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Das Schnaggele (Gasthof zum goldenen Ochsen) – Memminger Str. 21

Der Gasthof zum goldenen Ochsen ist unter seinem eigentlichen Namen in Weißenhorn nicht geläufig. Er wird im Volksmund nur als Schnaggele bezeichnet. Er war immer nur Schankwirtschaft und nie Brauerei. Das Gebäude wurde 1702 neu erbaut. Ab 1741 wurde die Schusterherberge (Zunftlokal der Schuster) vom Pflug (GZ04) zum Goldenen Ochsen übertragen.

Ein bekannter Fasnachtsreim lautet: „Beim Schniggele, beim Schnaggele, da kehret Maschkre oi und trinket Bier und Branntewein und schiabet d’Gläsle oi“

Erster Vorgängerbau

Erstmals ist1475 mit Ulrich Hermann ein Besitzer klar zuzuordnen. Eigentümer vor 1475 sind archivalisch nicht feststellbar. Für das Steuerblatt 1492 kann kein Eigentümer zugeordnet werden. 1496 folgt Engel Hämerlin, ab 1502 Claus Heckel (vorher Fischergasse 2) und ab 1505 seine Witwe. 1508 wechselt diese auf das Haus Memminger Str. 11 und kommt 1511 hierher zurück. Es wird vermutet, dass in dieser Zeit das Haus neu erbaut wurde und Frau Heckel während der Bauphase auf MM11 wohnte.

Zweiter Vorgängerbau

Im Jahr 1511 kommt Frau Heckel auf das neu erbaute Haus zurück. 1514 wird Claus Heckel (wohl der Sohn) Eigentümer, ab 1515 Engela Hecklin. Für die folgenden Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. Noch vor 1548 war Petter Mezger auf diesem Haus, ab 1548 Martin Maurer. Im Zinsbuch B 304 wird der Eigentümer zur gleichen Zeit Marthin Ziegler genannt. Bei allen Mitgliedern der Familie wechselt die Benennung zwischen ‚Ziegler‘ und ‚Maurer‘, Hans Maurer (MM27), Martin Maurer (MM21) und Blasius Maurer (MM40). 1553 ist Martin Maurer jung als Eigentümer verzeichnet. In den Jahren 1598-1604 wird das Haus in den städt. Steuerbüchern nicht erwähnt. Vielleicht war das Grundstück nur zur Liebfrauenpfleg steuerpflichtig und daher nur in B 304 verzeichnet und nicht im städtischen Steuerbuch B 84. Martin Maurers Witwe wechselt 1607 auf das Haus Hagenthalerstr. 2. [1]Diese Eigentümerzuschreibung zu HT02 ist nicht gesichert und basiert auf der Reihenfolge im Steuerbuch B 86. In B 87 ist jedoch Hans Bidermann (auch MM40) als Eigentümer eingetragen, Peter Weiß … Continue reading 1607 bewohnt der Einlasser Jacob Seiz das Haus. Im Jahr 1614 kommt Martin Maurers Witwe wieder hierher zurück, der Besitz umfasst Behausung, Hofraithen, Stadl und Gartten mit einem Wert von 370 fl. Nachdem im Liegenschaftsbeschrieb 1614 ein Stadel genannt wird, muss ein solcher zwischen 1550 und 1614 errichtet worden sein.

1617 ist wieder Jacob Seitz hier gemeldet. Ihm folgt 1626 Hans Pfister, Hofmeister, mit Behausung Hofraiten, Stadel und Garten. 1636 ist Hans Baders Witwe als Eigentümerin genannt. Deren Herkunft kann leider nicht abgeleitet werden. Überhaupt sind in den nächsten Jahren häufige Eigentümerwechsel. Noch in den 1630ern kommt Caspar Kast, in den 1650ern Hans Weickmann, ab 1660 Christian Hartmann und ab 1686 David Hartmann.

Neubebauung 1702

Am 28.06.1702 wird das Grundstück Christoph Bader zugeschrieben, der zuvor auf der Traube (Kirchplatz 8) war und diese seinem Sohn Josef Bader überschrieb. Er selbst baute sich in der Memminger Str. 21 ein neues Haus. Im Steuerbuch wird erwähnt, dass Christoph Bader in seiner neuen Behausung in der obern Vorstadt beim „guldenen Oxen“ Wein ausschenken will. Das Haus wird im OG mit vorspringendem Fachwerk errichtet. Auch 1706 ist im Steuerbuch der Hinweis ‚Behausung neuerbaut‘, der Wert wird auf 600 fl festgesetzt. Bis 1786 wird das Gebäude in den Steuerbüchern allerdings nicht als Gaststätte erwähnt und der Inhaber nicht als Bräuer. Christoph Bader stirbt 1707, das Erbe wird aufgeteilt.

Zum 01.01.1709 übernimmt Christoph Baders Schwiegersohn, der Metzger Andreas Mayer, das Anwesen. Wegen eines neuerbauten Stadels wird die Steuer um 200 fl erhöht. 1729 wird der Wert schon mit 900 fl veranschlagt. Ab 1741 wurde die Schusterherberge (Zunftlokal der Schuster) vom Pflug (GZ04) zum Goldenen Ochsen übertragen. 1743 wird über das Vermögen des Andreas Mayer ein Inventarium erstellt. Am 05.11.1743 beauftragt Andreas Mayer wegen einer Schuldsache gegen den Engelwirt [?] Käufel einen Advocaten N. Nubling in Ulm beauftragt. Im Zuge dieser Auseinandersetzung müsste Andreas Mayer Eigentümer des Engel geworden sein, indem sich Andreas und Eustach Mayer (Vater und Sohn) am 09.01.1756 wegen des Grundbesitzes [HS09 und MM21] auseinandersetzen. Andreas Mayer hatte bereits am 06.06.1755 den Gasthof an seinen Sohn Eustach verkauft. Der Wert wurde mit 1000 fl veranschlagt. Der Vater Andreas Mayer stirbt am 06.08.1789, das restliche Erbe wird verteilt.

Zum 18.04.1789 kauft der Metzger Franz Winkle das Haus. Bereits im Einwohnerverzeichnis 1786 ist Franz Winkler als Goldochsenwirt aufgeführt. Vielleicht war er zu dieser Zeit nur Pächter der Wirtschaft. Franz Winkle könnte ein Sohn des Storchenwirts Joseph Winkle gewesen sein.

Am 26.04.1793 folgt mit dem Metzger Josef Solger der nächste Wirt auf dem Goldenen Ochsen, am 18.02.1835 wird Dominikus Renz neuer Eigentümer. Er verkauft die Gaststätte am 09.05.1837 an Josef Wöhr und bleibt selbst als Pfründner in dem Haus. Am 28.12.1848 übernimmt Martina Wöhr (Witwe oder Tochter?) das Anwesen, ihr folgt 1855 mit Josef Wöhr vermutlich der Sohn des alten Josef Wöhr. 1863 sind Josef und Martina Wöhr als Eigentümer genannt, wonach es sich altersmäßig um seine Schwester handeln dürfte. Zum 23.11.1871 übernimmt der Sohn Georg Wöhr zusammen mit seiner Ehefrau Theresia Bissinger das Schnaggele. 1881 wird die Gaststätte und die Metzgerei umgebaut, 1890 der Stall erweitert und eingewölbt. Ab 28.05.1895 führt die Witwe Theresia Wöhr das Lokal weiter, 1905 ist dann ihr Sohn Josef Wöhr als neuer Eigentümer geführt. Er erneuert die Umfassungsmauer und baut einen neuen Abort ein. Möglicherweise ist bei diesem Umbau auch der Schweifgiebel errichtet worden, so wie es bei mehreren Häuser in der Stadt zu dieser Zeit Mode war. Leider fehlen von diesem Haus ältere Fotodokumente. Josef Wöhr führt die Wirtschaft bis 1932.

1933 wird die Wirtschaft durch den Engelwirt Adolf Kircher übernommen. Er verpachtet das Lokal, als erste Pächterin erhält am 02.03.1934 Anna Fortner die Gaststättenkonzession. Im Jahr 1948 wird Kaspar Fortner (der Sohn?) als Pächter geführt.

1956 wird die Wirtschaft durch Adolf Kircher umgebaut. 1959 wohnt Kaspar Fortner noch hier, als Gastwirt wird aber Georg Widmann geführt. 1962 wird durch Anna Walser (Tochter des Adolf Kircher) ein Fleischwarenladen angebaut, 1964 wird Georg Widmann als Metzger und Gastwirt geführt, auch noch im Jahr 1968. Im Jahr 1977 steht der Metzger Hyazinth Kopf im Adressbuch, auch noch 1984.

1996 wurde das Haus an Üzeyir Adigüzel verkauft, der das Gebäude zu einer Fremdenpension umbaute, das DG ausbaute und ein Nebenzimmer einbaute. Seitdem wird das Schnaggele nicht mehr als Gastwirtschaft, aber als Frühstückspension genutzt. Adigüzel kaufte 2003 auch das Haus Fischergasse 2 und baute es zu einer Pension aus und 2010 erwarb er das Haus Fischergasse 6, brach es ab und baute an dieser Stelle auch ein Gebäude mit Fremdenzimmern.

Quellen:

Quellen:
1 Diese Eigentümerzuschreibung zu HT02 ist nicht gesichert und basiert auf der Reihenfolge im Steuerbuch B 86. In B 87 ist jedoch Hans Bidermann (auch MM40) als Eigentümer eingetragen, Peter Weiß erst ab 1617 und Martin Maurers Witwe bleibt auf MM21.
2, 3, 4, 5 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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