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Kaiser-Karl-Str. 9 – städtebaulicher Neuanfang 1993

Das 1845 errichtete Vorgängergebäude wurde um 1973 abgebrochen um die Kaiser-Karl-Str. zu verbreitern. Nach dem Abbruch der Gebäude der Fa. Sälzle & Schneider (Blumengasse 1) wurde das Gebiet städtebaulich neu geordnet.

Vorgängerbebauung

Die erste Bebauung auf diesem Grundstück fand 1845 statt, als der Bürstenbinder Ulrich Sauter (vorher Mieter auf MM12) in einen Teil des Gartens des Gärtners Franz Sailer ein Wohnhaus bauen will. Die Baukommission setzt die Baulinie fest und stimmt dem Plan zu. Ulrich Sauter kauft das Grundstück am 14.03.1846. Irgendwie war Sauter aber scheinbar mit seinem Haus nicht zufrieden, denn er vertauscht es am 23.06.1854 mit dem Haus Memminger Str. 36 des Loderer Anton Kassenetter mit Frau Theresia. Kassenetter hatte 1841 das Haus Schulstr. 34 neu erbaut und dieses 1845 gegen das Haus Memminger Str. 36 des Thaddä Lederer vertauscht.

Diese Wechsel können nicht erklärt werden. Kassenetters Familie bleibt dann aber bis 1932 auf diesem Haus. Am 28.01.1868 übernehmen seine Witwe und seine Söhne das Haus, am 01.11.1869 ist der Sohn Anton mit seiner Frau Anna Weber durch Übergabe Alleineigentümer. 1878 baut er das Haus nach Norden an. 1882 wird er als Maurer bezeichnet.

Kassenetters Sohn Johann lernte Steinmetz und übernahm um 1906 das Haus. Er betrieb hier sein Handwerk bis ca. 1922, als seine Witwe Louise das Haus übernahm. Um 1932 kaufte die Witwe des Hutmachers Anton Mairock (Östl. Promenade 11) zusammen mit ihrem Sohn Josef Mairock das Haus. Am 24.08.1933 fragte die Witwe Mairock bei der Stadt an, ob an den Gerüchten, nach welchen ihr Haus wegen einer Straßenverbreiterung abgebrochen werden soll, etwas daran wäre. Sie wäre grundsätzlich bereit, ihr Haus zu verkaufen. Der Bürgermeister antwortete, diese Gerüchte entsprächen nicht den Tatsachen. Das war nicht ganz richtig, denn tatsächlich dachte man schon damals darüber nach, das Haus abzubrechen und die Kaiser-Karl-Straße zu verbreitern. Ein solcher Planeintrag ist in einem Lageplan vorhanden.

Josef Mairock war Kürschner und baute 1949 ein Schaufenster für sein Geschäft ein. Er handelte aber auch mit Möbeln, richtet hierfür 1951 einen provisorischen Möbel-Ausstellungsraum ein und vergrößerte deswegen noch einmal das Schaufenster.

Die Lage des Gebäudes und die Engstellen in der Kaiser-Karl.Str. entwickelten sich immer mehr zum Problem. Für den wachsenden Autoverkehr war die Hauptstraße als Durchgangsstraße zu schmal und die Höhenbeschränkungen der beiden Stadttore ließen keinen Lkw-Verkehr zu. So wurde schon 1932 die Kaiser-Karl-Str. als Notstandsarbeit ausgebaut. Als im Jahr 1972 das Haus Kaiser-Karl-Str. 9 zum Verkauf stand, griff die Stadt zu, kaufte das Haus und ließ es abbrechen. Anschließend wurde die Kaiser-Karl-Straße 1974 hier verbreitert und mit beidseitigen Gehwegen versehen. Die Einmündung Blumengasse wurde neu als Grünfläche gestaltet.

Neubau 1993

Im Rahmen der Altstadtsanierung sollte dieser Bereich neugestaltet werden. Um 1986 wurde der Lebensmittelgroßhandelsbetrieb Sälzle und Schneider in der Blumengasse aufgegeben. (Die Vorgängerbebauung Blumengasse1 wird in einem eigenen Beitrag behandelt.) Die Stadt konnte 1988 das Grundstück mit Städtebauförderungsmitteln erwerben und lobte für die Neugestaltung dieses Quartiers einen städtebaulichen Wettbewerb mit dem Ziel einer Wohnbebauung und einer Quartiersgarage aus. Der Ulmer Architekt Dr. Romano Cinetto erhielt den Zuschlag aus dem Wettbewerb. Für die Realisierung konnte ein Investor gefunden werden. Die Stadt beschloss 1991, für das Vorhaben einen Bebauungsplan aufzustellen. Schon in diesem B-Plan war vorgesehen, die Kolumbusgasse gerade bis zur Kaiser-Karl-Str. durchzuführen um eine Sichtachse zur evangelischen Kirche herzustellen. Diese Idee konnte dann aber erst mit der Neubebauung Kaiser-Karl-Str. 11-15 im Jahr 2014 verwirklicht werden.

Wegen der knappen Parkplätze im Altstadtbereich ging die Stadt davon aus, dass ein Interesse am Bau einer Quartiersgarage vorhanden sei, um Anwohnern die Möglichkeit des Kaufs eines Stellplatzes zu bieten. Anfangs wurde auch großes Interesse bekundet. Der Gestehungspreis eines Tiefgaragenstellplatzes war den meisten Interessenten dann aber doch zu hoch, so dass es fast 15 Jahre dauerte, bis die Stellplätze verkauft waren.

Zu dieser Zeit war das Verhältnis zwischen der Stadt Weißenhorn und dem Landkreis wegen der Haltung der Stadt zum Bau einer Müllverbrennungsanlage gespannt. Da die alte Kläranlage der Stadt damals überlastet war und die geforderten Werte nicht einhalten konnte, ordnete das Landratsamt einen Baustopp in Weißenhorn an, nachdem keine neuen Bauvorhaben mehr genehmigt wurden. Die damalige Baujuristin des LRA, Dr. Beate Merk (später OB von Neu-Ulm und bay. Justizministerin) legte das Neubauverbot sehr formalistisch aus und argumentierte, durch die Aufstellung eines B-Planes würde neues Baurecht geschaffen und die Bauten könnten nicht genehmigt werden. Nach einer geringfügigen Verschiebung der Baukörper 1993 wurde aber eine Baugenehmigung im Altbestand gem. § 34 BauGB erteilt. Der B-Plan wurde daraufhin nicht zu Ende geführt.

Von 1993 bis 1995 wurden die neuen Bauten errichtet.

Quellen:

Quellen:
1, 4, 5, 6, 7 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
2, 3, 8, 9, 10, 11, 12 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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