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Das Haus Kirchplatz 7

Das jetzige Gebäude ist der dritte Bau an dieser Stelle und wurde 1734 erbaut. In prominenter Lage diente er als Wohnhaus, Stadtkanzlei, Pfarrhaus, Bankhaus und Geschäftshaus.

Vorgängerbauten

Die Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht nachweisbar. Auch kann die genaue Lage, Größe und Gestaltung der Vorgängerbauten nicht festgestellt werden.

Die ersten im Jahr 1465 in den Steuerbüchern enthaltenen Eigentümer sind Diepolt und Mathias Schwarz. Die Familie Schwarz wird bis 1507 hier genannt. Ab 1492 wird der Sohn Diepold Schwarz jung auf dem Haus Hauptstr. 3 geführt. Bei ihm dürfte es sich um den Diepold Schwarz handeln, der ab 1516 Bürgermeister war und im Bauernaufstand 1525 mit den Aufständischen verhandelte, wie auf dem Fresko am Oberen Tor dargestellt.

1508-1514 sind keine Bewohner auf dem Haus mehr genannt, die genannten Eigentümer hatten andere Wohnsitze. Daraus kann geschlossen werden, dass das Haus leer stand oder abgebrochen wurde. Erst ab 1515 sind wieder ständig Bewohner hier verzeichnet, allesamt wieder aus der Familie Schwarz. Wahrscheinlich handelte es sich nur um ein kleines Gebäude, welches nicht die gesamte Grundstücksfläche in Anspruch nahm, denn 1548 ist im Steuerbuch B 84-14 von „Diepold Schwarz des Jungen Gerttlin (Garten)“ die Rede. Ab 1567 wird das Gärtlein nicht mehr erwähnt. Es ist nicht belegbar, was mit diesem Grundstück geschah. Vermutlich wurde es dem Hauptgrundstück zugeschlagen und später (mit einem Stadel?) überbaut. Aus den Steuersätzen kann hierzu aber kein Zeitpunkt abgeleitet werden.

Wohl 1572 ist die Ära Schwarz auf diesem Grundstück beendet. Von 1572 bis 1581 ist Michael Seytz Eigentümer des Grundstücks. Ab 1581 ist der Seiler Hans Schmidt als Eigentümer genannt. Die Familie Schmidt, bzw. die weiblichen Nachkommen, blieben Eigentümer des Hauses bis zum Verkauf 1769.

Agnes Schmidt, die Witwe des Johann Schmidt, heiratete 1716 in 2. Ehe Franz Wagner. Nachdem Wagner auch verstarb, stand sie wieder als Erbin da. Sie heiratete dann 1729 in 3. Ehe den Rentmeister Pfeiffer. Pfeiffer kauft am 16.05.1727 von Maler Schürser, Hauptstr. 2, dessen rückwärtigen Stadel für 380 fl.

Neubau 1734

1734 erbaut Rentmeister Pfeiffer das Haus neu, bezeichnet auf einem Deckenbalken. Die Angabe 1777 auf der Gedenktafel des Hauses ist somit falsch, vermutlich bezieht sich diese Jahrangabe auf die Herstellung der Steintafel. Es befinden sich am Heimatmuseum und an diesem Haus, bis zur Freilegung des Fachwerks auch noch an der Schranne, Steintafeln mit der Jahreszahl 1777, ohne dass in den Rechnungsbüchern der Stadt für diese Gebäude zu diesem Zeitpunkt nennenswerte Baumaßnahmen verzeichnet sind. Es gibt aber eine Rechnung des Bildhauers Eustachi Habres vom 29.07.1777 für die Herstellung und Vergoldung von städtischen Wappen für 37 fl 15 kr. Das Haus erhielt 3 Geschosse, vermutlich waren es vorher nur zwei Geschosse gewesen.

Agnes Schmidt überlebte auch ihren 3. Ehemann und ist wiederum als Erbin des Hauses genannt. Sie verkaufte das Gebäude zu einem nicht bekannten Zeitpunkt an den Bürgermeister Anton Keuffel (Engelwirt, Hauptstr. 9). Dies dürfte nach 1764 erfolgt sein, als Keuffel den Engel verkaufte und vermutl. nach hierhin aufs Altenteil ging. Anthoni Keuffel stirbt am 10.12.1767. Das Erbe wird aufgeteilt. Grundbesitz ist nicht mehr erwähnt, dürfte also schon vorher übergeben worden sein.

Ursula Keuffel, die Witwe des A. Keuffel, vertauschte das Haus am 10.03.1769 mit der Stadt gegen das Gebäude Hauptstraße 5, in dem vorher die Stadtkanzlei untergebracht war. (siehe HS05) Am 10t Marty 1769 ist diße Behausung und Zugehör Von der Verwittibt Frau Bürgermaisterin Keuflin eingetauscht, dagegen die alte Canzley oder nunmehro deren Haus in die Steuer gelegt, und dißes neue consueto aus der Steuer gethan worden.

Die Stadtkanzlei

Nach dem Häusertausch wurde das Gebäude am Kirchplatz als Stadtkanzlei, d.h. als Sitz der Stadtverwaltung, genutzt. Die Stadt ließ einen Bestandsplan (undatiert) des Gebäudes fertigen. Nach diesem Plan besaß das Gebäude ursprünglich einen Schweifgiebel.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Durchfahrtssituation zu dem Stallgebäude im rückwärtigen Teil, welches das 1727 durch Pfeiffer hinzuerworbene Rückgebäude des Hauses Hauptstraße 2 darstellt und damals offenbar noch zur Stadtkanzlei gehört hat. Im Liegenschaftsbeschrieb 1777 (A 218) ist das Haus als Die Stadt Kanzley, und Wohnung eines Kanzley verwalters ist ein anständiges, und gutes Unterkommen gebendes gebäude samt Stadl und von einem Werth zu 1800 fl genannt.

An der Platzfront wurde 1777 ein steinernes Relief mit Stadtwappen, bez. CANCELLARIA CIVITATIS WEISSENHORNENSIS 1777, eingemauert, gefertigt von Steinmetz Eustach Haberes.

In der Stadtkanzlei war nicht nur der Stadtschreiber, sondern auch der Landgerichtsarzt wohnhaft.

1837 wurde der an Hauptstr. 2 angebaute Stadel wieder an den derzeitigen Eigentümer von HS02, Kaufmann Klöpfer, verkauft. Da schon lang es noth thut, das Kanzleihaus radikal zu reparieren u. in guten baulichen Stand zu stellen; dagegen der hinzu gehörige Stadl – sog. Kanzleistadl, welcher mit dem Handelsmann Klöpferschen Hause unter einem Dach steht, ganz unnütz u. entbehrlich ist, so hat der Magistrat einstimmig beschlossen, diesen Stadl dem Handelsmann Math. Klöpfer auf seinen Antrag käuflich zu überlassen und die zur Holzlege fürs Kanzlei hierzu erforferl. Lokalität in diesem selbst herzustellen zu machen bei angemessener Eintheilung Raum hiezu vorhanden ist. Da dieser Stadl unter einem eingeschätzt wurde, so solle mit dem Kaufmann Klöpfer hinsichtlich des Kaufpreises u. der weiteren Bedingungen in Unterhandlung getretten werden. (A219-8) Klöpfer bot für den Stadel 550 fl. Maurermeister Kerner und Zimmermeister Abt schätzten den Wert des Stadels auf 500 fl. Die Gemeindebevollmächtigten stimmten dem Verkauf zu. Am 08.02.1838 gab das Landgericht Roggenburg die Erlaubnis zum Verkauf, sofern das Kanzleigebäude so umgebaut werde, dass die Holzlege im Gebäude untergebracht werden könne. Hierzu wurde ein Bauplan gefertigt. Im Rahmen des Kostenanschlags von Maurermeister Kerner wurde dieser Plan nochmals geringfügig abgeändert.

Von 1848 bis 1856 wurde das Haus sowohl als Pfarrhaus wie auch als Stadtkanzlei genutzt.

Nutzung als Pfarrhof

Nachdem aus dem geplanten Neubau eines Pfarrhofs an Stelle des alten Pfarrhauses Konrad-Huber-Str. 3 fünf Jahre lang nichts wurde, litt Stadtpfarrer Bisle unter den schlechten Wohnverhältnissen. Daß unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen der beantragte Neubau, wenn er auch wie es scheint von der königlichen Regierung genehmigt wird, nicht so bald ausgeführt werden kann, dürfte ebenfalls keinem Zweifel unterliegen. Aber eben darum würde in kürzester Zeit die infolge der Baufallwendung schon vor fünf Jahren ausgesprochene sehr bedeutende Reparatur des alten Pfarrhauses mit einer Bausumme von 1600 fl unausweichlich notwendig werden, was doch gewißl weder im Wunsch noch im Interesse der Stadtbehörden liegen kann. Bisle schlug vor, ihm die oberen 2 Stockwerke der Stadtmagistratur zu überlassen und die Wohnung des Amtsdieners für sein Pferd umzubauen. Der alte Pfarrhof könnte von der Stadtmagistratur genutzt werden.

Der Magistrat fragte die G.B., die sofort zustimmten. Am 10.11.1848 beschloss der Magistrat, den Vorschlag Bisles anzunehmen. Bisle war sehr erfreut, stimmte dem Vertrag am 19.11.1848 zu und zog schon am nächsten Tag in die neue Wohnung.

Bis 1856 war der Stadtpfarrer im Stadtkanzleigebäude Kirchplatz 7 nur wohnhaft, es ist nicht bekannt ob als Mieter oder ohne Gegenleistung. 1856 entschied man sich nun endgültig, die Stadtverwaltung in das Kraygebäude Kirchplatz 2 (Altes Rathaus) zu verlegen, wo sie die nächsten 150 Jahre auch bleiben sollte. Das alte Kanzleigebäude sollte jetzt auch Pfarrhof werden und die Häuser getauscht werden.

Am 10.10.1856 beschloss der Magistrat das Kanzlei-Gebäude definitiv, vorbehaltlich der Zustimmung der G.B., als Pfarrhof zu bestimmen, dagegen soll der alte Pfarrhof mit den 2 Stadeln der Comune als Eigenthum zufallen. Dieser Tausch dürfte um so bereitwilliger aczeptirt werden, wenn man berücksichtigt, daß das Kanzlei-Gebäude 7000 – 8000 fl Werth ist, während die alten Pfarrhof Localitäten höchstens 3000 fl Werth haben.

Mit Vertrag vom 12.12.1862 vertauschten die Stadt und die Pfarrei die Gebäude Hs.Nr. 141 (Kirchplatz 7, ehem. Stadtkanzlei) und Hs.Nr. 153 (Konrad-Huber-Str. 3, ehem. Pfarrhaus) einschl. Pfarrstadel an der Stadtmauer und dem Kaplanhaus (An der Mauer 15). Der Mehrwert der Hs.Nr. 141 wurde mit 3000 fl beziffert, eine Baraufgabe fand jedoch von keiner Seite statt. Die Stadt übernahm die Baulast und die Reinigung des neuen Pfarrhofs.

1895 wurde eine neue Abortanlage eingebaut, 1897 die Nordwand erneuert. 1907 und 1909 wurden Kamine erneuert. Ebenfalls 1909 wurde das elektrische Licht im Pfarrhof eingerichtet. 1910 wurde der Pfarrhof neu verputzt, hierbei entfiel die bisherige Gliederung des EG durch Quaderung. Es ist nicht dokumentiert, wann der barocke Schweifgiebel abgebaut wurde.

Nach dem 1. Weltkrieg kam der Wunsch nach einem neuen Pfarrhofgebäude auf. Am 31.03.1922 beschloss der Stadtrat, an der Fuggerstraße ein neues Pfarrhaus zu bauen, sofern das alte für > 420.000 M verkauft wird und der Neubau nicht teurer als 600.000 M kommt. [9]A 58-25.1

Dieser Beschluss wurde umgesetzt und ein neues Pfarrhaus gebaut.

Bankhaus und private Nutzungen

Der Kaufmann Josef Egner bot 435.000 M für den alten Pfarrhof. Der Kaufpreis wurde in Raten bis zum 01.01.1923 vereinbart. Die Beamtenortsgruppe prangerte in einem Leserbrief in den Lokalblättern den Bau an, da der alte Pfarrhof in unüberlegter Weise zu einem zu geringen Preise verkauft worden sei. Die Stadt rechtfertigte sich in einem Artikel, welcher vom Stadtrat am 02.12.1922 gebilligt wurde. [10]A 58-25.2 Der Verkauf des alten Pfarrhofs an Egner zu 435.000 M fiel voll in die Inflation. Egner bezahlte den Preis in Goldmark. Nach dem Stand vom 04.04.1922 entsprachen 435.000 M einem Wert von 6220,50 Goldmark, von denen Egner aber nur 2308,65 Goldmark zahlte, was 37% des Wertes entsprach. Im Jahr 1926 wurde der Wert des Hauses auf 12.000 Goldmark = Reichsmark veranschlagt. Die noch ausstehenden 63% des Wertes entsprachen daher 7560 RM, welche die Stadt als Ausgleich nach dem Aufwertungsgesetz einforderte.

Die Pfarrpfründestiftung erhob am 06.05.1927 gegenüber dem Bankier Josef Egner einen Aufwertungsanspruch durch den Verkauf des alten Pfarrhofs in Höhe von 7.000 RM. Egner erklärte sich mit einem Aufwertungsanspruch von 6.500 RM einverstanden, sofern dieser in Raten bezahlt werden könne. Der Stadtrat erklärte sich hiermit unter Anpassung der Ratenhöhe einverstanden. Die Aufwertung wurde verzinst, so dass ein Betrag von 6.500 + 950 = 7450 RM errechnet wurde. Die Ratenzahlung war bis zum 01.07.1932 befristet. [11]SRS 11/27-131 Am 20.01.1928 erklärte sich der Stadtrat mit einem Aufwertungsbetrag von 6.500 RM für den alten Pfarrhof einverstanden. [12]SRS 02/28-16

Am 03.07.1931 ging das Bankhaus Egner in Konkurs, der Inhaber wurde verhaftet. Die noch ausstehenden Raten von 2000 RM und 93,75 RM Zinsen wurden im Konkurs geltend gemacht. Der Stadt wurde der alte Pfarrhof im Konkurs für 16.000 RM sowie weitere Immobilien zum Kauf angeboten. [13]SRS 18/31-84 Der Stadtrat beschloss, aus dem Egner’schen Konkurs für 65.000 RM das alte Pfarrhofgebäude (KP07), das landw. Anwesen mit allem Inventar (GE01), den gesamten Waldbestand und das Forstrecht von HS02 zu erwerben. Voraussetzung war, dass die Realitäten so schnell wie möglich wieder weiter verkauft werden. Der Kauf kam aber nicht zustande, weil das Deibler’sche Konsortium (Gruppe von Gläubigern) dazwischentrat. Die Stadt beschloss, keine weiteren Kaufverhandlungen mehr zu führen. Sie erwarte aber, dass der neue Eigentümer den aus verkehrspolizeilichen Gründen notwendigen Durchbruch (Brechung der Ecke zur Hauptstraße) herstelle. Das Eck wurde aber erst im Jahr 1969 gebrochen.

Letztlich kaufte der Dentist Franz Mändl das Gebäude und richtete dort seine Praxis ein. Das Banklokal wurde von der Bay. Hypotheken- und Wechselbank übernommen, die zuvor ihre Filiale am Hauptplatz 1 hatte. Nach der Übernahme wurde rechts neben dem Eingang ein Ladenlokal mit Schaufenster eingebaut. 1953 erweiterte die Bank ihre Geschäftsräume. Hierbei wurden im EG Einscheibenfenster eingebaut.

1969 wurde das Haus wieder renoviert. Hierbei wurde im Erdgeschoss eine Travertin-Verkleidung angebracht und Aluminium-Einscheibenfenster eingebaut. Neben der Änderung der Werbeanlage wurde auch das Eck zur Hauptstr. gebrochen.

Nach der Fusion der Bay. Vereinsbank mit der Bay. Hypotheken und Wechselbank wurde 1998 die Filiale der Hypo-Bank am Kirchplatz 7 geschlossen und der Bankbetrieb in der Filiale der Vereinsbank in der Östlichen Promenade 2 weitergeführt.

Das Ladenlokal wurde von einem Reisebüro übernommen, welches auch eine eigene Werbeanlage anbrachte. 2007 wurde das Gebäude teilsaniert. Hierbei wurden in den Obergeschossen wieder Sprossenfenster eingebaut und die Travertin-Verkleidung auf der Westseite entfernt.

Quellen:

Quellen:
1, 2, 3, 4, 7, 8 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
5, 6 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
9 A 58-25.1
10 A 58-25.2
11 SRS 11/27-131
12 SRS 02/28-16
13 SRS 18/31-84

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