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Martin-Kuen-Str. 4 – die ehemalige Mang

Das Haus beherbergte bis 1708 eine Mang und bis 1831 eine Färberei. Das heutige Gebäude wurde 1882 nach einem Brand neu errichtet.

Vorgängerbau

Der erste nachweisbare Eigentümer dieses Grundstücks war im Jahr 1465 Joß Papelin. Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. Die Familie Papelin (auch Boppelin oder Bopfelin geschrieben) war über mehrere Generationen hier und ist bis 1517 hier verzeichnet. Für die Jahre 1518-1544 liegen keine Aufzeichnungen vor, so dass nicht gesagt werden kann, wann das Haus an andere Eigentümer überging. Die genaue Abfolge der Besitzer kann bei Interesse dem beil. Datenblatt entnommen werden.

Im Jahr 1511 ist das Anwesen erstmals als Mang bezeichnet. Zu dieser Zeit konnte Wäsche noch nicht im eigenen Haushalt gebügelt werden, so dass die Bügelwäsche bei der ‚Mang‘ abgegeben wurde. Diese Mang war eine halböffentliche Aufgabe, der Mangmeister war verpflichtet, diese Arbeiten für jedermann auszuführen. Eine solche Verpflichtung wurde als Ehehäfte bezeichnet.

1548 ist im Zinsbuch der Liebfrauenpfleg als Eigentümer ein Michael Schuster genannt, im Steuerbuch B 304 Michael Heberlin. Dieser ist 1559 als Vogt von Beuren bezeichnet. Diese Differenz konnte nicht geklärt werden. Möglicherweise war Heberlin der rechtliche Inhaber der Ehehäfte und Michael Schuster der Inhaber vor Ort. Er wird auch Färber gewesen sein, eine Färberei und eine Mang wurden oft zusammen betrieben. Beim nächsten Eigentümer Christopf Wimpfer wird 1567 der Beruf explizit als Färber angegeben.

1594 ist ein Matheus Pfürz als Eigentümer angegeben, dieser wird 1607 Fehr geschrieben und als Färber genannt. 1614 wird die Liegenschaft als Behausung oder Mang bezeichnet mit einem Wert von 700 fl. Zusätzlich ist ein Stadel auf Wettbach 13 erwähnt. 1620 übernimmt der Sohn Thomas Fehr, Färber, das Haus.

1636 verkaufen Thomas Fehrs Erben Behausung und Mang an den Färber Michael Berchtold mit einem Wert von 450 fl, der sich bis 1651 infolge des 30-jährigen Krieges weiter auf 337 fl reduziert. 1679 werden Behausung, Gärtlin und Mang an den Sohn Michael Berchtold jun. zugeschrieben. Am 26.10.1708 übernimmt der Sohn Stephan das Anwesen. Hier ist jetzt beim Kauf die Mang nicht mehr erwähnt.

Michael Berchtold hatte 3 Söhne. Michael und Anton traten in den Kriegsdienst bei den Prinz Eugen Dragonern und fielen im Feld. Während ihrer Kriegsdienstzeit wurde das Vermögen von Pflegern verwaltet. Nach der Abrechnung 1728 wurde das Erbe an Stephan Berchtold übergeben. Stephan Berchtold stirbt 1747. Seine Witwe führt den Betrieb noch weiter bis 1773. als die Färberei an den nächsten Sohn Johann Nepomuk Berchtold überging. Er starb zu einem nicht überlieferten Zeitpunkt, woraufhin die Färberei von seiner Witwe Johanna weitergeführt wird. Sie stirbt am 08.01.1799 und ihr Sohn Josef Berchtold übernimmt zum 18.01.1799 Haus und Geschäft. Nach seinem Tod um 1824 wird der Betrieb auch von seiner Witwe Magdalena weiter geleitet.

Am 09.01.1827 heiratet der Färber Rudolf Zeller eine Tochter des Josef Berchtold und übernimmt so das Haus. Magdalena und Judith Berchtold haben lebenslanges Wohnrecht in dem Gebäude. Nach 191 Jahren im Familienbesitz endet 1831 die Ära der Berchtold auf diesem Haus. Es folgt ein häufiger Eigentümerwechsel.

Am 20.04.1831 kauft Jonas Levinger von Hürben (wohl ein jüdischer Immobilienhändler als Aufkäufer) das Anwesen und verkauft es am 01.06.1832 an Karl Fahrenschon, Melber (Mehlhändler) oder Hucker, der das Haus um 1838 an Joseph Bestler weiterverkauft. Am 09.03.1839 kaufte der Spengler Joseph Wersing das Gebäude und richtete dort eine Spenglerei ein, die dann bis ca. 2010 hier auch betrieben wurde.

1847 kaufte der Spenglermeister Joh. Nep. Bader aus Illertissen von Joseph Wersing dessen Spenglerei Hs.Nr. 33 und möchte nach Weißenhorn übersiedeln. Eigentümer wird dann aber am 31.08.1848 sein Sohn Josef und dessen Ehefrau Elisabeth Bader, geb. Spengler (auch Beruf!), Wohnhaus, Stadel, Wurzgarten und Hofraum. 1855 sind Nepomuk und Niklaus Bader im Einwohnerverzeichnis genannt. 1863 führte der Spenglermeister Nepomuk Bader einen Werkstattanbau durch.

In einem weiteren Bauantrag sucht er um die polizeiliche Bewilligung zu einem Anbau an seinen Stadel nach. Dies wurde am 02.05.1863 aus Feuerschutzgründen abgelehnt. Als nächstes beantragt er den Anbau einer Speisekammer an seine Werkstätte. Auch dies wird am 12.06.1863 aus Feuerschutzgründen abgelehnt. Unter Einschaltung des königlichen Advokaten Frieß aus Memmingen wurde die Genehmigung am 25.07.1863 von der Regierung v. Schwaben und Neuburg dann doch erteilt. So ganz falsch mögen die Feuerschutz-Bedenken nicht gewesen sein, denn im Jahr 1882 brennt das alte Haus ab.

Neubebauung 1882

Nepomuk Bader ersetzt das abgebrannte Haus durch einen Neubau. Der östliche Werkstattanbau von 1863 bleibt beim Neubau erhalten. Etwas irritierend ist eine Verkaufsnotiz vom 07.05.1890 an den Maurer Josef Fingerle, weil Bader 1892 noch als Bauherr eines Kaminneubaus geführt wird.

Am 12.10.1893 erwerben die Spenglerseheleute Jakob und Pauline Hartmann das Haus und führen die Spenglerei fort. Sie vererben den Betrieb am 11.04.1908 an ihren Sohn Jakob Hartmann. Dieser gibt den Betrieb am 07.02.1928 an den Flaschnermeister Fritz Brick weiter. Brick verlängert das Haus 1937 durch einen Werkstattanbau nach Norden. 1953 wird der Laden umgebaut und vergrößert. Dabei werden dem Zeitgeschmack entsprechende große Schaufenster eingebaut. 1960 wird die Wohnung über den nördl. Werkstattanbau verlängert und hier ein zeitgenössisches Blumenfenster eingebaut. Bei dieser Gelegenheit werden auch die Fenster des Hauses durch Einscheibenfenster ersetzt.

Schon um 1959 war sein Schwiegersohn Franz Klaus als Spengler in das Gescäft eingetreten und führte es nach Fritz Bricks Tod fort.

Um 2010 wurde der Betrieb aufgegeben und verkauft. Die neuen Eigentümer sanierten das Haus und verlegten die Chocolaterie von der Hauptstr. 23 nach hierher. Bei der Sanierung wurden wieder Sprossenfenster eingebaut und die Schaufenster in der Größe deutlich reduziert. Die Chocolaterie wurde 2021 coronabedingt aufgegeben.

Quellen:

Quellen:
1 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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