadtwirtschaft Hauptstr. 28 geführt. Der Stadtwirtschaft wird 1715 ein Wertzuschlag von 220 fl beigemessen. Hierbei dürfte es sich um den Neubau des Hauses Hauptstr. 26 handeln. Das neue Haus wurde mit der Stadtwirtschaft durch einen Überbau über die gemeinsame Einfahrt verbunden. Es dürfte damals 2 Geschosse gehabt haben. Das Haus gehörte bis ca. 1750 zur Stadtwirtschaft und hatte keinen eigenen Eigentümer.

Im Steuerbuch 1750 finden wir den Zusatz: NB von obigen 1700 fl hat Anna Maria Schaichin wegen dermahlen besitzenden Nebenhauß 250 fl zu versteuern. Demnach hatte Frau Schaich das Haus erworben, es ist nicht dokumentiert, wann sie das Nebenhaus erwarb.

Am 03.05.1758 wird das Nebenhaus wird an Franz Jann, Bäcker für 250 fl verkauft und fortan selbstständig geführt. Zum Haus gehört eine Bäckergerechtigkeit. Den 3t May 1758 ist daß Nebenhaus ahn Franz Jann, Bäcker, verkauft worden mithin derselbe zu versteuern auf diesem Hauß sey ein Beckhengerechtigkeit, und werde jährl. zum gräfl. fuggerisch Rentamt 10 x 4 h verraicht.

Zum 26.03.1789 erwirbt der Chirurg (Bader) Fidelis Schenk das Haus, verkauft es aber schon am 17.11.1794 an Martin Grünwied. Nach dem Schuldnerverzeichnis muss Martin Grünwied in finanzielle Schwierigkeiten gekommen sein, in deren Verlauf er das Haus verkaufen musste.

Am 30.06.1797 erwirbt Alois Miller, Schneider, das Haus zu einem Steuerwert von 200 fl, weil die Bäckereigerechtigkeit nicht ausgeübt wird. Auf diesem Haus seie ein Beckengerechtigkeit, das ganze Handwerk bezahlt weil die Beckengerechtigkeit dort still gelegt ist 10 kr 4 h. 1819 ist Alois Miller als Bräuer bezeichnet, später als Spezerei-Händler.

1831 ist sein Schwiegersohn, der Buchbinder Mathias Betz, als Bewerber des Hauses genannt. Betz führte die Buchbinderei in der Memminger Str. 35. Er führte offenbar keine glückliche Ehe, denn hier ist eine der seltenen Ehescheidungen vermerkt. Allerdings hat er sich 1831 mit seiner Frau Walburga nach vollzogener Scheidung wieder vereint und möchte die Spezerei-Handlung seines verstorbenen Schwiegervaters Alois Miller in der Stadt fortführen. Er erhält hierzu die Lizenz des Magistrats. Am 02.04.1832 wird er durch Erbschaft Eigentümer des Hauses. Seine Frau Walburga übernimmt den Krämereiladen, Betz selber bleibt in der MM35. Am 14.02.1837 setzen sich die geschiedenen Eheleute Betz über die Führung der Spezerei-Handlung auseinander und Frau Betz wird Eigentümerin. Betz führt aber weiter einen Rosenkrieg gegen seine Frau. Betz möchte 1840 seine Spezerei-Handels-Konzession zurückgeben unter der Voraussetzung, dass diese auf den Handelsmann Boneberger übertragen und nicht an seine geschiedene Frau abgegeben wird. Der Magistrat lehnt dies ab, weil die Aufgabe der Konzession nicht an Bedingungen geknüpft werden könne und seiner geschiedenen Frau ein Alimentationsanspruch aus dieser Konzession zustehe. Betz zieht daraufhin seinen Antrag zurück. Frau Berz vermietet Wohnraum in dem Haus weiter, N: Bernbacher, Herrschaftl. Schreiber und N: Vogg, Advocaten Schreiber als Mitbewohner.

Wiederaufbau 1850

Am 21.02.1850 brannte das Nachbargebäude Hauptstr. 28 (Stadtwirt) ab. Hierbei wurde das Haus der Walburga Betz auch so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass es abgebrochen werden musste. Frau Betz wurde aus der „Immobilien Aßekuranz“ mit 1300 fl entschädigt und entschied sich zu einem Neubau. Über die Lage und Stellung des Gebäudes gab es einige Differenzen zwischen den Bauherren und der Stadt. Nach Begutachtung der städt. Baukommission vor Ort verlangte der Magistrat am 04.04.1850, dass die Neubauten in die Flucht der Hirschwirtschaft gestellt werden. Die Krämerin Betz legte gegen diesen Beschluss offiziell Widerspruch ein. Durch die Verschiebung des Gebäudes um 2′ müsse sie das bestehende Kellergewölbe verkürzen und die Grundmauern neu aufziehen. Hierdurch entstünden ihr Mehrkosten von 50 fl, die sie von der Stadt ersetzt haben möchte. Dem Magistrat erschien die Forderung überhöht. Wegen der Verschönerung des Stadtbildes erklärte sich die Stadt aber bereit, eine Summe von 25 fl ohne Anerkennung einer Rechtspflicht zu zahlen. Frau Betz nahm dieses Angebot an. Im Mai 1850 beantragte Frau Betz ein drittes Stockwerk aufzubauen, welches sie in Fachwerk ausführen wollte. Hierzu wurde jedoch aus feuerpolizeilicher Sicht die Genehmigung nicht erteilt, so dass sie das 3. Stockwerk massiv ausführen musste.

1855 war ihr Sohn Josef Miteigentümer des Hauses und Michael Kollmann Mitbewohner. Am 10.08.1859 wurde Josef Betz Alleineigentümer und verkaufte einen Monat später, am 20.09.1859, das Haus an den Mitbewohner Michael Kollmann, der mittlerweile Drechslermeister geworden war. 1875 wurde sein Sohn Melchior Kollmann mit seiner Ehefrau Franziska Eigentümer des Hauses, welches weiterhin als Spezereihandlung benannt war. Zum 09.05.1893 wird Hans Kollmann, wieder Drechslermeister, Eigentümer. Das Verwandtschaftsverhältnis ist nicht bekannt, es könnte der Sohn oder der Bruder sein.

Hans Kollmann verpachtete den Laden an die Baderseheleute Hans und Babette Heckenberger, die sich 1904 in einer Anzeige auch im Zahnziehen, Schröpfen, Aderlassen, Wundbehandlung usw. empfehlen. Am 27.04.1914 können sie das Haus auch kaufen, verkaufen es aber schon am 17.11.1917 an die Baderseheleute Simon und Maria Engelbreit, geb. Krettenauer. Simon Engelbreit ist Kgl. Approb. Bader. Engelbreit führt das Badergeschäft bis 1941, als seine Frau Maria am 03.06.1941 lt. Erbvertag Eigentümerin wird. Am 27.05.1943 übergibt sie den Laden an ihren Sohn Simon, der jetzt nicht mehr als Bader, sondern als Friseur geführt wird.

Simon Engelbreit hält das Geschäft bis Anfang der 60er-Jahre. 1964 führen Albert und Helene Baumann den Friseursalon der spätestens 1968 an den Friseurmeister Johann Marx geht. Dieser baut das Haus um. Dabei wird im EG der Eingang verlegt und ein großes Schaufenster eingebaut und die Fenster werden gegen Einscheibenfenster ausgetauscht. Marx verlegt seinen Salon um 1975 in die Östl. Promenade 6. Es zieht eine chem. Reinigung ein, später eine Modeboutique, ein Hörgeräteakustiker und um 2015 der Gebetsraum einer christlichen Gemeinde.

Quellen:

Quellen:
1, 2 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
3, 4, 5, 6 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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