Aktuell,  private Gebäude,  Rothweg 2, 4, 6

Der Postwirt – Rothweg 2-6

Das unscheinbare Gebäude beheimatete von ca. 1866-1888/97 eine Gastwirtschaft, den so genannten Postwirt. Nach mehreren Umbauten ist dies nicht mehr auf den ersten Blick zu erkennen. Das Grundstück wurde 1897 geteilt und umfasst heute die Hausnummern Rothweg 2, 4, 6.

Man weiß auch nicht, woher die Benennung als Postwirt stammt. Die Post wurde schließlich erst 1931 in der Bahnhofstr. 10 gebaut, und die Posthalterei war in der Hauptstr. 12 bzw. 24.

Die Postwirtschaft – Rothweg 2-6

1862 bittet der Kürschner Josef Hartung die Stadt um Überlassung eines Bauplatzes: Bekanntlich fahre ich schon seit 13. Jahren in fremden Wohnungen miethweise herum u. bin gegenwärtig im gräfe Fuggern Amtshause wohnhaft, wo ich jährlich 24 fl Haußzins zahle. Ich habe 6. Kinder, u. da ich jetzt wegen vorhablichen Verkaufs u. Abbruch des Amtshauses von Seite der Gräfe Herrschaft wieder obdachlos werde, u. keine Wohnung zu bekommen weiß, weil alle hiesigen Wohnungen von fremden Miethleuten besetzt sind; so hätte ich vor, nur ein ganz kleines Häußchen zu erbauen, wenn mir der verehrn Magistrat einen Bau-Platz hiefür unentgeldlich überlassen würde. Als solchen möchte ich den Communal Grund über der alten Roth – nördlich am Garten des Schreiners Josef Beirer in Vorschlag bringen. Ich besitze selbst ein baares Vermögen von 177 fl bei der Armen-Caße dahier in Verwaltung, u. habe Hoffnung, zu diesem Vorhaben auch von meinen Verwandten Etwas zu erlangen, womit ich dann die Hälfte des Bauschillings erschwingen könnte. Der Magistrat gibt dem Antrag am 03.10.1862 statt unter der Voraussetzung, dass ein zweigeschossiges Gebäude errichtet wird. Auch die Gemeindebevollmächtigten stimmen dem Antrag zu, fordern aber, dass ein verhältnißmäßiger Grundzins verlangt wird. Am 06.03.1863 stimmt der Magistrat dem Bauplan zu. Der Grundzins wird auf 1 fl 30 x jährlich festgesetzt. Am 26.07.1866 wurde die Schenkung vollzogen.

Damals lag der Bauplatz außerhalb der Stadt, die Bahnhofstraße gab es noch nicht und auch an den Bau der Eisenbahn dachte man noch nicht. Es war eine typische Arme-Leute-Lage, abseits und unattraktiv, schlecht zu erreichen und vor der Rothregulierung hochwassergefährdet.

Gegenüber dem ersten Plan beantragte Hartung noch 1866 die Erweiterung des Gebäudes um einen Stadel. Vermutlich baut er auch gleich eine Gastwirtschaft in das Haus ein. Die Wirtschaft dürfte nicht schlecht gelaufen sein, denn am 02.01.1875 kann er von Josef Göppel (Heilig-Geist-Str. 2) eine südlich gelegene Fläche hinzukaufen.

1879 bekommt er noch einmal einen städt. Grund zur Vergrößerung seiner Gastwirschaft abgetreten und stellt im gleichen Jahr noch einen entsprechenden Bauantrag. Hierbei wird die Gaststätte vergrößert und der Gastraum auf die Nordseite verlegt.

1880 erbaut er auf dem südlich erworbenen Grundstück ein ‚Sommerhaus‘. Nach damaligem Sprachgebrauch handelt es sich hierbei um ein leichtes Holzhaus, das als Unterstand eines Biergartens dient.

1888 wird Josef Hartung als Pächter der Bahnhofswirtschaft genannt. Verständlich, wenn er die gegenüberliegende Wirtschaft übernehmen konnte, die bessere Arbeits- und Verdienstbedingungen bot. Vermutlich wurde jetzt die Postwirtschaft aufgegeben.

1897 wird das Anwesen aufgeteilt. Spätestens jetzt dürfte die Gastwirtschaft aufgegeben worden sein. Der nördliche Hausteil (Rothweg 2) geht an Josef Buchenscheidt, der südliche Teil (Rothweg 4) geht an Nikolaus Betz und das Sommerhaus (Rothweg 6) behält Josef Hartung.

Rothweg 2

1897 wird der Sockel und der Abort erneuert. Der Eigentümer war Josef Buchenscheidt, dem auch die Untere Mühle gehörte. Er dürfte die Haushälfte bald verkauft haben, denn ab 1906 ist der Straßenwärter Nikolaus Betz als Eigentümer genannt. 1955 baut er einen Keller in das Haus ein und renoviert es. Das Haus wird von seinem Sohn Nikolaus Betz, Mühlenbauer, übernommen. Der Name Betz ist bis 1997 auf diesem Haus.

Rothweg 4

Nach der Teilung des Hauses kaufte der Maurer Georg Hinträger das Haus. Anschließend gehörte das Haus dem Steinmetz Sebastian Hörmann, später seiner (Tochter?) Babette.

1972 wurde der Kniestock des Hauses erhöht und damit auf dieselbe Höhe wie das Nachbarhaus Rothweg 2 gebracht.

Die Anbringung der Fassadenverkleidung ist nicht dokumentiert. Um 2019 wurde eine Garage angebaut.

Rothweg 6

Um 1905 beabsichtigte Josef Hartung, wohl der Sohn des Postwirts Josef Hartung, das Sommerhaus abzubrechen und einen massiven Neubau zu errichten. Die Stadt hielt hierfür die Festsetzung einer Baulinie für erforderlich. Luitpold Gaiser fertigte einen entsprechenden Plan. Nach diesem wurde das Haus genehmigt und gebaut. 1906 ist Josef Hartung im Adressbuch als Getreidehändler genannt.

1922 ist Walburga Hartung als Besitzerin genannt, 1932 Maria Schöll. 1948 gehört das Haus dem Sattlermeister Jakob Fuchs. 1969 bat der Sohn Alfred einen Windfang an. 2010 wird ein Wintergarten angebaut.

Quellen:

Quellen:
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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