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Memminger Str. 45 – Weiße Eule

Das um 1735 erbaute Gebäude wurde als Gärtnerei errichtet und nach einem Brand 1841 neu aufgebaut. Ab 1862 war hier eine Gerberei, ab 1957 eine Zigarrenfabrik und sei 1987 wird es gastronomisch genutzt.

Vorgängerbau 1730-1841

In den 1730er-Jahren erwirbt der Gärtner Leonard Lang das Grundstück und bebaut es neu mit Behausung und Garten, Grundstückswert 175 fl, Zuschlag von 225 fl wegen neuerbauter Behausung. Leonard Lang wechselt zu einem nicht bekannten Zeitpunkt auf das Haus Memminger Str. 40. Das Haus geht in den 1740er-Jahren an Mathias Fed und am 25.08.1752 an den Gärtner Christian Erhard. Der Wert wird mit 425 fl angegeben. Am 16.04.1796 übergibt er die Gärtnerei an seinen gleichnamigen Sohn.

1841 ist das Haus abgebrannt.

Neubebauung 1841

Am 17.06.1841 kauft der Zimmermeister Johann Ott vom Gärtner Christian Erhardt dessen abgebranntes Wohnhaus und möchte auf dem unbeschädigten Keller das Haus neu errichten. Den Haupteingang möchte er nun von Süden her anlegen.

1842 baut Zimmermeister Johann Ott an die Grenze der Verbindung zur Roggenburger Str. eine Holzremise. Außerdem ebnet er den Einfahrtsbereich und bricht das Straßeneck zur besseren Befahrbarkeit mit Fuhrwerken und zur Verschönerung der Ansicht. Der an die Stadt kostenfrei abgetretene Grund beträgt 50 Quadratfuß. Ab 1843 ist der gräfl. Revierjäger Mathias Röhrle Mitbewohner. 1843 vergrößert Zimmermeister Ott seine Remise und möchte dorthin den Viehstall und die Dunglege verlegen. Die Baukommission wendet sich aber gegen die Lage dieser Dunglege unmittelbar neben der Straße. Auch das LG Roggenburg vertritt diese Ansicht, so dass Ott seinen Plan abändert, von der Straße abrückt und nur eine Zufahrt durch seine Hecke zu der Dunglege herstellt.

Am 14.06.1847 hat Zimmermeister Ott sein Wohnhaus an den Fugg. Revierjäger Fritz Warzula aus Wullenstetten verkauft und baut für sich ein neues Wohnhaus mit Ökonomiegebäude südlich in den Garten, heute Memminger Str. 47. Am 29.01.1848 wird der Verkauf protokolliert.

Am 04.02.1862 verkauft Friedrich Warzula an den Rotgerber Michael Deibler. Dieser verkauft am 23.05.1879 das Haus weiter an den Gerber Josef Kurz, bleibt aber im Haus als Austrag wohnen. 1899 werden Teile der Umfassungswände erneuert. Am 03.08.1904 macht Josef Kurz im Rothtalboten die Versteigerung seines Inventars bekannt, ein Grund hierfür ist nicht angegeben. 1937 werden weitere bauliche Maßnahmen am Gebäude durchgeführt.

1946 wird im Bauantrag über den Anbau eines Maschinen- und Arbeitsraumes Zenta Kurz als Bauherrin genannt. 1948 ist die Gerberei an Georg Hurler übergegangen. Dieser baut 1949 ein neues Werkstatt- und Lagergebäude und baut 1952 ein Schaufenster ein.

1957 wird die Gerberei aufgegeben und das Anwesen geteilt. Die Zigarrenfabrik Schaefer GmbH aus Heidenheim übernimmt das Werkstattgebäude, baut es für ihre Zwecke um und stellt hier Zigarren unter dem Namen „Weiße Eule“her. [5]Die Zigarrenfabrik Schaefer wurde 1847 in Heidenheim gegründet und betrieb neben Weißenhorn Filialen in Schnaitheim, Gerstetten, Rödersheim, Langenau und Steinheim. 1977 wurde sie von der Fa. … Continue reading Zeitgleich hat die Fa. Schaefer auch das Gebäude Hauptplatz 8 erworben und dort ebenfalls Zigarren produziert. Dort endete die Produktion 1969. Wie lange hier in der Memminger Str. 45 Zigarren produziert wurden ist nicht bekannt. Das Wohnhaus blieb bei der Fam. Hurler. 1967 baute Kreszenz Hurler das Wohnhaus um, hierbei wurde das Schaufenster entfernt und durch ein normales Fenster ersetzt.

Nach dem Ende der Zigarrenproduktion wurde das Gebäude nurmehr teilweise genutzt. Die Werkstatt pachtete um 1977 für ein paar Jahre die Fa. Reinz Dichtungen. Das Haus zeigte sich zunehmend in schlechtem Pflegezustand. 1987 erwarb ein Investor aus Blaubeuren das Objekt und baute es zu einer Gastronomie um. 1988 wurde eine Spielhalle beantragt, aber nicht genehmigt. Mit diesem Verkauf begann eine lange Zeit der problematischen Gaststättennutzung. Mehrmalige Anträge auf die Errichtung einer Spielhalle wurden vom Bauausschuss und vom Landratsamt abgelehnt. Die Gaststätte „Wurzelsepp“ bekam einen schlechten Ruf. Die Bausubstanz wurde vernachlässigt. 1991 wurde die Gaststätte umgebaut und nun unter dem Namen ‚Seemannsbar‘ weitergeführt, was den Ruf auch nicht verbesserte. Es wurden immer wieder zweifelhafte Konzepte vorgelegt, so 2001 die Umnutzung eines Lagerraumes in einen Clubraum ‚Golden Bear Saloon‘. 2008 sollte die Gaststättennutzung aufgegeben werden und das Gebäude zu Wohnungen umgebaut werden, 2009 wurde dann aber doch noch einmal eine Spielhalle beantragt und wieder nicht genehmigt.

Beim Ausbau der Memminger Str. 1993 wird das Straßeneck abgerundet und eine Stützmauer als Abgrenzung erstellt.

Erst 2011 wird das Gebäude verkauft. Der neue Eigentümer saniert das Haus und baut ein Café-Restaurant mit Catering-Service ein. Hiermit kommt das Gebäude wieder in ordentliche Hände. Es wird saniert und eine neue Wirtschaft eingerichtet. Diese erhält in Anlehnung an die ehemalige Zigarrenfabrik den Namen „S’Eulen Café“.

Quellen:

Quellen:
1, 2, 3 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
4 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
5 Die Zigarrenfabrik Schaefer wurde 1847 in Heidenheim gegründet und betrieb neben Weißenhorn Filialen in Schnaitheim, Gerstetten, Rödersheim, Langenau und Steinheim. 1977 wurde sie von der Fa. Villiger Söhne übernommen und produziert dort heute noch Zigarren unter dem Namen Weiße Eule.

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