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Das Woll- und Waaghaus – jetzt Heimatmuseum

Das große Gebäude neben dem Oberen Tor an der Stadtmauer hat schon viele Nutzungen gehabt: Wollhaus, Waaghaus, Büchsenstadel, Theater, Post, Wohnungen u.v.a.m. Seit 1908 ist hier das Heimatmuseum untergebracht, welches zurzeit runderneuert wird und sich demnächst neu präsentieren wird.

Erbauung als Haus für die Barchentschau

Im 15. Jhdt. war die Freie Reichsstadt Ulm ein regionales Zentrum der Textilherstellung mit 70 – 90 Webern in der Stadt und 300 – 600 Webern auf dem Land. Produziert wurde vor allem der widerstandsfähige Barchent, ein Mischgewebe aus Leinen und Baumwolle. Auch die Stadt Weißenhorn wollte von diesem Gewerbe profitieren und lieh sich 1479 die Summe von 400 fl, um auch einen Handel aufzuziehen. 1480 wurde eine Golschenschau (Tuchschau) mit der Genehmigung Herzog Georgs von Bayern unter dem hiesigen Pfleger Ludwig von Hasberg genehmigt und eingerichtet. [1]Nikolaus Thoman: Weissenhorner Historie, Erstausgabe 1876 nach den Handschriften, Neudruck 1968, Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn. Über die Geschichte der Barchentschau sei auf den einschlägigen Artikel von Eduard Wylicil verwiesen.

Leider wird in den Archivalien nicht beschrieben, wo diese Golschenschau stattgefunden hat. 1534 wurde das Wollhaus neu erbaut. Thoman schreibt in seiner Stadtgeschichte: Anno domini [15]34, am 12 tag May, ward der baw oder das new hauß am obren thor (am marckt) angefangen zu bawen, wart denselben sumer gemacht und das tachwerck beschlossen, aber die inbew nichs gemacht. Es ward schlecht angeben, sollt nur ain gwelb haben, trey leden, den hafner und die gret oder wag und ain buxenstadel. Den andren sumer ward man zu rat, machet trey gwelb, brach an ful orten unden und obnen durch die maur hinaß, machet fenster und getter dafur, machetz zu dem barchat, woll und schaw.

Sicher ist, dass das Gebäude von der Stadt errichtet wurde und nicht von der Herrschaft. Die Fugger förderten zwar die Weberei, besorgten und verkauften die Baumwolle und kauften auch allen Barchent an und handelten damit, betrieben aber die Weberei nicht selbst. Daher hatten sie auch keine Veranlassung, ein Gebäude hierfür zu bauen. Andererseits sind aber auch noch keine unmittelbaren städt. Akten für dieses Gebäude gefunden worden.

Der südl. Teil des Gebäudes diente als sog. Wollhaus für die Barchentschau. Bei dieser Schau wurden die angelieferten Tuche hinsichtlich ihrer Qualität geprüft und klassifiziert. Die begutachteten Waren wurden dann mit den städt. Handelszeichen (Ochse, Löwe (Leo), Traube und Brief) versehen. Hierfür wurde im 1. OG des Gebäudes ein Saal mit einer Renaissance-Balkendecke eingebaut, die teilweise noch vorhanden ist und im Zuge der Museumsneuaufstellung auch sichtbar gemacht werden soll. Der nördl. Teil wurde als Waaghaus verwendet. Hier wurden die städt. Referenzmaße aufbewahrt, damals waren die Maßeinheiten noch nicht vereinheitlicht, d.h., von Ort zu Ort galten andere Maße. Bei Bedarf wurde hier auch gewogen und gemessen. Hierfür war der Waagmeister verantwortlich, der praktischerweise auch gleich hier wohnte. Außerdem waren nach Thomans Angaben auch die Waffen hier untergebracht, er schreibt von einem Büchsenstadel.

Unter dem Museumsgebäude befindet sich ein Keller, der nur ein halbes Tonnengewölbe aufweist. Dieser Keller legt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um den Keller einer Vorgängerbebauung handelt, der beim Bau des Wollhauses halbiert wurde, um hier eine Wegverbindung (Straße An der Mauer) anlegen zu können. Das Vorgängergebäude dürfte bis an die Stadtmauer gereicht haben.

1537 wurde nördlich an das Gebäude der sog. Fugg. Kornkasten angebaut. Zwischen beiden Gebäuden lag ein offener Hof, der zumindest später als städt. Beschälhof [2]unter beschälen wird das Decken (Besamen) einer Stute verstanden genutzt wurde, bis dieser 1918 an die Illerberger Str. verlegt wurde.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich weder im Wollhaus noch im Fugg. Kornkasten Reste oder Anzeichen der Stadtmauer finden. Entweder wurden diese Gebäude – zumindest in Teilen – schon gleichzeitig mit der Stadtmauer errichtet, oder man brach 1535 die Stadtmauer einschl. der Fundamente ab und baute aus diesem Material das Wollhaus und den Kornkasten. Während der Kornkasten einen Keller mit Kreuzgewölbe auf Säulen aufweist – wo eine solche Vorgehensweise nachzuvollziehen ist – ist das Wollhaus – bis auf einen kleinen Keller eines vermuteten Vorgängerbaus – nicht unterkellert. In diesem Bereich könnten allerdings noch Fundamentreste der Stadtmauer schlummern.

Den ersten gesicherten Nachweis im Archiv finden wir – bisher – 1728, als in einem Vermächtnisakt Lorenz Krautheim, Waagmeister, Sohn des Georg Krautheim [GZ16] stirbt und sein Vermögen aufgeteilt wird.

Im Jahr 1777 lässt die Stadt ein Inventarverzeichnis ihrer Immobilien erstellen. Hier wird das Haus beschrieben als: Waag Haus Bestehet in der Beschränks wohnung des Wechters aus weit so anderen gewolberen, inwelchen dann Vorwaisten die zu gefallenen Effeti auf behalten werden. dann in der Waag selbst in dem Komödie, od Theater Saal der Behältnis dann Vorhandenen Monduren, und zweyen Korn Böden, ist ein ziemlich Spatioses gebäude, von einem Werte zu 1500 fl. In diesem Jahr lässt die Stadt auch ihre wichtigsten Gebäude (Schranne, Stadtkanzlei und Waaghaus) mit Steintafeln von Eustach Haberes beschriften, mit dem Reliefwappen der Stadt, bez. Waag Haus der K(aiserl.) K(önigl.) V(order) O(esterreich.) St(adt) W(eißenhorn). Diese Tafeln zeigen also nicht das Datum ihrer Erbauung, sondern der Herstellung der Tafeln.

Nutzung als Theater

Ende des 18. Jhdts. wurde der Barchentschauraum durch Ausbau einer Stütze zu einem brauchbaren Theaterrraum umgebaut. Es ist noch archivalisch nicht erschlossen, wann dieser Umbau erfolgte. Er ist in einer Planzeichnung über die Immobilien der Stadt, ergänzend zu dem o.a. Beschrieb dargestellt. Interessant in diesem Zusammenhang auch der Anbau eines Abtritts im 1. OG auf der Ostseite zur Östl. Promenade.

Theaterspielen hatte in Weißenhorn eine lange Tradition. Namentlich Komödien und Stücke in schwäbischer Mundart, wie sie z.B. der in Weißenhorn geborene Pfarrer Jann in Scheppach, Landsmann und Vetter des Weißenhorner Freskenmalers Franz Martin Kuen, oder sein berühmterer Vetter, der Prämonstratenser-Chorherr Sebastian Sailer (*1714 in Weißenhorn) geschrieben haben, wurden von Laienspielgruppen gerne aufgeführt. Der erste gedruckte Theaterzettel einer komischen Operette in 3 Aufzügen mit dem Titel „Die Lyranten oder das lustige Elend“ stammt aus dem Jahr 1780. Aufgeführt wurde dieses Stück von ‚einer löblichen Bürgerschaft in Weißenhorn‘ [5]Michael Küllenthal, Jahrbuch der Bayerischen Denkmalpflege, Band 33, Deutscher Kunstverlag München/Berlin: Das Bürgertheater in Weißenhorn.

Wohnhaus und Postexpedition

1823 wurden die Räume seitens der Stadt anders genutzt, es bestand Bedarf nach Wohnungen. Der Theatergesellschaft wurde gekündigt und sie fand eine neue Unterkunft im benachbarten ehem. Stadel des Karl Kreuzer (heute Östl. Promenade 3). (Siehe hierzu auch Aufsatz Wolfgang Ott; dem Theaterwesen ist ein besonderer Artikel vorbehalten)

Der Leprosenbenefiziat Joseph Edmund Kellerer beantragte am 24.08.1822 zum wiederholten Male, da er schon zweimal schriftlich eingereicht habe, eine andere Wohnung, da seine Wohnung im Leprosenbenefiziatenhaus (Günzburger Str. 41) unzumutbar sei. Ihm wurde die Wohnung im Waaghaus im derzeitigen Zustand gegeben, bis man im nächsten Frühjahr ein mehr angemessenes Logis ausgemittelt habe. Am 28.02.1823 beantragte Marktrat Raffler, im Waaghaus, wo derzeitig das Theater ist, eine angemessene Wohnung für den Benefiziaten einzubauen. Das Benefiziatenhaus zu den Leprosen sollte verpachtet und die Pacht der Stiftung zugeschlagen werden, während die Stiftung für die neue Wohnung im Waaghaus eine neue Pacht zahlen solle. Zugleich solle die Wohnung des Amtsdieners in die Wohnung des Waagmeisters verlegt werden, der bis dahin im inneren Badhaus (Wettbach 6) gewohnt hatte. Das Badhaus solle verkauft werden. Der Rat beschloss, diesem Antrag zu folgen und die Theatergesellschaft und den Waagmeister hierzu zu hören. Die Theatergesellschaft gab an, gegen das Vorhaben keine Einwände erheben zu können, da das Gebäude ja im Eigentum der Stadt stehe und die Gesellschaft nur geduldet sei. Dennoch solle man bedenken, dass das Theater nicht nur zum Vergnügen der Bevölkerung, sondern auch zur Bildung der Jugend beigetragen hätte und daher die Stadt gebeten werde, ein anderes Gebäude zur Verfügung zu stellen oder bei der Suche behilflich zu sein. Am 05.03.1823 legte Maurermeister Franz Joseph Betz einen entsprechenden Bauplan vor. Der Magistrat beschloss den Wohnungseinbau. In der Stellungnahme des Pfarramtes wurde der Wunsch zur Verlegung der Wohnung unterstützt und als Grund der Priestermangel, das Alter und die Gebrechlichkeit der anderen Priester angeführt, weswegen der Benefiziat in der Nähe der Kirche wohnen sollte. Am 19.06.1823 beschloss man, mit dem Bau zu beginnen, obwohl die Genehmigung der Regierung noch nicht vorliegt, da die Genehmigung nur zum Verkauf des Leprosenhauses und des Badhauses erforderlich sei. Die Theatergesellschaft und die Witwe des Waagmeister sollen angewiesen werden, das Gebäude zu räumen. Auch das Ordinariat stimmte grundsätzlich der Verlegung der Wohnung zu, sofern diese gleichwertig sei. Es wurden aber „in den canonischen Gesetzen begründete“ Auflagen gemacht. So solle das Benefizium hierdurch nicht erneuert, sondern in seinem Bestand erhalten bleiben. Das Leprosenhaus dürfe daher nicht verkauft, sondern nur vermietet werden, da es auch als Zufluchtsstätte diene und für arme und gebrechliche Leute vorgehalten werden solle. Hierzu gehöre auch die Wohnung des Benefiziaten. Außerdem sollte der Benefiziat zum „geisterlichen“ Beistand der Kranken vor Ort sein. Der untere Stock gehöre zudem der Conventsstiftung und stehe deren Mesner zur Verfügung. Im Falle der Verlegung der Wohnung sei die Stiftung auch nicht bereit, einen Mietzins für die neue Wohnung zu entrichten, da ja eine Wohnung im Leprosenhaus zur Verfügung stünde. Letztlich habe die alte Wohnung auch ein Gärtchen zur Selbstversorgung und Erholung des Benefiziaten. Aufgrund dieser Stellungnahme lehnte die Regierung den Verkauf des alten Leprosenhauses ab. Am 05.02.1827 erfolgte ein Schreiben an das Ordinariat, dass man die Wohnung dennoch verlegt habe, das Leprosenhaus aber nicht verkauft habe. Die Verlegung sei der Stadt und der Pfarrei zum Vorteil gekommen.“Die Commune hat nichts verloren, als ein schlechtes Theater“. Es folgen längere Erklärungen warum dieser Schritt richtig war. „Was sollte man nun machen? Pudor jam factus (die Schande ist schon geschehen) HH Benefiziat Kellerer blieb in seiner neuen Wohnung und würde sie für keinen Preis mehr verlassen haben.“

1850 wurden Reparaturen und Umbauten am Gebäude vorgenommen.

1881 erhielt der Nachbar, Malzfabrikant Zimmermann, An der Mauer 4, die Erlaubnis, einen Teil des zwischen den Gebäuden liegenden Hofes (Beschälhof) zu unterkellern. Zimmermann hatte den ehem. Fugg. Kornkasten um 1863 nach dem Fortzug der Fugger erworben und zu einer Malzfabrik umgebaut.

1883 wurde in das Erdgeschoss des Gebäudes die Postexpedition eingebaut, die sich seit 1864 im Gebäude der Jörgenwirtschaft, Memminger Str. 4. befunden hatte. Bei dem Umbau wurde das östl. Gewölbe ausgebaut. Hier in diesem Haus befand sich auch die Wohnung des kgl. Postexpeditors Christian Mayer. Damals waren vier Postboten im Einsatz sowie ein Posthalter beim kgl. Poststall in der Hauptstraße 24. 1896 wurden die Postlokalitäten nochmals erweitert. Das Mietverhältnis mit der Post wurde 1907 noch einmal um 10 Jahre verlängert.

1898/99 wurde im Zuge der Elektrifizierung der Stadt in das Dachgeschoss eine Trafostation eingebaut. Zur Verteilung des el. Stroms erhielt das Gebäude einen mächtigen Dachständer.

Nutzung als Heimatmuseum

Im Jahr 1908 bekam der neu gegründete Heimat- und Museumsverein einen Großteil des Gebäudes für die Einrichtung eines Heimatmuseums überlassen. Ab 01.04.1910 bekam der Museumsverein auch den Oberen Torturm und die ehem. Gendarmeriewohnung überlassen. Der Eingang zum Museum befand sich ursprünglich im Torhof des Oberen Tores.

Der Museumsverein war aber noch nicht alleine in dem Gebäude, besonders beanspruchte die Post noch einigen Platz. 1914 wünschten die Gemeindebevollmächtigten einen 2. Eingang zum Postlokal von Osten (Östl. Promenade) her, der Wunsch wurde vom Magistrat aber abgelehnt. Es wurde stattdessen beschlossen, das Postlokal zu vergrößern und Baumeister Gaiser wurde aufgefordert, einen Bauplan mit Kostenvoranschlag zu erarbeiten. Der von Baumeister Gaiser gefertigte Plan zur Vergrößerung des Postlokals wurde gebilligt, es wurde eine Jahresmiete von 400 M und eine Amortisation von 200 M/Jahr gefordert.

Zum 08.12.1914 wurde das Beschälwartezimmer in der Beschälstation umgebaut, bevor Malzfabrikant Zimmermann 1917 den Kauf des Beschälhofs beantragte. Der Magistrat beschloss am 07.08.1917, den Beschälhof nicht käuflich, sondern pachtweise und zwar auf die Dauer von 25 Jahren gegen Bezahlung einer jährlichen Pacht von 250 M zu überlassen, die Pacht beginne am 1. Januar 1918. Zimmermann darf am Hochbau Änderungen nicht vornehmen, doch erhält er die Erlaubnis, einen Kohlenkeller auf seine Kosten einzubauen. Nach Ablauf der Pachtzeit wird ein Rückersatz nicht gewährt. Am 24.08.1917 beschloss der Magistrat aber doch noch mit fünf gegen zwei Stimmen, den Beschälhof zu verkaufen. Als Kaufpreis wurde der Betrag von 6000 M gefordert. Die Beschälstation wurde 1917 auf das Grundstück Illerberger Str. 6 (hinter dem E-Werk) verlegt.

1924 wurde eine Renovierung des Post- und Stadtratsgebäudes nach Maßgabe des Kostenvoranschlags genehmigt. 1931 zog die Post in ihren Neubau in der Bahnhofstr. 12a um. In den alten Postlokalitäten wurde 1932 ein Übernachtungsraum für Durchreisende und 1933 ein Heim für die HJ und den BDM eingerichtet.

1920 wurden auf Anregung des Kunstmalers Anton Bischof, Kunstblätter gedruckt und durch den Museumsverein vertrieben. Hierzu wurde von den Einwohnern eine Garantie von 8.000 M übernommen. Die Stadt beteiligte sich hieran mit 50%, max. 2.000 M.

1937 wurde die frei gewordene Wohnung im Museumsgebäude An der Mauer 2 dem Heimatmuseum unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Es wurde auch zugesagt, die weitere Wohnung dem Museum zuzuschlagen, wenn diese frei wird. Ab 16.11.1937 stand dem Museum nun der gesamte obere Stock des Gebäudes zur Verfügung.

Zum 17.01.1938 wurde das Heimatmuseum in das Eigentum der Stadt übernommen. Die Einrichtung des Museums war durch den Verein in Eigenleistung erbracht worden. Die Stadt hatte den Verein durch Teilleistungen unterstützt, so war z.B. 1908 der Ankauf des Hinrichtungs-Schwertes von Walburga Igel für 200 RM und 1917 der Ankauf einer Kopie der Thomanschen Chronik für 200 M von Kaufmann Adolf Lachs in Arnsberg/Westf. von der Stadt übernommen worden, auch war seitens der Stadt ein Glaskasten angeschafft worden. 1923 stellte die Stadt dem Verein das Fichtenholz für die Museumsschränke zur Verfügung und überließ auch die Räume kostenlos an den Verein. Die Leistung des Vereins wurde durch eine Anerkennung des Denkmalamtes gewürdigt.

Während der Kriegsjahre des 2. Weltkriegs setzte der Museumsverein seine Arbeiten am Museum fort. 1940 wurde dem Museum der Wehrgang zwischen den beiden Vortürmen überlassen, zur gleichen Zeit wurde der Keller unter dem alten Postgebäude zum Luftschutzkeller ausgebaut. Das Dachgeschoss des Museumsgebäudes wurde zu Ausstellungszwecken ausgebaut, hierbei erhielt das Gebälk 1941 einen Flammschutzanstrich. Zur Belichtung wurden stehende, abgewalmte Dachgauben eingebaut. Die Bauarbeiten zogen sich über die Kapitulation hinaus, und schon am 21.11.1945 wurden durch den Stadtrat die erforderlichen Mittel für die Vollendung des Ausbaus bewilligt. Am 12.07.1946 wurde das Museum durch eine Abordnung des Innenministeriums und des LfD besichtigt. Die Eröffnungsfeier des neu aufgestellten Heimatmuseums fand am 20.09.1947 statt.

1960 wurde der Südgiebel erneuert und die Steintafel vom Alten Rathaus (Schranne) hierher versetzt, der umgedrehte Grabstein des Bürgermeisters Martin Bayer, † 1609, bez. MDCCLXXVII, rundbogig, mit klassizistischem Sockel, ovalem Wappen, darüber sitzender Justitia mit Schwert und Waage, rechts unten zwei Putten. (Diese Tafel wurde zu unbekanntem Zeitpunkt [vor 1982] abgebaut und ist seither verlustig)

1968 wurde das Dachgeschoss weiter ausgebaut. 1986 wurde der Wirtshausausleger des Gasthaus Adler in Oberhausen umgearbeitet und am Museum angebracht. 1987 wurde ein WC mit Putzraum eingebaut.

1991-96 wurde das Museum umfassend saniert. Hierbei wurde das Archiv aus den beiden nördlichen Gewölberäumen in das Rathaus verlagert. Diese Räume wurden fortan als Wechselausstellungsräume genutzt. In das Haus wurde als Heizung eine gasbefeuerte Temperieranlage eingebaut, indem Heizungsrohre in oder vor der Wand montiert wurden. Dieses Modell war damals von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen entwickelt und entsprechend propagiert worden. Es wurde ein neuer Eingangsbereich als Foyer mit Garderobe und behindertengerechtem WC geschaffen. Das Konzept der Innenarch. Margarete Kolb, Design: Werkstatt für Gestaltung war auf möglichst umfassende Beibehaltung des historischen Bestandes ausgelegt. Als Kontrast wurden die erforderlichen neuzeitlichen Einbauten in deutlich zurückhaltender Formensprache entwickelt. In das Museum wurde eine Brandmeldeanlage eingebaut. Ergänzt wurde die Neuaufstellung der Sammlung durch ein einheitliches Werbekonzept, dabei wurden auf der Ostseite drei Stelen mit Segeltuchbespannung und vor dem Museum eine Stele für Wechselanschläge aufgestellt.

Die Sanierung des Museums war damals in 3 Bauabschnitte angelegt. Als 3. Bauabschnitt war die Sanierung des alten Rathauses Kirchplatz 2 nach der damals schon absehbaren Freimachung des Gebäudes nach Umzug der Verwaltung in die sanierten Schlösser. Schon 2009 wurden durch das Büro Kolb, Augsburg, in Fortführung der Gestaltungsprinzipien aus den ersten beiden Bauabschnitten Varianten zur Umnutzung des Gebäudes entwickelt. Ziel dieser Entwürfe war der Einbau eines Museums-Cafés, eine Neuanlage des Haupteingangs und die behindertengerechte Erschließung des Museums. Nach der Diskussion der Entwürfe wurde festgestellt, dass bei der komplizierten Gebäudesituation mit 3 Baukörpern und verschiedenen Ebenen eine behindertengerechte Erschließung ohne starke Eingriffe in die Bausubstanz nicht möglich sei. Die erwarteten Baukosten von ca. 1,5 Mio. € erschienen damals zu hoch.

In einer Alternativplanung des Stadtbauamtes wurde der Einbau eines Aufzugs in den Zwingerbereich des Oberen Tores in Verbindung mit einem gläsernen Verbindungsgang vorgeschlagen. Dieser Aufzug erschien manchen als optisch störend. Die Planungen wurden nicht weiterverfolgt.

Bei Wiederaufnahme der Planungsarbeiten im Jahr 2016 wurde festgestellt, dass zwischenzeitlich einige statische Schäden am Wollhaus entstanden waren, die bei der Sanierung 1991 noch nicht vorhanden oder damals übersehen worden waren. Auch wurde festgestellt, dass die statische Grundkonstruktion von 1535 nicht mehr den heutigen statischen Anforderungen an Museumsgebäude entspricht und auch das Brandschutzkonzept von 1991 nicht mehr als ausreichend angesehen wurde. Das Museum wurde daraufhin 2019 aus Sicherheitsgründen geschlossen.

In Gesprächen mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen äußerte diese die Auffassung, auch das Ausstellungskonzept von 1991 entspreche nicht mehr den heutigen Erwartungen und schlug eine komplette Sanierung des Gebäudes mit Neuorientierung der Präsentation vor. Hierzu wurden hohe Zuschussmittel in Aussicht gestellt. Der Stadtrat folgte im Mai 2018 dieser Argumentation und stimmte einem neuen Rahmenkonzept zu. Es wurden die erforderlichen Voruntersuchungen in Auftrag gegeben. Für die Planung wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, der 2019 entschieden wurde. Den Auftrag erhielt das Architekturbüro Beer Bembè Dellinger, das Museumskonzept bearbeitet das Büro Thöner von Wolffersdorff, Augsburg.

Zurzeit laufen die Planungsabstimmungen. Ein Termin für die Wiedereröffnung des Museums ist noch nicht benannt worden.

Quellen:

Quellen:
1 Nikolaus Thoman: Weissenhorner Historie, Erstausgabe 1876 nach den Handschriften, Neudruck 1968, Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn
2 unter beschälen wird das Decken (Besamen) einer Stute verstanden
3, 4, 6, 7, 8, 9 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
5 Michael Küllenthal, Jahrbuch der Bayerischen Denkmalpflege, Band 33, Deutscher Kunstverlag München/Berlin: Das Bürgertheater in Weißenhorn
10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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