Aktuell,  Hauptplatz 5,  private Gebäude

Hauptplatz 5 – Dolce Vita

Eines der dominierenden Häuser am Hauptplatz, es gehört zur ältesten Bebauung der Stadt. Es ist der dritte Bau an dieser Stelle, mit einem Treppengiebel von 1948.

Erster Vorgängerbau

Eigentümer dieses Hauses vor 1492 sind archivalisch nicht feststellbar. Es wird daher für wahrscheinlich gehalten, dass das Grundstück 1492 erstmals bebaut wurde. Der erste bestimmbare Eigentümer heißt Hans Endris und wird auch noch 1496 in der Steuerliste geführt. 1504 steht Swartz Beck in der Liste und 1505 ist es Laurentz Scheyttlin. Der Name Scheyttlin ist 1508 gestrichen und durch den Namen Ull ersetzt. Dieser Name erscheint auch 1509 und in 1514 kommt Ursula Reiblin als Miteigentümerin hinzu. 1515 wird der Name Lorentz Schemle geschrieben. Einen Paul Reible finden wir 1515 auf Hauptplatz 3. Im Jahr 1517 heißt es im Steuerbuch Lena Schemle genant Ull, so dass man davon ausgehen kann, dass es sich hier immer um dieselbe Person handelt. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.

Im Jahr 1548 wird der Eigentümer Cristoff Schopper, Schmid, genannt, vermutl. der Sohn von Peter Schopper, Hauptplatz 6. Es ist nicht dokumentiert, wann Cristoff Schopper das Haus übernahm. Offenbar wurde hier eine Schmiede betrieben, sein Sohn Hans Diepolt wird 1551 als Nachfolger genannt und 1556 als Schmied vor dem Tor bezeichnet. 1551 kaufte Hans Diepold auch das Nachbargebäude Hauptplatz 6 von Peter Schoppers Witwe. Hans Diepold wird letztmals 1581 hier genannt.

Im Jahr 1587 wird das Haus nicht mehr genannt, auch das Nachbarhaus HP06 wird von 1556-1572 nicht mehr genannt. Es wird daher angenommen, dass beide Häuser leer standen oder abgebrochen wurden.

Zweiter Vorgängerbau

1594 erscheint das Haus wieder im Steuerbuch. Der neue Eigentümer heißt Blasy Algeyer und wohnte vorher im Rückgebäude von Reichenbacher Str. 5. Die Steuerlast ist dreimal so hoch wie die des letzten Eigentümers in 1581. Daher kann von einem Neubau oder einer umfassenden Reparatur des Altbestandes ausgegangen werden. 1595 ist Matheus Algeyer, wohl der Sohn, als Besitzer genannt. 1604 wohnt hier Jacob Petter, Vogt zu Autenried. Auch 1614 gehört ihm das Haus noch, die Gebäudebeschreibung ist aber gestrichen und ein Wert ist nicht genannt. Daraus kann gefolgert werden, dass das Haus zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bestand. Anschließend der Hinweis: Georg Khonn zugeschrieben.

Die aus den Steuerbüchern entnommenen Fakten lassen sich nicht ohne weiteres glaubhaft erklären. So kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob das Haus nur einige Jahre leer stand, dann um 1594 renoviert wurde und letztlich 1614 doch aufgegeben wurde oder ob es 1587 abgebrochen und 1594 nur durch einen kleinen Neubau ersetzt wurde, der 1614 doch nicht mehr reichte und nach nur 20 Jahren wieder aufgegeben wurde.

Neubebauung 1620

Mit Sicherheit kann davon ausgegangen werden, dass Hans Kohnn um 1620 ein neues Haus baute, denn es wird 1620 im Steuerbuch B 87 mit Behausung, Stadel und Hofraithen neu aufgeschrieben. Der Wert wird mit 600 fl neu angesetzt. Bei Hans Kohnn dürfte es sich um den Sohn des Georg Khonn vom Anwesen HPxx handeln. Georg Khonn müsste zwischen 1617 und 1620 gestorben sein, da ab 1620 seine Witwe unter HPxx genannt ist. Also wurde das Haus HPxx zuerst ihm zugeschrieben und nach seinem Tod 1620 an den Sohn Hans übertragen.

1636 geht das Haus an Stefan Keuffel mit einem Wert von 450 fl. Erwähnt wird noch ein Stadel mit Garten in der Langen Gasse (Kammerlanderstr.) zwischen Handgäßlein (Jägergasse) und dem oberen Stadtgarten. 1674 ist Stefan Käuffel, vermutlich der Sohn als Erbe. Erwähnt wird ein anerkauftes Gartenplätzchen, d.h. ein Grundstückszukauf.

Um 1677 übernimmt der Metzger Martin Böck das Gebäude und einen Stadel beim Oberen Krautgarten; Wert 550 fl für das Haus und 80 fl für den Stadel. Der Stadel mit Garten in der Langen Gasse wird Melchior Käuffel (Unterer Garnsieder, Untere Mühlstr. 10x) zugeschrieben. 1692 erwirbt Martin Böckh zusätzlich vom Nachbarn Hans Beetz, Hauptplatz 6, eine Grundstücksfläche für 90 fl, auf der er einen neuen Stadel baut. Der Steuerwert wird danach auf 200 fl festgelegt. Der Stadel am Oberen Krautgarten wird 1706 nicht mehr genannt. Weil das Grundstück auch bei anderen Eigentümern sonst nicht mehr aufgeführt wird, kann angenommen werden, dass er nicht mehr bestand.

Am 22.01.1732 verkauft Martin Beck, Metzger, das Haus für 956 fl an seinen Sohn Josef Beck, Metzger. Nach dessen Tod übernimmt seine Witwe am 11.08.1741das Haus und verkauft es am 28.09.1741 an den Barbier Franz Sayler. Dieser heiratet am 28.09.1741 die Jungfrau Agnes Dietsch, Tochter des Lodwebers Jörg Dietsch. Für den 16.09.1743 ist im Steuerbuch der Eigentumsübergang an den Barbier Martin Roth vermerkt. Martin Roth war zu dieser Zeit auch Barbier auf dem Haus Memminger Str. 12 und blieb dort auch. Die Umstände des Eigentumsübergangs sind nicht bekannt, es könnte sich auch um einen gleichnamigen Sohn und eine Heirat handeln.

Am 06.02.1756 kauft der Schneider Franz Widemann das Haus mit einem Wert von 680 fl. Widemann machte offenbar Schulden, es sind zwei Schuldprozesse gegen ihn aktenkundig, 1759 eine Schuldsache Johannes Mayers, Handelsmann in Memmingen contra Franz Widemann, Cramer in Weißenhorn und 1760 Zobel zu Memmingen contra Franz Widemann Schneid und Cramer zu Weissenhorn pcto Debit.

Am 03.06.1767 wird der Seifensieder Jakob Stigele neuer Eigentümer des Hauses. Im Akt P 53 ist eine Waisenpflegschaft für einen Jacob Stigele, Seifensieder, von 1764-1765 behandelt. Eine eindeutige Zuordnung zu einem Familienzweig Stigele ist nicht gegeben. Nach der Konstellation der Personen erscheint die Zuordnung zu Michael Stigele [Prof.-Jann-Gasse 1] für am wahrscheinlichsten. 1764 war Jacob Stigele als Seifensiedergeselle auf Wanderschaft in Straubing. Es ist möglich, dass er sich nach seiner Rückkunft nach Weißenhorn ab 1767 auf Hauptplatz 5 niederließ. 1784 geriet auch Jacob Stigele in finanzielle Schwierigkeiten, an deren Ende der Verkauf des Hauses stand.

Der Weißgerber Bernhard Thalhofer erwirbt am 24.07.1784 das Haus. 1818 gehört es seinem Sohn Balthasar Thalhofer, Weißgerber und Viktoria Thalhofer, Witwe. Im Urkataster 1823 ist der Besitz beschrieben als Wohnhaus, Holzremise und Hofraum, dann der Ausgang zwischen den Stadeln und den Gärten auf die hintere Straße gemeinschaftlich mit Hs.Nr. 180.

Im Jahr 1824 sind im Steuerbuch B 99.1 Max Böhms Erben und im Akt A 7.182-211 Max Böhmes Kinder als Eigentümer eingetragen, im Einwohnerverzeichnis Xaveria Böhm, ledig und Franziska Holzer, Rentbeamtengattin. Max Böhm war der Apotheker auf Memminger Str. 10. Es ist unklar, ob das Haus gekauft oder durch verwandtschaftliche Beziehungen ererbt wurde. Die Böhmschen Relikten sind bis 1843 verzeichnet, danach Ignaz und Xaveria Böhm. 1861 kommt der Bäcker Nikolaus Klotz als Eigentümer hinzu, der das Haus um 1875 als Alleineigentum übernimmt. Klotz baut einen Backofen ein und baut 1878 den rückwärtigen Stadel neu. Hierzu wurde der alte Stadel abgebrochen.

Wohl um 1900 wurde das Haus vom Schuhmachermeister Silberbauer gekauft, 1906 ist seine Witwe Kreszenz als Eigentümerin genannt. Diese gab das Gebäude an ihren Sohn Karl, ebenfalls Schuhmacher, weiter, der 1922 im Einwohnerverzeichnis steht. Am 14.11.1930 kaufte die Stadt den Stadel für die Landwirtschaftsschule Schulstr. 4 für 4000 RM, die Protokollierung fand am 26.06.1931 statt.

1948 lässt Frau Genovefa Silberbaur große Teile der Umfassungsmauern des Gebäudes erneuern. Bis dahin war das Obergeschoss teilweise als Fachwerk ausgeführt, das EG trat im Norden gegenüber dem OG hervor. Außerdem wurde das DG ausgebaut und im EG ein Laden eingebaut. Die ursprüngliche Planung des Ladens musste aus gestalterischen Gründen geändert werden und erhielt eine Fassade mit großen Schaufenstern und zurückgesetztem Eingang. Bei dieser Renovierung wurde der Treppengiebel hergestellt.

Um 1952 wurde das Schuhgeschäft von Philipp Karcher übernommen, der im Hofraum einen neuen Lagerschuppen baute. 1963 wurde auch der östliche Giebel wegen Baufälligkeit erneuert. Um 1964 bezog der Obsthändler J. Felgenhauer den Laden.

Am 22.05.1970 eröffnete die Bay. Vereinsbank hier eine Filiale. Hierzu wurde der Laden umgebaut. Es wurde der Eingang vereinfacht und das Gesims zwischen den Geschossen abgetragen. Im OG wurden die Ofennischen entfernt. 1979 verlegte die Bayerische Vereinsbank ihre Bankfiliale vom Hauptplatz 5 in die Östliche Promenade 2. Der Laden wurde von der Fahrschule Hamm übernommen. Um 2000 übernahm der Pflegedienst Wüst die Ladenräume und verklebte die Schaufenster vollständig mit einer Folie.

2001 wurde das Haus verkauft. Der neue Eigentümer sanierte das Haus und entfernte das ehemalige Treppenhaus aus dem Gebäude, dafür wurde auf der Ostseite ein Anbau für ein Treppenhaus errichtet.

Im EG wurde 2004 ein Lokal eingebaut, die Crêperie „Crêpes Susette“. Diese hielt sich jedoch nicht lange. Die Familie d’Angelo übernahm das Lokal und richtete eine Pizzeria „Dolce Vita“ ein. Diese wurde 2021 aufgegeben und von einem neuen Betreiber unter anderem Namen weitergeführt.

Quellen:

Quellen:
1 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
2, 3, 4 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.