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Gaststätten und Gesellschaft

Mit dem Bierbrauen konnte damals wie heute gutes Geld verdient werden. Die Brauer zählten durch ihren Verdienst sowohl zu den wohlhabenderen Bürgern der Stadt, aber auch zu den größten Steuerzahlern. Durch den ständigen Kontakt zu den Gästen, aber auch zu den Zünften, waren sie stets über die Vorgänge im Städtchen informiert, sie wussten aber auch, wo die Bürger der Schuh drückt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Wirte auch stets politisches Gewicht entwickelten. Sie waren bekannt, vertrauensvoll und wirtschaftlich unabhängig. Die meisten Bürgermeister des 17. Und 18. Jahrhunderts waren Gastwirte, erst im 19. Jahrhundert kamen Handwerker und Händler in die Vorherrschaft.

Soziale Bedeutung der Gaststätten

Gaststätten sind nicht nur da, um den Durst zu stillen. Sie waren und sind Treffpunkte des sozialen Lebens. In den Gaststätten wurde gemeinsam gegessen, getrunken, gezecht, gespielt und die Freizeit verbracht. Private Besuche außerhalb der Familie in den Wohnungen und Häusern waren früher nicht üblich, waren doch viele Wohnung nicht einmal abgetrennt und auch nur sehr spärlich möbliert. Dies änderte sich erst im 20. Jahrhundert.

Aber irgendwo mussten ja die Neuigkeiten ausgetauscht, Geschäfte angebahnt und Bekanntschaften geschlossen werden. Die Zünfte mussten ihre Angelegenheiten regeln und nur in den Gaststätten standen auch Räume zur Verfügung um private Feste abhalten zu können, vornehmlich Hochzeiten und Beerdigungen.

Hier ist nicht der Raum um eine breite soziologische Studie über die Gaststätten auszuarbeiten, es sollen hier nur ein Paar Geschichten aus den städt. Akten den Blick auf die alte Zeit öffnen.

Im Heimatmuseum ist ein Ölbild vorhanden, welches um 1690 den Lammwirt Christoph Stigele darstellt, wie er Bier und Tabak seinen Musikanten bringt, dem Christoph Machauf und den beiden Brüdern Elias und Jeremias Kuen. Dieser Jeremias Kuen ist der Ahnherr der berühmten Malerfamilie Kuen, Johann Jakob und dessen Sohn Franz Martin Kuen. [1]siehe Publikation Kuen

Da die Wirte über ihre Gäste immer das Ohr am Puls der Probleme hatten, sie wirtschaftlich unabhängig waren und ihre Meinung gut unter die Leute bringen konnten, ist es naheliegend, dass sie meist auch die Bürgermeister stellten. So z.B. auch Johannes Kretz, der 1779 mit 23 Jahren die Sonne übernahm. Er war eine kraftvolle und impulsive Persönlichkeit, wurde frühzeitig Mitglied des Rates und führte dort eine energische Sprache. Er scheute nicht davor zurück, sein Mandat mit der Begründung niederzulegen, dass zu wenige und unzureichende Sitzungen anberaumt würden. Der Rat sah den Fehler ein, stellte ihn ab und Kretz blieb. Dafür nahm man ihn aber auch selbst in die Verantwortung: Bereits 1777 wurde er zum Bürgermeister gewählt.

Die Wirte waren meist reiche Leute, was sich auch in deren Kleidung ausdrückte. Aus dem Jahr 1735 sind im Heimatmuseum zwei in Öl gemalte Portraits vorhanden, die den Bräuhausbestander Johannes Fetsch unseine Gemahlin zeigen, beide in wertvoller barocker Kleidung mit entsprechenden Accessoires zeigen.  Aus einem Erbstreit im Jahre 1800, als die Bärenwirtswitwe Rosalie Meister die Sonntagstracht des Bärenwirtes Anton Meister an dessen Mutter und die Erben aushändigen musste, erfahren wir die einzelnen Stücke einer solchen Sonntagstracht: Ein braunseidenes Halstuch über der Weste aus roter Seide, die mit 18 silbernen Knöpfen besetzt war, ein violetter Rock, kurze Hosen ohne Angabe der Farbe, wahrscheinlich schwarz, blaue Strümpfe und Schnallenschuhe mit Wiener Schnallen aus Silber. Das Kamisol war ihm gleich in den ersten Ehejahren abgekommen, weil er aus den 36 silbernen Knöpfen der jungen Wirtin eine “Preiskette” machen ließ. Seine Mutter behauptete, er hätte auch einen silbergefassten Rosenkranz besessen, aber die Witwe bestritt dies. Natürlich besaß er auch einen Mantel, denn ohne diesen durfte der Bürger nicht einmal die Steuer auf das Rathaus tragen, sonst wäre er samt dem Steuergeld wieder heimgeschickt worden, um sich den vorgeschriebenen Mantel anzuziehen. Ein einziges Schnupftuch war dabei. Verglichen mit unserer heutigen Kleidung war es eine recht bunte Tracht. [5]nach Eduard Wylicil

Zunftgaststätten

Die Gastwirtschaften waren nicht nur geselliger Treffpunkt der Bürger, sondern auch Treffpunkte der Zünfte. Diese hatten hier ihr, heute würde man sagen Vereinslokal, ihren Treffpunkt, wo sie die ihr Handwerk betreffenden Angelegenheiten besprachen und beschlossen. Die Akten hob man in der sog. Zunftlade auf, die bei dem jeweiligen Wirt deponiert war.

Die Leineweber und Schneider hatten ihr Zunftlokal im Rössle, Reichenbacher Str. 5, die Küfer, Hafner und Bürstenbinder trafen sich im Lamm, Hauptplatz 7. Die Schneider und Kürschner waren bis 1743 im Storchen. Nach dem Tod des Storchenwirts Winkle waren dort nur kleine Kinder als Erben, die Fortführung der Wirtschaft war nicht gesichert und die Schneider und Kürschner wechselten auf den Roten Ochsen, Günzburger Str. 2, wo auch schon die Rotgerber ihre Lade hatten. Der Engel in der Hauptstr. 9 beherbergte die Färber, Lodner, Hutmacher und Wachszieher. Die Bäcker, Müller, Maurer, Zimmerleute und Kaminfeger waren im Bären, Hauptstr. 21, zuhause, die Wagner, Sattler, Metzger, Seiler und Schmiede kamen in der Stadtwirtschaft Hauptstr. 28 zusammen und im Hasen, Hauptstr. 13 fanden die anderen unterschiedlichen Handwerker, nämlich die Schreiner, Schlosser, Drechsler, Nagelschmiede, Gürtler, Uhrmacher, Waffenschmiede, Zinngießer, Spengler, Buchbinder, Seifensieder, Säckler und seit 1722 auch die Glaser ihre Bleibe. Die Schuhmacher hatten ihre Lade bis 1741 auf dem Pflug, Günzburger Str. 4, und wechselten dann auf die andere Straßenseite zum Ochsen.

Der Bärenwirt hat in seinem Hauszeichen, dem Bären, die Zunftzeichen seiner Laden dargestellt: die Kelle für den Maurer, die Winkel für den Zimmermann, die Brezel für die Bäcker und das Mühlrad für die Müller. Bei der Erneuerung der Bärenfigur in den 30er-Jahren wurden die alten Zunftzeichen von 1706 wiederverwendet.

Um 1707 wollten sich die Weber von Hegelhofen, Attenhofen, Bubenhausen und Pfaffenhofen, von der Weißenhorner Lade trennen und beim Roten Ochsen ihre eigene Lade errichten, ihre Herberge. Das ging aber den Weißenhorner Webern gegen den Strich, weil sie die Landweber in ihre Lade zurückbekommen wollten. Der Wirt vom Roten Ochsen trat als Fürsprecher der Landweber auf, weil er ja mit ihnen ins Geschäft kommen wollte. Hiergegen protestierte aber der Wirt vom weißen Rössel, der Herbergsvater der Leineweber und Stadtschneider. Leider erfahren wir von dem Ausgang des Weberstreites nichts, weil er der Herrschaft vorgelegt wurde und scheinbar auf dem Dienstweg versandete.

Die Wirte selbst hatten für die Bräuerzunft kein Stammlokal. Um jeden Bräuer zu berücksichtigen hielt man die Sitzungen immer bei einem anderen Wirt ab. Anfangs richteten sich die örtlichen Bräuer nach fremden Zechartikeln – ein Vorgang, der öfter erscheint – bis sie ihre eigenen Zunftartikel aufstellten, die im Jahre 1680 amtlich genehmigt wurden.

In der Ratssitzung vom 26.10.1685 baten die vor dem Rate erschienenen Metzger um eine neue Zunftordnung, wobei ihnen die uralte Ordnung vorgelesen wurde, in der es sich um die Bräuer handelte. Darauf erklärten die Metzger sich zu dem Zugeständnis bereit, jedem Bürger jährlich ein Rind und ein Schwein, einem Bräuer aber noch dazu auf die Kirchweih, den Gallimarkt, auf Martini und zur Faßnacht jedesmal ein Schwein zu metzgern zuzulassen. Somit konnte ein Wirt, denn jeder war ja auch zugleich Bürger der Stadt, im Jahre 1 Rind und 5 Schweine für sich und seine Gäste metzgern.

Am 01.03.1648, knapp vor dem Ende des 30-jährigen Krieges, zieht Christoph Nusser, Sohn des Stadtwirts, als Wanderbursch hinaus. Die gesamten hiesigen Bräuer, 12 an der Zahl, versammeln sich vorher in der Sonne, wo ihnen der Stiefvater des Christoph Nusser, Christian Nepperschmied, einen Abschiedstrank bezahlt. Von der Wanderschaft zurückgekehrt, macht er sich auf dem heutigen Bräuhaus ansässig, verkauft dieses und gründet die Brauerei Glocke.

Am 30.03.1820 hat man die Wirte der Zunftgaststätten auf den Magistrat vorgeladen und ihnen mitgeteilt, dass das Betteln oder Anschlagen der Handwerksburschen untersagt werde, hingegen für sie von der Bürgerschaft und den Zünften gesorgt werde. Auf der Stadtkanzlei erhielten die Wanderburschen einen Zehrpfennig von täglich 6 x bei Vorweisung ihres Wanderbuches und von den Zünften zusätzlich: Nagelschmiede 6 x, Buchbinder 6 x, Müller und Bäcker 4 x, Maurer und Zimmerleute 2 x, Kürschner und Schneider 2 x, Schuhmacher 2 x, Rotgerber 6 x, Metzger 3 x, Schmiede und Wagner 2 x, Schreiner 4 x, Glaser 6 x, Sailer 4 x, Sattler 6 x, ‚ Küfer 4 x und Bräuer 4 x. Die Schlosser, Gürtler, Zinnggießer, Säckler, Seifensieder, Uhrmacher, Drechsler, Spengler, Weber und Hafner erhalten kein Zehrgeld von ihren Zünften. Die Wanderburschen hatten somit ca. 6-12 x am Tag, was ungefähr einem Drittel bis der Hälfte eines Taglohns eines Arbeiters entsprach.

Biergärten und Kegelbahnen zur Freizeitgestaltung

Es änderte sich aber auch das Freizeitverhalten. Die Bürger verlangten immer mehr nach Möglichkeiten, im Sommer ein Bier unter freiem Himmel zu genießen und auch sonst ihre Freizeit zu gestalten. Kegelbahnen kamen in Mode. Die Brauereien versuchten immer mehr, Biergärten bei ihren Wirtschaften oder bei ihren Lagerkellern einzurichten.

Bereits im Urkataster 1823 ist beim Ochsen Günzburger Str. 2 im hinteren Grundstücksteil eine Kegelbahn eingetragen, die aber bis spätestens 1872 für den Neubau Östl. Promenade 22 abgebrochen wurde. Hier dürfte sich auch der erste Biergarten der Stadt befunden haben. Dieser wurde auch noch bis zur Aufgabe der Brauerei um 1977 betrieben.

1843 baute der Hasenwirt bei seinem neuen Hasenkeller Reichenbacher Str. 21 auch eine Kegelbahn mit Biergarten. 1919 wurde der Biergarten durch ein festes Sommerhaus zu einer vollwertigen Gaststätte erweitert. 1969 wurde die Kegelbahn abgebrochen und eine Minigolf-Anlage installiert.

1858 richtete der Lammwirt bei seinem Kellerneubau Roggenburger Str. 38 auch eine Gartenschänke mit ein. Diese dürfte aber nicht allzu groß gewesen sein.

Nach dem Verkauf seines Lagerkellers 1858 unter der Schranne an die Stadt benötigte der Engelwirt Kircher auch einen neuen Lagerkeller, den er 1859 in der Hagenthaler Str. 20 baute und der auch gleich ein Sommerhaus als Gartenschänke für einen Biergarten erhielt. Um 1900 baute Kircher auch eine Kegelbahn dazu. Um 1972 wurde der Engelkeller an den Kleintierzuchtverein als Vereinslokal verpachtet und war seitdem keine öffentliche Gastwirtschaft mehr.

Beim Verkauf des Bräuhauses 1863 an Georg Goßner durch die Fugger kam auch der ehem. Marstall Fuggerstr. 2b mit dem dahinterliegenden Garten in dessen Besitz. 1880 legte Goßner dort einen Biergarten mit Kegelbahn an. 1866 hatte auch der Rösslewirt Anton Weißenhorn von den Fuggern einen Teil des Gartens erworben und dort eine Schankanlage errichtet. Es ist nicht bekannt, ob es sich dort um 2 Biergärten handelte oder ob die Anlage gemeinsam betrieben wurde. Um 1905 heiratete Alois Sälzle vom Rössle die Schwester des Bräuhauswirts Kajetan Kempfle. Man verband die Keller der beiden Gebäude Fuggerstr. 2b und Reichenbacher Str. 5 miteinander und nutzte jetzt auch den Biergarten gemeinsam. 1922 wurde der Biergarten zugunsten des Pfarrhofneubaus Fuggerstr. 2a aufgegeben.

1883 erwarb der Löwenwirt Hörmann den Keller des Stadtwirts an der Roggenburger Str. 44 und baute gleich einen Fassstadel mit Sommerhaus und Biergarten hinzu. 1906 wurde dieser Schankkeller neu gebaut. 1905 richtete Hörmann auch bei seinem Gasthof in der Martin-Kuen-Str. 5 eine Außenbewirtschaftung ein. 1915 gab Hörmann die Brauerei aus gesundheitlichen Gründen auf und verkaufte den Keller. Der neue Eigentümer baute den Schankkeller zu einem Wohnhaus um und baute 1927 auch eine Kegelbahn mit neuer Schankstätte hinzu. 1928 brannte das Gebäude ab und wurde etwas weiter südlich durch einen Neubau, das spätere Café Schönblick, ersetzt.

Der Gasthof Kreuz hatte wohl auch schon seit Anfang des 19. Jahrhundert einen Biergarten direkt neben seiner Gastwirtschaft. Vermutlich befand sich hier auch eine Kegelbahn. 1939 wurde diese Kegelbahn erneuert.

Die Glocke hatte keinen Biergarten, ebenso wie das Schnaggele, die Traube, der Hirsch, die Sonne, der Adler, der Deutsche Kaiser, der Stadtwirt, der Bären, der Ritterwirt und der Storchen.

Dafür hatte die 1878 neu eröffnete Bahnhofsrestauration von Anfang an einen reizvollen Biergarten gegenüber dem Bahnhof.

Sperrstunde

Die Sperrstunde gehörte zu den wichtigsten Ordnungsmitteln in der alten Stadt. Sie lag im Sommer bei 22:00 Uhr und im Winter bei 21:00 Uhr. Da es ja noch keine Straßenbeleuchtung gab, wollte man sicherstellen, dass sich nachts niemand auf der Straße herumtrieb und vielleicht im Schutz der Dunkelheit Diebstähle verübte. Die Stadttore wurden geschlossen, damit auch kein Fremder in die Stadt kam. Der Nachtwächter wachte über die Einhaltung der Vorschriften. Sollte er doch einmal einen späten Zecher erwischen, wurde dieser zu Arrest im Bürgerstüble in der Schranne verurteilt.

Anekdoten

Das Lamm des Sonnenwirts

Im Winter 1520 kam Christoph, der Sohn des Herzogs Ulrich und seiner (verstoßenen) Gemahlin Sabina, auf der Reise nach Innsbruck durch Weißenhorn durch. Er war damals ein Knabe von 6-7 Jahren. Beim Sonnenwirt Diepold Schwarz blieben die Reisenden über Nacht. Der Sohn des Wirts hatte ein junges Lämmlein, an dem der kleine Fürst solche Freude empfand, dass er es mitnehmen wollte. Da dies nicht ging, befahl er dem Wirt, er solle dem Lämmlein ja genug zu essen geben; wenn er wiederkomme wolle er es bezahlen Dieser Christoph wurde nach Ulrich Herzog in Württemberg. [7]N. Thoman, Chronik

Zechen auf Kosten der Stadt

Es ist schon manchmal hoch hergegangen in der Sonne, besonders, wenn auf Regimentsunkosten, d. h. auf Kosten der Stadt Weißenhorn gezecht wurde. Da war am 25. November 1629 der hochgelehrte Herr Doktor Jacob Janisch von Memmingen in der Sonne abgestiegen, hat dort gewohnt und gegessen und unverschämte Zechen gemacht. Die Mittagsmahlzeit machte 5 Gulden 40 Kreuzer aus, das Abendbrot 5 fl 45 kr. Wenn man bedenkt, dass der damalige Taglohn eines Arbeiters 20 kr betrug, so hat der Herr Doktor den Magen einer Kuh für seine Zeche gebraucht. Seine beiden Pferde stellte er in der Wirtschaft ein und hat für die natürlich kein Körnlein Hafer mitgebracht, denn der Wirt musste gleich 3 Vierling Hafer den vornehmen Rossen vorschütten, den Vierling zu 8 kr, den nächsten Tag 7 Vierling. Dazu kam am nämlichen Tage, einen Montag, noch der Junker Schenckh mit dem Herrn Doktor Betinger. Am Mittwoch stieß ein Herr Doktor Saida zu ihnen, nicht zu übersehen die 10 Pferde, welche der Junker Schenckh mitbrachte und die 2 Pferde des Doktors Saida, und so fraßen die Rösser mit ihren Herren um die Wette, Vierling auf Vierling, bis die Stallrechnung bis zum Sonntag auf 49 fl 24 kr auflief, wobei ihnen die Herren nicht nachstanden. Hätten die nur Wasser gesoffen wie ihre Gäule, wäre es billiger gekommen, aber so jagten sie Maß um Maß maßlos durch ihre Kehlen zum Wohle und auf Rechnung der guten Stadt. Am Mittwoch verzechte der Herr Doktor Janisch allein zur Nacht 11 fl 10 kr,

Samstag gesellte sich der Herr Stadtschreiber dazu, da war die Zeche klein. Aber am Sonntag setzten sich zu dem Zechertriumvirat außer dem Stadtschreiber noch die beiden Herren Bürgermeister hinzu und ließen zusammen eine Rechnung von 13 fl 45 kr auflaufen, und dies nur allein zu Mittag! Und als die Woche endlich herum war, schrieb der Sonnenwirt durch den Herrn Stadtschreiber Ritter, dessen Schrift unverkennbar ist, die Rechnung zusammen. Sie betrug 253 fl 49 kr, dazu die Rechnung für die Pferde von 49 fl 24kr‚machte summa summarum 303 fl 13 kr. Ob die Herren auch wirklich soviel getrunken haben, ist auf der Rechnung natürlich unbestätigt. Bestätigt aber ist, dass die Stadt im Januar 1630 darauf 200 fl angezahlt hat, weil sie wahrscheinlich nicht mehr Geld hatte, um alles zu begleichen. Man kann sich eine Vorstellung von der Höhe dieses Betrages machen, wenn man liest, dass bei der St. Thomasteuer (dem fälligen Steuertag) 1652 bloß 572 fl 11 kr eingezahlt wurden. Reichlich spät, nämlich erst im Jahre 1716, stach solche fortwährende Plünderung des Stadtsäckels sogar dem Kaiser in die Nase indem er alsdann durch eine Kommission die Stadt energisch Sparsamkeit lehrte.[8]nach Eduard Wylicil

Dass solche Gelage nicht vereinzelt dastanden, zeigt eine Rechnung des Sonnenwirtes vom 27.Novenber bis zum 1.Dezember 1629, wo die “Gemeindsleute von Hegelhofen” 36 fl 8 kr auf Stadtrechnung verzehrten.

Eine detailliert Riesenrechnung wurde diesmal nicht beim Sonnenwirt, sondern bei Herrn Christoph Wagner, dem Engelwirt gemacht, als der Herr Kommissar Doktor Felbiger über Ulm aus Innsbruck hier am 29. März 1740 ankam und nicht nur allein, sondern auch zuweilen in Gesellschaft von Ratsherren auf Regimentsunkosten zechte. Wenn man sich die Mühe macht, die 9 eng beschriebenen Seiten dieses Monstrums einer Rechnung durchzusehen und die Kosten an Wein, Bier und Branntwein zu addieren, so kommt man auf 86 1/2 Maß Bier zu je 3 kr, auf 372 1/2 Liter Wein, dazu noch 21 l Wermut, um den verstimmten Magen am Morgen wieder einzurenken, wobei 1 Liter jeglichen Weines mit 18 kr berechnet ist, sodass also um 4 fl 20 kr Bier vertrunken wurde, um 168 fl 30 kr Wein neben 1 fl 52 kr Branntwein, Brot wurde nur wenig gegessen, es handelt sich immer nur um halbe Kreuzer, denn‚ da sparten die Herren gern. Insgesamt wuchs die Zeche dieser Tage bis zum 6. Mai, an welchem Tag seine Exzellenz, der Herr Felbiger “abgemachieret“ mit etlichen kleinen Nachtragszechen auf 207 fl 5 kr an. So wurden die Wirte reich und die Stadt brachte es zu nichts. Kein Wunder, dass sie Schulden machen musste und ausgerechnet beim Sonnenwirt, dem ehrenhaften Johann Roth, “Gastgeber zur güldenen Sonnen”, bei dem sie 100 Gulden pumpte neben den 170 fl beim Handelsmann Johann Schmidt, beide Herren des Rates, denen sie als Faustpfand für das Darlehen alle bei der Stadt erliegenden Fruchtvorräte als Deckung verschreiben musste. Der Schuldschein trägt das Datum des 12.Feber 1706. Pas Darlehen wurde, wie es im Schuldbrief heißt, “umb gemainer Stadtwesens besseren Nutzens wegen” aufgenommen. Endlich wurden von der kaiserlich landfürstlichen Kommission diese eigenartigen Rechnungen aus der Zeit von 1665 bis 1715 durchgeschaut. Der Bericht war niederschmetternd für die Rechnungsleger. Eine Ausgabe für den Pfarrer in Höhe von 60 fl wurde zweimal eingetragen, dafür 15 fl für verkaufte 15 Immi Hafer überhaupt in den Einnahmen nicht verrechnet u.s.w,. Die Schuldigen sollten zur Wiedergutmachung herangezogen werden. Aber die hatten es bis auf einen vorgezogen, das Zeitliche zu segnen, sie waren eben bereits gestorben, nur den letzten sollte der Hund beißen. Aber der Kaiser war nicht nur ein großer, sondern auch ein gnädiger Herr, zog einen Strich unter alles und erhob bloß drohend den Zeigefinger, wobei er schmale Diäten für Bürgermeister und Rat festsetzte. Und die Gemeinde parierte nach dem ausgestandenen Schreck fürderhin. Die hier angezogenen Rechnungen finden sich lose in einem Aktenumschlag des Stadtarchivs und tragen keine Nummer. Der Revisionsbericht der kaiserl. Kommission liegt in den Jahresrechnungen von 1715. [9]nach Eduard Wylicil

König Ludwig I. in Weißenhorn

Am 21. September 1834 kam König Ludwig I. auf der Reise von Ulm nach Mindelheim durch Weißenhorn. Er reiste nach Italien, um in Ancona mit seinem Sohne, König Otto von Griechenland, zusammenzutreffen. Nachmittags 4 1/4 Uhr traf er mit Gefolge in drei vierspännigen Wagen vor dem Posthause zur Sonne ein. Obwohl er als Graf von Augsburg incognito reiste und alle Feierlichkeiten streng verboten waren, ließen die Weißenhomer doch am Unteren und Oberen Tor und am Rathaus Triumphbogen errichten; vor dem Rathaus paradierte die Landwehr-Kompanie. Die Straßen und alle benachbarten Fenster waren voll von Menschen. Die Pferde wurden gewechselt. Bis 4 3/4 Uhr ließ der König halten und trank ein Glas Wasser. Graf Friedrich Fugger von Kirchberg hatte zu Pferd den Zug von Ulm herbegleitet und ließ durch seine drei kleinen Söhne Blumen überreichen. Die weltlichen und geistlichen Honoratioren bezeugten ihre Ehrfurcht. Den hiesigen Pfarrer fragte der König, wie er heiße, wie lange er da sei, und sprach ihm seine Freude aus, dass die Leute fleißig und gern zur Kirche gehen. Da die Polizei den Andrang der Leute abwehren wollte, sagte der König: ‚Lasst meine lieben Schwaben nur her zu mir!‘ Auf dem Marktplatz nahm er noch die Huldigung der Schuljugend an. Beim Abschied gab der König den Befehl, langsam durch die Stadt zu fahren, und schrittweise fuhren die Wagen, vom Jubel des Volkes begleitet, durch die Roggenburger Straße fort. [10]nach Eduard Wylicil

Der Maler Anton Bischof im Löwen

Der Maler Anton Bischof war oft und gerne Gast im Löwen. Wenn er auf das Essen warten musste, skizzierte er oft irgendein Motiv auf die Speisekarte. Das ärgerte die Wirtin, denn die Speisekarten waren damals noch handgeschrieben. So musste sie jedes Mal eine neue Speisekarte schreiben. Später ärgerte sich die Wirtin noch einmal: nachdem aus Anton Bischof ein bekannter Maler geworden war, hätten die bekritzelten Speisekarten bestimmt einen besonderen Wert gehabt! [11]Gertrud Ländle

Quellen:

Quellen:
1 siehe Publikation Kuen
2, 3, 4 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
5, 8, 9, 10 nach Eduard Wylicil
6 Heimatmuseum Weißenhorn;Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
7 N. Thoman, Chronik
11 Gertrud Ländle

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