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Der Gasthof Sonne – Hauptstr. 12

Der Gasthof Sonne, einst Poststation, war einer der größten Gasthöfe in der Stadt. Er war zwar nie Brauerei, seine Besitzer zählten aber zu den reichsten und angesehensten Bürger der Stadt. Schauen wir, welche Geschichte hinter diesem Haus steckt.

Vorgängerbebauung vor 1575

Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. Mit Hans Eggeloff erscheint der erste nachgewiesene Besitzer auf diesem Grundstück. 1480 ist seine Ehefrau Anna genannt, 1496 die Schwestern Barbara, Engel und Anna Klocker. 1496 ist das Ratsmitglied Thoman Seitz Eigentümer. Burkhart gibt in seiner Stadtgeschichte an, hier sei die erste Erwähnung der Gastwirtschaft gewesen. Burkhart nennt leider die Primärquelle nicht. In den Steuerbüchern ist kein entsprechender Vermerk zu finden.

In den Jahren 1502-1508 ist dem Anwesen Hauptstr. 12 kein Steuerpflichtiger zuzuordnen. Auch im Zinsbuch 1507 ist Alex Seitz nur als Nachbar, nicht jedoch als Steuerpflichtiger genannt. Alexi Seitz besaß zu dieser Zeit auch die Gebäude HS und HP, hat hier also nicht selbst gewohnt. Daher wird angenommen, dass Alex Seitz nur Eigentümer eines unbebauten Grundstücks war.

1508 sind Barbara und Dorothea Seitz Eigentümer. Wenn das Grundstück vorher nicht bebaut war, könnte es sich um einen Neubau handeln. Ab 1515 ist Balthasar vom Leu, der vorher auf Hauptstr. 14 war, genannt. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. 1548 geht es mit Anton Schwarz weiter, als Vorgänger ist Ulrich Bayr genannt mit dem (unverständlichen) Zusatz: Ulrich Bayr von seiner forige britt wegen gestr.

1551 folgt Anthoni Tiesch (ab 1565 Schreibweise Diesch), der vorher in Wettbach 1 wohnte. 1567 ist Anton wohl gestorben, seine Erben werden als Nachfolger genannt. 1570-1572 ist kein Eigentümer für das Haus verzeichnet. Die Situation bei den Häusern Hauptstr. 12 und 14 ist in den Jahren 1572 bis 1578 unklar. Anton Dietsch (bzw. seine Erben) sind letztmals 1567 bei HS12 erwähnt und Claus Seitz könnte 1572 sowohl HS 12 als auch HS14 zugeordnet werden. Auch die Neubebauung im rückwärtigen Teil (Hasengasse 2) ist nicht vollkommen zu klären. Es wird vermutet, dass bei Ant. Dietschs Erben (HS12) nach 1567 kein geschäftsfähiger Erbe vorhanden war und das Haus aufgegeben wurde, bis 1572 Claus Seitz beide Gebäude (HS 12 und 14) übernahm und HS 12 neu erbaute.

Neubebauung 1575

Vermutlich um 1575 wurde das Haus von Claus Seytz neu erbaut. 1578 ist Claus Seytz auch Eigentümer von Günzburger Str. 11 und wird im Zinsbuch der Liebfrauenpfleg dort genannt, demnach hier Zweitbesitz. Claus Seitz dürfte ein Sohn des Mathäus Seitz von der späteren Glocke (MM29) gewesen sein. 1581 tauschten Dietsch und Seitz die Grundstücke aus unbekanntem Grund.

Anton Dietsch, Bürgermeister, ist ab 1581 Eigentümer des Grundstücks. Er verkauft 1610 das Haus an Johannes Keller und erwirbt seinerseits das Gebäude HS20 von Martin Mayers Erben.

Im Jahr 1614 wird erstmals ein Schankrecht auf dem Anwesen erwähnt, aber kein Braurecht. Das Schankrecht könnte auch älter sein. Das Anwesen wird bezeichnet als Behausung, Nebenhaus, Hofraithen und Stadel so auch Hausrecht hat; Wert 2000 fl, davon 1850 für die Herberge. Es ist übrigens das einzige Haus in der Stadt, das zu dieser Zeit als Herberge bezeichnet wird. Es könnte sein, dass das Herbergsrecht der ehem. Schmidt’schen Herberge am Hauptplatz, die 1587 von den Fuggern zum Bau ihres Sommerschlösschens aufgekauft wurde, hierher transferiert wurde. Dies würde ungefähr mit dem Besitzübergang hier an Anton Dietsch übereinstimmen.

1620 erscheint mit Hans Seitz alt wieder dieser Name auf dem Haus. [1]Hans Seitz, Sohn des Claus Seitz (HS14), 1572-81 hier auf Hauptstr. 12, übernahm 1614 das Haus Günzburger Str. 11 in der unteren Vorstadt aus Familienbesitz, verkaufte dieses 1620 und zog hierher.

1623 ist Johann Seiz, Gastgeber, als Eigentümer genannt, seinem Sohn Johann Seitz, Enkel des Anton Diesch, gehört das Gebäude HS20 zusammen mit seinem Großvater. 1629 wird der Gasthof erstmals als ‚Sonne‘ bezeichnet. 1632 ist Johann Seitz Bürgermeister. 1636 steht sein Sohn Johann Seiz jung mit einem Wert 700 fl in den Büchern. Zum Grundbesitz gehörte noch ein Baumgarten mit Stadel in der Schulstraße, jetzt Grundstück Schulstr. 15, vorher Michael Seitz (Hauptst.14) gehörig, Wert 220 fl.

Eine Hungersnot im Jahr 1634, eine Pestepidemie 1635 und ein Hochwasser um 1636 führte im Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen im Rahmen des 30-jährigen Krieges in unserem Gebiet zu großen Zerstörungen und zu Armut. Insgesamt konnten 32 Haushalte ihren finanziellen Verpflichtungen mehr nachkommen und kamen in die Gant (Privatinsolvenz mit Versteigerung). In zwei großen Gantprozessen am 06.08.1637 und am 21.07.1639 wurde das Eigentum liquidiert, so auch dieses Haus.

Trotz der Versteigerung gelingt es Johann Seitz offenbar, das Haus zu halten, denn zwischen 1636 und 1651 erwirbt Johann Seitz das östliche Gebäude Hs.Nr. 147 (AM09) von Hans Maucher hinzu, Wertansatz 60 fl ‚bis ers erpauen wird‚. Das Gebäude wird abgebrochen und zu einem nicht bekannten Zeitpunkt mit einem Stadel wieder bebaut. Es ist immer wieder die Rede ‚Nebenstadel steht auf Hans Mauchers Hofstatt‘, Wert 60 fl.

1651 steht Johann Seitz, Wirth, wieder als Eigentümer da, der Gasthof mit einem Wert von 825 fl; das Grundstück AM09 wird jetzt mit 45 fl und der Stadel auf SH15 mit 165 fl angesetzt. Johann Seitz dürfte das Haus 1637 aus der Gant gekauft haben. 1660 wird das Grundstück AM09 nicht mehr separat aufgeführt und nun als ‚Oberhaus‘ bezeichnet, Wert zusammen 1730 fl. Der Stadel auf SH15 wird auf 250 fl taxiert. Zusätzlich wird Seitz noch als Eigentümer des Grundstücks Reichenbacher Str. 4 und der ehem. Stahlschützenhütte, spätere Blumenwirtschaft, genannt. Ein Wertansatz hierfür ist nicht verzeichnet. Der Grundbesitz wird aber bereits 1674 wieder verkauft. Dafür kauft Johann Seitz 1674 von Johann Fischer (AM05) dessen Stadel zwischen HS10 und AM07 (jetzt Institutsgasse 1) NB Auß solches Hannß Roth und Wilhelm Ruess als Schwäg miteinand, und ist jedem sein halber Anthail in dem andern Steuerbuch zugeschrieb. Wahrscheinlich entstand danach die Überbauung der Sonnengasse mit der Verbindung zu Institutsgasse 1. Johann Seitz vergrößert seinen Grundbesitz außerdem noch um das Grundstück Memminger Str. 45. Johann Seitz war mit diesem Besitz der mit Abstand größte private Grundstücksbesitzer zu dieser Zeit in Weißenhorn.

1680 ist Johann Seitz gestorben, das Erbe wird geteilt [2]V 59. Sein Schwiegersohn Hans Roth, Sohn des Ochsenwirts Andreas Roth, Gastgeber, wird mit einem Wertansatz von 1730 fl Inhaber der Sonne. 1692 erbt Hans Roth von seinem Vater Andreas Roth das Anwesen Günzburger Str. 2 (Ochsen) mit 1200 fl Wert hinzu. Er wechselt daraufhin auf den Ochsen und überlässt die Sonne seinem Sohn Johann.

Um 1706 heiratet Peter Stempfle eine Tochter des Johann Roth und übernimmt die Wirtschaft. Als Wert stehen 1700 fl in den Büchern. Am 30.03.1713 stirbt auch Johann Roth. Stempfle stirbt am 06.11.1726, auch seine Witwe Maria stirbt noch in diesem Jahr. Das Erbe wird aufgeteilt.

Zum 17.01.1727 übernimmt Matheus Widemann die Sonne. 1729 wird der Wert des Gebäudes mit der ledigen Ursula Roth, Tochter der Maria Stempfle, vorm. Roth, verrechnet. 1729 wird das Eigentum des Sonnenwirts Matheus Widemann liquidiert. Im Akt SG15 wird er jedoch als Rösslewirt bezeichnet. Dort wird ein Eugen Widemann (Bruder) als Eigentümer genannt. Wahrscheinlich wird es sich auf der Sonne ab 1729 um den gleichnamigen Sohn des Matheus Widemann handeln. Am 27.07.1753 stirbt Matheus Widemann. Seine Aktivschulden werden verrechnet. Die Erben sind Anna Maria Widemann, Stiefmutter; Tochter Maria Victoria Schuster, geb. Widemann, Wirtin in Augsburg und der Sohn Joseph Widemann. Joseph Widemann kauft am 20.10.1753 den ‚Hirsch‘, Hauptstr. 24.

1754 kommt Franz Anton Rösch aus Augsburg und heiratet die Witwe Anna Maria Widemann. 1764 wird das Anwesen beschrieben als Behausung, Nebenhaus, Hofraiten, Hinterhaus und Stadel, Nebenstadel; Wert 1850 fl. F.A. Rösch wurde 1776 geisteskrank und starb daran, das Vermögen wird aufgeteilt. Der Akt V 329 enthält aber nur die Inventarien, ohne Erbteilung.

Im gleichen Jahr erscheint der 23 Jahre alte Johannes Kretz, im Nebenberuf Roßschauer, (d.h. er beurteilt den Gesundheitszustand der Pferde) als neuer Eigentümer. Johannes Kretz war der Sohn des Hirschwirts Anton Kretz (Hauptstr. 24). 1780 baut er den Gasthof wesentlich um (datiert auf einem Türstock). Der Schweifgiebel des Hauses dürfte aus dieser Umbauphase stammen. Kretz wird 1819 als Weinwirt bezeichnet, das war die gängige Benennung eines Wirtes ohne Braurecht, aber mit der Lizenz zum Alkoholausschank. Ab 09.07.1825 wird Johannes Kretz d.J. (also der Sohn), Posthalter genannt, Eigentümer. Finanziell ging es aber offenbar nicht gut. Am 18.01.1830 war die Versteigerung des Gasthofs, der Besitzübergang erfolgte am 03.02.1830 an Abraham Landauer von Hürben, einen bekannten Geldverleiher. Kretz sen. starb erst 1836 mit 83 Jahren.

Im Jahr 1831 wird Josef Maier hier Wirt, vormaliger Bräuer zum Bären. 1843 wird er als Posthalter bezeichnet.

Aus dem Jahr 1834 wird folgende Anekdote berichtet:[3]Joseph Holl, Geschichte der Stadt Weißenhorn, 1904

„Am 21. September 1834 kam König Ludwig I. auf der Reise von Ulm nach Mindelheim durch Weißenhorn. Er reiste nach Italien, um in Ankona mit seinem Sohne, König Otto von Griechenland, zusammenzutreffen. Nachmittags 4 1/4 Uhr traf er mit Gefolge in drei vierspännigen Wagen vor dem Posthause zur Sonne ein. Obwohl er als Graf von Augsburg incognito reiste und alle Feierlichkeiten strenge verboten waren, ließen die Weißenhomer doch am unteren und oberen Tor und am Rathaus Triumphbogen errichten; vor dem Rathaus paradierte die Landwehr-Kompagnie. Die Straßen und alle benachbarten Fenster waren voll von Menschen. Die Pferde wurden gewechselt. Bis 4 3/4 Uhr ließ der König halten und trank ein Glas Wasser. Graf Friedrich Fugger von Kirchberg hatte zu Pferd den Zug von Ulm herbegleitet und ließ durch seine drei kleinen Söhne Blumen überreichen. Die weltlichen und geistlichen Honoratioren bezeugten ihre Ehrfurcht. Den hiesigen Pfarrer fragte der König, wie er heiße, wie lange er da sei, und sprach ihm seine Freude aus, daß die Leute fleißig und gern zur Kirche gehen. Da die Polizei den Andrang der Leute abwehren wollte, sagte der König: »Laßt meine lieben Schwaben nur her zu mir!« Auf dem Marktplatz nahm er noch die Huldigung der Schuljugend an. Beim Abschied gab der König den Befehl, langsam durch die Stadt zu fahren, und schrittweise fuhren die Wagen, vom Jubel des Volkes begleitet, durch die Roggenburger Straße fort.“

Josef Maier muss es um 1842 wirtschaftlich schlecht gegangen sein, denn er musste Konkurs anmelden. Ab 1843 wird Xaver Bachthaler auf dem Gasthof genannt, wohl zuerst als Pächter. Für die Bewerbung um das Posthaltergebäude legt Xaver Bachthaler, ehem. Bauer, ein von der Gemeinde Witzighausen ausgestelltes Vermögenszeugnis vor, welches auf 12.550 fl lautete. Am 12.04.1844 kaufte Xaver Bachthaler aus der Debit-Masse des Posthalters Maier die Sonnenwirtschaft. Ab 1855 wird die Witwe Marianne Bachthaler als Eigentümerin gennant. Sie erneuert 1860 den Zwischenbau wegen Baufälligkeit. Am 28.08.1867 übergibt Marianne Bachthaler das Anwesen an ihren Sohn Xaver Bachthaler und dessen Braut Magdalena Renz, die Schwester Wilhelmine wird in Geld abgegolten.

Nachdem Xaver Bachthaler ab 1882 als Posthalter auf dem Hirschen Hauptstr. 24 verzeichnet ist wird angenommen, dass Xaver dorthin umsiedelte und Anton Bachthaler (sein Bruder) als Eigentümer auf der Sonne verblieb. Dann wäre der 1872 genannte Ludwig Bader ein Pächter. Der Name Bader taucht auch als Vorgänger vor Bachthaler auf dem Hirschen auf. Verwandtschaftliche Beziehungen konnten nicht ermittelt werden.

1891 wird im Rahmen eines Bauantrags zur Kaminerneuerung Josefa Bader als Gastwirtin genannt, wohl die Witwe des Ludwig Bader. Auf einem Foto von 1895 ist Ludwig Bader als Metzger und Michael Eberle als Gastwirt in der Werbeanschrift genannt. 1910 erscheint eine neue Werbeanschrift: Gasthaus Sonne Metzgerei L.Bader Michael Eberle‘. Bader erscheint zwar noch in der Werbetafel, im Einwohnerverzeichnis 1906 ist aber Michael Eberle als Metzger und Gastwirt genannt. Er ist der letzte Wirt auf der Sonne. Während seiner Zeit wurde wohl die Überbauung in der Sonnengasse abgebrochen. Noch 1915 wird eine Umfassungsmauererneuerung durch Michael Eberle beantragt.

Das Haus wurde 1921 von Karl Mareis sen. übernommen und zu einer Buchdruckerei umgebaut, dessen Buchdruckerei vorher im Haus Kaiser-Karl-Str. 6

Von 1921-1923 befand sich im nördl. Teil des EG das Bankgeschäft Marx und von 1925-31 im südl. Teil das private Bankhaus Fr. Xaver Schwandner.

Am 11.07.1930 wurde die Taferngerechtsame (Recht für eine Wirtschaft mit Beherbergung) auf das Café Schönblick, Roggenburger Str. 46 transferiert, weil Stiegele eine Fremdenpension einrichten will und eine solche bisher nicht vorhanden ist.

Um 1950 wird Oskar Mareis als Eigentümer geführt. In seiner Zeit wurde 1953 der Laden ungebaut und eine Werbeanlage angebracht, 1955 der Druckereiraum umgebaut, 1965 ein Teil der Umfassungsmauer erneuert und 1968 neue Fenster eingebaut. 1971 wurde die Fassade saniert, bevor 1977 Oskar Mareis jun. den Betrieb übernahm. 1982 wurde der Hofraum mit einer Stahlkonstruktion überdacht und 1983/84 die Werbeanlage erneuert sowie Markisen angebracht.

1990 verlegte die Druckerei Mareis ihren Betrieb in einen Neubau an der Zeissstr. 8 im Industriegebiet. Das Gebäude Hauptstr. 12 wurde verkauft. Das Schreibwarengeschäft wurde aber unter dem eingesessenen Namen von der ehem. Mitarbeiterin Sonja Schrapp weiter geführt. 1991 wurde das Haus nochmals umgebaut, hierbei wurde ein Fenster im OG blind gemacht. Die Einscheibenfenster wurden 1995 durch Sprossenfenster ersetzt.

Sonja Schrapp wechselte nach ihrer Übernahme des Schreibwarengeschäfts Mareis nach Hauptstr. 3 und führt dort den Laden als Papeterie weiter. In dem Ladenlokal in der alten Sonne eröffnete der Optiker Salzmann aus Neu-
Ulm 2004 eine Filiale.

Quellen:

Quellen:
1 Hans Seitz, Sohn des Claus Seitz (HS14), 1572-81 hier auf Hauptstr. 12, übernahm 1614 das Haus Günzburger Str. 11 in der unteren Vorstadt aus Familienbesitz, verkaufte dieses 1620 und zog hierher.
2 V 59
3 Joseph Holl, Geschichte der Stadt Weißenhorn, 1904

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