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Der Prügelturm

Der Prügelturm markiert das nordwestliche Eck der Stadtbefestigung. Er wurde im Zuge des Stadtmauerbaus ab 1488 errichtet. Das noch sichtbare längliche vergitterte Fenster im OG des Turms stellt den Austritt auf den Wehrgang der Mauer dar und verdeutlicht die Höhe der ehem. Stadtmauer. Jetzt befindet sich eine Trafostation im Turm.

Hier befand sich von alters her auch ein Ausgang aus der ummauerten Stadt.

Auf der ältesten Ansicht der Stadt von 1555 ist der Turm als ‚Diebsturm‘ bezeichnet.

Als linke Nachbarschaft ist in den Steuerbüchern von 1614 bis 1773 beim Gebäude Wettbach 24 „Kiener (Küener, Khüener, Kürner)“ angegeben. Der Begriff bedeutet Kärner (Beinhaus) und konnte bislang nicht sicher geklärt werden. [2]Möglicherweise wurden beim Ausbau des Kirchplatzes zum Marktplatz 1556 die noch vorhandenen Gebeine aus der Friedhofsnutzung um die Kirche nach der Verlegung des Friedhof 1542 hierher verlagert

Der Prügelturm wurde als Gefängnis genutzt. Daneben gab es noch ein „Narrenhäusel“ für kleinere Vergehen und ein „Bürgerstüble“ [3]in der Schranne für Schuldner. Gröbere Vergehen büßte man im Turm. [4]Quelle [13]

Ein Beispiel aus der Rechtsprechung vom Jahr 1755:

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1845 möchte der Taglöhner Anton Sälzle eine Wohnung in den Prügelturm einbauen. Magistrat und Gemeindebevollmächtigte stimmen dem Vorhaben aber nicht zu. [7]A 114/22a

1873 wurde der Beschluss gefasst, die Stadtmauer in diesem Bereich niederzulegen. Wann dies tatsächlich geschah ist unklar. Eine von Maurermeister Deibler auf 1879 datierte Zeichnung zeigt noch die Mauer, eine von Löffler auf 1875 datierte Lithographie zeigt sie hingegen nicht mehr. Interssant im Übrigen die Darstellung des Turnergartens mit Turnerriege!

Im 19. und zu Beginn des 20. Jhdts. wurde der Turm als Lagerfläche vermietet.

Bei einer Renovierung zwischen 1980 und 1985 wurde der Ausgang auf die Stadtmauer wieder freigelegt und sichtbar gemacht.

1997 wurde im Zuge der Altstadtsanierung, Bauabschnitt Bärengasse/Schmiedplatz, in den leeren Prügelturm eine Trafostation eingebaut.

Quellen:

Quellen:
1, 8, 9, 10 Museum Weißenhorn
2 Möglicherweise wurden beim Ausbau des Kirchplatzes zum Marktplatz 1556 die noch vorhandenen Gebeine aus der Friedhofsnutzung um die Kirche nach der Verlegung des Friedhof 1542 hierher verlagert
3 in der Schranne
4 Quelle [13]
5 B 23 p. 112v-113r
6 1764 wurde von Graf Albert Fugger von Kirchberg-Weißenhorn ein Passionsspiel und eine Karfreitagsprozession gestiftet. Dies war Teil seiner Unterstützung für die Gegenreformation. Passionsspiel und Karfreitagsprozession wurden alljährlich mit großer Beteiligung der Bürgerschaft ausgeführt. An der Prozession nahmen jedes mal 300 bis 400 Männer als Büßer teil. Die Veranstaltung besaß große Attraktivität und lockte bis zu 4000 Besucher an. 1762 wurden die Spiele letztmalig aufgeführt. Danach wurden sie auf kaiserlichen Erlass hin verboten.
7 A 114/22a

One Comment

  • Paul Silberbaur

    Ich finde diese Webseite eine ganz tolle Sache, vor allem deshalb , weil mein Vorfahre Michael Silberbaur hier wegen seiner Missetat genannt wird. Diese Begebenheit erwähne ich natürlich auch bei meinem Stadtführungen und jetzt auch neuerdings bei meiner Nachtwächerführung.

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