Hauptstr. 3
Das Haus Hauptstr. 3 gehört zum ältesten Kern der Stadt. Das heutige Haus wurde 1729 an Stelle eines Vorgängerbaus von vor 1465 erbaut, EG 1879 umgebaut, danach noch mehrfach modern verändert.
Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar.
Die LIste der Eigentümer beginnt 1465 mit Hans Swartz, Claus Sitz und Lienhart Sitz. 1492 haben wir Diepold Schwarz jung und Thomas Seitz, 1496 Diepold Schwarz jung und Hanns Seitz. 1502 sind es [Diepold] jung Schwarz, Hanns Seitz und Engel Cramerin (vorher im Pfründhaus). 1505 Diepolt Swartz, Barbel Seytzin und Dorothe Seytzin.
1506 wird Diepold Schwarz als Bürgermeister bezeichnet. Dieser Diepold Schwarz verhandelte am 01.04.1525 während des Bauernkrieges vor dem Oberen Tor mit Jörg Ebner, einem der Rädelsführer im Bauernkrieg.
Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.
1548 ist zunächst Jacob Beckh eingetragen. Da Jacob Beckh eine sehr hohe Steuer von mehr als 31 fl zu zahlen hat, ist es denkbar, dass ihm das Nachbarhaus Hauptstr. 5 ebenfalls gehört hat. 1556 ist es Jakob Beckhs Sohn (der wahrscheinlich ebenso hieß). 1570 wird er als Bürgermeister bezeichnet.
Auch der nächste Eigentümer 1581, Dionisy Vischer, Sattler, war Bürgermeister. Ein Dionys Viescher erscheint erstmals 1551 in den Steuerbüchern, und zwar auf dem Gebäude Seb.-Sailer-Str. 7 (heute abgebrochen), einem kleinen Haus an der Ecke zum Wettbach. 1562 erwirbt er das Haus HS05; 1581 kauft er das Haus HS03 hinzu und wird hier auch das erste Mal als Bürgermeister erwähnt. 1587 besitzen seine Erben das Haus, 1589 Claus Vischer.
1594 erwirbt Christoff Biedermann, die beiden Häuser, HS03 und HS05. Hans Jakob Brigel erwirbt 1601 das Haus HS03; HS05 verbleibt bei Christoff Biedermann. Brigel besitzt seit 1595 auch das Nachbarhaus HS01. Brigel wird 1604 als Bürgermeister genannt. 1614 wird er im großen Häuserbeschrieb als Eigentümer beider Häuser geführt, Zwei Behausungen [HS01 und HS03], Stadel und Hofraithen, Wert 1300 fl (für beide Häuser).
Brigel ist wahrscheinlich um 1625 gestorben. 1626 gibt es einen Eintrag auf Hans Philipp Buchmiller. Der Eigentumseintrag ist aber wieder gestrichen, scheinbar ging das Haus aus nicht dokumentierten Gründen an die Erben zurück. 1636 verkaufen Hans Jakob Brigels Erben die Häuser an Andreas Schnitzer. Beschrieben als Haus, Stadel und Hofraum, Wert 450 fl; Schnitzer gehören HS01 und HS03. Schnitzer gehört 1651 auch der halbe Teil des Gebäudes Memminger Str. 3.
1660 kauft Andreas Claus, Wert 500 fl, das Haus HS03, erwähnt wird ‚ein Plätzchen zur Tungstatt‘ (Dunglege). HS01 verbleibt noch bei Schnitzer. 1674 übernimmt Andreas Claus den Dienst als oberösterreichischer Hochzoller und zieht vermutlich nach 1679 auf Hauptplatz 4. Er dürfte das Haus noch eine zeitlang als Zweitbesitz gehalten und dann verkauft haben. Im Inventarium V 115.2 bei seiner Verlassenschaft ist kein Grundbesitz mehr vermerkt.
1686 hat Jacob Kempfel, Färber, das Haus gekauft. Wegen einer neuerbauten Mang erfolgt 1692 ein Wertzuschlag von 100 fl. 1706 erwirbt Jacob Kempfel auch das Haus Wettbach 7 und verlegt nach der Übergabe des Hauses HS03 an seinen Sohn Mathes Kämpfle seinen Wohnsitz dorthin. 1722 verkauft Mathes Kämpfle das Gebäude HS03 an den Färber Lorenz Göz. Lorenz Götz kam von Neuburg nach hierher.
Neubebauung 1729
Lorenz Göz, Färber, erhält 1729 eine Steuererhöhung „wegen dem neuen Bau“ von 550 fl auf 700 fl. Folglich erfolgte ein Neubau des Gebäudes. Angeführt ist noch ein Stadel mit Hofraithen im Wettbach 7. Am 27.11.1732 wird die Dunglege wird nach dem Neubau des Gebäudes vertragsmäßig definiert: 17 Schuh und 2 Zoll lang, hingegen 6 Schuh 11 Zoll breit nebst einem Tripel zu 3 Schuh und 4 Zoll lang und breit, laut Contract Prothocolli dd 27:ten Novb: 1732. Nach Lorenz Göz Tod wird am 10.01.1759 sein Erbe aufgeteilt. Das Haus wird hierbei mit einem Wert von 1300 fl veranschlagt. 1764 wird seine Witwe noch auf dem Haus genannt und am 05.11.1768 geht das Haus an den gleicvhnamigen Sohn Lorenz Göz, Färber. Der Stadel hinter dem Haus geht 1773 von Hauptstr. 1 auf Hauptstr. 3 über.
Am 30.10.1807 geht das Haus mit Fidelis Göz, Färber, an die nächste Generation. Viktoria Götz, Witwe, ist ebenfalls noch Miteigentümerin. Schon am 27.10.1822 übernimmt Josef Göz, Färber; (nach Wylicil erst am 25.10.1842) das Haus, Fidel Götz bleibt als Pfründner bis 1855 auch hier wohnhaft. 1838 beantragt Fridolin (Fidel) Götz den Anbau eines Schweinestalles an sein Nebengebäude. Wegen Einsprüchen der Nachbarn zog er den Bauantrag aber wieder zurück.

1857 wurde ein Hafner-Ofen in den Keller des Wohnhauses Hauptstraße 3 eingebaut. 1875 sind noch Götz Joseph und Johann hier als Eigentümer verzeichnet.
Am 28.10.1879 verkauft Paul Findler sein Haus GZ13 an den Schuhmacher Georg Markthaler. Kurz zuvor müsste er das Haus Hauptstr. 3 erworben haben. Noch 1879 baut Findler das Haus wesentlich um. Das EG wurde komplett umgebaut und ein neuer Geschirrladen eingebaut, Einbau eines Brennofens in den Keller mit Kamin auf der Westseite. 1883 wird ein Kamin erneuert. 1886 baut Paul Findler eine neue Holzremise. Findler hatte schon früher (Zeitpunkt nicht bekannt), den Schuppen von Thalhofer, ehem. WB02, erworben. Spätestens beim Bau des neuen Schuppens ist der alte abgebrochen worden.






Um die Jahrhundertwende lässt Findler seinen Namen werbeträchtig in die Dachziegel legen. Die Schaufensteranlage wird auf die gesamte Ostseite vergrößert.
1906 firmiert Findler als Porzellanhandlung, 1920 als Glaserei. Paul Findler ist zwar noch Eigentümer, aber schon 1906 wirbt sein Sohn Julius unter eigenem Namen. 1921 wird der Hofraum eingezäunt.

1931 tauschen Julis Findler und Gregor Holl, Wettbach 6, ihre Anwesen. Findler verlegt sich stärker auf die Glaserei und Holl entwickelt sich auf Hauptstr. 3 zu einem Farbenhaus, was bis in die 70er-Jahre hier weitergeführt wird. Danach wird das Geschäft von der Fa. Farben Ochs, Illertissen, weitergeführt.
Nach der Geschäftsübernahme lässt Holl den Namen aus dem Dach entfernen. Er baut den Laden um und ändert das Nordfenster am Eck zu einem neuen Schaufenster um. Er lässt auch eine neue Werbeschrift am haus anbringen. Um 1940 wird das Dach neu gedeckt.











1987 übernimmt Herr Lecheler das Farbenhaus. Farben Lecheler schließt den Betrieb zum Juni 2003. Die Mitarbeiterin Karin Treu übernimmt das Geschäft und führt es als Bastelladen am Hauptplatz 4 weiter. Sonja Schrapp wechselt nach ihrer Übernahme des
Schreibwarengeschäfts Mareis von Hauptstr. 12 hierher und führt den Laden als Papeterie. Das Haus wird renoviert, erhält neue Fenster und eine automatische Eingangstüre. Nach 2007 wird der Sockel mit Naturstein-Riemchen verkleidet.

2026 schließt Frau Schrapp das Geschäft in Weißenhorn wegen der schlechten Frequenz und verlegt sich nach Vöhringen. In den Laden zieht ein Comic-Verkauf ein.


