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Der Hasenkeller – Reichenbacher Str. 21

Der Hasenkeller war einer der ersten Bierkeller der Stadt. Braustätte, Biergarten und jetzt Supermarktgelände. Wie sich ein innerstädtisches Gebiet verändert!

Der Hasenkeller

Der Hasenwirt Jos. Goßner kauft 1840 den Acker beim Wasserwechsel und legt einen Bauplan vor, nach welchem er einen Sommer-Bierkeller graben und darüber ein Wohnhaus mit Kellereingang errichten möchte. Für das Grundstück ist die Anlage eines regelmäßigen Gartens geplant. Goßner wollte den Keller ursprünglich nicht wie gewöhnlich graben, sondern in bergmännischer Art ‚minieren‘ lassen. Daher war auch nur ein kleines Gebäude über dem Einstig vorgesehen. Der Baugrund stellte sich für diese Bauweise aber als nicht geeignet heraus, weshalb er am 13.05.1841 erklärte, den Keller doch graben zu lassen und beantragte, das darüber befindliche Gebäude so groß wie den Keller zu bauen.

Goßner beantragte 1843, den Sommerbierkeller von 1842 nochmals zu verlängern und auch das darüber stehende Gebäude ebenso zu verlängern. Hierzu erhielt er am 29.05.1843 die Genehmigung durch das LG Roggenburg. Das Gebäude wurde mit einem Walmdach versehen. Zu dem Lagerkeller wurde auch eine Kegelbahn gebaut. Es liegt nahe, dass hier auch ein Biergarten betrieben wurde, obwohl dieser nicht in den Akten erwähnt wird.

Der Hasenkeller gehörte immer zum Gasthaus Hasen, Hauptstr. 13. Die Eigentümerfolge der Hasenwirtschaft ist unter der Hauptstr. 13 beschrieben.

1899 wird durch Anton Walser zum Hasenkeller ein Eiskeller hinzugebaut. 1908 wird der Stall beim Hasenkeller umgebaut.

Am 11.05.1919 wurde die Sommerwirtschaft Hasenkeller eröffnet. Ab jetzt wurde der Biergarten als Gaststätte betrieben.

1925 wurde die Eingangssituation am Westeck umgestaltet. Hierzu wurde von der Stadt eine Planzeichnung verlangt. Der Bezirksbaumeister schlug eine Ausführung mit gebrauchten Ziegeln und Eichenpfosten vor.

Der Hasenkeller wurde separat als Wirtschaft verpachtet. Am 20.05.1932 erteilte der Stadtrat die Schankerlaubnis an Anastasia Bissinger. 1939 wurde das bisherige Schützenheim zu einer Pächterwohnung umgebaut.

In den 50er-Jahren wurde die Gaststätte wesentlich umgebaut und erweitert. 1954 wird ein Schlafraum an die Pächterwohnung angebaut. 1955 wird der Hasenkeller komplett umgebaut. Auch ein Teil des Brauereigebäudes wird zu einem Gastzimmer mit separatem Eingang umgebaut. An einen Verbindungsflur zwischen den beiden Gaststättenteilen werden WC-Anlagen angebaut. 1964 wird die Küche des Hasenkellers erweitert. Zum Hasenkeller wird 1965 eine neue vollautomatische Kagelbahn angebaut. Die alte Kegelbahn entlang der Reichenbacher Str. wird abgebrochen.

1968 wird in einen bestehenden Keller, außerhalb von Gebäuden gelegen, ein Gärkeller eingebaut. Der darunter liegende Tiefkeller wird restauriert. An der Stelle der alten Kegelbahn wird 1969 eine Mini-Golf-Anlage erstellt. Hierzu wird auch ein Kassenhäuschen gebaut.

1971 errichtete Bräumeister Anton Walser ein neues Sudhaus als viergeschossiges Flachdachgebäude im Norden an der Oberhauser Str. Die alte Brauerei im Stammgebäude Hauptstr. 13 wurde stillgelegt. Die Hasenbrauerei war die einzige Weißenhorner Brauerei, die in eine neue Brauanlage investierte um so leistungsfähig für die Zukunft zu sein.

Am 07.05.1986 brannte die Brauerei vollständig ab. Der Gesangsverein „Eintracht“, der im Hasenkeller sein Probelokal hatte, wurde durch den Brand heimatlos. Die Stadt stellte dem Verein den leerstehenden Speisesaal im Fuggerschloss zur Verfügung.

Nach dem Brand wurde an Stelle des alten Gebäudes ein Neubau mit gleichen Außenabmessungen, jedoch einem Satteldach an Stelle des Walmdaches errichtet. Eine erste Planung mit einem Flachdachgebäude aus Gasbetonplatten wurde von der Stast aus gestalterischen Gründen abgelehnt. Nach Angabe in der Baubeschreibung sollten pro Woche 3000 l Bier in Flaschen abgefüllt werden. Der Betrieb der Abfüllanlage wurde jedoch nie aufgenommen.

Im Lauf der nächsten Jahre wurde die Brauerei auch aufgegeben. In dem Gebäude wurde ein Getränkemarkt eingerichtet und betrieben 1995 wurde die Gaststätte Hasenkeller in den Bereich der ehem. Pächterwohnung erweitert.

Die Schießanlage beim Hasenkeller

Zwischen 1843 und 1845 erbaute der Hasenwirt Georg Goßner im Zusammenhang mit dem Neubau des Hasenkellers auch eine Schießanlage. Diese übereignete er mit Vertrag vom 06.10.1843 und 04.04.1845 der kgl. priv. Schützengesellschaft im Austausch gegen die alte Schießanlage in der Hagenthalerstraße. In dem Vertrag hatte sich Georg Gossner verpflichtet, der Schützengesellschaft ein Schießhaus mit Schießstätte auf seine Kosten herzustellen und ‚auf ewige Zeiten‘ als Eigentum den Schützen zu überlassen. Gossner behielt sich freie und uneingeschränkte Benutzung der Schießanlage vor. Die Schützen mussten aber für den Unterhalt des Gebäudes, Steuern und Feuerversicherung selber aufkommen. Das Schützenhaus war als eingeschossiges Walmdachgebäude ausgeführt. Die Schießbahn war 100 m lang. Am Ende der Schießbahn wurde ein Gebäude für die Schießscheiben und als Kugelfang hergerichtet.

Um 1900 wurde das Scheibenhaus erneuert und erweitert. Hinzu kam auch ein offener Lagerschuppen, der bis zur Reichenbacher Str. reichte. Diese Gebäude blieben auch nach Aufgabe des Schießbetriebs erhalten und wurden erst um 1980 beseitigt.

1909 wurde der Schießstand am Hasenkeller durch die Feuerstutzengesellschaft renoviert. Das Bezirksamt forderte 1913 nachträglich Planvorlagen für die Schießanlage der Feuerstutzengesellschaft. In den Jahren 1934 und 1937 wurde die Schießanlage instandgesetzt.

1938 entsprach die Schießanlage nicht mehr den Ansprüchen der kgl. priv. Schützengesellschaft. Der Stadtrat stimmte am 07.10.1938 grundsätzlich dem Neubau einer Schießanlage zu. Ungeklärt war die Standortfrage. Kreszenz Walser als Eigentümerin wollte die Schießstätte erneuern, führte dieses Vorhaben aber nicht aus. Zuerst beabsichtigte man, die Schießanlage umzubauen. Vor einer Herstellung von Plänen wurde das Bezirksbauamt um eine Stellungnahme gebeten. Der Bezirksbaumeister sah aber Sicherheitsprobleme, weil die Umgebung der Anlage stark begangen werde. Es wurden detaillierte Pläne angefordert. Wegen der entstehenden Probleme nahm die Schützengesellschaft Abstand von ihrem Vorhaben und suchte nach anderen Standorten. Die Schützengesellschaft beantragte zunächst eine Verlegung in die Kiesgrube bei der Hagenthalerstr. (heute Tennisplatz). Diesen Plan lehnte der Stadtrat am 29.04.1939 aber ab. Letztlich entschied man sich für die Verlegung der Schießanlage an die Roggenburger Str. 44.1. Das bisherige Schützenheim wurde zu einer Pächterwohnung umgebaut.

Im Jahr 2013 wurde das Gebäude abgebrochen.

Die Hasenwiese

Als Hasenwise wird im Volksmund die Grünfläche östlich des Hasenkellers an der Reichenbacher Str. bezeichnet, die auch dem Hasenwirt gehörte. Es handelt sich um eine große innerstädtische Freifläche, die bis vor wenigen Jahren auch noch landwirtschaftlich genutzt wurde. Darüberhinaus wurde sie auch für Festivitäten wie das Kinderfest oder das Volksfest (Heimatwoche) genutzt, aber auch häufig als Rastplatz durchziehender Sinti und Roma.

(Die Geschichte der Weißenhorner Volksfeste ist noch nicht erforscht.)

Mittlerweile befindet sich das Grundstück in städtischem Eigentum. Eine städtebauliche Entscheidung über die zukünftige Nutzung dieser Fläche wurde noch nicht getroffen. Im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplanes für die Supermärkte beim Hasenkeller wurden zwar Varianten untersucht, es fehlte aber der politische Wille zu einer Festlegung.

Neubau von zwei Supermärkten

Um die schon seit längerem nicht mehr voll genutzte Immobilie zu verwerten entstand um 2012 der Wunsch nach einem Verkauf seitens des Eigentümers. Die SB-Discounter-Kette ALDI hatte Interesse an dem Standort.

Die Stadt stand dem Vorhaben zunächst skeptisch gegenüber und wünschte eine städtebaulich wirksamere Bebauung ohne Supermärkte an diesem Standort. Dagegen bildete sich eine Bürgerinitiative, die einen Bürgerentscheid durchsetzte, welcher eine deutliche Mehrheit für den Bau von Supermärkten erbrachte. Die Stadt folgte diesem Entscheid und stellte einen Bebauungsplan für das Vorhaben auf. Die Gegner des Projektes formierten sich allerdings auch und gingen gegen die Planung auf dem Rechtsweg vor. Breiten Raum nahm hierbei die Erschließungsfrage ein. Die Gegner befürchteten eine große Verkehrszunahme, die die Sicherheit der Schulkinder beeinträchtigen würde. Die Zufahrten zu dem Objekt wurden daher mehrmals umgeplant. In der Oberhauser Str. wurde die Straße aufgeweitet um ein störungsfreies Linksabbiegen zu ermöglichen. Die gerichtlichen Auseinandersetzungen zogen sich über mehrere Jahre hin. Letztlich wurde die Planung bestätigt und der Bau genehmigt. Erst 2018 konnte der Bau durchgeführt werden.

2012 wurde die erste Bauvoranfrage zur Errichtung eines Lebensmittelmarktes und eines Backshops mit Stellplätzen eingereicht. In der ersten Variante war an den Bau von 4 Supermärkten gedacht. Dies erschien der Stadt städtebaulich überzogen, so dass eine Alternative mit nur zwei Märkten erarbeitet wurde. Hier konnte die dominate Lage des ersten Marktes im Kreuzungsbereich Oberhauser Str./Reichenbacher Str. nicht überzeugen. Daraufhin wurden weitere Varianten erarbeitet, die zur endgültigen Lagefestlegung führten.

2013 wurde der Antrag auf Abbruch der gesamten baulichen Anlage, Errichtung eines Einzelhandelsobjektes mit Backshop, Werbeanlage und Stellplätzen gestellt. Die Genehmigung zum Abbruch wurde erteilt, obwohl über die Genehmigung zum Neubau noch nicht entschieden wurde. Im Jahr 2013 wurden die Gebäude abgebrochen und die Keller verfüllt.

Die Fa. ALDI setzte sich mit der Supermarktkette Feneberg in Verbindung, die den 1972 errichteten Supermarkt in der Kammerlanderstr. 1 betrieb, der schon etwas in die Jahre gekommen war. Feneberg entschied sich, auch auf den Standort beim Hasenkeller umzusiedeln. 2014 wurde daraufhin der Neubau von 2 Einzelhandelsbetrieben und Errichtung von 3 Werbepylonen, Anbringung von 4 Werbelogos an den Gebäuden sowie Errichtung von 2 Einkaufswagenboxen gestellt. Die Baugenehmigung wurde letztlich 2018 vom Verwaltungsgericht für rechtens befunden, so dass die Märkte gebaut und 2019 eingeweiht wurden.

Quellen:

Quellen:
1, 2, 3, 4, 5, 6 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
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