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Der Wettbachturm – westliches Stadttor

Neben dem Oberen und dem Unteren Tor gab es nur noch einen weiteren Zugang zur befestigten Altstadt, den Wettbachturm. Er wurde 1873 abgebrochen.

Das genaue Baujahr des Wettbachturms ist nicht überliefert. Er dürfte entweder wie Oberes Tor, Unteres Tor und Pfaffenturm zw. 1470 und 1485 vor der Stadtmauer erbaut worden sein, spätestens aber im Zuge des Stadtmauerbaus ab 1488.

Auf der ältesten Stadtansicht von 1555 ist der Turm dargestellt und als ‚Reichsthurm‘ bezeichnet. Zu dieser Zeit dürfte der Turm noch keinen Ausgang aus der Stadt gehabt haben, ein solcher ist jedenfalls nicht dargestellt, während die anderen Ausgänge eingetragen sind. Auch auf den Ansichten 16xx und 1775 ist hier kein Tor hier zu sehen.

Auch wenn noch keine archivalischen Beweise gefunden wurden ist doch anzunehmen, dass ein Ausgang hier erst später geschaffen wurde. Im Urkataster 1823 ist ein Ausgang aus der Stadt mit Brücke über den Stadtgraben eingetragen, der Ausgang verläuft allerdings neben dem Turm und nicht als Tor durch den Turm.

Zwei zeitgenössische Zeichnungen zeigen den Turm Mitte des 19. Jhdt. und die damalige Situation.

Beim Ausbau der Martin-Kuen-Str. wurden die Gewölbe der Brücke aufgedeckt und dokumentiert, danach abgebrochen.

Mindestens ab 1819 wird der Turm als Wohnhaus genutzt, im Einwohnerverzeichnis 1786 ist noch kein Bewohner hier eingetragen. 1819 wohnt hier Johann Glogger mit dem Zusatz, er lebe von Almosen. Der Allgemeinzustand des Gebäudes war wohl da schon so schlecht, dass es nur noch als Armenunterkunft genutzt wurde. So setzten sich die Bewohner auch fort.

1836 hatte der Nagelschmied Peter Lochbrunner (wohnhaft Bleichstr. 3) den Wettbachturm als Werkstatt gepachtet, was den anderen Nagelschmieden der Stadt aber missfiel. Die Nagelschmiede Kreuzer und Hauf beschwerten sich, dass Peter Lochbronner (Bleichstr. 3) in einem städt. Stadtmauerturm (Wettbachturm) eine Werkstatt gepachtet habe und nicht nur da, sondern auch in seinem Wohnhause Nägel verkaufe. Lochbronner solle auch seine Werkstatt ins Haus verlegen. Auch sollte ihm untersagt werden, an den Schrannentagen seine Nägel auf dem Markt anzubieten. Der Magistrat kündigte Lochbronner daraufhin die Werkstatt auf ein Vierteljahr und verwies wegen der anderen Beschwerden an das LG Roggenburg. Die Wohnung mit Werkstatt wurde danach dem Schlossermeister Wendelin Eberle zugewiesen, der seine letzte Wohnung bei Anton Genhard, Lessingstr. 12, nicht mehr zahlen konnte. Eberle blieb bis zum Abbruch im Turm wohnhaft.

Verkauf und Abbruch des Wettbachturms.

Am 02.03.1873 – die neue Stadtpfarrkirche war gerade im Jahr davor eingeweiht worden – beschlossen die Gemeindebevollmächtigten, den Wettbachturm zu verkaufen. Maurermeister Kerner schätzte dessen Wert auf 1480 fl. Der Verkauf wurde im Landboten öffentlich bekannt gemacht und auf den 15.04.1873 9:00 an Ort und Stelle festgesetzt. Der Abbruch habe binnen 4 Wochen zu erfolgen, das Abbruchmaterial sei unmittelbar zu beseitigen und der Bauschutt der Gemeinde zu überlassen. Der Abbruch müsse bis auf Erdgleiche erfolgen. Das Bezirksamt Illertissen stimmte dem Abbruch des Wettbachturmes zu …dass der mit der ganz niedrigen Stadtmauer verbundene Weppachthurm nicht die Gestalt eines Thurmes, sondern mehr eines unschönen Wohngebäudes, sowie weder monumentale noch geschäftliche Bedeutung hat, daher durch dessen Entfernung das Äußere der Stadt Weissenhorn nur gewinnen kann…. Anschließend wurde der Turm abgebrochen.

Beim Ausbau der Martin-Kuen-Str. im Jahr 2001 wurden die Fundamente des Wettbachturms freigelegt.

Quellen:

Quellen:
1, 2, 3, 5, 6 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
4 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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