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Das Haus Martin-Kuen-Str. 2

Das Haus Martin-Kuen-Str. 2 ist das dritte Gebäude, was in diesem Bereich stand.

Der Bereich westlich der Schranne war ursprünglich nicht bebaut und diente damals wohl als Marktplatz. Den Hauptplatz gab es zu dieser Zeit noch nicht, der heutige Kirchplatz war noch teilweise bebaut und ansonsten der Friedhof bei der Pfarrkirche. 1542 wurde der Friedhof bei der Stadtpfarrkirche aufgelassen und an den damaligen nördlichen Stadtrand verlegt, heute der sog. Alte Friedhof. Zwischen 1556 und 1575 wurde der Kirchplatz neu geordnet, die alte Bebauung, u.a. das damalige Frühmesshaus, wurde abgebrochen. Mit dem Umbau des Fuggerschlosses 1565, den neuen Bauten des heutigen Brauhauses (1565) und der Kray (heute altes Rathaus) 1576 erhielt der Kirchplatz seine neue Gestalt, die er bis zum Neubau der Stadtpfarrkirche 1862 im Wesentlichen auch beibehalten sollte. Seit dieser Zeit wird der Kirchplatz auch Marktplatz genannt.

Erstbebauung vor 1556

Es wird vermutet, dass vor der Bebauung der Fläche hinter dem Rathaus bis 1556 ein Vorgängerbau in gleicher Linie mit dem Haus Sebastian-Sailer-Str. 1 die westliche Platzwand bildete. Die Eigentümer dieses Hauses zahlten nur geringe Steuern, so dass eine alte und geringe Bebauung angenommen werden muss. Nach der Neubebauung 1556 stieg die Steuerlast sprunghaft.

Der älteste archivalische Nachweis der Bebauung stammt aus dem Jahr 1465. In diesem Jahr ist ein Hans Mengs als Steuerpflichtiger genannt. Danach sind die Frauen Guta und Berta als Eigentümerinnen eingetragen, in der Verweiblichung des Namens ‚Mengössin‘ genannt. 1508 ist Martin Ostertag, 1510 der Seile Jacob Ostertag auf diesem Haus, 1511 Herr Leonhart Claus und ab 1515 Martin Ostertags Witwe, Anna Vilgin und ihr Muttermann
(Stiefvater); mit jeweils einer Haushälfte. Für die Jahre 1518-1544 liegen keine Aufzeichnungen vor. 1548 erscheinen Conradt Planckh und Claus Miller, Kornmesser, als Bewohner. Der Kornmesser wohnte damals also unmittelbar neben der Schranne. Bei Conradt Planckh ist kein Steuersatz mehr angegeben und Claus Miller zahlt nur 13 kr 2 h Steuern. Hieraus kann geschlossen werden, dass das alte Haus baufällig war. Claus Millers Witwe ist ab 1556 auf dem Haus Wettbach 5x verzeichnet.

Zweitbebauung 1556-1835

Nach der Verlegung des Marktplatzes um 1556 wurden die Grundstücke hinter der Schranne als Bauland verkauft. Ludwig Gempfher, Schreiber und Vogt in der Herrschaft und Grafschafft Achbug (?), kaufte das alte Haus Martin-Kuen-Str. 2, brach dieses ab, und den Bauplatz hinter der Schranne. Ludwig Gempfher, später auch Glöpfer geschrieben, zog wohl nach Weißenhorn, denn später ist sein Titel als Vogt nicht mehr erwähnt. Da er 1556 mit 10 fl Steuer veranlagt wurde, ist von einem Neubau auszugehen. Evtl. handelt es sich im Folgenden auch um einen Sohn, der diesen Titel nicht mehr besaß und der Vater war aufs Altenteil hierher gezogen. Bis 1594 war die Familie auf diesem Haus ansässig, wenn auch die Schreibweise des Namens stark differierte (Glöpfer, Klöpher, Glaischer).

1594 kaufte Michael Paul Schmidt das Anwesen. Er war Erbe der ehemaligen Schmidt’schen Herberge am Hauptplatz, die nach dem Tod von Wilhelm Schmidt 1581 an die Fugger verkauft wurde, die auf diesem Gelände ihr Gartenschlösschen errichteten. Michael Paul Schmid kaufte mit dem Erbe 1581 das Gebäude HS07 und 1594 das Haus MK02. Bis 1675 wird die Familie Schmidt hier verzeichnet, nach dem Tod der Walburga Schmidt, Witwe des Michael Paul Schmidt wurde das Erbe aufgeteilt und das Gehöft für 700 fl an Hans Jacob Buchmiller verkauft, dem zu dieser Zeit auch das Haus Hauptstr. 8 gehörte. am 05.11.1683 verkauft Buchmiller die Gebäudegruppe für 700 fl an die Stadt.

Am 16.01.1690 verkauft die Stadt die Gebäude wieder, und zwar an Georg Bader, Gastmeister zu Roggenburg, t für 1025 fl. 1706 wird Georg Bader als Amtsbürgermeister bezeichnet, ehem. Gastmeister zu Roggenburg, der Wert ist mit 900 fl angegeben. Im Jahr 1716 wird Gottfried Deininger, Bräumeister und Metzger, als Eigentümer genannt, vermutlich Verwandtschaft, denn nach Deiningers Tod 1750 wird um 1760 wieder ein Bader als Eigentümer genannt, der Metzger Mathias Bader. Ihm folgt am 11.01.1788 der Metzger Johann Nepomuk Bader. Er und seine Frau sterben aber noch im gleichen Jahr, am 10.12.1788 wird das Vermögen der Witwe Theresia Bader auf 2950 fl beziffert und aufgeteilt. Das Gebäude geht an den Metzger Mathias Bader, ab 1819 an Joh. Nep. Bader und 1824 wieder an einen Mathias Bader.

Mathias Bader geriet wohl um 1825 in finanzielle Probleme, weswegen er zwischen 1824 und 1829 den Stadel des Hauses an den Mousselin-Händler Leopold Jann verkaufte, der ihn als Wohnhaus nutzte, welches die Hs.Nr. 34/2 erhielt. Er bewohnte es ab 1829 mit der Witwe Josefa Saelzle (Bräuerswitwe des Stadtwirts Hauptstr. 28). Jann kann das Haus jedoch nicht halten, es kommt zur Versteigerung. Aber auch Jann konnte das Haus nicht halten, so dass das Haus zur Versteigerung kam.

Der Stadtmagistrat erkannte schnell die Entwicklungsmöglichkeiten an dieser Stelle und beschloss am 05.02.1833 das Haus Nr. 34 des Mathias Bader im Gegenzug für die auf dem Grundstück lastenden Forderungen der Commune und der Spitalstiftung, das Haus für 2000 fl an sich zu bringen. Zeitgleich kam auch die Hs.Nr. 34/2 des Leopold Jann zur Versteigerung. Um auch in den Besitz dieses Hauses zu kommen, beschloss der Magistrat dann am 08.02.1833:

In Erwägung, daß das hiesige Rathhauß und Schrannengebäude in der Art mehr und mehr baufällig wird, daß keine Reparatur mehr möglich und jede Ausgabe hieran verschwendet ist u. daß sonach dasselbe in Bälde ganz neu erbaut werden muß; in Erwägung, daß eben so nützlich als schön seyn dürfte, wenn bei Erbauung des Rathhauses dasselbe von der Strasse weiter zurück = und dadurch ein Vorplatz hergestellt werden könnte; hat sich der Magistrat den gegenwärtigen Zeitpunkt, wo das Mth. Badersche Haus zum öffentlichen Verkauf ausgebothen wurde, benützend beschlossen, dasselbe zu diesem Zwecke für die Commune anzukaufen und ein Anboth von ~ 2000 fl durch einen Mandator zu legen. …. Anbei wird bemerkt, daß es zur Realisierung des Planes nicht schwer fallen dürfte, seiner Zeit auch das hiezu erforderliche Hauß des Glasers Millers käuflich an sich zu bringen.[1]A 114/100

Bei der Versteigerung am 18.02.1833 konnte Advocat Bauer das Haus für 1553 fl ersteigern. Als nächstes trat man am 27.02.1833 an den Glaser Georg Miller, Eigentümer der Hs.Nr. 31, heran und bot ihm das Stadel-Grundstück Hs.Nr. 34/1 im Tausch an. Miller ging den Tausch ein und bezog wohl unmittelbar danach das eingetauschte Gebäude. Nachdem 1835 der rückwärtige Verbindungsbau zum ehem. Baderschen Haus Nr. 34 abgebrochen wurde, errichtete Miller einen Neubau, der nun traufständig zur Martin-Kuen-Str. zu liegen kam und ab dann die Ecke zur jetzigen Schrannenstr. bildet. Das Haus steht bis heute.

Das Badersche Haus als Aushilfs-Schrannenlokal

Nachdem die Gebäude-Rochade am 10.06.1833 endgültig von der Curatell-Behörde genehmigt war, ging man an die Umnutzung des neu erworbenen Baderschen Hauses Nr. 34. Die fehlende Handelsfläche in der Schranne war ja ein Hauptgrund dafür, den Bau eines neuen Rathauses mit Schrannenhalle zu beschließen. Weil aber ein Neubau nicht sofort durchführbar war, musste eine Zwischenlösung her. Am 29.10.1833 beschloss der Magistrat:

Da die Schranne so stark besucht wird, daß der Raum zur Unterbringung der Früchte nicht ausreicht, soll das Badersche Haus zur Schrannennutzung umgebaut werden. Hierzu wäre das Erdgeschoß auszuweiden und auf Stützen zu stellen um es für diesen Zweck verwendbar zu machen.

Maurermeister Kerner wurde mit einer Umbauplanung beauftragt. Er schätzte die Kosten des Umbaus auf 215 fl 24 x. Es seien alle Innenwände zu entfernen und eichene Unterzüge auf eichenen Stützen einzubauen. Die Kellergewölbe sollen ausgenommen und verfüllt, der Fußboden um ca. 50 cm abgesenkt werden um eine lichte Höhe von 3,10 m zu erreichen. Alle Fenster wären zu vermauern, nur die besten Fensterstöcke könnten weiter verwendet und vergittert werden. In den Eingangsvorbau soll ein Tor mit 2,50 m Breite eingebaut werden. Alle Mauern wären mit den neuen Unterzügen zu verschlaudern. Die Wohnung im OG soll über eine Außentreppe erschlossen werden und die Kammer im DG zu einer weiteren Wohnung ausgebaut werden. Bader sen. und jun. könnten in dem Haus wohnhaft bleiben.

Das LG Roggenburg schlug am 02.12.1834 vor, den Verbindungsflügel des Baderschen Hauses abzubrechen und dort eine Durchfahrt anzulegen, ‚was nicht nur in Bezug auf Reinlichkeit, sondern auch in Betreff der Feuers-Gefahr für die ganze Nachbarschaft von großem Vortheile sey‘.

Der Abbruch des Verbindungsflügels wurde am 12.03.1835 genehmigt und am 28.04.1835 versteigert, Abbruch und Beseitigung binnen 8 Tagen, Schutt könne in den Stadtgraben beim oberen Tor geführt werden. Das Meistgebot mit 61 fl erfolgte durch Karl Fahrenschon.

Die Stadt plante den Bau eines neuen Rathauses an dieser Stelle. Wegen des Einsturzes der Stadtpfarrkirche im Jahr 1859 konnten dies Pläne aber nicht umgesetzt werden. (Ausführliche Darstellung dieser Maßnahme in gesondertem Artikel)

Weil aus dem Schrannenneubau nichts mehr wurde, aber dringender Bedarf für die Unterbringung der Sommerfrüchte an Markttagen bestand, musste schnell eine Lösung her. Scheinbar war zunächst dringender Baubedarf an den Dachrinnen vorhanden. Am 04.03.1859 holte man zwei Spenglerangebote von Wörsing und Bader ein, die beide auf 49 fl lauteten. Am 11.03.1859 wählte man dann aber doch die billigeren städt. hölzernen Röhren.

Im Herbst 1860 holte man Entwürfe und Kostenvoranschläge über eine Überdachung zwischen Schranne und der Hilfsschranne Hs.Nr 34 von Zimmermeister Gaiser für 209 fl 10 x und Zimmermeister Bettighofer für 215 fl 41 x ein. Den Auftrag erhielt Zimmermeister Gaiser für eine Dachdeckung aus moderner Dachpappe. Mit der Lieferung der Steindachpappe wurde die Fa. Ludwig Hiebler, chemisch-technische Fabrik in Donauwörth, beauftragt, welche eine Garantie von 1 Jahr auf die Dachpappe anbot.

Das Dachpappedach entsprach aber nicht den Erwartungen, bereits nach einem halben Jahr wurden Löcher bemerkt, weswegen die Garantie der Fa. eingefordert wurde. Über die Abwicklung des Garantiefalls sind keine Akten vorhanden.

1872 waren dann auch die Tage dieses Zwischenbaus gezählt. Das alte Badersche Haus wurde abgebrochen und an dieser Stelle die heute noch stehende Sommerschranne errichtet.

Der Neubau Martin-Kuen-Str. 2

Der Glaser Georg Miller errichtete nach dem Gebäudetausch und dem Abbruch des Verbindungsbaus um 1835 ein neues Gebäude. Das genaue Baujahr und ein Bauplan hiervon ist nicht bekannt. Das neue Haus wurde traufständig zur Martin-Kuen-Str. errichtet und bildete ab dann das Eckgebäude zur neu entstandenen Schrannenstraße.

Bis ca. 1870 ist noch Georg Miller der Eigentümer, danach der Merzler (Gemischtwarenhändler) Kajetan Lutzenberger, der zuletzt im Einwohnerverzeichnis 1882 hier genannt wird. Zu seiner Zeit dürfte die Schaufensteranlage in das Gebäude eingebaut worden sein, ein Nachweis hierüber ist im Archiv nicht zu finden. 1906 ist der Kaufmann Karl Hörmann im Einwohnerverzeichnis genannt, in der Folge als Spezereiwaren- oder Kolonialwarenhändler bezeichnet. 1946 ist Josef Schneider als Eigentümer genannt, der neue Fenster einbauen lässt. 1969 wurden noch einmal alle Fenster als Einscheibenfenster erneuert.

Die Aufgabe des Lebensmittelgeschäfts und die Umwidmung zu Wohnräumen ist zeitlich noch nicht ermittelt. 1988 wurde das Dachgeschoss ausgebaut und eine Schleppgaube aufgebracht, das Zwerchhaus entfiel. Um 2010 wurden wiederum neue Fenster eingebaut, diesmal wieder mit einer Sprossenteilung.

Quellen:

Quellen:
1 A 114/100
2 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißemhorn

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