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Memminger Str. 61 – Stadion und Sportgaststätte

Wo von 1870 bis 1960 Kies abgebaut wurde, entstand eine Kiesgrube, in die 1960 das Rothtal-Stadion eingebaut wurde. 1971 kam eine Sportgaststätte hinzu, die mittlerweile als Pizzeria geführt wird.

Die Böden auf der geologischen Terrasse der Roth sind sehr kieshaltig und wurden schon immer ausgebeutet. (Dem Kiesabbau im Bereich Weißenhorn ist ein besonderer Beitrag vorbehalten) So war die alte gemeindliche Kiesgrube im Bereich des alten Sportplatzes Memminger Str. 46 gelegen. Diese Grube war aber mit den damaligen technischen Möglichkeiten um 1870 ausgebeutet, weswegen sich die Stadt bereits ab 1863 um neue Grundstücke für eine neue Kiesgrube bemühte.

Am 11.08.1871 beschloss der Magistrat, zur Vergrößerung der neuen Kiesgrube Pl.Nr. 2387 & 2388 mit dem Adlerwirt Bühlmaier zum Ankauf dessen Grundstück 2386/2 zu 1,58 Tgw. (5383 m²) in Kaufverhandlungen zu treten. Bihlmaier war zum Verkauf für 1000 fl bereit. Am 15.04.1872 wurde ein notarieller Kaufvertrag mit Theresia Deutschenbauer, Babenhausen; Josef Bammert, Nagelschmied, Babenhausen; und Josef Deutschenbauer, minderjähriger Erbe der Adlerwirtschaft; für 1000 fl geschlossen. Die öffentliche meistbietende Verpachtung des Ackers für 10 Jahre, gegenwärtig brach liegend, fand am 30.04.1872 statt. Pachtbedingung war das Recht der Gemeinde zur Kiesausbeute von Teilflächen innerhalb der nächsten 10 Jahre ohne Entschädigungsanspruch. Für die Flächengröße wurde keine Gewähr übernommen [die Größe betrug lediglich 4800 m²!].

1888 wollte die Stadtcommune Weißenhorn das dem Bärenwirt Max Mayer gehörende, nach Norden an die Kiesgrube angrenzende Grundstück Fl.Nr. 2386 zu 1,58 Tgw. zur Erweiterung der Kiesgrube erwerben und ersuchte daher in der laufenden Flurbereinigung, geeignete Grundstücke im Bereich zwischen Reichenbacher Str. und Roggenburger Str. zusammenzufassen, um diese dem Bärenwirt als Tauschobjekt anzubieten. Der Tausch mit dem Bärenwirt gelang 1889, dieser wollte aber das Grundstück, solange es nicht zur Kiesausbeute genutzt werde, weiterhin als Pachtgrundstück behalten. Die Pacht wurde ihm am 13.04.1889 auf die Dauer von 6 Jahren gewährt.

Nachdem die Stadt nun im Besitz der erforderlichen Grundstücke war, begann man mit der Ausbeutung. 1904 wurde für die städt. Kiesgrube eine ‚Rollbahn‘ [Feldbahn] angeschafft. 1906 kaufte man eine Kies- und Sandsortiermaschine für die städt. Kiesgrube der Fa. Karl Peschke für 500 M [1]Carl Peschke war einer der bedeutendsten Baumaschinenhersteller (Fa. Pekazett in Zweibrücken) der damaligen Zeit und besteht bis heute. 1919 wurde eine Rollbahnverlängerung für die Kiesgrube gekauft. Die Grube wurde kontinuierlich ausgebeutet.

Um 1959 war die Grube soweit erschöpft. Da der alte Fußballplatz bei der Memminger Str. 46 nicht mehr den Ansprüchen der Zeit genügte und der Breitensport weiter auf dem Vormarsch war, beschloss der Stadtrat, die Kiesgrube zu einem Stadion als Sportanlage auszubauen. Am 11.09.1960 wurde das neue Stadion im Rahmen der 800-Jahr-Feier an der Memminger Straße der sportbegeisterten Jugend feierlich übergeben. Am 07. Mai 1961 kam dann noch die Aschenbahn hinzu.

Im Jahr 1971 wurde durch den Fußballverein Weißenhorn ein Vereinsheim errichtet, welches auch eine öffentlich zugängliche Gaststätte erhielt. 1987 wurde die Gaststätte durch einen Kegelbahnanbau erweitert.

Der Fußballverein hat auch eine Tennisabteilung, für die 1982 im Anschluss an das Stadion eine Tennisanlage mit 3 Plätzen errichtet wurde. 2009 wurde die Anlage um einen weiteren Platz erweitert.

2009 war die Sportanlage in die Jahre gekommen und musste saniert werden. Zudem bestand Bedarf nach weiteren Trainingsmöglichkeiten. Man stellte fest, dass die 400 m-Laufbahn kaum genutzt werde und als Aschenbahn in Korbbogenform nicht mehr den zeitgemäßen Bedingungen entsprach. Die Laufbahn wurde aufgegeben und das Stadion saniert. Hierbei wurde der Fußballplatz so verschoben, dass sich noch Platz für ein Trainingsfeld ergab. Zusätzlich wurden noch die Zuschauerränge saniert.

Als 2011 die Pizzeria auf der Kanne Hollstr. 9 wegen Auflagen des WKD geschlossen werden musste, wechselten deren Pächter auf die Stadiongaststätte und führen diese seitdem unter dem Namen ‚Santa Lucia‘ an dieser Stelle.

Quellen:

Quellen:
1 Carl Peschke war einer der bedeutendsten Baumaschinenhersteller (Fa. Pekazett in Zweibrücken) der damaligen Zeit und besteht bis heute.
2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

One Comment

  • Helmut Schuler

    Hallo Herr Günther,

    darf ich Sie auf ein kleines Versehen im Artikel „Memminger Str. 61 – Stadion und Sportgaststätte“ aufmerksam machen? Bei der Einweihung des neuen Stadions 1960 handelte es sich um die 800-Jahr-Feier (nicht 850).

    Schöne Grüße
    Helmut Schuler

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