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Der Gasthof Hasen – Hauptstr. 13

Der Gasthof Hasen gilt als Traditionswirtschaft. Er war der größte Gasthof der Stadt und seine Brauerei war 1986 die letzte, die aufgegeben wurde. Mittlerweile ist auch diese Gaststätte geschlossen und wartet auf eine Wiedererweckung.

Erster Vorgängerbau

Auf dem Grundstück des heutigen Gasthofs standen zumindest zwischen 1548 und 1651 zwei Gebäude. Das hintere Gebäude muss wohl zwischen 1518 und 1548 errichtet worden sein. Da aus diesem Zeitraum keine Aufzeichnungen vorhanden sind, kann der Bauzeitpunkt des hinteren Gebäudes nicht genauer bestimmt werden.

Vorderhaus

Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. 1465 ist Pauli (auch Paulin, Berlin geschrieben) Schmid als Eigentümer zuzuordnen, ab 1500 seine Witwe und Jörg Kamensetzers Witwe. Jörg Kamensetzer wohnte vorher auf dem Haus Seb.-Sailer-Str. 1. 1505 ist Martin Kamensetzers Witwe die Eigentümerin, sie wechselt um 1508 auf das damals neu erbaute Haus Seb.-Sailer-Str. 2. 1508 übernimmt Bernhardt Schmid (der Sohn Paulin Schmids?) das Haus. 1515 ist wieder ein Berlin Schmid genannt, mit Sicherheit auch eine Verwandtschaft.

Die weitere Baugeschichte ist nicht sicher geklärt. Von 1548 bis zum Neubau 1651 bestand das Anwesen aus zwei Gebäuden. Es ist nicht zu klären, zu welchem Zeitpunkt zwischen 1518 und 1548 das hintere Gebäude gebaut wurde.

Im Steuerbuch 1548 ist Bernhar[d] Bayr als Eigentümer verzeichnet. 1556 verkauft oder übergibt er das Haus an Conrad Claus, den Eigentümer des Hinterhauses. Bayr erwirbt das Haus Sebastian-Sailer-Str. 1 und den Bauplatz hinter der Schranne, wo er 1559 ein neues Haus (Sebastian-Sailer-Str. x) baut. Conrad Claus, übernimmt zwischen 1556 und 1559 das Gebäude oder ist in diesem Zeitraum Miteigentümer.

1587 bekommt das Haus mit Jörg Die[t]sch einen neuen Besitzer. Jörg dürfte der Sohn des Anton Dietsch, Hauptstr. 12, gewesen sein. 1607 wird Georg Dietsch als Eigentümer genannt, vermutlich der Sohn des Jörg. 1614 ist der Besitz mit Behausung und Stadel so auch Hausrecht hat beschrieben, der Wert wird mit 850 fl festgesetzt. Gesondert erwähnt ist mit 600 fl Wert die hintere Behausung zwischen Spital und Rathaus. Nach 1614 erscheint der Name Dietsch eigenartigerweise nicht mehr in Weißenhorn, erst 1651 taucht mit Christoph Dietsch der Name wieder auf MM11 auf.

1623 verkauft Johann Zeller, Sekretarius zu Wettenhausen sein Gebäude An der Mauer 5 an Hans Müller und siedelt nach hier über. 1636 ist das Anwesen im Steuerbuch gestrichen. Evtl. war das Haus baufällig oder abgebrochen, möglicherweise durch die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges. Als Eigentümer steht noch Hans Müller da mit dem Zusatz ‚Hans Stegelin in der klain Stat zue geschrieben worden‘. Dieser Wechsel kann nicht mit weiteren Angaben belegt werden, ein Hans Stigele erscheint nicht in den Büchern.

Hinterhaus

Das Hinterhaus dürfte zwischen 1515 und 1518 errichtet worden sein. 1548 ist Conrad Claus als Eigentümer aufgeführt, er wohnte vorher auf Hauptstr. 7. 1556 erwirbt oder übernimmt er das Vorderhaus von Bernhard Bayr.

Das Hinterhaus wird im Liegenschaftsbeschrieb 1614 gesondert erwähnt und mit einem Wert von 600 fl taxiert. Es gehört bis 1636 mit zum Bestand des Vorderhauses.

Neubebauung 1651

Im Jahr 1651 wird das Haus neu erbaut. Als neuer Eigentümer erscheint Andreas Rueß, das Bauvorhaben lautet auf Behausung und Stadel so auch Hausrecht hat; der Wert wird mit 500 fl bestimmt. Demnach wurde zuerst nur das Vorderhaus neu gebaut. Das hintere Haus wurde erst später errichtet, ein Zeitpunkt lässt sich nicht fixieren. Beim Verkauf des Hauses in den 1660er-Jahren wird das Hinterhaus erwähnt und der Wert der Liegenschaft auf 800 fl erhöht. Käufer war Hans Link, Sohn des Sternwirts (GZ01) Michael Linckh. Hans Link arbeitet seit spätestens 1669 im Engel als Bräuer, bevor er 1674 den Gasthof Engel kaufen kann.

Hier erscheint ab 1675 wieder der Name Rueß und zwar als Wilhelm Rueß. 1692 erwirbt Wilhelm Rueß den Bauplatz MM45 hinzu. Um 1715 übernimmt Johannes Rueß, Sohn des Wilhelm das Anwesen mit einem Wert von 850 fl. 1716 wird er erstmals als Hasenwirt benannt. Leider ist in den älteren Steuerbüchern nie eine Wirtschaft oder eine Braugerechtigkeit erwähnt, so dass nicht mit Sicherheit geklärt werden kann, ab wann diese Wirtschaft tatsächlich bestand. 1725 kommt ein Jakob Moser von Unterelchingen hierher auf den Hasen, der Wert steigt auf 900 fl. 1736 stirbt Jakob Moser, seine Witwe übernimmt den Gasthof und heiratet am 16.02.1737 Josef Bolling, den ehem. Kreuzwirt MM54, der die Kreuzwirtschaft zuvor an seine Tochter Ursula und deren Mann Josef Keuffel (Sohn des Glockenwirts MM29) übergeben hatte.

Es ist nicht dokumentiert, wann Josef Bolling starb, aber 1749 wird der Tod seiner Witwe erwähnt, deren Erbe aufgeteilt wird. Im gleichen Jahr übernimmt Andreas Rueß, wohl ein Sohn des Johannes Rueß, den Hasen. Es ist nicht genannt, auf welche Weise er hier Erbansprüche hatte. Andreas Rueß heiratet 1749 Magdalena Lorenz, stirbt aber schon vor 1752, denn seine Witwe Magdalena heiratet 1752 Ulrich Wachendörfer aus Denzingen. Von ihm kauft Mathäus Klotz am 29.10.1761 die Hasenwirtschaft.

Vom 20.06.1791 liegt nach Wylicil ein Antrag des Mathäus Klotz (vermutlich des gleichnamigen Sohns) vor, das Gasthaus umzubauen und dabei weiter in die Straße hinauszurücken. Da keine Entscheidung über den Antrag bekannt ist, kann nicht geklärt werden, ob der Gasthof tatsächlich umgebaut wurde oder ob es bei der Absicht verblieb. Es kann auch keine plausible Vermutung formuliert werden.

69 jahre lang war ein Wirt namens Mathäus Klotz auf dem Hasen. Innerhalb dieser Zeit muss mind. einmal ein namensgleicher Generationenwechsel stattgefunden haben, vielleicht sogar auch zweimal. Am 06.11.1830 übernimmt mit Sebastian Klotz eine neue Genaeration den Besitz auf dem Hasen. Im Übergabevertrag ist das Anwesen mit ‚Wirtschaftsanwesen zum Hasen, Wohnhaus, Stadel, Stallungen, Stadel mit Keller an der Stadtmauer (ÖP15-17), reale Bräu- u.Taferngerechtigkeit, Gemeinde- und Forstrecht‘ bezeichnet. Nach den Akten unter Östl. Promenade 15 wurde allerdings erst der Nachfolger Goßner im Jahr 1845 Eigentümer dieses Stadels. Möglicherweise umfasste der 1830 erwähnte Stadel noch nicht die gesamte spätere Größe. Als Seb. Klotz den Hasen übernimmt wechselt seine Mutter auf den ‚Bären‘, Hauptstr. 21. Seine Schwester Creszenz übernimmt 1836 mit ihrem Mann Josef Meier den Bären.

Am 06.10.1835 kauft Josef Goßner die Hasenwirtschaft. Im Grundbesitzveränderungsbuch 1839-1862 ist vermerkt, Josef Goßner habe das Bräuhaus abgebrochen und auf diesem Grund ein neues gegen West 5 Schuh (ca. 1,50 m) länger erbaut. Der Dachstuhl sei am 28.05.1839 aufgerichtet worden. 1842 wird der Pferdestall auf der westlichen Seite der Schrannenstr. (heute Getränkemarkt) erweitert. Auch in diesem Bauantrag ist ein altes Bräuhaus mit einem Schweinestall erwähnt: „weil er bei seinem Bräuhausbau [Hauptstr. 13] gegenüber mehr der Stadtgemeinde überlaßen habe, als der nachgesuchte Baugrund betrage, indem er den Grund u. Boden der bei dem alten Bräuhause bestehenden Schweineställe nicht überbaut, u. dadurch die Gasse merklich erweitert worden ist“. Eigenartigerweise wurde weder der Neubau des Bräuhauses 1839 noch der spätere Neubau 1853 des Gasthofs Hasen im Kataster nachgetragen. Erst bei der Neuvermessung 1921 wurde das Kataster berichtigt.

1840 kauft der Hasenwirt Jos. Goßner den Acker beim Wasserwechsel an der Kreuzung Oberhauser Str. / Reichenbacher Str. und lässt dort einen Sommer-Bierkeller graben und darüber ein Wohnhaus mit Kellereingang errichten, den späteren, 2013 abgebrochenen Hasenkeller.

Am 01.08.1843 wird ein neuer Notariatsvertrag abgeschlossen. Hierin wird der Besitz mit ‚Hasenwirtschaft, Wohnhaus mit realer Taferngerechtigkeit, Brauhaus, 2 Städel, Stallungen, Kellergebäude‘ bezeichnet. Es ist nicht klar, warum ein neuer Notariatsvertrag abgeschlossen wurde. Die betreffende Urkunde wurde noch nicht gefunden.

Josef Goßner stirbt 1846. Am 19.04.1846 heiratet seine Witwe Franziska Anton Harder aus Bubenhausen. Am 21.12.1846 kauft Anton Harder den Schwarzen Adler, Memminger Str. 7, und zieht mit seiner Frau dorthin. Der Hasen wird am 05.01.1847 an Paul und Kreszenz Schmid verkauft. Die Ehe muss sehr kurz gewesen sein, denn schon am 24.04.1847 erscheint er wieder als Käufer des Hasen mit einer Frau Kreszenz Harder. Hierbei dürfte es sich um die Witwe des Zwischenwirts auf dem Hasen, Paul Schmid, handeln. Auf jeden Fall verkaufte Anton Harder den Schwarzen Adler bereits am 18.04.1848 wieder, und zwar an Anton und Marianna Henle. Somit hatte Anton Harder durch die kurze Heirat mit der Hasen-Witwe ein beträchtliches Vermögen erheiratet.

Im Jahr 1853 stellt Anton Harder einen umfassenden Bauantrag. Der „Gastgeber und Bierbräuer“ Anton Harder möchte seine Gastwirtschaft am alten Platz ganz neu umbauen und dreistöckig herstellen, nachdem sein bisheriges Gebäude zur Führung der Wirthschaft die nothwendigen Räumlichkeiten nicht mehr darbiete. Die Planung fertigte der Kgl. Bau-Inspektions-Ingenieur Wilhelm in Dillingen. Der westliche Teil (das 1839 neu erbaute Bräuhaus) des Gebäudes blieb erhalten.

1872 kauft der aus Einsingen stammende Anton Walser die Brauerei. 1875 erscheint im Einwohnerverzeichnis erstmals der Name Anton Walser. Der Zeitpunkt und die Umstände des Besitzübergangs konnten noch nicht geklärt werden. Walser muss schon vorher Eigentümer gewesen sein, denn schon von 1874 liegt ein Bauantrag für ein Göpelwerk in der Schrannenstr. vor. 1897 wird die Abwasserbeseitung des Gasthofs neu geordnet und um 1900 eine überdachte Laderampe auf der Westseite angebaut. 1901 erfolgt der Anbau eines Göpelhauses und die Erneuerung des Aufzugsschachts durch Anton Walser jun., 1905 wird ein Kühlhaus angebaut.

1908 wird der Pferdestall in der Schrannenstr. abgebrochen und 1909 neu gebaut. 1922 wird Kreszenz Walser als Eigentümerin genannt, auch noch 1935. 1948 schließlich wird ihr Sohn Anton Walser der Eigentümer der Wirtschaft. Anton heiratet die Tochter des Engelwirts, Anna Kircher, und führt mit ihr zusammen den Hasen.

Walser bewirbt sein Gasthof fleißig in der Presse.

In den 50er-Jahren wurden neue Einscheibenfenster in das Gebäude eingebaut. 1971 wurde beim Hasenkeller (Reichenbacher Str. 21) ein neues Sudhaus als viergeschossiges Flachdachgebäude angebaut und die Brauerei dorthin verlegt.

1982 wurde eine abgeschlossene Wohnung in das 1. OG eingebaut. Bis dahin wurden nur einzelne Zimmer zu Wohnzwecken des Eigentümers im 1.OG des Gasthofes genutzt. 1983 wurde der Gasthof umfassend saniert. Hierbei wurden anstelle der Einscheibenfenster wieder 2-flügelige Sprossenfenster eingebaut und die Farbgebung nach hist. Befund erneuert. Im Inneren wurde eine neue betonierte Treppe eingebaut und die Gasträume sowie der Saal renoviert. Abweichend von der Planung wurden 1985 die WC-Anlagen in einen Gewölberaum des UG eingebaut. 1987 wurde eine neue Küche und eine neue Theke eingebaut.

Im Mai 1986 brannte das Brauereigebäude in der Reichenbacher Str. 21 vollständig ab. Die Brandruine wurde abgebrochen und ein Neubau erstellt. Nach dem Brand wurde der Brauereibetrieb nicht mehr aufgenommen.

2002 wurde der ehemalige Kohlenkeller zu einem Nebenzimmer für kleinere Veranstaltungen umgebaut, den sog. „Hasenstall“. Der Saal im 2.OG des Gebäudes musste 2006 aus Brandschutzgründen geschlossen werden, da weder ein abgeschlossenes Treppenhaus noch ein zweiter Fluchtweg vorhanden war. Die Gaststätte wurde in der Folgezeit nicht mehr selbst betrieben, sondern verpachtet. Nach zwei Verpachtungen fand sich kein Nachfolger mehr. Seit Mitte 2018 ist der Gasthof außer Betrieb.

Quellen:

Quellen:
1, 2 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
3, 4, 5, 6, 7 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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