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Hauptplatz 3 – Bäckerei und Café Brenner

Der vierte Bau an dieser Stelle, der letzte Bau erst 2010 entstanden. Moderner Akzent in alter Umgebung.

Erster Vorgängerbau

Der erste nachweisbare Eigentümer auf diesem Grundstück war 1465 Jerg Berian. Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. Der Nachweis für Lienhardt Aubelin im Jahr 1496 ist nicht gesichert. 1497 sind Jorig Berians Erben hier genannt, denen auch das Haus Hauptplatz 2 gehörte. 1499 heißt der Eigentümer Jorig Berion, wohl der Sohn des vorigen.

Von 1502-1511 ist niemand auf dem Haus nachzuweisen. Vermutlich war das Haus aufgegeben und das Grundstück unbebaut.

Zweiter Vorgängerbau

1511 erscheinen Othmar Biderman und Enna Werzlerin als Eigentümer. Es wird von einem Neubau ausgegangen. Ein Otmar Bidermann war bereits 1475 auf Memminger Str. 24 verzeichnet. Biderman könnte eine Abwandlung von Berian sein. 1515 wechselt Othmar Biderman auf Memminger Str. 3 und der Wagner Paule Reible kommt auf das Haus, seine Mutter dürfte vorher auf Hauptplatz 5 gewohnt haben. Für die folgenden Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.

1548 ist der Wagner Martin Seyfart Eigentümer, ihm folgen 1562 Jheronimus Heckhel und 1587 Jörg Schlamp. Ab 1594 ist das Haus im Besitz der Familie Kohler, beginnend mit Claus Kohler. 1614 ist der Besitz beschrieben als Behausung, Hofraithen, Stadl und Garten; Wert 600 fl. 1629 tritt der Sohn Jacob Kohler die Nachfolge an, der Wert des Hauses sinkt bis 1651 wie bei so vielen Gebäuden während des 30-jährigen Kriegs auf 300 fl. 1674 ist Jacob gestorben, seine Witwe übernimmt das Haus, stirbt aber selbst bereits im nächsten Jahr, das Erbe wird aufgeteilt.

Am 05.05.1681 kauft der Nachbar von Hauptplatz 2, der Metzger Friedrich Staudt, das Haus für 450 fl. Er verkauft es am 04.04.1700 an die Witwe des Rösslewirts (Reichenbacher Str. 5) Catharina Kröz. Sie zieht hierher nach der Übergabe an ihren Sohn Bartholome. Catharina Krötz stirbtam 07.08.1707, das restliche Erbe wird aufgeteilt.

Das Haus wird dem Metzger Josef Böck zugeschrieben. Dieser verkauft es am 10.11.1731 seinem Sohn Franz Beck, Metzger, für 900 fl. Franz Beck heiratet die Jungfrau Viktoria Regenbogen, Tochter des Jägers Jörg Regenbogen aus Grafertshofen und der Mutter Viktoria. Der Verkaufspreis liegt somit doppelt so hoch wie die Steuertaxe! In den 1760er-Jahren wird ein Stadelneubau erwähnt, der mit zusätzlichen 75 fl taxiert wird. Am 07.02.1772 wird das Haus an den Sohn Joseph Beck, Metzger, übergeben. Der Vater stirbt am 01.05.1781.

Als nächsten Eigentümer finden wir ab 1810 den Metzger Johann Denzer, der 350 fl für das Haus und 150 fl zusätzl. Steuer wegen Branntweinbrennens als Wert festgesetzt bekommt. 1823 wird das Anwesen im Urkataster neu beschrieben: Wohnhaus, ein allein stehender Stadel mit Stall, dann Hofraum, ferner der Ausgang zwischen dem Stadel und den Gärten auf die hinteren Stadel gemeinschaftlich mit Hs.Nr. 182.

Am 20.09.1834 wird der Metzger Ottmar Stetter durch Heirat (der Witwe oder der Tochter) Eigentümer des Hauses und am 18.11.1837 der Metzger Carl Nieß, ebenfalls durch Heirat. Hier wird es sich vermutlich um die Witwe handeln. 1850 möchte der Metzger Karl Nieß an seinen Stadel einen Anbau nach Osten vornehmen. Während der nördliche Nachbar, Metzgermeister Johann Bader, dem Bau zustimmt, erhebt der südliche Nachbar, Ökonom Mathias Gollmützer, Einspruch gegen den Bau und fordert einen Abstand von 10′ zu dem Verbindungsweg (Färbergässchen). Er bemerkt, dass Nieß die gleiche Forderung ihm gegenüber erhoben habe, als er in seinen Garten (Schulstr. 4) im Jahre 1844 ein Haus habe bauen wollen. Baukommission und Magistrat halten den Einspruch Gollmützers für grundlos und genehmigen den Bau, allerdings unter der Voraussetzung, dass dieser massiv gebaut werde. Hiergegen wendet sich nun Nieß. Auch der bestehende Bau sei aus Fachwerk, und bei der Nutzung als Stadel sei ein ausgemauertes Fachwerk ebenso feuersicher wie ein massiver Bau. Durch die Mehrkosten entstehe ihm ein Schaden. Das LG Roggenburg hält sich für die Entscheidung nicht zuständig. Sie liege einzig in der Kompetenz der Stadt. Nieß beantragt eine nochmalige Behandlung durch den Stadtrat und verpflichtet sich, das Fachwerk mit Platten zu verkleiden. Der Magistrat lässt sich auf diesen Vorschlag ein und genehmigt den Bau am 12.04.1850. 1851 verlängert Nieß den Stadel nochmals nach Osten.

1875 steht Leopold Weltle im Einwohnerverzeichnis und 1882 der Metzger Max Bader (Verwandtschaft zu Bader auf HP02). Die Substanz wird wohl schlecht gewesen sein, denn 1883 wird das Haus an Johann Schuler verkauft und abgebrochen.

Neubebauung 1883

Johann Schuler kauft das alte Haus, bricht es ab und baut ein neues Haus. 1886 hat das Haus aber schon wieder seinen Besitzer gewechselt, Michael Leger erneuert die Stadelwand. 1906 gehört das Gebäude dem Bürstenmacher Johann Dangel. 1922 steht Michael Rau im Einwohnerverzeichnis und ab 1932 der Bürstenwarenhändler Karl Schneider. Schneider erhält 1950 die Genehmigung zum Einbau eines neuen Schaufensters und einer neuen Ladeneingangstüre. Da er von der Genehmigung jedoch keinen Gebrauch macht, wird diese noch einmal verlängert. Bei dieser Baumaßnahme wurde die Fassade vereinfacht, es entfiel die Bänderung und das Gesims.

1968 ist das Bürstenwarengeschäft an Karl Simmendinger übergegangen. Das Haus erhielt neue zweiflügelige Fenster. Der Laden wurde dann aufgegeben und vor 1977 an eine Fahrschule vermietet. 1979 wurde das Stadelgebäude im rückwärtigen Grundstücksteil abgerissen und durch ein neues Garagengebäude ersetzt.

Ab Beginn der 90er-Jahre wurde das Gebäude nicht mehr intensiv genutzt. Ein Kaufinteressent erhielt 1994 die Genehmigung zum Umbau des Gebäudes in eine Gastronomie. Das Vorhaben wurde aber nicht ausgeführt. Im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Hauptplatzes konnte 2009 doch ein neuer Käufer gefunden werden, der das alte Haus abbrach und einen Neubau errichtete. Die Bäckerei Brenner aus Senden-Wullenstetten pachtete den Laden und richtete hier ein Café ein. So gab es nach 20 Jahren auch wieder ein Kaffeehaus in Weißenhorn.

Nach einigem Zögern stimmte die Stadt einem dreigeschossigen Neubau zu, der 2010 fertiggestellt wurde und auf zwei Geschossen eine Bäckerei mit Tagescafé und Außenbewirtschaftung vorsah.

Quellen:

Quellen:
1, 2 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
3, 4, 5 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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