Wohnhäuser

Reichenbacher Str. 7

Lageplan

Im Jahr 1465 sind Jacob und Peter Scheiner hier als Eigentümer geführt. 1475 ist es nur Jacob Scheiner. Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. 1492 ist Jorig Werlen genannt.

Vermutete Zweitbebauung 1503

Jorg Werlen wohnt 1502 auf Memminger Str. 5, vermutl. während der Zeit des Neubaus des Hauses, denn 1503 ist Georg Werlin (Schreibweise oder Nachkomme?) gemeldet und 1511 wieder Jorg Werlin (Schreibweise oder Nachkomme?).

1515 stehen Jos Blersperger und sein Tochtermann Moritz im Steuerbuch. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. 1548 wird Bartholomäus Leberwurst (ab 1562 auf Reichenbacher Str. 5) vermerkt. Nach Aufgabe der Nachbarbebauung Reichenbacher Str. 7.1 wird das Grundstück unter den Nachbarn Reichenbacher Str. 7 und 9 aufgeteilt. 1551 werden als Eigentümer Mathes Widemann, Knecht, und Thomas Spreng, Seiler, genannt; 1559 Matheus Widemann als Alleineigentümer.

Von 1562-1572 werden keine Bewohner hier vermerkt, das Grundstück war unbebaut oder leerstehend.

Dritte Bebauung 1572

1572 erfolgt unter Hans Clölein jun. eine Neubebauung des Grundstücks statt. 1578 erwirbt Mang Döckher das Gebäude, welches 1614 seine Witwe übernimmt: Behausung, Stadel und Hofraithen, Wert 435 fl.

1629 steht Hans Thoma im Steuerbuch; Behausung, Stadel und Hofraiten; Wert 900 fl (wohl mit Werten landw. Grundstücke). 1636 werden Michael Wörz Erben genannt, danach noch in diesem Jahrzehnt Daniel Lutzenberger, Kupferschmied. Der nächste Eigentümerwechsel erscheint erst 1674 mit Hans Jörg Lutzenberger und einem Wert von 500 fl. Der Hauswert ging von 435 fl im Jahr 1614 bis auf 375 fl im Jahr 1651 zurück. 1660 ist ein Steuerwert mit 500 fl angegeben, den das Haus auch die nächsten 100 Jahre behält.

Vermutete Viertbebauun 1974

Ein Neubau im Jahr 1674, durch Hans Jörg Lutzenberger ist wahrscheinlich, danach Verkauf an Mathes Stegelin. Einen Hans Jörg Lutzenberger finden wir ab 1706 wieder auf der Heilig-Geist-Str. 6, es ist aber nicht sicher, ob es sich hier um dieselbe Person handelt. Im Akt SG 7.2 wird die Schuldensituation des Hans Jörg Lutzenberger behandelt. Der Prozess geht bis 1680. Wahrscheinlich war Lutzenberger schon vorher gezwungen, sein Haus zu verkaufen.

Am 10.09.1675 wird Mathes Stegelin, Kramer, neuer Eigentümer. 1706 wird ein neuerbautes Erbhäusel (Austrag) erwähnt, dennoch erfolgt keine Erhöhung des Steuersatzes von 500 fl. Vielleicht erfolgte der Einbau in den bestehenden Stadel?

1716 gehört das Haus dem Buchbinder Johannes Fetsch1, der bis ca. 1760 hier blieb, sein Nachfolger war Josef Pfaffenzeller. Ab 1766 betreibt der Groß- und Kleinuhrmacher Franz Josef Ehrhardt hier sein Geschäft. Dieses wird am 08.08.1805 von Johann Klotz, Rösslwirt und Johann Nepomuk Britzger, Uhrmacher, übernommen. Joh. Nep. Britzger ist der Sohn des Kaufmanns Ignaz Britzger von Hauptstr. 2.

Neubau 1846

Das Haus geht am 06.11.1845 an Mathias Miller über, der aber im Bauantrag A 126-W5 schon 1837 als Nachbar genannt wird. Der Magistratskanzlist Miller stellte als Verwalter seines Schwagers Britzger von Witzighausen den Antrag, sein Wohnhaus wegen Baufälligkeit abzubrechen und neu aufzubauen. Der Neubau wurde aufgerichtet am 12.08.1846.

Am 10.09.1860 wird das Gebäude an Franz Bertele, Bauer von Biberachzell, verkauft. Die nächsten Eigentümer sind laut den Einwohnerverzeichnissen 1875 Lindner, Anton und Walburga, 1882 Martin Stölzle, Ökonom.

1906 kommt mit Matthäus Fischer wieder ein Uhrmacher auf dieses Haus. Er stellt 1909 den Antrag auf Anlage einer gepflasterten Straßenkandel vor den Häusern RB05-07, der Stadtrat sieht allerdings kein dringendes Bedürfnis hierfür. 1937 gehörte das Haus seiner Witwe Maria Fischer und 1948 ist der Fuhrunternehmer Ernst Durchschein bereits Eigentümer.

Nicht geklärt ist, wann die beiden mittleren Fensterachsen des Hauses zugemauert wurden. Im Luftbild 1933 sind noch 4 Achsen zu sehen, 1957 waren die Fenster bereits zugemauert. 1971 waren noch die ursprünglichen Fenster eingebaut, der Zeitpunkt des Austauschs gegen Einscheibenfenster ist unbekannt.

Durchschein ist 1968 noch Eigentümer, 1977 steht er nicht mehr im Adressbuch und Eigentümer sind nicht mehr gekennzeichnet.

  1. Hier dürfte ein Bezug zum Bräuhausbeständer Johann Fetsch bestehen, der bisher noch nicht genau erforscht ist. Möglicherweise ist Johannes Fetsch der Vater des Johann Fetsch auf dem Bräuhaus. ↩︎

Reichenbacher Str. 7.1

Lageplan

Die Existenz und Lage dieses Gebäudes ist hypothetisch. Nach den Lage- und Steuerbeschrieben der damaligen Zeit wird ein Gebäude an dieser Stelle vermutet. Beweise in Form von archäologischen Funden konnten noch nicht erbracht werden. Dieser Beitrag ist daher mit Vorbehalt zu betrachten.

Es wird sich um ein relativ kleines und einfaches Gebäude gehandelt haben, denn nur für die Zeit von 1499-1517 bzw. 1548 lassen sich hier Eigentümer zuordnen. Damals wurde die Lage der Häuser durch die Angabe der linken und rechten Nachbarn bescvhrieben. Da sich an dieser Stelle in den Steuerbüchern Nachbarn zuordnen lassen liegt die Vermutung nahe, dass hier ein Haus gestanden haben könnte.

Im Jahr 1499 wird im Steuerbuch B 83 erstmals das Haus eines Hanns Groß erwähnt. Im Lagebeschrieb des Jahres 1507 heißt es Hans Groß, Haus Hofraitin und Gartin zwischen Georgin Werlins Hofraitin und dem Krautgarten. Georg Werlin lässt sich sicher dem Haus Reichenbacher Str. 7 (Nr. 99) zuordnen. Auch 1517 wird Hanns Gros im Steuerbuch erwähnt.

Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. Im Steuerbuch B 84 für 1548 ist Hanns Gros eingetragen, der Eintrag wurde aber gestrichen. Das bedeutet, dass 1548 hier kein Haus mehr gestanden hat. Es wird angenommen, dass das Haus von Hans Gros aufgegeben wurde. Das Grundstück wurde anschließend unter den Nachbarn Reichenbacher Str. 7 und 9 aufgeteilt.

Möglicherweise ist diese Eintragung aber auch dem Grundstück Reichenbacher Str. 4 zuzuordnen. Demnach hätte Hans Gros dann zwischen 1518 und 1548 das Haus hier aufgegeben und in der Reichenbacher Str. 4 ein neues Haus gebaut, welches 1548 von Jergen Schmids Nachkommen übernommen worden wäre.

Der tatsächliche Sachverhält lässt sich aus den spärlichen Angaben nicht sicher rekonstruieren.

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