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Das Haus Bahnhofstraße 11a

Das Grundstück befindet sich zwischen den beiden Rotharmen und ist im Urkataster 1823 als Grünland dargestellt. Im südlichen Teil des Grundstücks ist eine Grabenverbindung zwischen den beiden Rothen dargestellt, die an der höher gelegenen Ostroth durch ein Ablasswehr regelbar war. Hinter dem Wehr sammelte sich das Wasser im sog. ‚Kurz’schen Gumpen‘. Bei der Regulierung der Roth um die Jahrhundertwende wurde diese Grabenverbindung aufgegeben. Im Katasterblatt 1909 ist bereits die Goldwarenfabrik eingetragen und der Gumpen nicht mehr vorhanden.

Die Kurz’sche Goldwarenfabrik

Mit Augustin Gözel erscheint am 16.03.1800 das erste Mal ein Gürtler auf dem Anwesen Heilig-Geist-Str. 2. Am 12.09.1805 wird das Haus von Xaver Baur, ebenfalls Gürtler (vielleicht der Schwiegersohn) übernommen. Dieser bleibt bis zum 14.12.1833 auf diesem Haus und gibt es weiter an einen Josef Göppel, wieder Gürtler und wohl wieder ein Schwiegersohn. Dieser Josef Göppel firmiert ab 1938 als Goldarbeiter. Mit ihm beginnt die lange und erfolgreiche Tradition der Goldarbeiter in Weißenhorn.

Am 31.08.1875 geht das Anwesen an Josef und Theres Oberbigler, Goldarbeiterseheleute, über. Mit Friedrich Weißenhorner kommt ab 17.03.1885 ein weiterer Name als Goldarbeiter in die Bücher, der hier bis 1934 genannt ist, ab 1922 als Goldschmied bezeichnet, was auf einen gleichnamigen Nachfolger hindeutet. Es folgt Valentin Hörmann, dessen Nachfahren bis heute als Goldwarenhändler auf diesem Haus ansässig sind.

1856 kauft der Goldarbeiter Nikolaus Kurz von seinem Schwager Anton Weißenhorn (wohl der Vater des Friedrich Weißenhorn von Heilig-Geist-Str. 2) das Haus Hauptstr. 6 und baut es grundlegend um. Sein Sohn, ebenfalls Nikolaus Kurz, baut die Goldschmiede weiter aus und baut in den hinteren Teil des Grundstücks um 1886 eine Werkstatt, die er 1893 noch einmal vergrößert. Doch diese Werkstatt reicht bald nicht mehr aus. Zusammen mit seinem Bruder beschließt das Brüderpaar, die Goldschmiede industriell zu betreiben und ein Fabrikgebäude zu bauen.

Am 05.11.1903 beantragten die Brüder den Kauf der Wiese gegenüber der Schilleranlage, die damals brach lag. Die Stadt gab dem Antrag statt und bot den Goldwarenfabrikanten Gebr. Kurz die Grundstücke Fl.Nr. 145 und 145/2 für 2.600 M zum Kauf an. Aus nicht bekannten Gründen erfolgte der Verkauf jedoch nicht im Jahr 1903, woraufhin die Gebr. Kurz am 27.04.1905 nochmals nachfragten, ob sie das Grundstück noch zu den gleichen Bedingungen haben könnten. Am 28.04.1905 beschloss der Stadtrat den Verkauf.

Der Bierbrauer zum Löwen, Johann Hörmann, war mit diesem Verkauf aber nicht einverstanden. Er beantragte, die Grundstücke öffentlich zu versteigern, da es mehrere Interessenten gebe und so ein höherer Preis zu erzielen sei. Die Sache wurde zu einer Rücksprache mit Gebr. Kurz zurückgestellt. Dem Vorschlag des Joh. Hörmann wurde aber nicht gefolgt, weil man den Kaufpreis bereits in beiden Kollegien beschlossen und den Gebr. Kurz angeboten habe.

Am 23.08.1907 wurde der Bauantrag für das Fabrikgebäude im Stadtrat behandelt und vermutlich 1909 mit der Kanalisation fertiggestellt.

Die Firma überstand die Inflation, geriet aber als Spätfolge der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1935 in finanzielle Schwierigkeiten. Die Sparkasse löste dann ihre Hypothekenkredite ein und übernahm das Gebäude. Der Sparkassenleiter Xaver Schwandner kümmerte sich persönlich um eine Verwertung des Gebäudes, was nicht so leicht erschien. Schwandner stellte einen Bauantrag zum Einbau von 3 Wohnungen in das Anwesen, der aber nicht durchgeführt wurde.

Frau Maria Fröhler aus Weißenhorn, Mitinhaberin der Backwarenfabrik Fröhler, die seit 1926 in den Räumen der Fa. Huber (Maria-Theresia-Str. 8) Backwaren produzierte, zeigte auch Interesse am Kauf der ehem. Kurz’schen Goldwarenfabrik Bahnhofstr. 11a. Im Gespräch war ein Kaufpreis von 35.000 RM. Frau Fröhler zog dann doch den Kauf der Kling’schen Hallen, Maria-Theresia-Str. 8-12, für 7250 RM vor.

Die städtische Oberrealschule

Die Stadt Weißenhorn hatte schon mit Kaufvertrag vom 18.02.1931 die sog. Kling’schen Hallen an der Maria-Theresia-Str. für 22.033 RM erworben. Die Fa. Kling war durch einen Großbrand 1925 und die nachfolgende Weltwirtschaftskrise zahlungsunfähig geworden. Mit dem Kauf der Immobilie versuchte die Stadt, die Baulichkeiten einer sinnvollen und der Stadt vorteilhaften Entwicklung zuzuführen. Die Verwertung gestaltete sich aber schwierig und zog sich bis 1935 hin.

Unter anderem versuchte die Stadt, die Kling’schen Hallen zu einem Schulgebäude für die städt. Haushaltungsschule (im Fuggerschloss und in Hauptstr. 8) umzubauen und ließ hierzu Entwurfsskizzen fertigen. Als jetzt das Gebäude Bahnhofstr. 11a auch zum Verkauf stand, hielt man dieses für besser geeignet und zeigte am 07.02.1936 gegenüber Herrn Schwandner Interesse am Kauf. Man wollte das Fabrikgebäude kaufen und das ehem. Herrschaftsgericht für denselben Betrag verkaufen. Da die Kaufverhandlungen nicht so schnell zum Abschluss kamen, pachtete man zunächst die Kurz’sche Fabrik für 2000 RM/Halbjahr auf unbestimmte Zeit mit Anrechnung der Pachtzahlung auf einen evtl. späteren Kaufpreis.

Am 11.09.1936 erwarb die Stadt das Kurz’sche Fabrikgebäude von Xaver Schwander (Sparkassenleiter) für 30.000 RM zur Unterbringung der Kreisbauernschaft (im EG) und baute sofort einen Lehrsaal für die 8. Mädchenklasse ein. Am gleichen Tag trat die Stadt dem Zweckverband [der landw. Haushaltungsschulen] bei und stellte das UG und DG der Kurz’schen Fabrik für die Schule zur Verfügung. Am 12.09.1936 wurde der notarielle Kaufvertrag geschlossen und der Bauantrag für den Umbau zu Schulzwecken gebilligt.

Mit Bescheid vom 04.11.1936 wurde die Verlegung der landw. Haushaltungsschule vom Fuggerschloss nach Bahnhofstr. 11a von der Regierung genehmigt.

Der Reichsbauernführer entschied hingegen am 09.11.1936, dass die Kreisbauernschaftsbezirke Neu-Ulm und Krumbach zusammengelegt werden sollen und der Sitz der Kreisbauernschaft nach Krumbach kommen soll. Der Stadtrat bedauerte diese Entscheidung und versuchte, Weißenhorn doch noch als Standort durchzusetzen.

Am 30.07.1937 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Die Kostenzusammenstellung für das Kurz’sche Objekt schloss mit 62.118,23 RM ab. Durch den Umbau wurde das ehemalige Dachgeschoss der Fabrik zu einem vollen Geschoss umgebaut und mit einem neuen Dach versehen. Die verzierten Giebel des Altbaus fielen dem Umbau zum Opfer.

In dem umgebauten Schulgebäude war nun die städt. Haushaltungsschule für Mädchen und die neu gegründete Realschule für Knaben untergebracht. Der Internatsbetrieb wurde in das Gebäude Schulstr. 4 verlagert.

Die Realschule wurde später in „Oberschule für Jungen“ umbenannt. Am 11. April 1938 fand für 38 Schüler die Aufnahmeprüfung in die 1. Klasse statt. Im Jahre 1942 hatte diese Schule 6 Klassen und neun Lehrkräfte. 1944 wurde eine 7. Klasse angegliedert. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Oberschule am 29.10.1945 wieder eröffnet und konnte am 03.06.1946 in den alten Räumen den Unterrichtsbetrieb voll aufnehmen. [3]Burkhart S. 187

Auf Grund von finanziellen Schwierigkeiten der Stadt wurde die Schule ab 01.09.1951 vom „Zweckverband Ober-Realschule Weißenhorn“, dessen Träger je zur Hälfte der Landkreis Neu-Ulm und die Stadt Weißenhorn waren, übernommen.

1952 wurden die Schulräume der landwirtsch. Haushaltungsschule durch die Stadt gekündigt und in einen Neubau in der Memminger Str. 59 verlegt.

Ab 01.10.1966 wurde die höhere Lehranstalt mit den hauptberuflichen Lehrkräften vom bayerischen Staat übernommen. Aus der Oberrealschule wurde schließlich ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium; der Staatsminister für Unterricht und Kultus verlieh der Lehranstalt am 14.03.1966 [ den Namen „Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium“. Im Januar 1966 zog das staatliche Gymnasium von der Bahnhofstraße in die neue Schulanlage am Buchenweg 22 um. [4]Burkhart S. 187

Das Christophorushaus – Gemeindezentrum der Stadtparrei

Die kath. Kirchengemeinde suchte schon seit längerem nach einem geeigneten Objekt für ein Gemeindezentrum. Als der Umzug der Oberrealschule in einen Neubau beschlossen wurde, trat die Kirchengemeinde in Kaufverhandlungen für das Objekt ein.

Schon 14 Tage nach dem Umzug der Schule wurde am 27.01.1966 der Kaufvertrag abgeschlossen. Noch im gleichen Jahr wurde der Bauantrag gestellt und mit dem Umbau begonnen. Hierbei erhielt das Gebäude wieder ein neues Dach, dieses Mal ein Walmdach. Der Baukörper wurde nach Süden etwas verlängert, der Treppenhauserker verschwand. Die Planung führte der örtliche Architekt Wolfgang Schmidl aus. Er gab dem Haus ein für das Jahr 1966 zeitgemäßes Aussehen mit einem flach gedeckten offenen Eingangsbereich.

Am 30. 11. 1969 wurde das neue Pfarrgemeindehaus vom Generalvikar der Diözese Augsburg, Prälat Martin Achter, kirchlich geweiht und erhielt den Namen „Pfarrgemeindehaus St. Christophorus“, als Anlehnung an den St. Christoph am Kirchturm.

Da die Stadt Weißenhorn noch immer keinen standesgemäßen Ratssaal hatte und der Stadtrat nach der Gebietsreform beträchtlich vergrößert wurde, fanden die Stadtratssitzungen bis ca. 2005 hier im Gemeindesaal statt. Danach benötigte die Pfarrgemeinde den Saal zunehmend selber, so dass die Sitzungen bis zum Umzug in die sanierten Schlösser im Jahr 2013 im Schulungsraum der Feuerwehr abgehalten werden mussten.

1997 wurde der Windfang abgebrochen und eine neue Eingangstreppe mit Behindertenrampe und Vordach errichtet. 2010-2011 wurde das Pfarrheim umgebaut und renoviert.

Quellen:

Quellen:
1, 2, 5, 6 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
3, 4 Burkhart S. 187

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