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Das Haus Günzburger Str. 4 – ehem. Gasthaus Pflug

Das Haus Günzburger Str. 4 war von 1614-1773 ein Brauereigasthof, danach bis 2009 eine Bäckerei, genannt ‚Steckabäck‘. Es ist jetzt der vierte Bau an diesem Standort.

Erstbebauung vor 1556

Eigentümer vor 1475 sind archivalisch nicht feststellbar. Der erste dokumentierte Besitzer ist Haintz Bretzel. Die folgenden Eigentümer sind für die Baugeschichte nicht wichtig und können bei Bedarf dem pdf-Dokument entnommen werden. Die Zuordnung von Eigentümern bis 1548 ist außerdem uneinheitlich, auch weil nicht genügend Aufzeichnungen vorhanden sind. Das Haus erscheint erst 1556 wirder in den Steuerlisten, daher wird angenommen, dass es zwischen 1518 und 1548 aufgegeben und abgebrochen wurde.

Zweitbebauung 1556

Als erster Eigentümer des Neubaus erscheint 1556 der Schuster Thoman Schwarz. Ebenfalls erscheint der Kantor Hans Endreis als Bewohner, der vorher auf GZ03 verzeichnet war. 1562 ist Thoman Schwarz alleine auf dem Haus genannt. In den Jahren 1604-1610 wird kein Steuerpflichtiger hier genannt. Dies ist eigenartig, da das Haus zu diesem Zeitpunkt erst ca. 50 Jahre alt war und Thoman Schwarz mit zuletzt 2 fl 45 kr Steuer eher zu den wohlhabenderen Bürgern gehört haben dürfte. Es wird vermutet, dass das Haus im Erbschaftsweg an Eigentümer gegangen ist, die es als Zweitbesitz hatten (evtl. Conrad Seitz, GZ19) und daher hier nicht aufgeführt sind. Conrad Seitz lässt sich aber nicht bis 1604 zurückverfolgen, so dass noch ein weiterer Eigentümer dazwischen liegen müsste. Im Jahr 1610 ist Conrad Seitz Witwe hier gemeldet.

Im Jahr 1614 ist erstmals eine Brauerei auf diesem Grundstück nachweisbar: Hans Mayer, Biersieder, Behausung, Hofraiten, Stadel und Garten; Wert 500 fl. Dieser Hans Mayer dürfte ein Sohn des Sternwirts Ulrich Mayer (GZ01) gewesen sein. 1620 ist Lorenz Stigele der Eigentümer. Er dürfte der Sohn des Lammwirts Lorenz Stigele gewesen sein, der nach anderweitigem Aufenthalt nach Weißenhorn zurückkam und evtl. die Witwe des Hans Mayer heiratete. 1636 kauft er die ehem. städt. Mang (Günzburger Str. 5) auf der gegenüberliegenden Straßenseite hinzu. 1648 ist er wahrscheinlich gestorben, denn seine Witwe heiratete 1649 einen Jacob Helmreich, der auf dem Lamm Bräuer gelernt hatte. 1651 übernahm sie mit ihm das Lamm und kehrte somit auf die Heimatwirtschaft ihres 1. Mannes zurück. Den Pflug übernahm Lorenz Stigeles Sohn, den man zur Unterscheidung Lorentz schrieb. 1651 kaufte Lorentz auch noch das Grundstück Untere Mühlstr. 4. 1660 übernimmt Georg Stigele, Bräu, Sohn des Lorenz Stigele, nach dem Tod seines Vaters die Gastwirtschaft; jetzt ist in der Liegenschaftsbeschreibung auch noch von einem Bräuhaus die Rede. Georg Stigele baut 1674 auf dem gegenüberliegenden Grundstück Günzburger Str. 5 ein neues Gasthaus (Hecht) und zieht dorthin. Den Pflug übernimmt sein Bruder Lorenz Stigele jun.

1676 baut Lorenz Stigele einen neuen Stadel hinzu, der eine Werterhöhung von 200 fl mit sich bringt. Nach dem Tod seines Bruders Georg und seiner Schwägerin Catharina fällt Lorenz Stigele 1691 auch das Eigentum am Gasthaus Hecht, Günzburger Str. 5, zu, welches er an Joseph Schwinghammer weiterverkauft.

Neubebauung 1693

1693 erscheint mit dem Bräuer Mathes Fahrenschon ein neuer Besitzer. Es ist nicht vermerkt, ob er durch Kauf oder Heirat Besitzer des Gasthofs wird. Die Immobilie mit Behausung, Hofraithen, Stadel neuerpaut, Prewhaus und Garten hat einen Wert von 1000 fl. 1721 wurde Leonhard Merkle, der Schwiegersohn des Mathes Fahrenschon, Eigentümer und Bürger. Jetzt ist auch erstmals der Name der Wirtschaft als ‚Pflug‘ genannt.

Am 11.04.1737 verkauft Leonhard Merkle, Pflugwirt, das Gasthaus an Josef Aich, Bräuknecht von Ammerstetten (bei Schnürpflingen) für 2100 fl. Aich heiratet zugleich die Jungfrau Johanna Kempfle von hier, Stieftochter des Lorenz Göz (Hauptstr. 3). Im Inventar der Gastwirtschaft sind gem. Kaufvertrag enthalten: 6 Maßkrüge, 6 Halbmaßkannen, 6 zinnerne Teller, 3 Zinnschüsseln, 4 angerichtete Gastbetten und 1 Messinghahn. 1741 wurde die Schusterherberge (Zunftlokal der Schuster) vom Pflug zum Weißen Ochsen (MM21) übertragen. 1752 ist Johanna Aich als Witwe die Eigentümerin.

Johanna Aich gerät um 1757 in finanzielle Schwierigkeiten. Einen Gantprozess kann sie durch einen Vergleich mit dem Gläubiger Matheus Pfisterer aus Vöhringen abwenden. Die Ratsprotokolle berichten 1761, dass der Gasthof Pflug des verstorbenen Josef Aich schon lange Jahre unverkäuflich dastehe, indes darauf viele landesfürstliche und städtische Steuern angewachsen sind.

Am 25.04.1761 kauft Andreas Winkle, Bräuknecht, Sohn des Storchenwirts Christoph Winkle, mit Eintritt der Volljährigkeit und Ende der Waisenpflegschaft mit der Erb-Summe von 927 fl den Pflug. Vorstehende Behausung ist dem Andreas Winkle inclusive Bräugerechtigkeit und exclusive Stadel um 650 fl unter der Bedingung verkauft worden, daß er, solange er nit bräut, allein versteuern solle 500 fl. Hiermit wird gesagt, dass auf dem Pflug nicht mehr gebraut wurde, evtl. wurde er noch als Schankwirtschaft betrieben. Mit dem Verkauf 1773 an den Bäcker Josef Zwanzger endet auf jeden Fall die Geschichte des Gasthofs, abgesehen von der Einrichtung eines Imbiss im Jahr 2019.

Am 10.10.1773 wurde die Bäckergerechtigkeit des Nachbarhauses Günzburger Str. 6 nach hierher übertragen und Josef Zwanzger richtet hier eine Bäckerei ein. Am 27.04.1801 heiratet der Bäcker Thomas Markthaler die (Tochter oder Witwe?) Genofeva Zwanzger. Im Zuge der Übernahme wird die noch auf dem Haus ruhende Bräugerechtigkeit angesprochen Dieses Haus hat Bräustattgerechtigkeit, scheint aber kein Hoffnung zu sein, solche aufrichten oder verkaufen zu können.

Thomas Markthaler übergibt am 07.08.1841 das Haus seinem Sohn Thomas Markthaler jun., der Theres Klotz, Tochter des Hasenwirts (Hauptstr. 13) heiratet.

Ersatzbebauung nach Brand 1847

Das alte Gebäude brannte im Herbst 1847 (28.10.1847) vollständig ab. Der Bäcker Thomas Markthaler beantragte im März 1848 die Wiedererrichtung des Gebäudes. Die Ökonomiegebäude sollen aber nicht mehr wie früher schräg, sondern jetzt rechtwinklig angebaut werden. Auch wurde der Eingang auf die Frontseite verlegt. Aufgerichtet wurde der Dachstuhl am 27.05.1848.

Am 18.12.1854 verkauft Thomas Markthaler die Branntweingerechtigkeit (die Rede ist nicht von der Braugerechtigkeit) an Josefa Stigele, Günzburger Str. 22. Dort ist keine Gastwirtschaft vorhanden, nur ein Lebensmittelgeschäft. Am 13.06.1856 kauft Jakob Harder von Waldstetten das Anwesen des Thomas Markthaler und übernimmt die Bäckerei. Ab ca. 1878 folgt der Sohn Jakob Harder, der das Nebengebäude um einen Anbau nach Osten erweitert. Der Zeitpunkt des Schaufenstereinbaus ist nicht dokumentiert.

Im Jahr 1906 ist im Einwohnerverzeichnis der Bäckermeister Josef Schwarz als Eigentümer genannt. Er baut 1925 einen neuen Backofen ein. Vielleicht ist zu dieser Zeit auch die Schaufensteranlage verändert worden. 1948 führt Hans Seitz die Bäckerei. Er ändert 1954 die Fassade und baut ein größeres Schaufenster ein. 1969 wird der Laden nochmals umgebaut und das Schaufenster vergrößert, bis um 1975 der Bäckermeister Halusa das Geschäft übernimmt.

Gegen das Jahr 2000 wurde die Bäckerei aufgegeben, das Ladenlokal wurde noch von anderen Bäckereien als Verkaufsstätte genutzt.

Um 2009 wurde das Gebäude verkauft und in Abschnitten umgebaut. Zuerst wurde im EG ein Döner-Imbiss eingebaut, etwas später eine ‚Sports-Bar‘. Das EG wurde auf der Straßenseite mit hochglänzenden Natursteinplatten verkleidet. Das östliche Nebengebäude wurde abgebrochen und durch einen WQohnhaus-Anbau ersetzt. Zuletzt wurde auch ein neuer Dachstuhl mit großen Gauben aufgebaut. Hierdurch wurde die Gestaltung des Gebäudes wesentlich verändert, das Haus verlor die Struktur und die Gliederungselemente des 19. Jahrhundert vollständig.

Quellen:

Quellen:
1, 2 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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