Aktuell,  öffentliche Gebäude und Einrichtungen

Nichtsakrale Bauten der Religionsgemeinschaften

Neben den reinen Sakralbauten in der Stadt gab es schon immer auch Gebäude, die dem Wohnen der Priester und der Verwaltung dienten. Im Folgenden sollen diese Gebäude dargestellt und beschrieben werden.

Der alte Pfarrhof Konrad-Huber-Str. 3

Der erste bekannte Pfarrhof befand sich in der Konrad-Huber-Str. 3. Er bestand aus dem Pfarrhaus, dem Kaplanhaus (jetzt An der Mauer 15) einem Stadel und einem Wurzgarten. Nach dem Abbruch der Stadtmauer in diesem Bereich Ende des 18. Jhdts. kam noch der sog. Pfarrstadel hinzu.

Das Jahr der ersten Bebauung lässt sich archivalisch nicht feststellen. 1477 ist in der Urkunde U109 ein Nicolaus Kuen als Eigentümer genannt, auch 1478 in U113. 1480 wird das Haus als Bruderschafts-Haus bezeichnet. [2]B 303-3a Es ist nicht klar, welcher Bruderschaft das Gebäude zuzurechnen ist. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass das Haus demnach schon immer in kirchlichem Besitz war. Es ist nicht nachzuvollziehen, ab wann tatsächlich die Nutzung als Pfarrhaus begann.

Nach dem Tod des Stadtpfarrers Bisle 1843 diskutierte man 5 Jahre lang über einen Pfarrhofneubau östlich der Kirche. Dieses Projekt wurde aber nicht verwirklicht (Kapitel 2). Stattdessen stellte man 1848 dem Stadtpfarrer zwei Stockwerke in der Stadtkanzlei Kirchplatz 7 zur Verfügung, bevor die Stadtkanzlei 1856 in das Kray-Gebäude Kirchplatz 2 verlagert wurde und die ganze alte Stadtkanzlei als Pfarrhaus zur Verfügung stand.

Die vollständige Historie des Gebäudes finden Sie hier.

Der geplante Pfarrhofneubau

Am 27.04.1843 verstarb Stadtpfarrer Nikolaus Knappich. Nun ging es darum, den alten Pfarrhof für einen Nachfolger aufzubereiten. Bei einem Ortstermin am 02.06.1843 mit der Bauinspection Dillingen und Maurermeister Kerner wurde das Gebäude eingehend untersucht und aller Reparatur- und Renovierungsbedarf detailliert aufgenommen. Insgesamt wurde der Baubedarf auf 1222 fl 16 x geschätzt. Wegen der hohen Renovierungskosten zog man den Bau eines neuen Pfarrhofs östlich der Kirche in Erwägung. Die Diskussion hierüber zog sich über 5 Jahre hin. (siehe hierzu gesonderten Artikel) Im Oktober 1848 wartete Stadtpfarrer Bisle nun schon seit 5 Jahren auf die Renovation des Pfarrhofs und litt unter den schlechten Wohnverhältnissen. Er schlug vor, ihm die oberen 2 Stockwerke der Stadtmagistratur (Kirchplatz 7) zu überlassen und die Wohnung des Amtsdieners für sein Pferd umzubauen. Der alte Pfarrhof könnte von der Stadtmagistratur genutzt werden. Der Magistrat fragte die Gemeindebevollmächtigten, die sofort zustimmten. Am 10.11.1848 beschloss der Magistrat, den Vorschlag Bisles anzunehmen. Bisle war sehr erfreut, stimmte dem Vertrag am 19.11.1848 zu und zog schon am nächsten Tag in die neue Wohnung.

Am 03.07.1862 beantragte die Stadt beim Bezirksamt Illertissen – welches die verwaltungstechnische Nachfolge des Landgerichts Roggenburg übernommen hatte – die Zustimmung zum Verkauf des alten Pfarrhofs. Vorher musste sich der Magistrat noch erklären, die Baupflicht auf den neuen Pfarrhof zu übertragen. Am 04.12.1862 wurde die Genehmigung erteilt und der Eigentumswechsel am 10.01.1863 im Grundbuch vollzogen. Sofort ging man an den Verkauf des Gebäudes und inserierte die Versteigerung am 31.01.1863 im Ulmer Landboten. Bei der Versteigerung mit vorheriger Bekanntgabe der Bedingungen erhielt nach 60 (!) Geboten, beginnend bei 2100 fl, der Schreiner Konrad Kunzmann mit 3520 fl den Zuschlag. [3] Mit der Genehmigung des Vorgangs durch das Bezirksamt Illertissen am 25.04.1863 endete die öffentliche Nutzung des alten Pfarrhofs.

Vollständige Beschreibung des Pfarrhofneubaus

Der Pfarrhof Kirchplatz 7

Am 20.11.1848 bezog der Stadtpfarrer zwei Stockwerke im Kanzleigebäude. Somit war praktisch dieses Gebäude auch das Pfarrhaus. Bis 1856 war der Stadtpfarrer im Stadtkanzleigebäude Kirchplatz 7 aber nur wohnhaft, es ist nicht bekannt ob als Mieter oder ohne Gegenleistung. 1856 entschied man sich nun endgültig, die Stadtverwaltung in das Kraygebäude Kirchplatz 2 (Altes Rathaus) zu verlegen, wo sie die nächsten 150 Jahre auch bleiben sollte. Am 10.10.1856 beschloss der Magistrat das Kanzlei-Gebäude definitiv, vorbehaltlich der Zustimmung der G.B., als Pfarrhof zu bestimmen, dagegen soll der alte Pfarrhof mit den 2 Stadeln der Comune als Eigenthum zufallen. Dieser Tausch dürfte um so bereitwilliger aczeptirt werden, wenn man berücksichtigt, daß das Kanzlei-Gebäude 7000 – 8000 fl Werth ist, während die alten Pfarrhof Localitäten höchstens 3000 fl Werth haben.

Bis 1923 blieb das Pfarrhaus am Kirchplatz 7. Am 04.04.1922 wurde der alte Pfarrhof an den Kaufmann Jos. Egner verkauft, der hier ein Bankhaus einrichtete.

Die vollständige Historie des Hauses Kirchplatz 7 finden Sie hier.

Das neue Pfarrhaus in der Fuggerstraße

Es ist nicht dokumentiert, aus welchem Grund man mit dem Pfarrhof am Kirchplatz unzufrieden war, auf jeden Fall suchte man um 1920 nach einem neuen Standort für das Pfarrhaus.

Am 31.03.1922 beschloss der Stadtrat, ein neues Pfarrhaus zu bauen, sofern das alte (Kirchplatz 7) für > 420.000 M verkauft werde und der Neubau nicht teurer als 600.000 M komme. Außerdem müsse der Grundstückstausch zwischen Pfründe und Schwäb. Warenvermittlung erfolgen. Der Kaufmann Jos. Egner bot 435.000 M für den alten Pfarrhof. Der Kaufpreis wurde in Raten bis zum 01.01.1923 vereinbart. [4]II 623.10

Am 07.04.1922 wurde im Stadtrat ein Vorentwurf des Weißenhorner Baumeisters Luitpold Gaiser beraten. Nach diesem war das Gebäude um einiges größer als der realisierte Plan und sollte auch weiter nach Osten situiert werden, in der Flucht des Nachbargebäudes Fuggerstr. 4.

Der Stadtrat beschloss, die Mehrkosten zwischen dem Verkauf des alten Pfarrhofs und dem Neubau auf die Stadtkasse zu übernehmen. Dies wurde als gutes Geschäft angesehen, nachdem der alte Pfarrhof rund 100.000 M an Reparaturkosten brauchen würde und ein Landesdarlehen für den Neubau von Doppelwohnhäusern in Höhe von 42.000 M auf den Pfarrhofneubau übertragen werden könne. Ebenso wurde ein Gemeindedarlehen in gleicher Höhe für den Pfarrhofneubau gewährt. [7]Der Bau der Doppelwohnhäuser war in der Richard-Wagner-Str. geplant. Weil Egner im alten Pfarrhof 2 große Wohnungen einbauen wollte, konnte auf den Bau von 1 Doppelhaus verzichtet werden.

Die Stadt war zwar für den Bau und den Unterhalt des Pfarrhofs zuständig, nicht jedoch für das Grundstück. Die Pfarrpfründestiftung musste daher schauen, Geld für das gewählte Grundstück zu bekommen. Dies geschah durch den Verkauf des Grundstücks Fl.Nr. 1806 (GZ33) an die Spitalstiftung. Von dieser kaufte die Stadt später das Grundstück und entwickelte es zum ersten Gewerbegebiet der Stadt.

Die Regierung von Schwaben teilte am 26.04.1922 aber mit, dass für die vorgelegte Planung ein Landesdarlehen nicht gewährt werden könne. Das Haus wirke durch seine Verhältnisse sehr schlecht. Es wurde empfohlen, sich von einem guten Architekten, der mit der heimischen Bauweise vertraut sei, einen Entwurf ausarbeiten zu lassen, der den Forderungen gerecht werde, die man an ein Bauwerk von 1/2 Million Bauaufwand stellen könne. Bessere Grundrisslösung, ruhigere Fassadengestaltung und Weglassen der durch nichts veranlassten Mansarddachform, können, abgesehen von einer Kostenminderung, ein Bauwerk schaffen, dass das Stadtbild verschönert. In einer Fußnote schlug das Bezirksamt den Arch. Franz Xaver Huf, München, vor, der in Anbetracht seiner bisherigen Tätigkeit im Bezirk bestens empfohlen werde [8]Franz Xaver Huf (1878-1973) war ein deutscher Architekt, der sein Büro in München hatte.. Arch. Huf aus München, ein bekannter Vertreter des Heimatstils, wurde offiziell von der Regierung protegiert. [9]Im Rahmen eines Neuentwurfs für den Brunnen am Hauptplatz empfahl das Bezirksamt als Genehmigungsbehörde wegen der Zeichnungen einen mit den Intentionen des Vereins für Volkskunst vertrauten … Continue reading. Huf plante auch den Bau des Claretinerkollegs und erhielt auch hier beim Pfarrhaus den Auftrag für die endgültige Planung. [10]Daneben erhielt Huf auch einige Aufträge für Wohnhäuser im Rahmen des städt. Wohnungsbauprogramms an der Richard-Wagner-Str. und der Hagenthalerstr.

Schon nach einem Monat, am 02.06.1922, war der Bauplan fertig und wurde vom Stadtrat genehmigt, die Baugenehmigung erfolgte 2 Wochen später am 16.06.1922. Die Beamtenortsgruppe prangerte in einem Leserbrief am 22.11.1922 in den Lokalblättern den Bau an, da der alte Pfarrhof in unüberlegter Weise zu einem zu geringen Preise verkauft worden sei. Die Stadt rechtfertigte sich in einem Artikel, welcher vom Stadtrat am 02.12.1922 gebilligt wurde.

Nach einem Jahr Bauzeit war der Pfarrhof fertig, wozu Stadtpfarrer Dekan Schmid am 22.06.1923 ein Dankesschreiben fertigte. Der Bau des Pfarrhofs fiel voll in die Inflation. Das Landesdarlehen musste wegen der immensen Kostensteigerungen mehrfach angepasst und erhöht werden. War man ursprünglich von 600.000 RM Baukosten ausgegangen, beliefen sich die Kosten letzten Endes auf 27.500.000,- RM. Für den Verkauf des alten Pfarrhofs bekam die Stadt dann im Jahr 1927 einen Ausgleich durch ein Aufwertungsgeld von 4.500 RM.

Die Kirchenverwaltung beantragte am 28.04.1936 den Anbau eines Sitzungszimmers. Die Baukosten wurden auf 3.152,30 RM veranschlagt. Der Anbau dieses Sitzungszimmers im Grenzbereich zum Gebäude Fuggerstr. 2b führte zu der noch heute etwas unklaren Eigentumssituation zwischen den beiden Gebäuden. Die Kirchenverwaltung beantragte die Übernahme der Baukosten durch die Stadt, da die Stadt die Baulast habe und den Stadel aus dem Aufwertungsgeld erworben habe. Der Anbau eines Sitzungszimmers sei notwendig, weil das Gesellenhaus (Kolpingstube im Stadttheater Wettbach 23) zugunsten der Hitlerjugend geräumt werden müsse. Falls die Kosten nicht übernommen würden, bitte die Kirche um einen Zuschuss von 2000 RM. Der Stadtrat versagte die Übernahme der Kosten bzw. einen Zuschuss mangels rechtlicher Verpflichtung und mangels Mittel. Es wurde aber eine kostenlose Materialentnahme aus der städt. Kiesgrube gewährt. Die Regierung bemängelte die verworrenen Besitz- und Grundstücksverhältnisse, da Flächen über- und unterbaut wurden, eine Klärung der Situation erfolgte aber bis heute nicht.

Die vollständige Historie des Gebäudes finden Sie hier.

Die Benefiziatenhäuser

Das Frühmessbenefiziatenhaus Wettbach 19

Die Erstbebauung des Grundstücks konnte archivalisch bislang nicht geklärt werden. 1475 ist an dieser Stelle in B 38-15 ‚Sant Lienhards Meß Hus‚ genannt. Es ist nicht zu klären, ob hiermit auch der Leprosenkaplan gemeint ist, der schon bei Nik. Thoman erwähnt ist.

Am 24.10.1493 entstand im Bereich des Hl.-Geist-Stadels ein Großbrand, dem neben dem Stadel 4 weitere Häuser zum Opfer fielen. Der Brand brach im Haus [Conrad] Waydman, Wettbach 17, aus. Im St.-Leonhards-Kaplan-Haus verbrannte der größte Teil des Dachtragwerks und die Seite gegen den Spitalstadel, die dann auch einstürzte. Es ist nicht beschrieben, was mit dem Haus anschließend geschah. Es ist im Zinsbuch B 301-12 von 1507 noch als ‚Sandt Lienhardts Capplan‚ beschrieben, stand also noch. Da das Kaplanhaus wohl baulich vom Pfründhaus getrennt war, könnte der restliche, nicht in Mitleidenschaft gezogene Gebäudeteil noch ein paar Jahre gestanden haben. In den Folgejahren wurde jedoch das ganze Haus abgebrochen.

1562 wurde ein neues Haus erbaut. Nach Wylicil wurde in einem (nicht näher bezeichneten Schreiben) vom 20.03.1750 in einer Randnotiz das Erbauungsjahr mit 1562 genannt, was an einem Dachbalken bezeichnet gewesen sein soll. Dieses Baujahr ist denkbar. Das Frühmesshaus befand sich früher am Kirchplatz, angelehnt an die Stadtmauer. 1576 wurde das Haus für den Neubau der Kray (jetzt Rathaus) abgebrochen. Unter Umständen war das Haus am Kirchplatz schon so schlecht, dass bereits 1562 ein Neubau erfolgte.

Nach Wylicil stellte der Magistrat am 20.03.1750 fest, dass das Frühmesshaus ziemlich ruinös und nicht mehr bewohnbar sei. Man vertrat die Meinung, die Baulast habe der Graf Fugger, welcher aufzufordern sei, seiner Verpflichtung nachzukommen. Es ergibt sich von 1755-1768 eine mehrjährige Auseinandersetzung mit der Herrschaft über die Baulast. [11]A 57-7.1+2 In einem Schreiben des Dechants an den Grafen vom 04.12.1760 wurde die Einsturzgefahr des Hauses dargestellt. Am 26.03.1768 geschah die de facto Anerkennung der Baulast durch den Grafen Fugger. Am 22.07.1768 erging die Anweisung des Oberamts Günzburg an die Stadt, mit dem Bau unverzüglich zu beginnen. Im Archiv ist ein undatierter Kostenvoranschlag enthalten [12]B 122-673, der die Baukosten des Gebäudes auf 1740 fl 10 x schätzt. Der Voranschlag ist von Joseph Dossenberger, Baumeister, unterschrieben.

1907 wurde die Beamlung durch Kirchenmaler Albert Heinle restauriert, 1965 aber wurde die Originalbemalung mit dem Verputz abgeschlagen. Bei einer erneuten Sanierung 1981 wurde die Bemalung wiederhergestellt, allerdings nur auf der Straßenseite.

Vollständige Baugeschichte des Benefiziatenhauses Wettbach 19

Das Priesterbruderschaftshaus Wettbach 9

Die Eigentümer dieses Hauses können erst ab 1492 sicher zugeordnet werden, das Grundstück dürfte aber schon früher bebaut worden sein. Als Bewohner sind Martin Marquard und Georg Widemann bis 1515 genannt; danach liegen für die Jahre 1518-1534 keine Aufzeichnungen vor. Während dieser Jahre dürfte das Haus von der Priesterbruderschaft übernommen oder neu erbaut worden sein, denn 1534 ist es im Steuerbuch B 305-3 beim Haus Wettbach 7 als Nachbarhaus, der ‚Bruderschaft‚ gehörig, genannt. Im Jahr 1614 wird es in B 87-104 ‚Bruderschaft Kaplaneihaus‚ genannt.

Die folgenden Jahre wird das Haus nicht erwähnt. Nach Struktur und Konstruktion wird ein Neubau oder eine grundlegende Renovierung des Gebäudes Ende des 17. Jhdt. vermutet. Im Jahr 1786 wird es im Einwohnerverzeichnis als Eigentum der Stadt geführt, genutzt als Kapitelhaus. Im Akt A 58-8 wird für das Jahr 1804 eine Renovierung vermerkt, wobei das Mauerwerk 3 Schichten hoch ausgetauscht und eine neue Treppe eingebaut wurde. Von nun an bis 1858 sind die Namen der 5 Benefiziaten genannt, die das Haus bewohnten. Ab 1875 wird es nur noch als Priesterbruderschaft Kapitelhaus genannt.

1893 werden Kamin und Abort erneuert, 1910 wird das elektrische Licht eingerichtet. 1931 wird das Haus renoviert, dabei werden neue Fenster eingebaut. Noch einmal erfolgte 1956 eine Renovierung mit Fassadenänderung.

Im Jahr 1991 wurde die Nutzung als Benefiziatenhaus aufgegeben, weil durch den einsetzenden Priestermangel kein Bedarf mehr nach einem solchen Gebäude bestand. Das Haus wurde an privat verkauft und vom neuen Eigentümer umgebaut und saniert.

Das Mesnerhaus

Das Mesnerhaus befand sich östlich der Stadtpfarrkirche neben der Stadtmauer und dem Pfaffenturm. Es wurde vermutlich ab 1499 als Mesnerhaus genutzt, nachweislich ab 1777. 1864 wurde das Haus im Zuge des Kirchenneubaus abgebrochen.

1381 wurde durch hiesige Bürger eine Mittelmeß gestiftet; Confirmierung durch Bischof Burkhart 1381. Das Kloster Kaisheim hatte das Präsentationsrecht. Der Mittelmeßherr hatte in der Pfarrkirche seinen eigenen Altar. Er hatte seine Wohnung bei der Kirche an der Stadtmauer neben der Schule. Daher verortet Holl in seiner Stadtgeschichte diese Mittelmeß hier. Archivalische Beweise liegen nicht vor. Überhaupt kann die Nutzung vor 1475 nicht archivalisch belegt werden. Von 1475-1498 sind Eigentümer hier genannt, die letzte Eigentümerin Anna Mellin wechselte 1498 auf das Haus Hauptstr. 20. Daher kann vermutet werden, dass das Haus ab dann öffentlichen Zwecken diente, nicht mehr steuerpflichtig war und daher in den Steuerlisten nicht auftaucht.

1777 wird eine Aufstellung der städt. Immobilien gefertigt [16]A 218. Hier wird jetzut das Mesnerhaus erwähnt. J daß Mesner Haus ist nicht gar gut gebaut, etwas Armeres als das vorgesetzte Schuhlhaus und im Wert von 400 fl eine Wohnung des von der Stadt und Kirche besoldeten Mesners. Ab 1794 wird Anton Baader hier als Mesner genannt. Er verrichtet über 50 Jahre lang diesen Dienst, evtl. aber auch ein gleichnamiger Sohn. Erst 1858 wird mit Lorenz Hauf ein anderer Mesner genannt.

1850 wurde der Westgiebel des Gebäudes nach dem Abbruch des Bäcker-Riedschen-Hauses neu verputzt. 1864 wurde letztlich das Haus im Zuge des Pfarrkirchenneubaus abgebrochen.

Um 1880 erwarb die Kirchenstiftung das Haus Kaiser-Karl-Str. 7, um es als Wohnhaus für den Mesner zu nutzen. Dort blieb der Mesner bis ca. 1922, danach zog er privat in das Haus Wettbach 5. Die Kirchenstiftung blieb aber Eigentümerin des Gebäudes bis zur Zeit des II. Weltkriegs. Dann wurde das Haus an privat verkauft.

Das Christophorus-Haus Bahnhofstr. 11a

Die kath. Kirchengemeinde suchte in den 1960er-Jahren schon seit längerem nach einem geeigneten Objekt für ein Gemeindezentrum. Als der Umzug der Oberrealschule aus dem Gebäude Bahnhofstr. 11 in einen Neubau beschlossen wurde, trat die Kirchengemeinde in Kaufverhandlungen für das Objekt ein.

Schon 14 Tage nach dem Umzug der Schule wurde am 27.01.1966 der Kaufvertrag abgeschlossen. Noch im gleichen Jahr wurde der Bauantrag gestellt und mit dem Umbau begonnen. Hierbei erhielt das Gebäude wieder ein neues Dach, dieses Mal ein Walmdach. Der Baukörper wurde nach Süden etwas verlängert, der Treppenhauserker verschwand. Die Planung führte der örtliche Architekt Wolfgang Schmidl aus. Er gab dem Haus ein für das Jahr 1966 zeitgemäßes Aussehen mit einem flach gedeckten offenen Eingangsbereich.

Am 30. 11. 1969 wurde das neue Pfarrgemeindehaus vom Generalvikar der Diözese Augsburg, Prälat Martin Achter, kirchlich geweiht und erhielt den Namen „Pfarrgemeindehaus St. Christophorus“, als Anlehnung an den St. Christoph am Kirchturm.

Da die Stadt Weißenhorn noch immer keinen standesgemäßen Ratssaal hatte und der Stadtrat nach der Gebietsreform beträchtlich vergrößert wurde, fanden die Stadtratssitzungen bis ca. 2005 hier im Gemeindesaal statt. Danach benötigte die Pfarrgemeinde den Saal zunehmend selber, so dass die Sitzungen bis zum Umzug in die sanierten Schlösser im Jahr 2013 im Schulungsraum der Feuerwehr abgehalten werden mussten.

1997 wurde der Windfang abgebrochen und eine neue Eingangstreppe mit Behindertenrampe und Vordach errichtet. 2010-2011 wurde das Pfarrheim umgebaut und renoviert.

Die vollständige Historie des Gebäudes Bahnhofstr. 11a finden Sie hier.

Das evangelische Pfarrhaus und Gemeindezentrum

Gegen Ende des 19. Jahrhundert kamen infolge der größeren Durchmischung der Bevölkerung auch immer mehr Menschen evangelischen Glaubens in den Landkreis. Diese Gläubigen wurden zunächst von Holzschwang aus seelsorgerisch betreut und verwaltet. Um die Jahrhundertwende wurde auch in Weißenhorn eine evangelische Kirche benötigt. Diese fand in die Kaiser-Karl-Str. 16 ihren Standort und wurde am 20.07.1900 eingeweiht. Ab 1903 wurden die Weißenhorner Protestanten vom Vikariat Senden-Ay aus verwaltet welches 1915 zur eigenen Pfarrei erhoben wurde.

1928 kaufte die Kirchengemeinde das 1854 errichtete Gebäude Kaiser-Karl-Str. 8 mit Garten und installierte dort ein Pfarrhaus.

1937 wurde in den rückwärtigen Grundstücksteil ein Unterrichts- und Sitzungsraum als Gemeindehaus gebaut. 1953 wurde sogar eine Klasse der städt. Mädchenmittelschule hierher ausgelagert.

Zum 01.07.1949 wurde in Weißenhorn ein Vikariat eingerichtet, welches 1953 sogar zum Pfarramt erhoben wurde. Ebenfalls im Jahr 1949 wurde das Pfarrhaus renoviert. 1958 wurde das Pfarrhaus umgebaut und um einen Neubau nach Süden erweitert.

1978 erwirbt die ev. Kirchengemeinde an der Ecke Reichenbacher Str. / Schubertstraße ein Grundstück zum Neubau eines Gemeindezentrums. Am 23.05.1980 erfolgt der Spatenstich durch Pfarrer Bodo Mehring. Am 28.05.1981 fand die Einweihung des neuen ‚Augustana-Zentrums‘ statt.

Auch das Pfarrbüro wurde in das neue Gemeindezentrum verlegt. Zur Finanzierung des Baus des Gemeindezentrums wurde das alte Pfarrhaus in der Kaiser-Karl-Str. 8 mit Gemeindesaal verkauft. Der Grafiker Jürgen Gaiser kaufte das Haus und nutzte den ehem. Pfarrsaal als Galerie.

Die vollständige Historie des Gebäudes finden Sie hier.

Das islamische Gemeindezentrum

Mit dem steigenden Zuzug islamischer Mitbürger entstand Ende der 1990er-Jahre auch der Bedarf nach einem entsrechenden Gebetsraum mit Begegnungsstätte. Zuerst beabsichtigte der Türkische Kulturverein den Bau eines Gemeindehauses im Industriegebiet. Bürgermeister Berchtenbreiter und Stadtbaumeister Günther vertraten aber die Ansicht, dass eine Gebetsstätte nicht ein Industriegebiet gehöre.

Im Jahr 1997 gelang es der Türkisch-Islamischen-Union, ein 1956 erbautes Zweifamilienhaus in der Kaiser-Karl-Str. 59 zu erwerben und die zu einem Gemeindezentrum mit Gebetsraum umzubauen. Die ehemalige Doppelgarage wurde zu einem Laden für kulturtypische Lebensmittel umgebaut.

Nicht mehr bestehende Bauten

Das Predigerhaus Heilig-Geist-Str. 3

Im Zinsbuch B 38-10 von 1475 ist ‚des Predigers Hus‘ vermerkt, was an dieser Stelle gestanden haben könnte. Am 24.10.1493 entstand im Bereich des Hl.-Geist-Stadelsein Großbrand, dem neben dem Stadel vier weitere Häuser zum Opfer fielen. Der Brand brach im Haus [Conrad] Waydman, Wettbach 17, aus. Das Prediger Haus dürfte bei dem Großbrand komplett abgebrannt sein. Es wird später nicht mehr erwähnt. Nach dem Brand wurde der gesamte Bereich um das Hl.-Geist-Spital neu geordnet. An Stelle der abgebrannten Häuser wurde der neue Spitalstadel erbaut, dessen genaues Baujahr ist nicht überliefert.

Das Leprosenbenefiziatenhaus

An der Stelle des heutigen Krankenhauses befand sich eine Gebäudegruppe, bestehend aus der Kirche St. Leonhard, dem Leprosenhaus (Hs.Nr. 107) und dem Benefiziatenhaus (Hs.Nr. 106). Das Benefiziatenhaus wurde für den Neubau des Krankenhauses um 1835 abgebrochen, das Leprosenhaus wurde 1837 auf Abbruch verkauft, bestand aber noch bis ca. 1875. Die St.-Leonhard-Kirche wurde beim Neubau des Krankenhauses in dieses integriert.

Das Baujahr des alten Benfiziatenhauses ist nicht bekannt. Nach einem Gemälde Konrad Hubers von 1812 muss es sich um ein zweigeschossiges Satteldachgebäude gehandelt haben. Die St.-Leonhard-Kirche wird 1426 bei Nikolaus Thoman schon als bestehend genannt, allerdings ohne ein Wohnhaus daneben. Zu der uralten (?) nördlich der Stadt gelegenen Leonhardskirche stifteten Peter Harder und Jakob Decker und andere eine Kaplanei, welche Bischof Peter genehmigte und das Präsentationsrecht dem Stift Kaisheim einräumte. Der Leonhardsherr hatte auch den Dienst an der Stadtpfarrkirche mit zu versehen. Seine Wohnung hatte er in der Stadt, in der Nähe des alten Spitalgebäudes.[22]Hier könnte es sich um das Predigerhaus Heilig-Geist-Str. 3 oder das Benefiziatenhaus Wettbach 19 handeln.

1464 wurde das Leprosenhaus (Hs.Nr. 107) erbaut. Es ist nicht erkennbar, ob gleichzeitig auch das Benefiziatenhaus gebaut wurde. Aus Mitteln der Stadt wurde neben der Leonhardskirche ein eigenes Haus gebaut, um die mit Lepra (Aussatz) Behafteten da unterzubringen. Man hat diesen bedauernswerten Kranken aus der Stadtkasse wöchentlich Almosen gereicht; dann hat man bis 1684 wöchentlich von Haus zu Haus gesammelt. Einen Teil dieser Sammelgelder hat man auch ausgeteilt, einen Teil hat man verzinslich angelegt. So ist die Sondersiechen- oder Leprosenstiftung entstanden.

Am Ende der Steuerlisten im Steuerbuch B 83 (1496-1517) sind diejenigen Steuerpflichtigen verzeichnet, die im Bereich des Leprosenhauses wohnhaft waren. Es ist jedoch nicht verzeichnet, wer im Benefiziatenhaus (GZ41) und wer im Leprosenhaus (GZ43) wohnte. bzw. ob das Benefiziatenhaus zu dieser Zeit überhaupt schon bestanden hat. Auch ist nicht erkennbar, wer hier als Kranker lebte und wer zum Personal gehörte. Im Steuerbuch B 84 ab 1548 sind dem Leprosenhaus keine Steuerpflichtigen mehr zuzuschreiben.

Erst im Einwohnerverzeichnis 1819 ist das Benefiziatenhaus als eigenes Gebäude genannt: Leprosenstiftung Benefiziatenhaus; Kellerer, Leprosenbenefiziat
und Joseph Kroner, Leprosenmesner.

1820 wollte man das offenbar alte und ruinöse Haus neu erbauen. Hierzu fertigte Maurermeister Franz Joseph Betz einen Bauplan, der aber nicht ausgeführt wurde.[23]A 58-11 Im Akt ist aber kein Schriftverkehr, warum der Plan nicht verwirklicht wurde. Vielleicht dachte man schon zu dieser Zeit an den Neubau eines Krankenhauses an diesem Platz, welches dann ab 1833 verwirklicht wurde.

Benefiziat Kellerer beantragte 1822, seine Wohnung im Benefiziatenhaus aufzugeben und ihm eine Wohnung in der Stadt zuzuweisen. Nach längerer Diskussion bekam er im Waaghaus (An der Mauer 2) eine Wohnung eingebaut. Nach Fertigstellung des neuen Krankenhauses erhielt der Benefiziat dort wieder eine Wohnung. Das Leprosenbenefiziatenhaus, worin zur ebenen Erde der Mesner wohnte, wurde im April 1834 auf Abbruch verkauft. Bei der Neuregelung der Benefiziaturen wurde dieses Benefizium mit der Frühmesse vereinigt und das Spital ganz entlastet. Der Nagelschmied Peter Lochbronner ersteigerte das Benefiziatenhaus auf Abbruch und baute mit diesem Material auf dem bisher von ihm genutzten Gemeindegrund an der Langen Gasse (Bleichstr. 3) ein Wohnhaus.

(Zur Geschichte des Spitals und des Krankenhauses ist zurzeit ein separater Artikel in Vorbereitung)

Das alte Frühmessbenefizatenhaus am Kirchplatz

Das alte Frühmessbenefiziatenhaus am Kirchplatz wird in der Urkunde U 19 beim Verkauf eines Hauses am Kirchplatz bereits 1416 erwähnt. 1475 erscheint es in B 38-20 als ‚Das Mössinhus an der Schul gelegen‚, war also neben der alten Lateinschule Kirchplatz x1. Die Größe und Lage des Gebäudes lässt sich nicht eindeutig bestimmen, muss aber im Bereich des heutigen Rathauses gelegen haben, denn 1576 wird es für den Neubau der Kray (Kirchplatz 2) abgebrochen. 1485 wird das Frühmesshaus in einer Kaufurkunde (U 127) auch als Nachbar erwähnt. In der Akte B 8-9 wird 1516 ein Maister Blasius Adam Caplan zu Weissenhorn, im Mittelmeßhaus am Kirchhoff genannt. Nach A 57-7.1 wurde das Frühmessbenefizium durch Jakob Fugger [neu?] verliehen. Das Grundstück des Frühmesshauses gehörte den Fuggern, 1562 wurde es im Tauschwege der Stadt überlassen. [27]U 127 Dies geschah wohl, weil die Stadt hier die sog. Kray erbauen wollte. Noch 1562 erbaute man für den Benefiziaten im Wettbach 19 ein neues Haus. 1576 wurde das Frühmessbenefiziatenhaus für den Neubau der Kray abgebrochen.

Unser-Lieben-Frauen Pfrünhaus, Mariengasse 3

Das Haus Mariengasse 3 zählte auch zu den ältesten Häusern der Stadt. Eigentümer vor 1475 sind archivalisch nicht feststellbar. 1475 ist Michel Döcker als Eigentümer eingetragen, 1492 Barbara Dekrin (Schreibweise!), ab 1496 Michael Decker und Peter Hanser. Dieser, später Hausser geschrieben, blieb bis 1507.

1507 ging das Gebäude in kirchlichen Besitz über, das Haus wird ‚Unser Frauen Kaplan‘ genannt. Diese Bezeichnung führte bis dato das Haus Reichenbacher Str. 11, im Nachbarbeschrieb von RB13 ‚Unser lieben Frauen Haus‚ genannt. In den folgenden Jahren findet sich kein Hinweis mehr auf diese Nutzung. Es wird daher angenommen, dass zuerst nur der Kaplan das Haus hier bezog und später auch das Haus als Pfründhaus, d.h. als Armenhaus und Altenheim, hierher verlegt wurde, denn 1548 wird es in B 304-2 ‚unser frauen pfrundt hauß‚ und ‚Unser Caplan‚ genannt.

Ab 1614 wird das Haus in den Steuerlisten neuerer Form bei den Nachbarbeschrieben als „ULF(Unser-lieben-Frau) Pfründhaus“ erwähnt. [28]Mit Unser-Lieben-Frau ist gemeinhin die Gottesmutter Maria gemeint Die Erwähnung wird 1636 wiederholt. Die Straßenbezeichnung „Mariengasse“ könnte auf diese Nutzung zurückzuführen sein.

1610 wird mit Anton Roth erstmals eine Privatperson erwähnt, wahrscheinlich Kauf des nördlichen Hausteils an der Hasengasse. Für den bisher in diesem Haus wohnhaften Kaplan dürfte zu dieser Zeit das Kaplanhaus An der Mauer 15 erbaut worden sein. 1614 wird das Haus als Eigentum des Metzgers Anton Roth bezeichnet, Behausung sambt ain Stadel darhinder, Wert 800 fl. Der Stadel befand sich auf der nördlichen Straßenseite der Hasengasse, zwischen HA01 und HA 03.

Um 1636 wurde das Haus Sebastian-Seiler-Str. 2 von der Spitalstiftung gekauft oder ihr vermacht. Möglicherweise wurde dieses Haus dann als Armenhaus genutzt, denn das Haus hier wurde als Armenhaus aufgegeben und fortan privat genutzt.

Vollständige Baugeschichte des Hauses Mariengasse 3

Quellen:

Quellen:
1, 5, 6, 24, 25, 26 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
2 B 303-3a
3, 13, 14, 15, 17, 18, 19, 20, 21 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
4 II 623.10
7 Der Bau der Doppelwohnhäuser war in der Richard-Wagner-Str. geplant. Weil Egner im alten Pfarrhof 2 große Wohnungen einbauen wollte, konnte auf den Bau von 1 Doppelhaus verzichtet werden.
8 Franz Xaver Huf (1878-1973) war ein deutscher Architekt, der sein Büro in München hatte.
9 Im Rahmen eines Neuentwurfs für den Brunnen am Hauptplatz empfahl das Bezirksamt als Genehmigungsbehörde wegen der Zeichnungen einen mit den Intentionen des Vereins für Volkskunst vertrauten Künstler, z.B. Arch. Huf, München, zu beauftragen.
10 Daneben erhielt Huf auch einige Aufträge für Wohnhäuser im Rahmen des städt. Wohnungsbauprogramms an der Richard-Wagner-Str. und der Hagenthalerstr.
11 A 57-7.1+2
12 B 122-673
16 A 218
22 Hier könnte es sich um das Predigerhaus Heilig-Geist-Str. 3 oder das Benefiziatenhaus Wettbach 19 handeln.
23 A 58-11
27 U 127
28 Mit Unser-Lieben-Frau ist gemeinhin die Gottesmutter Maria gemeint

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