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Roggenburger Str. 38 – Vom Bierkeller zum Wohnhaus

Was heute wie ein normales Einfamilienhaus aussieht, war früher einmal der Bierkeller mit Fasshaus der Lammbrauerei.

1858 wollte auch der Lammwirt Josef Hemmerle einen größeren Lagerbierkeller an der Roggenburger Straße haben. Er brachte vor: Mein Sommerbierkeller unter meiner Wirthschaft ist so unpraktisch, daß er schon Ende Mai warm wird, u. das Lagerbier in demselben länger nie aufbewahrt werden kann. Er habe daher zum schwunghaften Betriebe meiner Bräuerei an der Roggenburger Straße neben der städt. Sandgrube von dem Söldner Thaddä Probst einen Acker mit 88 Dezimalen (3000 m²) gekauft. Den Straßengraben möchte er mit einem gemauerten gewölbten Durchlass überqueren und verpflichtete sich auch zu dessen Unterhalt. Die Baukommission forderte einen Abstand von mind 4′ (ca. 1,20 m) zur Straßenallee und behielt sich eine Aussteckung an Ort und Stelle vor. 1881 baute Hämmerle an Stelle des bisherigen, überwölbten Kellerhauses ein neues Fasshaus. 1887 wurde der Lagerkeller vergrößert.

1905 wurde ein Bauantrag zum Umbau des baufälligen Fasshauses gestellt. Es ist nicht klar, ob der Umbau auch durchgeführt wurde, denn im Kataster 1921 ist das Fasshaus nicht mehr dargestellt. Der Gasthof Lamm wurde zu noch nicht bekanntem Zeitpunkt an Christian Keller verkauft. Das Fasshaus gehörte wohl nicht zur Kaufmasse, es wurde abgebrochen und das Grundstück verkauft.

Wohl um 1922 erwarb der Sägewerksbesitzer Josef Lutz (Roggenburger Str. 3, jetzt Schulstr. 39) das Grundstück und bebaute es mit einem Wohnhaus. Am 31.03.1922 beschloss der Stadtrat: Gegen das Wohnhausbaugesuch … bestehen keine Bedenken, wenn durch das vorspringende Dach und die Galerie keine schädigenden Einflüsse auf den Straßenkörper entstehen werden. Hieraus kann geschlossen werden, dass die Bau- und Dachform unüblich war. Fraglich ist, ob das Haus dann auch so gebaut werden, denn das jetzt noch stehende Haus ist nicht auffallend extravagant. Womöglich wurde der Neubau auf dem alten Keller aufgebaut und der Keller befindet sich noch immer unter dem Wohnhaus. 1923 ließ Lutz auf eigene Kosten eine Stromleitung von seinem Betrieb zu seinem Wohnhaus bauen. Auch hier stimmte der Stadtrat nur unter einer Bedingung zu ‚wenn durch die Mastaufstellung an den Obstbäumen keinerlei Schaden angerichtet wird.‘

Die Firma Lutz löste sich um 1925 auf, evtl. durch die Folgen der Inflation. Alle Immobilien wurden durch die Bay. Vereinsbank verkauft. Der Zeitpunkt der Übernahme durch Anton Deibler, Gerbermeister, GZ01, ist nicht überliefert. Vermutlich um 1930 zog sich Deibler hierher auf seinen Alterssitz zurück.

1975 wurde das Wohnhaus modernisiert. Im Zuge des Ausbaus der Roggenburger Str. wurde eine Stützmauer zur Straße errichtet.

Quellen:

Quellen:
1, 2 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
3 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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