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Ausbau Kirchplatz und Schlossplatz

In diesem Artikel geht es um die Bauarbeiten und die begleitenden archäologischen Untersuchungen. Die Fakten zur Planung und zur historischen Entwicklung sind im Hauptbeitrag zum Kirchplatz bzw. Schlossplatz behandelt.

Archäologische Funde während der Bauarbeiten

Funde am Kirchplatz

Bei Beginn der Bauarbeiten am Kirchplatz war man sich zwar bewusst, dass man hier ältestes historisches Siedlungsgebiet vor sich hat, eine gezielte archäologische Begleitung wie später am Hauptplatz und am Schlossplatz war damals allerdings noch nicht Standard. Der Stadtforscher Hans Burkhart und sein Mitstreiter Kilian Gaus waren oft auf der Baustelle und untersuchten die freigelegten Bereiche, eine flächendeckende Dokumentierung unterblieb jedoch. Gezielt suchte Burkhart nach den Fundamentresten der alten Kirche, die er auch fand und aufzeichnete.

Im Bereich des Oberen Tores stieß man auf den Gewölbegang, der einst die beiden Vortürme unterirdisch verband und dessen Gewölbe wohl schon beim Kanalbau 1911 zerstört wurde.

Da der Bereich um die alte Kirche bis 1542 als Friedhof genutzt wurde, fand man auf weiten Flächen der Baustelle Knochen. Diese wurden geborgen und gesammelt im alten Friedhof beigesetzt.

Auch stieß man bei den Bauarbeiten auf die alte Wasserleitung von 1835-39. Die Tonröhren trugen den Stempel der Fa. Bihl, Waiblingen, die damals mit der Leitung beauftragt worden war.

Funde im Schlossbereich

Bei der Sanierung der Stadtmauer 1988/89 wurde durch den Stadtforscher Hans Burkhart der auch in der Stadtansicht 1555 dargestellte Fußgängerauslass aus der Altstadt entdeckt und dokumentiert. Auch auf der Innenseite der Stadtmauer konnte bei Grabungen an den Fundamenten des Schlosses die Fortsetzung dieses Ganges aufgedeckt und dokumentiert werden.

Es handelte sich um einen überwölbt gemauerten Gang mit ca. 74 cm Breite und 2,05 m Höhe, der abgestuft dem Gelände folgte. Der Gang war teilweise verfüllt und wurde nicht bis zur Sohle freigelegt.

Die Fortsetzung des Ganges wurde im Rahmen der Sanierung der Schlösser aufgedeckt (Fundstelle K).

Funde am Bräuhaus

Im Rahmen der Sanierung des Bräuhauses 2013-14 wurden auch die Fundamente saniert. Historische Funde entstanden hierbei nicht.

Bauarbeiten Kirchplatz

Mit den Ausbauarbeiten des Kirchplatz wurde Ende Juni 1985 begonnen.

Ende Oktober 1985 waren die Bauarbeiten – bis auf den Brunnen – im wesentlichen abgeschlossen.

Brunnen

Rathausarkaden

Im Zuge des Kirchplatzausbaus wurden auch die Rathausarkaden saniert. Einige der Säulentrommeln und Kapitelle waren schadhaft und mussten ausgetauscht werden. Außerdem wurde auf der Südseite des Rathauses ein zusätzlicher behindertengerechter Zugang geschaffen.

Ausbau des Schlossplatzes mit archäologischen Untersuchungen

Auch der Schlossplatz wurde vor Beginn der Ausbauarbeiten durch ein Fachbüro archäologisch untersucht und dokumentiert. Hierbei wurden in erster Linie die Grabungsergebnisse aus der Untersuchung bei der Sanierung der Schösser ergänzt und vertieft. Im übrigen wurden Fundamente der vermuteten Vorgängerbauten aufgedeckt sowie Kanalbauten des 19. Jhdt.

Fundstelle A

Die Fundstelle A wurde schon bei den Voruntersuchungen zur Schlössersanierung ergraben. Es wurde der Entwässerungskanal aus dem Jahr 1875 gefunden, der einen Abzweig nach Westen zum Grundstück Wettbach 1 aufwies.

Fundstelle B

Auch die Fundstelle B wurde schon 2001 geöffnet. Man stieß hier erwartungsgemäß auf die Fundamente der Stadtmauer. Die Stelle wurde 2016 noch einmal untersucht, wobei festgestellt wurde, dass das weiter aufgehende Mauerwerk nur 2 Schichten stark war. Es wird vermutet, dass die Stadtmauer während der Zeit der Fugger abgetragen und nur noch als Gartenmauer mit 2 Schichten neu aufgeführt wurde.

Fundstelle C

Die Fundstelle C wurde auch schon 2001 geöffnet um zu untersuchen, wie tief das Fuggerschloss gegründet ist. Hierbei wurde die Fundamentsohle erst 4,85 m tiefer als der EG-Boden des Fuggerschlosses erreicht. Der hierdurch entstandene Raum im UG des Fuggerschlosses wurde aber nicht als Keller genutzt oder ausgebaut. Dies wird als Indiz für die These angesehen, dass sich hier einmal der Wassergraben des Vorgängerbaus befunden hat. Das Fundament wurde wohl in den Graben hinein gebaut. Weil man aber eine Durchfeuchtung des Kellers durch den Graben befürchtete, wurde der Raum nicht genutzt.

Während der Sanierungsarbeiten des Schlosses konnten im Zuge eines Kanalbaus weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Hierbei wurden weitere Mauerzüge freigelegt, die zur Vorgängerbebauung gehören müssen. Mit gewisser Vorsicht können diese Mauern der Begrenzung des Wassergrabens zugeordnet werden.

Fundstelle D

Bei der Fundstelle D wurde durch den Archäologen Hopfenzitz ein weiterer Rundturm aufgedeckt, ähnlich dem schon bei der Schlösser-Archäologischen Ausgrabung gefundenen ‚Bergfried‘ beim Fundort H. Mit einem Außendurchmesser von 3,80 m ist dieser Turm aber deutlich kleiner wie der ‚Bergfried‘ bei H mit 5,80 m Durchmesser.

Das danebenliegende Mauerstück könnte zur Nordmauer des Bezirks bei E ergänzt werden.

Fundstelle E

Die Fundstelle E wird als nördl. Begrenzungsmauer der Vorgängerbauanlage interpretiert. Es könnte sich um die nördl. Mauer des Wassergrabens handeln. Die Fundamenttiefe wurde nicht festgestellt, sie reichte aber mind. bis zur Gründungssohle des Hotelneubaus, war also sehr tief. Eine solch tiefe Mauer macht nur dann einen Sinn, wenn es hier auch Höhenunterschiede abzustützen gilt, wie es bei einem Graben der Fall gewesen wäre. Außerdem wurde nördl. der Mauer eine Pflasterung aus Rundkies (‚Katzenköpfe‘) gefunden. Eine hier vorhandene gepflasterte Straße unterstreicht hierbei auch die Forschungsergebnisse einer früheren Vorgängerbebauung auf dem Kirchplatz. Die Fundstelle fiel nach der Dokumentation zum größten Teil der Baugrube für das Hotel zum Opfer.

Fundstelle F

An der Fundstelle F wurden Fundamente und Mauerreste von Bauteilen gefunden, die nach dem Urkataster 1823 erwartet wurden. Dies sind zum einen die Fundamente des trapezförmigen Vorbaus vor dem Neuffenschloss und die alte Abtrennung des Herrschaftsbereichs durch Tor und Mauer. Der Mauerpfeiler ist gut zu erkennen. Durchschnitten wird die Fundstätte surch den 1875 eingebauten Kanal und dessen Abzweig nach Norden zum Bräuhaus.

Fundstelle G

Hier wurden auch bereits 2001 Aufschlüsse hergestellt, die die Substruktion des Neffenschlosses auf Springbögen aufdeckten. Diese Bögen wurden bei der Sanierung durch Beton geschlossen, weil man das Untergeschoss des Neuffenschlosses nutzbar machen wollte. Nach der Freilegung wurden diese Bögen auch außenseitig geschlossen und abgedeckt. Die Springbögen sind ein Zeichen dafür, dass die Fundamenbte des Neuffenschlosses 1465 in den wasser führenden Graben eingebracht wurden.

Fundstelle H

Die Fundstelle H wurde 2001 erschlossen. Hier wurde die Existenz des großen Rundturms ‚Bergfried‘ entdeckt, der dann bei der Sanierung der Schlösser im UG freigelegt und dauerhaft sichtbar erhalten wiúrde. Die ursprüngliche Idee, hier im Rahmen der Ausßenanlagengestaltung ein archäologisches Fenster anzulegen, wurde leider nicht realisiert.

Fundstelle I

Während der Herstellung des Leitungsgrabens für die Fernwärmeversorgung wurde eine unbekannte Metallkiste entdeckt. Bei vorsichtiger Bergung dieser Kiste enthielt diese Kiste eine scharfe deutsche Panzerfaust aus dem 2. Weltkrieg. Daneben lagen mehrere Metallteile, u.a. ein alter Waschbrunnen mit Armaturen.

Fundstelle J

Die Fundstelle wurde 2014 geöffnet, um die UG-Wände des Neuffenschlosses abzudichten. Es wurden Fundamentreste entdeckt, die nicht zuzuordnen waren und evtl. zu einer unbekannten Vorgängerbebauung gehören. Überraschenderweise wurden auch einige menschliche Knochenteile gefunden. Dies war insofern überraschend, weil man in dem schmalen Bereich zwischen alter Kirche und Vorgängerbebauung von nur ca. 4,50 m breite nicht mit Bestattungen, d.h., einer Friedhofsnutzung gerechnet hatte. Die Funde wurden leider nicht fotografisch dokumentiert.

Fundstelle K

Bei der Fundstelle K wurde die Fortsetzung des Ganges aufgedeckt, den Hans Burkhart bereits 1989 bei der Sanierung der Stadtmauer dokumentierte. Der überwölbte Gang stellt den auf der Stadtansicht 1555 dargestellten ‚Einlass‘ dar. Er war teilweise eingefallen und konnte nicht bis zur Sohle ergraben werden. leider fehlt auch hier eine entsprechende Foto-Dokumentation.

Fundstelle L

Hier wurden die erwarteten Fundament des schrägen Anbaus an das Brauhaus aufgedeckt, die von einem Kanalm durchschnitten sind. Die Fundstelle fiel der Baugrube für das Hotel zum Opfer und wurde nicht fotographisch dokumentiert.

Quellen:

Quellen:
1, 2 Heimatmuseum Weißenhorn, Archäologische Sammlung

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