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Das Haus Konrad-Huber-Str. 3

Bei dem Haus Konrad-Huber-Str. 3 handelt es sich um das ehemalige Pfarrhaus der Stadtpfarrei. Zum kirchlichen Besitz gehörte auch das sog. Kaplanhaus, An der Mauer 15, und der Pfarrstadel An der Mauer.

Das Jahr der ersten Bebauung lässt sich archivalisch nicht feststellen. 1477 ist in der Urkunde U109 ein Nicolaus Kuen als Eigentümer genannt, auch 1478 in U113. 1480 wird das Haus als Bruderschafts-Haus bezeichnet. [1]B 303-3a Es ist nicht klar, welcher Bruderschaft das Gebäude zuzurechnen ist. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass das Haus demnach schon immer in kirchlichem Besitz war. Es ist nicht nachzuvollziehen, ab wann tatsächlich die Nutzung als Pfarrhaus begann.

Von 1548 bis 1565 ist in den Steuerbüchern „Apts von Roggenburgs Behausung“ in diesem Bereich verzeichnet. Dieses Haus könnte sich auf dem Grundstück An der Mauer 13 befunden haben oder das nachmalige Pfarrhaus gewesen sein. Ab 1556 ist das Kloster Roggenburg auf dem Grundstück Wettbach 1 zu finden.

Da das Gebäude als kirchlicher Besitz nicht steuerpflichtig war, erscheint es nicht in den Steuerbüchern. Es kann auch kein anderer Eigentümer aus der Reihenfolge der Namensnennungen abgeleitet werden, so dass angenommen wird, dass das Pfarrhaus auch im 16. Jhdt. schon in diesem Haus untergebracht war. Ab 1614 werden die Häuser in der Lage durch die Nachbarn beschrieben, so ist das Haus jetzt bei den Nachbarn als Pfarrhof bezeichnet.

Eventuell wurde das Haus im 17. Jhdt. neu oder umgebaut, da die bauliche Struktur und Konstruktion in diese Zeit weist. Leider konnten bei diesem Haus in Privatbesitz keine Untersuchungen vorgenommen werden. Bis zur Entkernung 2020 waren in dem Haus wegen der besonderen Nutzung barocke Stuckdecken mit religiösen Gemälden vorhanden.

Im Jahr 1777 werden die städtischen Immobilien erfasst und beschrieben. Das Haus Konrad-Huber-Str. 3 war zwar Eigentum der Pfarrkirchenstiftung, die Stadt hatte aber die Baulast, weswegen das Gebäude auch folgendermaßen erfasst wurde:

C der Pfarrhof, Scheur und S. Leonhardi Pfründ Haüße, sind ebenfalls im Wert von 1580 fl und von der gemeinen Stadt zu unterhalten deren unterkommen ist zwar nicht so gar Spatzios, doch wohl und gut hergestellet.

Am 27.04.1843 verstarb Stadtpfarrer Nikolaus Knappich. Nun ging es darum, den alten Pfarrhof für einen Nachfolger aufzubereiten. Bei einem Ortstermin am 02.06.1843 mit der Bauinspection Dillingen und Maurermeister Kerner wurde das Gebäude eingehend untersucht und aller Reparatur- und Renovierungsbedarf detailliert aufgenommen. Insgesamt wurde der Baubedarf auf 1222 fl 16 x geschätzt. Wegen der hohen Renovierungskosten zog man den Bau eines neuen Pfarrhofs östlich der Kirche in Erwägung. Die Diskussion hierüber zog sich über 5 Jahre hin. (siehe hierzu gesonderten Artikel) Im Oktober 1848 wartete Stadtpfarrer Bisle nun schon seit 5 Jahren auf die Renovation des Pfarrhofs und litt unter den schlechten Wohnverhältnissen. Er schlug vor, ihm die oberen 2 Stockwerke der Stadtmagistratur (Kirchplatz 7) zu überlassen und die Wohnung des Amtsdieners für sein Pferd umzubauen. Der alte Pfarrhof könnte von der Stadtmagistratur genutzt werden. Der Magistrat fragte die Gemeindebevollmächtigten, die sofort zustimmten. Am 10.11.1848 beschloss der Magistrat, den Vorschlag Bisles anzunehmen. Bisle war sehr erfreut, stimmte dem Vertrag am 19.11.1848 zu und zog schon am nächsten Tag in die neue Wohnung.

Nachdem der Stadtpfarrer nun das 1. und 2. OG des Kanzleigebäudes KP07 als Pfarrhaus nutzte, beschloss der Magistrat, das alte Pfarrhaus, das Kaplanhaus und den Pfarrstadel zu verpachten. Die Verpachtung wurde am 30.12.1848 bekannt gemacht und am 10.01.1849 durchgeführt. Stadtpfarrer Bisle wandte sich noch gegen die Verpachtung des Wurzgartens, den er gerne behalten wollte, was ihm aber nicht zugestanden wurde.

Bei der Pachtversteigerung am 10.01.1849 bot für das Pfarrhaus Alois Schwager 31 fl und für das Ökonomiegebäude 15 fl, für das Kaplanhaus bot Hartung 14 fl und für den Wurzgarten 5 fl  Für das Gesamtpaket gab jedoch Ganz mit 100 fl das Höchstgebot ab. Somit erhielt Ganz den Zuschlag. [2]A 220/9

Bis 1856 war der Stadtpfarrer im Stadtkanzleigebäude Kirchplatz 7 nur wohnhaft, es ist nicht bekannt ob als Mieter oder ohne Gegenleistung. 1856 entschied man sich nun endgültig, die Stadtverwaltung in das Kraygebäude Kirchplatz 2 (Altes Rathaus) zu verlegen, wo sie die nächsten 150 Jahre auch bleiben sollte. Am 10.10.1856 beschloss der Magistrat das Kanzlei-Gebäude definitiv, vorbehaltlich der Zustimmung der G.B., als Pfarrhof zu bestimmen, dagegen soll der alte Pfarrhof mit den 2 Stadeln der Comune als Eigenthum zufallen. Dieser Tausch dürfte um so bereitwilliger aczeptirt werden, wenn man berücksichtigt, daß das Kanzlei-Gebäude 7000 – 8000 fl Werth ist, während die alten Pfarrhof Localitäten höchstens 3000 fl Werth haben.

Am 03.07.1862 beantragte die Stadt beim Bezirksamt Illertissen – welches die verwaltungstechnische Nachfolge des Landgerichts Roggenburg übernommen hatte – die Zustimmung zum Verkauf des alten Pfarrhofs. Vorher musste sich der Magistrat noch erklären, die Baupflicht auf den neuen Pfarrhof zu übertragen. Am 04.12.1862 wurde die Genehmigung erteilt und der Eigentumswechsel am 10.01.1863 im Grundbuch vollzogen. Sofort ging man an den Verkauf des Gebäudes und inserierte die Versteigerung am 31.01.1863 im Ulmer Landboten. Bei der Versteigerung mit vorheriger Bekanntgabe der Bedingungen erhielt nach 60 (!) Geboten, beginnend bei 2100 fl, der Schreiner Konrad Kunzmann mit 3520 fl den Zuschlag. [3]Kunzmann gehörte vorher das Haus Mariengasse 1 welches er an den Maler Ehrhardt (vorher Seb.-Sailer-Str. 2) verkauft Mit der Genehmigung des Vorgangs durch das Bezirksamt Illertissen am 25.04.1863 endete die öffentliche Nutzung des alten Pfarrhofs.

Es verblieb noch der Pfarrstadel nach dem Gebäudetausch bei der Pfarrei. Dieser war Teil der geschlossenen einstöckigen Bebauung, die an der alten Stadtmauer auf der Ostseite der Stadt Ende des 18. Jhdt. entstand, nachdem die Mauer dort niedergelegt wurde. Der Stadel lag genau an der Stelle, wo heute die Konrad-Huber-Str. zur Östlichen Promenade führt. Am 18.05.1876 kaufte die Stadt den Stadel von der Pfarrpfründe um diesen Durchbruch zu schaffen. Die Restflächen rechts und links wurden verkauft, zum einen an Joh. Nep. Laupheimer, der hier das Haus An der Mauer 18 erbaute und an den Hasenwirt Anton Walser zur Erbauung seiner (1984 abgebrochenen) Mälzerei auf dem heutigen Grundstück Östl. Promenade 15. [4]II, 912-20/1

Martin Kunzmann übernahm am 22.05.1895 das Haus seines Vaters. [5]StAAu Hyp. V Ab 1922 sind häufigere Eigentumswechsel: Simon Unsöld, Landwirt; Therese Usöld, Rentnerin; Josef Brak, Hilfsarbeiter; und der Viehhändler Josef Backeler. Schließlich wird das Haus vom Eigentümer des Textilgeschäftes Hauptstr. 22 erworben und 1984 mit diesem durch einen Verbindungsgang verbunden und gemeinsam genutzt. 2004 wurden die Fenster des Hauses erneuert.

Die Madonna in der südöstlichen Gebäudenische wurde entfernt, der Verbleib ist unbekannt.

Nach einem weiteren Eigentümerwechsel wurde das Haus längere Zeit zum Verkauf angeboten und fand dann einen neuen Eigentümer. Da die Stuckdecken nicht dem Geschmack des neuen Eigentümers entsprachen und das Haus nicht unter Denkmalschutz stand, wurde das Haus völlig entkernt und wird zurzeit umgebaut, wozu auch das DG ausgebaut und mit Dachgauben versehen wurde.

Quellen:

Quellen:
1 B 303-3a
2 A 220/9
3 Kunzmann gehörte vorher das Haus Mariengasse 1 welches er an den Maler Ehrhardt (vorher Seb.-Sailer-Str. 2) verkauft
4 II, 912-20/1
5 StAAu Hyp. V
6, 7 Weißenhorner Heimatmuseum [Foto: Heimatmuseum]

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